Mobilität Immer unterwegs
Die Nomaden der Sahara überleben, weil sie Jahr für Jahr mit ihren Tieren umherziehen. So hat die Wüste den Tuareg längst das Verhalten beigebracht, das der globale Kapitalismus heute von den Sesshaften verlangt

© Alexandra Kardinar und Volker Schlecht, www.drushbapankow.de
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Sie bleiben so lange, wie es sich für sie lohnt, dann ziehen sie weiter, ohne sich umzudrehen. Sie wissen, dass sie so schnell nicht wiederkommen, das ist ihnen egal. Sie sind nicht sentimental. Deshalb verstehen sie auch nicht, warum andere Menschen an ihren Häuschen hängen und warum diese Menschen in ihren Häuschen Besitz anhäufen. »Unser einziger Reichtum sind die Herden«, hat Abdellah gesagt, als wir in der Frühe den gemieteten Jeep mit Schlafsäcken, Isomatten und Unmengen von Wasser beluden. »Um sie zu ernähren und zu vermehren und am Ende unseren Kindern zu vererben, ist uns kein Weg zu weit.«
Der schmale Mann mit den dunklen Locken und der hellblauen Gandoura hat als Einziger seiner Sippe eine Nomadenschule besucht und soll in den nächsten Tagen Führer und Übersetzer sein. Doch seitdem Zagora, die marokkanische Oasenstadt, in der er eine wunderschöne Pension betreibt, hinter uns liegt, blickt er bloß schweigend aus dem Autofenster. Viel gibt es da nicht zu sehen: Steine, Kies oder Sand in Braun, Gelb oder Grau, eine Tamariske, ab und zu ein verkrüppelter Akazienbaum, darüber stundenlang derselbe milchblaue Himmel. Man muss hier aufgewachsen sein, um in dieser Welt ohne Horizont die Orientierung zu behalten.
Abdellah bereitet es keine Schwierigkeiten, eine staubige Piste als Straße gen Osten zu erkennen und in drei gestapelten Steinen eine Wegmarke. Er begreift auf Anhieb, warum das von schroffen Bergen umstandene Geröllfeld am Rand des Antiatlas, auf dem sich ein Teil seiner Sippe vor ein paar Tagen niedergelassen hat, ein guter Lagerplatz sein soll. »Ist ganz einfach. Man läuft eine gute Stunde zur nächsten Weide und eine Stunde zum Brunnen«, sagt er, als wir am späten Nachmittag dort ankommen.
Da taucht die Sonne die verdorrte Landschaft schon in ein rostiges Rot. Die drei Zelte aus schwarzem Kamelhaar werfen lange Schatten. Vor einem der Zelte hockt eine Schwangere und zerstößt mit stoischer Ruhe Hirse, vor einem anderen sitzen alte Männer um ein kleines Feuer herum, die Gesichter so zerfurcht wie die Hände, die Augen matt vom vielen Licht. Wie alle Männer vom Tuaregstamm der Nouaji tragen sie einen indigoblauen Gesichtsschleier, nur der Stammesälteste hat sich einen weißen Chech umgebunden. Weiß, sagt Abdellah, sei die Farbe des Respekts.
Der Stammesälteste ist sein Onkel Mohamed. Er begrüßt den Neffen mit einer Umarmung, erkundigt sich pflichtschuldig nach dem Ergehen von Eltern, Geschwistern und anderen Verwandten. Dabei blickt er so mürrisch auf den staubigen Boden, als ahne er, dass er in den nächsten Tagen Fragen beantworten soll, die er sich selbst nie stellen würde.
Die Tuareg, deren Karawanen noch durch die Wüste schaukelten, als längst Überschalljets den Himmel kreuzten, sind in Europa ein Mythos. Saharareisende schwärmen seit je von den edlen Wilden mit den indigoblauen Turbanen, von ihrer verwegenen Schönheit, ihrem Stolz und ihrer Selbstdisziplin. Doch erst jüngst wurden sie zu Symbolfiguren – nicht nur in fadenscheinigen Ratgeberbüchern für Karrierekosmopoliten und Jobnomaden. Auch die Soziologie bemüht die Figur des unstet umherziehenden Wüstenbewohners, um die Anforderungen, die der globale Kapitalismus an die Mobilität der Menschen stellt, anschaulich auf den Punkt zu bringen.
Morgens in Frankfurt, mittags in Paris, abends auf dem Familienfest in Madrid
Dank Auto, Eisenbahn und Flugzeug können und müssen wir Orte, die für unsere Großeltern noch in unerreichbarer Ferne lagen, in Stunden erreichen. Es ist möglich geworden, in Berlin zu leben, in Kopenhagen ein Büro zu unterhalten und in London sein Feierabendbier zu trinken. Wer gut organisiert ist, schafft es sogar, seine Kinder morgens in Frankfurt/Main zur Tagesmutter zu bringen, mittags beim Geschäftsessen in Paris zu sein und abends das Familienfest in Madrid zu besuchen. Weil der mobile Lebenswandel Geld kostet, geht der polnisch-britische Soziologe Zygmunt Bauman davon aus, dass in Zukunft eine immobile Masse von einer mobilen Elite beherrscht wird.
