Schule Wir wollen ja nur Dein BestesDein Bestes
Waldorf? Öffentlich? International? Oder gleich katholisch? Wie die Suche nach der perfekten Grundschule eine ganze Elterngeneration in Panik versetzt
Meine Gelassenheit währte sagenhafte fünf Jahre, die ersten fünf im Leben meines Sohnes. Dann erwähnte ich auf einer Party in einer Runde von Müttern und Vätern beiläufig, dass wir unser Kind am Vortag bei der Schule um die Ecke angemeldet hätten. Ein Vater erzählte vom Infoabend einer neuen bilingualen Ganztagsschule, "super Konzept, der Til Schweiger war auch da". Ich sagte, an unserer Schule werde mit Englisch erst in der dritten Klasse angefangen. Da fiel der Satz, der mich seitdem verfolgt: "Erst in der dritten, das ist ja heute unverantwortlich."
Die Mutter, die ihn absolut ernsthaft ausgesprochen hatte, pickte in einem mediterranen Nudelsalat herum und erklärte, ihr Kind gehe in einen deutsch-spanischen Kindergarten und werde auch die deutsch-spanische Schule besuchen, Zweisprachigkeit sei doch heute Pflicht. Der Mann, der zu ihr gehörte, sah sehr deutsch aus. Sie sagte, nein, spanische Wurzeln hätten sie nicht, auch keine spanische Vergangenheit, vielleicht noch nicht mal eine spanische Zukunft. Stolz erzählte sie, dass sie oft nicht verstehe, was ihr Kind sage. Wie neulich: Mama, was gibt’s heute als postre, sie lerne jetzt mit. Postre, Nachtisch. Ihr Kind wird schon jetzt schlauer als sie.
Und meines?
In den folgenden Tagen passierte etwas Seltsames mit mir. Ich bemerkte, dass ich auf einmal mit so einem skeptischen Blick auf meinen Sohn sah. Ich neige nicht dazu, meine Kinder besonders kritisch zu betrachten. Bei uns zu Hause bin ich meistens diejenige, die sie verteidigt: Sie haben noch Zeit, das lernen sie schon noch. Ich habe halt so ein romantisches Kindheitsideal, vielleicht ist das etwas altmodisch. Nun aber registrierte ich, wie langsam mein Sohn seine Schuhe anzog. Dass er im Kindergarten nicht mitsang und überhaupt, sobald er das Gefühl hatte, getestet zu werden, lieber gar nichts tat, als Gefahr zu laufen zu versagen. Und immer wanderten meine Gedanken hin und her zwischen jener Party und einem Mittwochnachmittag vier Wochen vorher. Das nämlich war der Tag gewesen, an dem mein Sohn seine Probestunde beim Englischkurs im Kindergarten hatte. Die ganze Zeit hatte er sich an mein Bein geklammert, während die anderen auf Englisch Brezeln zählten, die sie dann zur Belohnung essen durften. Am Ende hatte er gesagt: "Ich will da nie wieder hin."
Wir machten uns dann, noch einmal, auf die Suche. Immer halbherzig, weil uns doch die Schule gut gefallen hatte. Engagiert wirkende Lehrerin, nette Atmosphäre. Aber gleichzeitig kam es uns ein bisschen suspekt vor, dass diese Schule gar kein besonderes Konzept hatte, die Lehrerin hatte sogar eigens darauf hingewiesen, dass man den Unterricht eher traditionell gestalte, aus Überzeugung. Muss eine Schule, fragten wir uns auf einmal, heute nicht irgendeine Vision haben, einen reformpädagogischen Ansatz verfolgen, eine Theaterschule sein oder erst morgens um neun anfangen, die Hälfte des Unterrichts fächer-, epochen- und altersübergreifend gestalten oder wenigstens auf den Gong zwischen den Stunden verzichten, irgendwas Modernes halt, irgendwas aus der Welt der Geo-Reportagen?
Plötzlich erschienen mir die Worte "Waldorf" und "bilingual" so viel verlockender als das steinzeitliche "Grundschule", das nach Pestalozzi klang, nach dem Namenspatron meiner eigenen Grundschule. Es war die Angst, etwas zu verpassen, die sich in mir ausbreitete. Die Angst, mein Kind könnte nicht ausreichend gefördert werden, würde eines Tages nicht mithalten können. Es ist die Angst der Mittelschichtseltern von heute.
Auf jene Pestalozzi-Schule schickten meine Eltern mich, weil das eben die nächstgelegene Grundschule war. Auf dem Weg dorthin musste ich gerade mal zwei Straßen überqueren, und ich glaube, das war auch schon das Einzige, worüber meine Eltern nachgedacht hatten, bevor sie mich dort anmeldeten. Alle Eltern in ihrem Bekanntenkreis machten das so. Heute dagegen ist es vollkommen normal, wenn bei einer Familie, die in der Nähe einer Schule mit gutem Ruf wohnt, fünf weitere, nur angeblich alleinerziehende Mütter oder Väter zur Untermiete gemeldet sind, damit deren Kinder einen der raren Plätze an dieser Schule bekommen. Es ist normal, wenn sich eine Anwältin aus dem Berliner Grunewald einem Elternpaar andient, sie könne dabei behilflich sein, ihr Kind an einer begehrten Schule einzuklagen. Die Anwältin ist auf undurchsichtigem Weg zu einer Liste von Leuten gekommen, die ihre Kinder dort angemeldet haben. Jetzt, sagt sie, müsse man nur noch recherchieren, ob welche darunter seien, die gar nicht unter der angegebenen Adresse wohnten. Gegen die könne man dann vorgehen.