Doch auch die vermeintlichen Verlierer sind längst in Bewegung geraten. Bosnische Krankenschwestern, polnische Klempner, ukrainische Putzfrauen und moldawische Bauarbeiter marschieren seit Ende des Kalten Krieges zu Tausenden das europäische Wohlstandsgefälle hinauf. Weltweit sollen 100 Millionen Menschen auf Wanderschaft sein, 35 Millionen laut UN als Flüchtlinge. Aber es sind nicht die ganz Armen und Hoffnungslosen – wer seine Heimat verlässt, um nach Besserem zu streben, gehört auf seine Art zur Avantgarde. Auch der Illegale, der alles daran setzt, um im Maschinenraum eines Containerschiffs von Lagos nach Lissabon zu gelangen, nutzt die Möglichkeiten des mobilen Zeitalters.
Nur was bedeutet es für den Einzelnen, dass ein Flugzeug von Frankfurt/Main nach New York heute nicht länger braucht als vor 200 Jahren eine Postkutsche von Hannover nach Berlin? Wie fühlt es sich an, ein vollkommen mobiler Mensch zu sein? Wie organisiert man Alltag ohne festen Wohnsitz, ein Familienleben ohne Heimat?
Der alte Mohamed zieht sich den Chech bis über die Nase, der Höflichkeitscode der Wüste verbietet es einem Mann, einer Frau seinen Mund zu zeigen. Er zerschlägt einen Zuckerhut und gibt die Brocken zu Pfefferminzzweigen und grünen Teeblättern in eine Blechkanne, lässt das Ganze kurz aufkochen und schenkt das stark duftende Gebräu in hohem Bogen in ein Glas und zurück in die Kanne. Diese Prozedur wiederholt er, bis ihm seine Erfahrung als roi du thé sagt, dass es jetzt gut ist.
»Teezeremonie. Davon haben Sie bestimmt gehört. Die erste Tasse soll bitter schmecken wie das Leben«, sagt Abdellah, während hinter seinem Rücken langsam Leben ins Camp kommt. Frauen, die unter der Last ihrer vielen bunten Röcke ganz krumm geworden sind, fachen hinter dem Männerzelt einen Lehmofen an und kneten säuerlich riechenden Teig. Kinder spielen zu ihren Füßen im Staub. Sie wissen, dass ihre Mütter bei Sonnenuntergang mit den Ziegen zurückkommen werden. Von Ferne hört man schon das Gemecker der Tiere.
Mohamed reicht ein Tablett mit winzigen Teegläsern in die Runde. Eigentlich, sagt er dann, sollte die Familie gar nicht hier sein. In anderen Jahren seien sie stets weiter in Richtung algerische Grenze gezogen. Dort, in den Palmengärten am Rand der Sanddünen von Chegaga, die jedes Jahr Tausende Saharatouristen anlocken, sammelten sie heruntergefallene Datteln als Zuckervorrat für den Winter.
Doch wider Erwarten hat es hier im Osten geregnet. Der Draa, den eine ganze Generation von Marokkanern nur als Wadi, als ausgetrocknetes Flussbett kannte, führte zum ersten Mal seit Jahren Wasser, und die Steinwüste hinter Tazzarine ergrünte: Wenn die Hirtinnen weit genug laufen, können die 250 Ziegen der Sippe ein paar Wochen lang vom struppigen Steppengras satt werden. Allerdings nur die Ziegen. Die Dromedare haben die jungen Männer der Sippe vor Monaten schon in den Atlas getrieben, damit sie dort, auf den fruchtbaren Bergwiesen, ihre Fettreserven aufbauen. Das machen sie seit Jahrzehnten so, sagt Abdellah. Wie die Kinder, die bei den alten Frauen herumtollen, hat auch er seinen Vater nur selten zu Gesicht bekommen. Seine alte Mutter lebt bis heute die meiste Zeit vom Mann und den erwachsenen Söhnen getrennt. Sie beschwere sich nicht darüber. »Nomaden beschweren sich nie«, sagt Abdellah und nippt an seiner zweiten Tasse Tee. Süß soll sie sein wie die Liebe.
»Die Wüste hat uns beigebracht, unsere Bedürfnisse an unsere Umwelt anzupassen«, schreibt der 1995 verstorbene Targi-Rebell Mano Dayak in seinen Memoiren. Schon die Kinder lernten, sich die Dromedare zum Vorbild zu nehmen, weil sie so zäh ihre Lasten durch die Hitze trügen und dann auch noch wochenlang ohne Wasser und Nahrung auskämen. Wenn man so will, hat die Wüste den Nomaden schon vor Jahrtausenden das Verhalten beigebracht, das der globale Kapitalismus heute von den Sesshaften verlangt. Mit einem gravierenden Unterschied: Wer in der Wüste nicht mobil, flexibel und unsentimental ist, findet kein Wasser und keine Weidegründe und früher oder später den Tod. Wer sich in einem Industrieland weigert, die Zeichen der Zeit zu erkennen, läuft bloß Gefahr, keine oder keine besonders gute Arbeit zu bekommen. Außerdem gerät er in den Ruf, auch geistig unbeweglich, faul oder spießig zu sein.
Das war nicht immer so. Lange Zeit sei die Menschheit keineswegs stolz auf ihre Beweglichkeit gewesen, sagt der Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher. Hatte eine Gemeinschaft sich einmal ihr Territorium erobert, machten die Menschen sich nur noch auf den Weg, wenn sie ihre Bedürfnisse vor Ort nicht befriedigen konnten. Sie gingen auf die Jagd, weil Fleisch nun einmal nicht auf Bäumen wächst, sie eroberten neue Siedlungsräume, wenn sie die alten in Kriegen oder Naturkatastrophen verloren hatten. Später zogen sie in die Städte, weil sie sich dort eine bessere Zukunft versprachen.
Gehen aus einer Ehe genügend Kinder hervor, gilt sie als erfolgreich
Erst mit den Reisen von Goethe und Alexander von Humboldt begann die Bedeutung des Unterwegsseins sich zu verändern. Die höheren Stände leisteten sich eine Reise, um Erfahrungen zu sammeln. Die Auswanderer, die Europa Ende des 19. Jahrhunderts verließen, betrachteten sie als Möglichkeit, alte Abhängigkeiten, Hunger oder Verfolgung hinter sich zu lassen. Weil ihnen das meist gelang, war Mobilität für sie gleichbedeutend mit Fortschritt und Befreiung. Aber sie blieb zeitlich begrenzt.
Wer von zu Hause aufbrach, egal ob als Bildungsreisender, Auswanderer oder Flüchtling, wollte in der Regel auch wieder irgendwo ankommen. Sesshaftigkeit blieb bis vor ein paar Jahren die Norm, Staatsangehörigkeit und oft auch der Arbeitsplatz waren daran gebunden. Die Figuren aus Jack Kerouacs Roman Unterwegs inszenieren sich als Außenseiter, und auch die Helden aus Dennis Hoppers Film Easy Rider bekommen in keiner bürgerlichen Pension ein Bett für die Nacht. Mobil zu sein bedeutete für die sesshafte Mehrheit bis in die achtziger Jahre nur, in Urlaub zu fahren und ab dem ersten Kilometer die Pendlerpauschale zu bekommen.
Die dritte Tasse Tee soll sanft schmecken wie der Tod, sagt Abdellah. Als wir sie trinken, ist es stockfinster in der Wüste. Eine Wolkendecke verhängt den Sternenhimmel, das kleine Feuer vor dem Zelt der alten Männer ist die einzige Lichtquelle weit und breit. Darauf schmoren, in kleine Häppchen zerteilt, die Innereien der frisch geschächteten Ziege. Nieren, Herz und Leber gelten als besondere Köstlichkeit und sind den Gästen vorbehalten.
Auch Fremde und solche, die ungebeten kommen, werden fürstlich bewirtet. Man fragt sie ausführlich, wie es den Verwandten geht, reicht ihnen die drei Gläser Tee, bitter, süß und sanft, und eine warme Mahlzeit. Sollten die Fremden nicht wissen, wo sie die Nacht verbringen, bekommen sie selbstverständlich einen Platz in den Zelten. Doch man sollte sich hüten, die Gastfreundschaft der Nomaden mit Herzlichkeit oder Neugier zu verwechseln.
Stärker ritualisiert als der Smalltalk zweier einsamer Geschäftsleute an der Hotelbar, ist sie Teil eines komplexen Regelwerks aus Brauchtum, Riten und ungeschriebenen Gesetzen, das seit Jahrtausenden den Alltag zwischen Zagora und Timbuktu bestimmt: Die jungen Männer kümmern sich um die Dromedare, die jungen starken Frauen hüten die Ziegen, während die alten Frauen sich um die Kinder und den Ofen sorgen und die alten Männer den ganzen Tag vor dem Zelt sitzen und Tee trinken.
Sobald sie mit dem Essen fertig sind, sammelt einer das übrig gebliebene Grillfleisch und die zerpflückten Brotreste in einem Wachstuch, um es den Frauen ins Nachbarzelt zu bringen. Die würden es nie wagen, sich dem Männerzelt unaufgefordert zu nähern. Selbst für verheiratete Frauen ist die Schlafstatt ihrer Männer die meiste Zeit des Jahres tabu.
Die Ehen der Tuareg, auch dafür sorgt das alte Regelwerk, sind bis heute reine Zweck- und Versorgungsgemeinschaften, die Väter für ihre Kinder arrangieren, wenn sie im Herbst auf den Märkten Ziegen gegen Zucker und Hirse tauschen. Liebe, sagt Abdellah, ergebe sich im Laufe eines Lebens, oder sie ergebe sich nicht. Solange aus einer Verbindung genügend Kinder hervorgehen, gilt sie als erfolgreich.