Es ist normal, wenn ein Paar, das am anderen Ende von Berlin lebt, im Plattenbauviertel Lichtenberg, 600 Euro im Monat für eine private Grundschule bezahlt und gern noch mehr zahlen und täglich zwei Stunden Anfahrt in Kauf nehmen würde, wenn der Sohn dafür an der womöglich noch besseren internationalen Schule aufgenommen würde. Es ist normal, wenn eine Familie, die im Hamburger Multikulti-Stadtteil St. Georg lebt und sich für die Schule vor Ort entscheidet, mit einem Anteil von "Kindern nichtdeutscher Herkunft" von 50 bis 60 Prozent, sagt: An der Frage der Schulwahl seien in ihrem Kiez schon Freundschaften zerbrochen.
Keine Elterngeneration vor uns hat sich so viele Gedanken über die Bildung ihrer Kinder gemacht. Für keine andere war die Schullaufbahn der Söhne und Töchter (jedenfalls glauben das die Eltern) so direkt mit den Zukunftschancen des Kindes verknüpft. Und so beginnt auch die Schule immer früher, und für immer mehr Kinder, auch für meines, fängt das Schülerleben schon in der Vorschulklasse an. Während die Väter und Mütter früher erst an der Schwelle von der Grund- zur weiterführenden Schule glaubten, eine Lebensentscheidung für ihr Kind zu treffen, so haben wir dieses Gefühl heute schon bei der Einschulung – was vielleicht auch nur daran liegt, dass keine Elterngeneration zuvor einen so fürsorglichen Blick auf ihre Kinder hatte.
Wir späten und (wie lange noch?) wohlhabenden Großstadt-Mittelschichtseltern setzen alles daran, die wenigen Kinder, die wir haben, perfekt zu fördern. Wir kennen die neuesten (und sich stets widersprechenden) Forschungen zum Fremdsprachenerwerb im Kleinkindalter. Wir lassen die Zähne unserer Kinder versiegeln und führen in der Kita regelmäßig Elterngespräche. Bis zur Erschöpfung tun wir alles, um gute Eltern zu sein und unsere Kinder zu guten Schülern zu machen.
Wenn wir Mittelschichtseltern selbst Schüler wären, dann wären wir ziemliche Streber.
Das alles ist prinzipiell sehr gut für unsere Kinder, jedenfalls gut gemeint. Wir wollen schließlich nur das Beste und wissen auch, das Beste kann nicht jeder haben, also müssen wir kämpfen. Unser Problem, was die Schulen betrifft, ist: Es gibt, jedenfalls in der Stadt, ein so unglaublich großes Angebot, so viele Konzepte, dass wir ständig Entscheidungen treffen müssen, die den Eltern früher abgenommen wurden. Und nun leben wir in der dauernden Unsicherheit, ob es die richtigen waren.
Was ist denn nun die beste Schule? Die behütete, die sich eine Ziege auf dem Hof hält? Die Hochbegabtenschule, die auch normal begabte Kinder aufnimmt? Die Schule, an der die Kinder von Klasse eins bis vier gemeinsam lernen wie auf der guten alten Dorfschule? Sind wir Eltern hysterisch, wenn wir uns die alle angucken? Oder haben wir allen Grund dazu, besorgt zu sein? Vor allem: Was macht die Sorge und Unsicherheit mit uns und mit unseren Kindern?
Die Unsicherheit macht zum Beispiel Béa Beste zu einer erfolgreichen Frau. Beste ist Vorstandsvorsitzende der Phorms Management AG und hat vier Privatschulen in Berlin, Frankfurt, München und Köln ins Leben gerufen. Schulen in Hannover sowie eine weitere in Berlin sollen noch in diesem Jahr dazukommen – und eine in Hamburg, falls die Schulbehörde noch rechtzeitig zum Schuljahresbeginn zustimmt. Béa Bestes Büro liegt, wie die Berliner Phorms-Schule, in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Wedding. Béa Beste, schwarzer Rock, weiße Bluse, hochhackige Schuhe, rote Lippen, hat früher bei Boston Consulting gearbeitet. Bevor sie Phorms gründete, hat sie 2004/05, mitten im Schock der Pisa-II-Studie, auf Berliner Spielplätzen in Prenzlauer Berg, Zehlendorf, Charlottenburg, Tegel den Markt erforscht. Das Ergebnis war klar: Die Eltern wünschten sich solide Bildung, ein Ganztagsangebot, viele wollten, dass ihre Kinder Chinesisch lernen, die künftige Weltsprache, Englisch sowieso.
Béa Beste wurde schnell klar, dass die Eltern bereit wären, für ein entsprechendes Angebot einiges zu bezahlen: Das Stichwort "Allokation der Mittel", sagt Beste, habe sie oft von Eltern gehört: Väter und Mütter verhalten sich heute wie Investoren. Sie überlegen sich, "dass sie dem Kind lieber kein großes Erbe hinterlassen, sondern sie packen’s in die Bildung". Ein Kind zu haben ist heute etwas anderes als vor 20 Jahren: "Das Kind ist eine Botschaft an die Zukunft." Klar, dass es nicht einfach auf irgendeine Schule geht.