Es ist eine archaische Gemeinschaft, die da ihre ewig gleichen Kreise durch die Wüste zieht. Was wirklich zählt, sind nicht Freiheit, Selbstbestimmung und das für die westliche Welt so bedeutende Streben nach Glück, sondern der Erhalt der Sippe, ohne deren Schutz der Einzelne nicht überleben könnte. Nomaden, die nicht wie Abdellah und Mano Dayak das Glück hatten, eine der wenigen Wüstenschulen zu besuchen, bleiben in der Regel ein Leben lang Analphabeten ohne Geburtsurkunde, ohne Pass und ohne Kalender. Und man muss sie nicht gleich wie die österreichische Ethnologin Ines Kohl als »Gefangene der Wüste« bezeichnen, um sich zu fragen, ob Mobilität immer gleichbedeutend mit Freiheit ist oder ob das Unterwegssein auf Dauer nicht eigene Zwänge und Abhängigkeiten hervorbringt.
Ein Luxus wie zu Goethes Zeiten ist es längst nicht mehr. Wenn deutsche Akademiker im Schnitt sechsmal im Leben den Arbeitgeber und damit in der Regel auch die Stadt wechseln, tun sie das nicht nur, um ihre Karriere voranzutreiben, sondern auch um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Der Mainzer Soziologe Norbert F. Schneider spricht in seiner Studie Berufsmobilität und Lebensform vom »Zwang zur Mobilität«.
67 Prozent der Befragten empfinden das ständige Unterwegssein als Belastung, sie klagen über Zeitmangel, Stress und darüber, dass sie langsam den Kontakt zu ihren Freunden verlieren. 21 Prozent wird die eigene Familie langsam fremd. »Wenn es schlimm kommt, verliert der mobile Mensch das Gefühl, eine Heimat, einen Platz in der Welt zu haben«, sagt Schneiders Jenaer Kollege Hartmut Rosa. Aber Rosa sagt auch, dass es nicht zwangsläufig schlimm kommen muss.
Wer immer unterwegs war, entwickelt keine warmen Gefühle für einen Ort
Gegen sechs Uhr morgens, als die ersten Sonnenstrahlen über die Bergkuppen blitzen, treiben die jungen Frauen die Ziegen zusammen. Die alten Frauen fachen den Ofen an. Mohamed macht sich mit zittrigen Händen am Teegeschirr zu schaffen. Eigentlich, sagt er, während er mit einer minimalen Menge Wasser seine Gläser ausspült, gehöre den Nomaden die ganze Wüste. Doch seit die Sahara in den sechziger Jahren unter den Anrainerstaaten aufgeteilt wurde, sind die Kreise, die sie ziehen können, kleiner geworden. Auch die legendären Salzkarawanen vom marokkanischen Zagora ins malische Timbuktu sind wohl für immer Geschichte. Denn selbst wenn die Grenze zu Algerien fallen würde, wäre es unwahrscheinlich, dass sich solche monatelangen Gewaltmärsche noch lohnen würden.
Denn das Handelsgut hat seinen Wert eingebüßt. Schon 1962, als die letzte Karawane in Zagora aufbrach, kostete das Salz bloß noch halb so viel wie Zucker. Heute liegt der Weltmarktpreis bei weniger als zwei Eurocent pro Kilo. Und es ist wohl die bizarrste Ironie des mobilen Jahrhunderts, dass die Beschleunigung der Warenwirtschaft, die die Sesshaften langsam wieder zu Nomaden macht, die Saharanomaden früher oder später in die Sesshaftigkeit zwingen könnte. Je schneller Arbeit und Kapital sich um den Globus bewegen, desto unrentabler wird ihre Lebensform.
Heute leben in der Sahara, die fünfmal so groß ist wie Deutschland, nur noch knapp eine Million Menschen. Hunderte von ihnen geben jedes Jahr auf, weil es sich im Zeitalter der Massentierhaltung einfach nicht mehr lohnt, mit Ziegen und Dromedaren durch die Wüste zu streifen. Und dann? »Die wenigsten ziehen in die Stadt«, sagt Abdellah. Die meisten ließen sich einfach dort nieder, wo ihnen am Ende des Winters die Vorräte ausgingen.
Wir werden in den nächsten Tagen ein paar dieser Niederlassungen besuchen. Auch nach zehn Jahren haben diese Ansammlungen von Lehmhütten etwas Provisorisches. Sesshaft gewordene Nomaden halten sich nach wie vor eine kleine Herde, mit der sie sich bei Sonnenaufgang auf den Weg machen. Abends sitzen sie vor ihren Häuschen wie der alte Mohamed vor seinem Zelt und kochen Tee.
Das ist ihre Art, sich in der fremden Umgebung zu Hause zu fühlen, sagt Abdellah. Die Soziologen würden vielleicht sagen: »ihre Art, in der Welt zu sein«. Denn wer sein Leben lang unterwegs war, der entwickelt keine warmen Gefühle für einen Ort. Wer nie lange irgendwo bleibt, für den ist Heimat zwangsläufig ein relativer Begriff. Auch den Global Player, der niemandem seine Adresse mitteilt, weil er über den Blackberry sowieso überall zu erreichen ist, interessiert an seiner Wohnstraße wohl nur noch, ob es dort einen Bäcker und eine Reinigung gibt.
Ist das tragisch? Nicht, solange es Dinge gibt, die ihm Halt geben, sagt Hartmut Rosa: die Freunde, die Familie, die Religion oder einfach nur sorgsam gepflegte Rituale wie die drei Tassen Tee der Wüstennomaden. Die erste schmeckt bitter wie das Leben, die zweite süß wie die Liebe, die dritte sanft wie der Tod.
Literatur zum Thema:
Hartmut Rosa: Beschleunigung
Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne; Suhrkamp 2005; 537 S., 17 €
Z. Baumann: Flaneure, Spieler und Touristen
Essays zu postmodernen Lebensformen; Hamburger Edition 2007; 270 S., 17 €
Karl Schlögel: Planet der Nomaden
WJS-Verlag 2006; 150 S., 16 €
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www.zeit.de/audio
- Datum 13.10.2008 - 16:39 Uhr
- Serie Bildungskanon
- Quelle DIE ZEIT, 07.08.2008 Nr. 33
- Kommentare 21
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global und die Arbeitnehmer, so sie denn die Ausdauer haben, hecheln hinterher.debrasseur
Bezüglich der Mobilität heißt es dort, dass Gott uns strafte, dass wir immer unterwegs sein müssten, wegen dem Sündenfall, dem Naschen vom Baum der Erkenntnis, wegen den Mutationen, die unsere Vernunft begründen, sozusagen, und den Entwicklungen, der bewussten Einflussnahme auf die Natur, die sich daraus dann ergab. Auch Karl Marx hat dies, die Entfremdung, uns ja etwas konkreter hergeleitet (sein Irrtum war halt nur, dass er meinte, dass man sich dies eines Tages aufheben würde - ohne dass die Menschheit ausstirbt), und Jesus kann man als einen frühen massiv entfremdeten Menschen ansehen - der eben ausgestorben ist. Seine Welt, sein Volk, das jüdische, welches s. E. nach ja bald untergehen sollte, durch Einwirkung einer interantionalen Übermacht, ging zwar nicht wirklich unter, sondern wurde "nur" zur Auswanderung, zur Mobilität eben, gezwungen, wiedereinmal. Die Mobilität wurde hier also nicht als Freude, sondern als Strafe dargestellt - entgegen manch heutiger Autowerbung. Mag unsere Neugier uns zwar immer weiter getrieben haben, noch mehr, ja alles von dieser Welt zu sehen und zu erkennen und zu erklimmen, so ist es im heutigen Wirtschaftsleben ja doch ein Zwang, stets auf der Wanderschaft zu sein, für diejenigen, die die globale Wirtschaft prägen - nur so können wir heute 6 oder 7 Milliarden Menschen durchbringen - und uns etwas mehr als "die anderen" leisten. Die anderen, die vor allem (durch unser Tun und unsere Technologien bzw. Wirtschaft) versorgten Menschen, sind zwar seßhaft, eigentlich ja also glücklich, so richtig glücklich können sie aber wohl auch nicht sein, da sie von den anderen ja eben abhängig, nicht wirklich selbstständig, sind. Kein Wunder, wenn immer mehr Entfremdete im Kern so wie Jesus reagieren. (Er, der Gottessohn, hat bzw. musste ja sogar, oder auch nur, die "Späre" gewechselt - was wir gewöhnlichen Menschen rational ja nicht so sehen können...). Es hat halt alles immer zwei Seiten.
Ein netter, nostalgischer Artikel ueber ein paar Nomaden. Soweit, so gut. Aber wie man auf die Idee kommen kann, die Lebensart der Nomaden mit derjenigen der modernen Performer und Artbeitssoeldnern zu vergleichen, entzieht sich meiner Logik. Aepfel sind, auch wenn sie ebenfalls am Baum haengen, keine Birnen. Die Nomaden leben in einem Stammesverband, sind immer mit ihrer ganzen Familie unterwegs. Sie leben immer an dem Ort, wo sie sich gerade aufhalten. Nicht so der moderne Arbeitsnomade. Sein Leben ist immer in Teilen anderswo. Bindungen werden bruechig, bauen sich nicht mehr auf, werden oberflaechlicher, beliebiger. Der Arbeitsnomade ist nirgendwo zu Hause, weil er ueberall sein muss. Beziehungsweise zu muessen glaubt. Ich empfehle gelegentliches Aussteigen aus dem Hamsterrad.
hätte ich hierzu dazu eher gesagt, denn Gemeinsamkeiten der beiden "Nomaden" wurde in dem Beitrag ja doch herausgestellt. Ein paar Bezüge zur festen Heimat, zu ihrer Familie z.B., haben die Jetsetter auch heute noch, und beide treibt ja quasi der Drang zu fetten Weiden, wirtschaftlicher Vorteil oder wirtschaftliche Not also, weiter. Die Nomaden einer Wüste sind zudem ja auch etwas anderes als Jäger und Sammler in Savannen-Bereichen oder in Wäldern gemäßigter Breiten. Bei Wüstenvölkern ist es wohl immer die Härte der Umwelt, die sie weiter treibt, wer gute Jahre in gemäßigten und biologisch vielfälten Landschaften lebte, leben konnte, der wird wohl auch nicht so sehr, also permanent, gewandert sein. Da hat man z.T. wohl auch nur auf die Wanderungen der Tierherden gewartet. Man könnte -insofern- vielleicht die Wüstenvölker mit den Wanderarbeitern vergleichen. Auch die treibt ja die reine Not. Auch von denen haben manche deshalb aber eine Frau und eine Familie.