"Phorms" steht für "Metamorphose". Eltern, die ihr Kind an eine Phorms-Grundschule schicken, zahlen je nach Einkommen in Berlin zwischen 230 und 889 Euro monatlich (zuzüglich Hort- und Essensgeld). Dafür können sie erwarten, dass ihr Kind nach der Immersionsmethode Englisch lernt, das heißt, dass alle Fächer außer Deutsch sowie deutsche Geschichte auf Englisch unterrichtet werden. Bei Phorms gibt es keine Tafel, sondern ein smartboard, auf das die Bildschirmanzeige eines Computers projiziert werden kann. Es gibt maximal 20 Schüler pro Klasse, und außer einer Lehrkraft ist auch immer ein Erzieher anwesend. Es gibt Schuluniformen, die nicht nach Uniformen aussehen. Es gibt, irgendwann demnächst, Unterricht in Word, Excel, PowerPoint und Databases ab der ersten Klasse. Weil Phorms auch eine Medienmaschine ist, gibt es aber auch eine Frau für die Pressearbeit und eine fürs Marketing, und die sorgen dafür, dass das Image des Bildungsunternehmens stimmt. In Frankfurt hat Phorms die Warteliste nach 1000 Leuten geschlossen. 40 Plätze waren zu vergeben.
Welchen Rat hat Béa Beste für mich? "Beobachten Sie Ihr Kind, und beobachten Sie die Community. Wenn Sie Ihr Kind zu Phorms schicken, und alle in Ihrer Umgebung finden das nicht gut, ist es möglicherweise nicht die richtige Schule." Ich beobachte erst mal mich selbst. Irgendwas gefällt mir nicht an dieser Schule. Ich muss erst darüber nachdenken, was es ist. Ich finde das ja alles gut: Fremdsprachen finde ich wichtig. Ich habe nichts gegen Privatschulen, die machen den staatlichen Konkurrenz und sind, bei allem Elitismus, am Ende vielleicht ein Gewinn für alle. Aber irgendwie fände ich es doch noch besser, mein Kind würde erst mal lernen, sich richtig gut auf Deutsch auszudrücken. Und wozu brauchen Lehrer T-Shirts und Taschen mit dem Aufdruck I love teaching? Für wen muss man das auf einen Lehrer extra draufschreiben – für die Eltern, die Kinder oder die Lehrer selbst, für den Fall, dass sie es vergessen? Irgendwie ist mir das zu viel Konzept, zu viel Werbung. Bei Werbung zappe ich immer weg.
Ich gucke mir dann noch ein paar Schulen an. Die katholische finde ich nicht schlecht, bis ich von einer Mutter höre, die sagt: Nein, beim dritten Kind tue sie sich (nicht dem Kind) den Psychostress dieser Schule nicht mehr an, noch mal halte sie den Leistungsdruck nicht aus. Aber muss es gleich die Waldorfschule sein, deren Leiterin vor der Pisa-Panik warnt und sagt, bei ihnen würden die Kinder mit Zahlen umgehen lernen, indem sie morgens durchzählen, wie viele Vegetarier da sind, und das dann dem Koch sagen, fürs Mittagessen?
Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll, und je mehr ich nachdenke, mit anderen Eltern rede, mir Schulen anschaue, desto mehr entfernt sich die Vorstellung, die ich vom ersten Schultag meines Kindes hatte, von der Erinnerung an meinen eigenen ersten Schultag, den ich heiß herbeigesehnt (und bei meinen Eltern ein Jahr vorzeitig herbeigequengelt) hatte: die Schultüte, prall gefüllt, der Stolz, endlich zu den Großen zu gehören. Das Foto von meinem ersten Schultag zeigt ein Mädchen mit Brille, roter Breitcordhose und schief geschnittenem Pony vor einer Tafel, der Blick zugleich altklug und erwartungsfroh. Kann es sein, dass wir Eltern vor lauter Nervosität, ob alles klappt, gar nicht mehr daran denken, dass Schule für Kinder etwas Schönes sein könnte? Dass der erste Schultag für uns mit Angst verbunden ist? Und dass wir die an unsere Kinder weitergeben?
Eltern unter Druck heißt eine Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Autoren der Studie stellen fest, dass »nahezu allen Eltern heute die Bedeutung von Bildung und Schule als der zentralen Zuweisungsstelle von sozialen Lebenschancen präsent« ist. Dabei wirken die verunsicherten Eltern "weniger als Filter, der die Leistungsanforderungen abmildert, denn als Katalysator, der die Leistungsmotivation antreibt". Je größer die Angst vor dem sozialen Abstieg, umso wichtiger ist es, dass die Familie heil und gesichert ist, dass das Kind was leistet. Sind unsere Kinder Turbokühe, die Leistung bringen sollen – und Glück für die Eltern?
Ich frage Klaus Hurrelmann, Erziehungswissenschaftler an der Universität Bielefeld. Man dürfte meinen, dass er sich über den gestiegenen Stellenwert der Bildung freut. Tut er aber nicht, "weil er eine Entwertung der Inhalte mit sich bringt". Unter den Eltern, sagt Hurrelmann, sei ein Wettlauf entstanden: Wer schafft es, für sein Kind den besten Abschluss zu ergattern? Schon ein Realschulabschluss ist ja eine Niederlage, und das sei doch eine "Rücksichtslosigkeit dem eigenen Kind gegenüber". Im Prinzip war Schule schon immer eine Statusfrage, aber "es hat sich weiter aufgeladen".