Danke aber für den Hinweis, der mir so bewusst nicht geworden war.
hätte ich hierzu dazu eher gesagt, denn Gemeinsamkeiten der beiden "Nomaden" wurde in dem Beitrag ja doch herausgestellt. Ein paar Bezüge zur festen Heimat, zu ihrer Familie z.B., haben die Jetsetter auch heute noch, und beide treibt ja quasi der Drang zu fetten Weiden, wirtschaftlicher Vorteil oder wirtschaftliche Not also, weiter. Die Nomaden einer Wüste sind zudem ja auch etwas anderes als Jäger und Sammler in Savannen-Bereichen oder in Wäldern gemäßigter Breiten. Bei Wüstenvölkern ist es wohl immer die Härte der Umwelt, die sie weiter treibt, wer gute Jahre in gemäßigten und biologisch vielfälten Landschaften lebte, leben konnte, der wird wohl auch nicht so sehr, also permanent, gewandert sein. Da hat man z.T. wohl auch nur auf die Wanderungen der Tierherden gewartet. Man könnte -insofern- vielleicht die Wüstenvölker mit den Wanderarbeitern vergleichen. Auch die treibt ja die reine Not. Auch von denen haben manche deshalb aber eine Frau und eine Familie.
Danke aber für den Hinweis, der mir so bewusst nicht geworden war.
hätte ich hierzu dazu eher gesagt, denn Gemeinsamkeiten der beiden "Nomaden" wurde in dem Beitrag ja doch herausgestellt. Ein paar Bezüge zur festen Heimat, zu ihrer Familie z.B., haben die Jetsetter auch heute noch, und beide treibt ja quasi der Drang zu fetten Weiden, wirtschaftlicher Vorteil oder wirtschaftliche Not also, weiter. Die Nomaden einer Wüste sind zudem ja auch etwas anderes als Jäger und Sammler in Savannen-Bereichen oder in Wäldern gemäßigter Breiten. Bei Wüstenvölkern ist es wohl immer die Härte der Umwelt, die sie weiter treibt, wer gute Jahre in gemäßigten und biologisch vielfälten Landschaften lebte, leben konnte, der wird wohl auch nicht so sehr, also permanent, gewandert sein. Da hat man z.T. wohl auch nur auf die Wanderungen der Tierherden gewartet. Man könnte -insofern- vielleicht die Wüstenvölker mit den Wanderarbeitern vergleichen. Auch die treibt ja die reine Not. Auch von denen haben manche deshalb aber eine Frau und eine Familie.
Danke aber für den Hinweis, der mir so bewusst nicht geworden war.
Morgens Berlin, mittags Barcelona, abends Amsterdam? Das entspringt doch eher der Werbung fuer Haarfestiger als der Realitaet. Schliesslich darf man nicht vergessen dass man sich, auch wenn der Flug kurz ist, jeweils noch mindestens eine Stunde auf dem Flughafen aufhalten muss - wenn es schnell geht und es keine Verspaetungen gibt.Was viel haeufiger ist als "dauerndes Unterwegssein" ist die serielle Sesshaftigkeit: ein Umzug so alle 3-6 Jahre. Das ist eine Zeit, die lange genug ist, einen Ort lieben oder hassen zu lernen, Zeit genug, einen neuen Freundeskreis aufzubauen, Zeit genug, eine Liebesbeziehung einzugehen - aber doch auch wieder zu kurz fuer die laengerfristige Lebensplanung. Man moechte keine Wohnung kaufen, kein Klavier, keine richtige Kueche - und vor allem: noch kein Kind, bevor man nicht endlich "etwas Festes hat" an einem Ort an dem man bleiben kann - und dann bewirbt man sich doch wieder auf einen zeitlich befristeten Arbeitsplatz - weil der alte Vertrag bald auslaeuft und in der eigenen Profession keine anderen Stellen ausgeschrieben sind.Vor einiger Zeit, d.i. vor 3 (!) Jahren wollte ich sehr ernsthaft sesshaft werden und meinen jetzigen Beruf aufgeben. Meine Studienabschluesse (u.a. Promotion) wollte ich mir vom Landesschulamt als staatsexamensaequivalent anerkennen lassen und als Seiteneinsteigerin ins Lehramt. Die Anerkennung habe ich nicht bekommen, beim Landesschulamt wurde ich arrogant ausgebremst "wir haben hier jeden Tag Leute sitzen, die ploetzlich Lehrer werden wollen, sogar mit Habilitation - nein danke, kein Bedarf, es gibt genug Lehrer" - nun hoere ich auf einmal dass sich die Bundeslaender gegenseitig die Lehrer verzweifelt abjagen...aber wie auch immer - nun bin ich schon im Ausland und komme nicht mehr zurueck. Zwar habe ich wieder nur einen Zeitvertrag, diesmal aber immerhin mit der Aussicht auf eine Festanstellung danach.
waren der westlichen Gesellschaft doch schon immer ein Dorn im Auge. Und sind es immer noch...Und werden es immer sein.Vor allem sind Nomaden Selbstversoger, die einen gewissen Freiraum in der Natur brauchen. Zäune mögen sie schon mal überhaupt nicht. Sie wollen sich auch nicht durch Spezialisierung in irgendwelche Abhängigkeiten begeben und sind dadurch sehr schwer kontrollierbar. Eigentlich der "Worst Case" fürs saubere westliche System, wo zwar jeder umziehen darf wie er will (oder muss, je nach Arbeitsabhängigkeit), aber immer einen festen Wohnsitz haben sollte.Nee, nee, diese Leute kann man nun wirklich nicht mit unseren Arbeitssklaven vergleichen.
Ja nun - das ist doch nun auch eine Romantisierung. Die Tuareg sind doch spezialisiert: sie sind Kamel und Ziegenzuechter. Ebenso wie die Nomaden in der Mongolei, die sich auf Hammelfleisch spezialisiert haben. Und ebenso wie die reisenden Berufsgruppen frueherer Jahrhunderte und Jahrzehnte: Die Kesselflicker und Schausteller, Zimmermaenner und fahrenden Haendler, Musiker und Sterndeuter - ganz zu schweigen von Soldaten und Seefahrern. Schon immer hat es Menschen gegeben, deren Fertigkeiten und deren Wissen nun einmal nicht immer am selben Ort gebraucht wurden, und die darum nur durch staendiges Weiterziehen ein Auskommen hatten. Das ist keine Besonderheit der heutigen Zeit. Besonders ist nur, dass Distanzen, die dabei heute ueberbrueckt werden koennen, gewachsen sind. Besonders ist auch, dass aufgrund dieser leichter ueberbrueckbaren Distanzen die Toleranz der Familie gegenuber laengeren Abwesenheiten abgenommen hat. Auch das sorgt fuer grossen Stress bei den Betroffenen.Frueher war es normal, wenn man fuer ein oder zwei Jahre die Familie verliess oder wenn man den Geliebten auch mal einige Monate nicht sehen konnte. Man schrieb sich vielleicht 3 Briefe und irgendwann kam man eben wieder und liess sich erzaehlen, was in der Zwischenzeit passiert war. Heute jedoch wird versucht, Intimitaet und tatsaechliche Praesenz auch ueber Kontinente hinweg aufrechtzuerhalten, der imaginaere Raum, in dem man Beziehungen auch dann im Geiste wachhaelt, wenn man sehr lange nichts voneinander hoert, ist kleiner geworden. Die Hochzeit des Freundes, das Begraebnis der Grossmutter, der 60. Geburtstag des Vaters, die Abiturfeier des Bruders ... Familie und Freunde erwarten einfach, dass man tatsaechlich in persona anwesend ist - und bei jeder kleinen aufkeimenden Sehnsucht wird sofort zum Telefon gegriffen. Diese Anforderungen nach Aufrechterhaltung einer engen Bindung (oder eben der Kampf darum, diese Bindung zu lockern) ist fast noch anstrengender als das haeufige Umziehen - das ist es, was die Arbeitsnomaden frueherer Zeit von den gegenwaertigen unterscheidet.
Ja nun - das ist doch nun auch eine Romantisierung. Die Tuareg sind doch spezialisiert: sie sind Kamel und Ziegenzuechter. Ebenso wie die Nomaden in der Mongolei, die sich auf Hammelfleisch spezialisiert haben. Und ebenso wie die reisenden Berufsgruppen frueherer Jahrhunderte und Jahrzehnte: Die Kesselflicker und Schausteller, Zimmermaenner und fahrenden Haendler, Musiker und Sterndeuter - ganz zu schweigen von Soldaten und Seefahrern. Schon immer hat es Menschen gegeben, deren Fertigkeiten und deren Wissen nun einmal nicht immer am selben Ort gebraucht wurden, und die darum nur durch staendiges Weiterziehen ein Auskommen hatten. Das ist keine Besonderheit der heutigen Zeit. Besonders ist nur, dass Distanzen, die dabei heute ueberbrueckt werden koennen, gewachsen sind. Besonders ist auch, dass aufgrund dieser leichter ueberbrueckbaren Distanzen die Toleranz der Familie gegenuber laengeren Abwesenheiten abgenommen hat. Auch das sorgt fuer grossen Stress bei den Betroffenen.Frueher war es normal, wenn man fuer ein oder zwei Jahre die Familie verliess oder wenn man den Geliebten auch mal einige Monate nicht sehen konnte. Man schrieb sich vielleicht 3 Briefe und irgendwann kam man eben wieder und liess sich erzaehlen, was in der Zwischenzeit passiert war. Heute jedoch wird versucht, Intimitaet und tatsaechliche Praesenz auch ueber Kontinente hinweg aufrechtzuerhalten, der imaginaere Raum, in dem man Beziehungen auch dann im Geiste wachhaelt, wenn man sehr lange nichts voneinander hoert, ist kleiner geworden. Die Hochzeit des Freundes, das Begraebnis der Grossmutter, der 60. Geburtstag des Vaters, die Abiturfeier des Bruders ... Familie und Freunde erwarten einfach, dass man tatsaechlich in persona anwesend ist - und bei jeder kleinen aufkeimenden Sehnsucht wird sofort zum Telefon gegriffen. Diese Anforderungen nach Aufrechterhaltung einer engen Bindung (oder eben der Kampf darum, diese Bindung zu lockern) ist fast noch anstrengender als das haeufige Umziehen - das ist es, was die Arbeitsnomaden frueherer Zeit von den gegenwaertigen unterscheidet.