Und so kommt es, dass die Privatschulen seit 15 Jahren kräftige Zuwächse verbuchen, denn sie bieten eine "ausgelesenere Schülerschaft", und ganz nebenbei ist dort auch die "Ausgrenzung von Nichtchristen gesichert", wie Hurrelmann sagt. Es gibt keine Angehörigen anderer Religionen, keine Mehmets und Gülcans, auch wenn das so natürlich keiner sagt – die Eltern loben eher die "gute Wertearbeit" der Schule oder das "intensive Betreuungsprogramm". Auch bei Waldorfschulen melden viele Eltern ihre Kinder an, "aber wenn klar ist, dass es nicht zu dem angestrebten Abschluss kommt, melden sie sie ganz schnell wieder ab".
Und wie ist es bei mir – interessiert mich wirklich, ob mein Sohn später Rilke zitieren kann? Oder habe ich nur Angst, dass er meinen Lebensstandard nicht halten kann, meinen Status? Denke ich jetzt schon an seine Rente? Was rät mir Klaus Hurrelmann? Locker bleiben. "Die Schule in unmittelbarer Nähe sollte absolute Priorität haben." Allein zur Schule gehen zu können, das macht ein Kind selbstständig.
Es gibt sie tatsächlich, die Schule nebenan. Sie ist sogar noch näher als die, an der wir uns angemeldet haben. Mein Sohn müsste bloß über einen Zaun neben unserem Haus klettern, schon wäre er da. Als wir einzogen, sagten Freunde als Erstes: Da könnt ihr die Kinder nicht hingeben. Sie deuteten in Richtung der Hochhaussiedlung zwei Straßen weiter, das soziale Klima. Das Wort "Ausländeranteil" sprachen sie nicht aus, aber sie dachten es sehr laut. Ach, na ja, dachte ich zuerst. Dann flogen Steine über den Zaun. Und ein paar Monate später wurde mein Sohn zum Viereinhalbjährigen-Test zum Schulleiter geladen. Der Schulleiter vertiefte sich in eine Liste, auf die er Häkchen setzte, und guckte ständig auf die Uhr. "Der wartet doch nur auf die Rente", sagte eine Bekannte. Wir haben uns die Schule dann nicht mehr angesehen, und wenn ich manchmal über den Zaun schaue, ahne ich: Die würden meinen Sohn brauchen, dort drüben.
"Natürlich entscheiden Sie sich letzten Endes für Ihr Kind, für Ihre egoistischen Interessen und nicht für das Gemeinwohl", sagt Gabriele Faust, Grundschulforscherin an der Universität Bamberg. Und sie warnt mich davor, überzeugend klingenden Konzepten zu glauben. Es komme immer darauf an, ob und wie sie wirklich umgesetzt würden. Letztendlich, sagt Gabriele Faust, sei sowieso das Elternhaus für die Kinder entscheidend, "Sie sind viel wichtiger als die Schule!" Und dann sagt sie noch, wie erschreckend sie es finde, welches Bild manche Eltern von Schule hätten. Vier Mal habe sie selbst als Grundschullehrerin erste Klassen unterrichtet, und alle Kinder hätten sich an ihrem ersten Schultag gefreut. Der Zauber des Schulranzens, der Schultüte. "Das ist doch eine Zeit, auf die man sich freuen kann!"
Die Kinder – fragt die eigentlich jemand?
Ich verabrede mich mit einem Kinder-Versteher, dem Psychologen Wolfgang Bergmann. Er erzählt mir zuerst etwas über die moderne Familie an sich, darüber, dass sie nicht mehr eingebunden sei in eine Großfamilie, eine Dorfgemeinschaft, einen Kiez. Die schnellen Trennungen und die gleichzeitige Sehnsucht nach Bindung. Wenn diese modernen Paare ein Kind bekommen, rückt es ins Zentrum der Familie, und das sei absolut neu in der Menschheitsgeschichte. Und es ist, wenn man Bergmann glauben kann, gar nicht gut. Auf dem modernen Kind lastet ein enormer Druck. Es muss nach außen zeigen: Das ist eine heile, erfolgreiche Familie. "Für das Kind", sagt Bergmann, "ist das eine paradoxe seelische Situation. Es denkt, es kann alles bekommen. Und gleichzeitig spürt das Kind: Es muss ideal sein." Heute kann ein gehobener Mittelständler in einem Jahr von einem Bestverdiener zum Sozialhilfeempfänger abrutschen. Und das Kind muss die Absicherung nach unten repräsentieren. Deshalb lernen Kinder mit zweieinhalb Chinesisch, deshalb boomen die Nachhilfeinstitute.
Wolfgang Bergmann sagt, reihenweise kämen die Eltern, Mütter vor allem, mit diesen Sorgen in seine Praxis: Das Kind mache nicht mit. Er schickt sie wieder weg. Über meinen Sohn, der auch oft nicht mitmacht, sagt er: "Sein Verhalten ist überhaupt kein Problem. Versuchen Sie nicht, ihn der Norm anzupassen. Es muss Ihnen gelingen, sich vom Mainstream unabhängig zu machen." Natürlich müssen die Schulen besser werden. Aber übereifrige Eltern, sagt Bergmann, schadeten ihren Kindern so nachhaltig, dass man es später nicht mehr auffangen könne. Was mein Kind braucht, sagt er, ist vor allem eine frohe Kindheit. Und die könnten Kinder in einer pädagogisch normierten Gesellschaft nicht erleben. Sie sei sogar für Kinder und die Entwicklung ihrer Intelligenz schädlich. Sein Rat: "Suchen Sie eine Schule, die die Fähigkeit hat, die Eigenart Ihres Kindes zu sehen. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit."