Ja nun - das ist doch nun auch eine Romantisierung. Die Tuareg sind doch spezialisiert: sie sind Kamel und Ziegenzuechter. Ebenso wie die Nomaden in der Mongolei, die sich auf Hammelfleisch spezialisiert haben. Und ebenso wie die reisenden Berufsgruppen frueherer Jahrhunderte und Jahrzehnte: Die Kesselflicker und Schausteller, Zimmermaenner und fahrenden Haendler, Musiker und Sterndeuter - ganz zu schweigen von Soldaten und Seefahrern. Schon immer hat es Menschen gegeben, deren Fertigkeiten und deren Wissen nun einmal nicht immer am selben Ort gebraucht wurden, und die darum nur durch staendiges Weiterziehen ein Auskommen hatten. Das ist keine Besonderheit der heutigen Zeit. Besonders ist nur, dass Distanzen, die dabei heute ueberbrueckt werden koennen, gewachsen sind. Besonders ist auch, dass aufgrund dieser leichter ueberbrueckbaren Distanzen die Toleranz der Familie gegenuber laengeren Abwesenheiten abgenommen hat. Auch das sorgt fuer grossen Stress bei den Betroffenen.Frueher war es normal, wenn man fuer ein oder zwei Jahre die Familie verliess oder wenn man den Geliebten auch mal einige Monate nicht sehen konnte. Man schrieb sich vielleicht 3 Briefe und irgendwann kam man eben wieder und liess sich erzaehlen, was in der Zwischenzeit passiert war. Heute jedoch wird versucht, Intimitaet und tatsaechliche Praesenz auch ueber Kontinente hinweg aufrechtzuerhalten, der imaginaere Raum, in dem man Beziehungen auch dann im Geiste wachhaelt, wenn man sehr lange nichts voneinander hoert, ist kleiner geworden. Die Hochzeit des Freundes, das Begraebnis der Grossmutter, der 60. Geburtstag des Vaters, die Abiturfeier des Bruders ... Familie und Freunde erwarten einfach, dass man tatsaechlich in persona anwesend ist - und bei jeder kleinen aufkeimenden Sehnsucht wird sofort zum Telefon gegriffen. Diese Anforderungen nach Aufrechterhaltung einer engen Bindung (oder eben der Kampf darum, diese Bindung zu lockern) ist fast noch anstrengender als das haeufige Umziehen - das ist es, was die Arbeitsnomaden frueherer Zeit von den gegenwaertigen unterscheidet.
natürlich sind diese Leute auf ihre natürliche Umgebung spezialisiert, also die Wüste. Sie werden bestimmt nicht anfangen Tomaten zu pflanzen. Dort sind es halt Kamele und Ziegen.Sie sorgen selbst für ihre Nahrung, schmieden sich selbst Waffen, bauen sich ihre eigenen Unterkünfte etc. Und das alles kann jeder aus der Gruppe. Ich sehe nicht wie man da von einer Spezialisierung im Sinne der westlichen Gesellschaft sprechen kann.
natürlich sind diese Leute auf ihre natürliche Umgebung spezialisiert, also die Wüste. Sie werden bestimmt nicht anfangen Tomaten zu pflanzen. Dort sind es halt Kamele und Ziegen.Sie sorgen selbst für ihre Nahrung, schmieden sich selbst Waffen, bauen sich ihre eigenen Unterkünfte etc. Und das alles kann jeder aus der Gruppe. Ich sehe nicht wie man da von einer Spezialisierung im Sinne der westlichen Gesellschaft sprechen kann.
natürlich sind diese Leute auf ihre natürliche Umgebung spezialisiert, also die Wüste. Sie werden bestimmt nicht anfangen Tomaten zu pflanzen. Dort sind es halt Kamele und Ziegen.Sie sorgen selbst für ihre Nahrung, schmieden sich selbst Waffen, bauen sich ihre eigenen Unterkünfte etc. Und das alles kann jeder aus der Gruppe. Ich sehe nicht wie man da von einer Spezialisierung im Sinne der westlichen Gesellschaft sprechen kann.
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