Nach dem Gespräch mit Wolfgang Bergmann stelle ich die Suche ein. Wir bleiben bei der Schule, bei der wir uns angemeldet haben. Die etwas burschikose, aber herzlich wirkende Lehrerin: Ich hatte das Gefühl, sie mochte mein Kind. Und mein Kind mochte sie.
- Datum 07.08.2008 - 11:20 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 07.08.2008 Nr. 33
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Guter Artikel! Ich würde allerdings gerne mal wissen, ob es als Realsatire gemeint war oder sich die Anzeigenabteilung einen Spaß erlaubt hat, dass in der Print-Version direkt auf der Seite 2 des Magazins eine Anzeige zur Internatsberatung ("Vorsprung durch Bildung", "Lernen zum Erlebnis", "eigene Reitschule") neben der zweiten Titelseite zu finden war, die ein "Plädoyer für mehr Gelassenheit bei der Schulwahl" ankündigt.
vielen dank für diesen guten + notwendigen artikel! allerdings ist auch ihnen ein kleiner lapsus unterlaufen, der mir für den überbordenden ehrgeiz vieler eltern bezeichnend scheint: ein fremdsprachiges wörtchen ("postre") als zeichen von schläue? wohl kaum. kinder werden eben nicht schlauer - was auch immer das heißen mag - davon, dass sie spanisch (chinesisch, englisch...) oder reiten lernen. extra musik- oder computer-unterricht macht sie nicht klüger, neugieriger oder erfolgreicher. nicht per se. solange eltern das als investition sehen, als ein "fit for life" masterplan, solange wird das den kindern nur eines vermitteln: lernen hat mit mir und meinem leben nichts zu tun. im besten falle werden sie technokratische besserwisser, im zweitschlimmsten schulschwänzer und geschickte ausredner.der gesunde menschenverstand, den sich die autorin am ende bewahrt, geht den meisten akademisch gebildeten immer mehr verloren. so jedenfalls meine erfahrung. sie sind (wir sind) überkandiert und dem ökonomisierungswahn verfallen: alles, erst recht die schulische (aus)bildung der kleinen lieben, muss sich auszahlen, muss effizient gestaltet und optimal ausgeschöpft werden. wehe den eltern, die sich darauf verlassen, dass spaß an der (lern-)freud das wichtigste ist! das ist ja unverantwortliche vernachlässigung des zukünftigen humankapitals. pfui! und das, wo wir - akademikerinnen!! - die brutstätte zukünftiger fachkräfte sind.allerdings macht es sich der ganze artikel, wie so oft in der zeit, zu einfach. wenn ich schon sehe, wo die fotografierten idötze zur schule gehen...was ist mit den kreuzberger, neuköllner, schöneberger kinder? von den marzahner und hellersdorfer mal ganz zu schweigen. wie sollen diese eltern entscheiden? dort ist die freundliche lehrerin, die vom kind einfach gern gemocht wird, angesichts gravierendster struktureller probleme alles entscheidend. nicht der hohe ausländer/innen-anteil ist gemeint, sondern die nun wirklich fahrlässige unterfinanzierung der schulen um die ecke. dort vertraut der staat inzwischen darauf, dass die, dies es sich leisten können, ihre sprösslinge für teuer geld in (private) schulen quer durch die stadt gondeln. gelassen ist gut und tut not. aber auch die muss man sich leisten können.tanguera
Danke für diesen gelungenen Artikel. Ich selbst bin Lehrer und erschrecke immer häufiger, welche Erwartungen viele Eltern in ihre Kinder projizieren, die diese nie im Leben erfüllen können. Der Artikel hat das recht gut gespiegelt. Mehr Gelassenheit, mehr Vertrauen in das eigene Kind sind nötig. Schule ist wichtig, aber nicht alles. Kinder finden ihren Weg am besten, wenn sie ohne permantenten Druck ihre eigenen Potentiale entfalten können. Wird die Last der Erwartungen zu groß, brechen sie einfach zusammen. Schneller und mit größeren Schäden als jeder Erwachsene.
Schade, dass es die Moeglichkeit in Deutschland nicht gibt, ganz auf Schule zu verzichten. Home Schooling sollte durchaus mal als realistische Alternative zu oeffentlichen und privaten Schulen in Betracht gezogen werden. Die momentane Gesetzeslage sorgt da fuer den Verlust von ziemlich viel Potential.
Mal, ehrlich im Grunde geht es bei der Wahl der Grundschule doch nicht um das Wohl des Kindes, sondern um das Bedürfnis der Eltern nach sozialer Abgrenzung. Wer, der sonst ach so toleranten alternativ angehauchten stätischen Bildungsbürger, will beim Elternabend schon zwischen türkischen Kopftuchmüttern und tätowierten deutschen Prolls sitzen? Soweit geht die Liebe zu Multikulti und sozialer Gerechtigkeit dann doch nicht. Als Großstadtbewohner mit mehreren Kindern haben wir zugebenermaßen diesen ganzen Zirkus um die Schulwahl selbst mitgemacht um am Ende unsere Kinder auf die innerstädtische staatliche Schule mit 80% Migrationsanteil zu schicken, wo sich unsere Kinder sehr sehr wohl fühlen.
Je mehr unser Schulsystem leistungsmäßig nivelliert wird (flächendeckende Gesamtschule), desto mehr werden, wie in anderen Ländern auch, teure Privatschulen diesem Bedürfnis nach sozialer Abgrenzung Rechnung tragen.
Sie haben vermutlich selbst keine Kinder - oder wenn, dann sind oder waren Sie nicht in der Verlegenheit, daß auf dem Pausenhof der zuständigen Sprengelschule mehr Türkisch oder Russisch gesprochen wird als Deutsch. Andernfalls würden Sie Ihr überhebliches Geschwätz sehr schnell einstellen.[Anm.: Bitte bleiben Sie sachlich! Persönliche Angriffe sind hier nicht erwünscht. Danke. /Die Redaktion pt.]
Sie haben vermutlich selbst keine Kinder - oder wenn, dann sind oder waren Sie nicht in der Verlegenheit, daß auf dem Pausenhof der zuständigen Sprengelschule mehr Türkisch oder Russisch gesprochen wird als Deutsch. Andernfalls würden Sie Ihr überhebliches Geschwätz sehr schnell einstellen.[Anm.: Bitte bleiben Sie sachlich! Persönliche Angriffe sind hier nicht erwünscht. Danke. /Die Redaktion pt.]
könnten besser werden, wenn Lehrern beispielsweise eine Art Job-Rotation im gesamten öffentlichen Dienst angeboten würde - z..B. nach 5 Jahren im Lehrdienst mal für 2 Jahre in einen völlig anderen Bereich zu gehen. Das würde die Motivation erhöhen und Lehrern externe Einblicke geben, die wiederum positiv für ihren Unterricht verwendet werden könnten. Warum können Job-Rotation-Lehrer nicht z.B. gezielt in Bildungsforschungsprojekten an Universitäten teilnehmen? Oder in psychologischen Instituten mitarbeiten? Praxiserfahrung im Bildungsbereich haben sie doch und weiterbilden könnten sie sich nebenbei auch noch...
wird in Deutschland deutlich überbewertet. Wer als Brunnenkopf zur Welt kommt, der bleibt sein Leben lang ein Brunnenkopf. Da hilft auch das private katholische Waldorf-Internat nicht mehr. Die Diskussion ist in Deutschland deshalb so emotional, weil die lieben Eltern nicht kapieren wollen, dass ihre Kinder Brunnenköpfe sind, genau wie sie selbst auch welche sind. Wenn man sich selbst sein Leben lang in die Tasche lügt, dann kann man natürlich nicht zulassen, dass die nachfolgende Generation den kollektiven Selbstbetrug aufdeckt. Nein, das geht nicht. Niemals. 'Cause no one can save us, there's no need to try.'
Schwachsinn ist der Kommentar trotzdem! Diese Abqualifizieren von Leuten, als "irgendwie dumm" ist arrogante Sch.... .Daß viele Kinder von Eltern, welche die armen Kleinen mit mehr überschütten an Zuwendung, Verständnis und natürlich auch Erwartungen und (unausgesprochenen) Forderungen, als denen guttut, sich dagegen wehren, indem sie einen auf "dumm" machen ist ja nachvollziehbar; "Dummheit schafft Freizeit"!Dann kommt dazu, daß nicht alle Kinder unbedingt "perfekt schulkompatibel" sind; daß es drum gehen muß, den Lernstoff so zu vermitteln, daß es alle in Grundzügen kapieren; daß "Die 3 wieder die 1 des kleinen Mannes" sein sollte, usw. usf... D.h., die Leistungen des Einzelnen haben an ihm selber gemessen zu werden und nicht an dem, der alles auf ner halben Gesäßhälfte absitzt. Man kann sich da auch ergänzen; ich hab z.B. mit meinem Schulfreund zusammen die Hausaufgaben gemacht, er war eher nicht "schulkompatibel" und ich eher der Typ, der nur ne halbe Hälfte brauchte*g*; nuja, er hat gefragt, ich hab geantwortet und geguckt, ob dem sein Zeug stimmt, manchmal hatter der Einfachheit halber auch mein Zeugs abgeschrieben, man hat ja als Bengel noch wichtigere Sachen wie Hausaufgaben zu tun*g*...Ebenso hat die zu der Zeit junge Mathelehrerin, wenn sie zum 20sten Mal die Trigonometrie erklärte für u.a. meinen Schulfreund den anderen je nach selbsteingeschätzen persönlichen Vermögen Aufgaben gegeben, damit sich Leute wie ich nicht langweilten. Da wurde dann halt in ungefähr 3 Gruppen gelernt, incl. Diskussion in den Gruppen. Und wir waren auch 27 Kinder, war halt noch POS und die Zuballerung der Kinder mit allem möglichen Mist gabs halt so nicht, sodaß es halt nur 1,5 "Klassenclowns" gab, anstatt 7-wasweißich.Oder der (auch junge) Geschichte- und Deutschlehrer; der hat oft zum Anfang der Stunde quasi ein Quiz gemacht; Geschichtszahlen oder in Deutsch Wörter richtig schreiben; 2 waren an den jeweils verdeckten Seitenflägeln der Tafel; der Rest schrieb so mit und eine(r) aus dem Klassenrund hat quasi seine Versionen mit denen an den Tafeln verglichen und die anderen berichtigten halt noch.Dann konnten die Tafelleute entscheiden, ob sie dafür ne "kleine Note" wollten; drei oder 4 davon hatten ungefähr den Rang einer Klassenarbeit. Sinn der Übung ist glaub ich nachvollziehbar; die Klasse war gleich am Anfang ruhig, nebenbei wurde Wissen vertieft auf ne spielerische Art und Weise und ne "Belohnung" gabs auch noch; wenn einer ne Klassenarbeit verhauen hatte, konnte er mit den Quiz halt seine Note wieder aus dem roten Bereich holen.Wie weiter oben von Mitkommentatoren erwähnt; es kommt sehr viel auf den Lehrer an, und natürlich auch dadrauf, daß es die Eltern nicht als persönliche Beleidigung nehmen, wenn ihr Sproß mal ne 5 nach Hause trägt. Etwas mehr Gelassenheit, die Kinder auch Kinder sein lassen incl. Zeit, wo sie sich rumtreiben können und mit anderen auch mal Blödsinn machen, das gehört halt auch dazu. Und vor allem das arme Kind nicht auch schon mit der "Leistungsgesellschaft" erschlagen; die meisten machen ihr Ding, wenn man sie läßt.Die "Gesamtschule" ist, wenn richtig durchgezogen ein gutes Konzept; ein "Grundprogramm für alle" und differenzierte Stunden je nach Neigung und Interesse in kleineren Gruppen, incl. den "Nichtschulkompatiblen" sowas wie Nachhilfe geben.Ebenso ist das Konzept Hausaufgaben m.E. fragwürdig; viele Eltern sind ab ca. der 5. Klasse überfordert, alles richtig kontrollieren zu können; es ist halt auch nicht so einfach, wenn (wie ein ehemaliger Arbeitskollege; Stahlbauer/Schweißer) anfangen muß nach ca. 11h Arbeit/Weg/Pause die Schulbücher seines Sohnes zu kapieren.Ebenjener ist im Übrigen im Hort und da wird auch ein Fehler von den "Tanten" gekartet, indem gesagt wird, daß, wer seine Hausaufgaben fertig hat, rausgehen darf zum Spielen, OHNE das alles sich zumindest mal anzuschauen*kopfpatsch*!D.h. der oder seine Madame setzen sich halt jeden Abend nochma mit dem Bengel hin, um zu gucken, ob der sein Zeug auch wirklich halbwegs richtig gemacht hat...Es wäre halt sinnvoll, die Kinder könnten in kleineren (gemischten) Gruppen in der Schule von nem/ner Lehrer/Lehrerin moderiert ihre Unterrichtsnachbereitung machen.Und da brauch ich nicht verschiedene Schulkonzepte ala Waldorf, konfesiionelle Schulen oder irgendwelche Privatschulen, es sollte doch wünschenswert sein, daß die Kinder anhand der schulischen Einrichtung sich selber werten; ala "Rütli=Looser"; "Privatschule=Elite".
Schwachsinn ist der Kommentar trotzdem! Diese Abqualifizieren von Leuten, als "irgendwie dumm" ist arrogante Sch.... .Daß viele Kinder von Eltern, welche die armen Kleinen mit mehr überschütten an Zuwendung, Verständnis und natürlich auch Erwartungen und (unausgesprochenen) Forderungen, als denen guttut, sich dagegen wehren, indem sie einen auf "dumm" machen ist ja nachvollziehbar; "Dummheit schafft Freizeit"!Dann kommt dazu, daß nicht alle Kinder unbedingt "perfekt schulkompatibel" sind; daß es drum gehen muß, den Lernstoff so zu vermitteln, daß es alle in Grundzügen kapieren; daß "Die 3 wieder die 1 des kleinen Mannes" sein sollte, usw. usf... D.h., die Leistungen des Einzelnen haben an ihm selber gemessen zu werden und nicht an dem, der alles auf ner halben Gesäßhälfte absitzt. Man kann sich da auch ergänzen; ich hab z.B. mit meinem Schulfreund zusammen die Hausaufgaben gemacht, er war eher nicht "schulkompatibel" und ich eher der Typ, der nur ne halbe Hälfte brauchte*g*; nuja, er hat gefragt, ich hab geantwortet und geguckt, ob dem sein Zeug stimmt, manchmal hatter der Einfachheit halber auch mein Zeugs abgeschrieben, man hat ja als Bengel noch wichtigere Sachen wie Hausaufgaben zu tun*g*...Ebenso hat die zu der Zeit junge Mathelehrerin, wenn sie zum 20sten Mal die Trigonometrie erklärte für u.a. meinen Schulfreund den anderen je nach selbsteingeschätzen persönlichen Vermögen Aufgaben gegeben, damit sich Leute wie ich nicht langweilten. Da wurde dann halt in ungefähr 3 Gruppen gelernt, incl. Diskussion in den Gruppen. Und wir waren auch 27 Kinder, war halt noch POS und die Zuballerung der Kinder mit allem möglichen Mist gabs halt so nicht, sodaß es halt nur 1,5 "Klassenclowns" gab, anstatt 7-wasweißich.Oder der (auch junge) Geschichte- und Deutschlehrer; der hat oft zum Anfang der Stunde quasi ein Quiz gemacht; Geschichtszahlen oder in Deutsch Wörter richtig schreiben; 2 waren an den jeweils verdeckten Seitenflägeln der Tafel; der Rest schrieb so mit und eine(r) aus dem Klassenrund hat quasi seine Versionen mit denen an den Tafeln verglichen und die anderen berichtigten halt noch.Dann konnten die Tafelleute entscheiden, ob sie dafür ne "kleine Note" wollten; drei oder 4 davon hatten ungefähr den Rang einer Klassenarbeit. Sinn der Übung ist glaub ich nachvollziehbar; die Klasse war gleich am Anfang ruhig, nebenbei wurde Wissen vertieft auf ne spielerische Art und Weise und ne "Belohnung" gabs auch noch; wenn einer ne Klassenarbeit verhauen hatte, konnte er mit den Quiz halt seine Note wieder aus dem roten Bereich holen.Wie weiter oben von Mitkommentatoren erwähnt; es kommt sehr viel auf den Lehrer an, und natürlich auch dadrauf, daß es die Eltern nicht als persönliche Beleidigung nehmen, wenn ihr Sproß mal ne 5 nach Hause trägt. Etwas mehr Gelassenheit, die Kinder auch Kinder sein lassen incl. Zeit, wo sie sich rumtreiben können und mit anderen auch mal Blödsinn machen, das gehört halt auch dazu. Und vor allem das arme Kind nicht auch schon mit der "Leistungsgesellschaft" erschlagen; die meisten machen ihr Ding, wenn man sie läßt.Die "Gesamtschule" ist, wenn richtig durchgezogen ein gutes Konzept; ein "Grundprogramm für alle" und differenzierte Stunden je nach Neigung und Interesse in kleineren Gruppen, incl. den "Nichtschulkompatiblen" sowas wie Nachhilfe geben.Ebenso ist das Konzept Hausaufgaben m.E. fragwürdig; viele Eltern sind ab ca. der 5. Klasse überfordert, alles richtig kontrollieren zu können; es ist halt auch nicht so einfach, wenn (wie ein ehemaliger Arbeitskollege; Stahlbauer/Schweißer) anfangen muß nach ca. 11h Arbeit/Weg/Pause die Schulbücher seines Sohnes zu kapieren.Ebenjener ist im Übrigen im Hort und da wird auch ein Fehler von den "Tanten" gekartet, indem gesagt wird, daß, wer seine Hausaufgaben fertig hat, rausgehen darf zum Spielen, OHNE das alles sich zumindest mal anzuschauen*kopfpatsch*!D.h. der oder seine Madame setzen sich halt jeden Abend nochma mit dem Bengel hin, um zu gucken, ob der sein Zeug auch wirklich halbwegs richtig gemacht hat...Es wäre halt sinnvoll, die Kinder könnten in kleineren (gemischten) Gruppen in der Schule von nem/ner Lehrer/Lehrerin moderiert ihre Unterrichtsnachbereitung machen.Und da brauch ich nicht verschiedene Schulkonzepte ala Waldorf, konfesiionelle Schulen oder irgendwelche Privatschulen, es sollte doch wünschenswert sein, daß die Kinder anhand der schulischen Einrichtung sich selber werten; ala "Rütli=Looser"; "Privatschule=Elite".
Ich gestehe ein, auch ich habe mich in die Reihe der der so treffend im Artikel beschriebenen Eltern eingereiht. Sicherlich schießen viele Eltern, wie beschrieben, über das Ziel hinaus, dennoch muß auch die Frage nach den objektiv nachvollziehbaren Gründen erlaubt sein.Mittlerweile gehört es ja zum unbestrittenen Allgemeinwissen, dass die Schule eine der wichtigen Sozialisationsinstanzen darstellt.Warum also soll jemand sein nach landläufigen Grundsätzen gut erzogenes auf eine Schule schicken, wo auf dem Pausenhof die Fäkalsprache überwiegt und womöglich Sicherheitsdienste das Hineinschmuggeln von Waffen unterbinden müssen?Warum soll jemand sein Kind, dem man mühsam beigebracht hat, dass Gewalt keine Lösung ist und das bessere Argument zählt, sein Kind auf eine Schule schicken, wo schon die Lehrer bedroht werden?Warum sollte jemand sein Kind, mit dem man im Zoo war, das Blumen kennt, das vielleicht mal ein paar Tage auf dem Bauernhof verbracht hat, auf eine Schule schicken, wo aufgrund eines niedrigen Niveaus der deutschen Sprache die Lehrerin im Biologieunterricht schon glücklich ist, wenn das Wort Blume bekannt ist, eine Differenzierung nach Rose oder Tulpe aber nicht meht stattfindet?Warum soll jemand sein Kind auf eine Schule schicken, wo aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse eine Förderung der Stärkeren nicht mehr erfolgt, weil ständig diejenigen durchgechleppt werden, denen eigentlich das erforderliche Niveau fehlt?Warum also sollen Eltern diese Variante wählen, wenn die genannten Probleme zumindest teilweise vermeidbar sind? Eltern, die wider besseres Wissen und Können ihren Kindern nicht die besten Startchanchen geben sind Rabeneltern!Wenn dann nicht mehr drin war, dann sind die Realitäten eben so. Hier prangert der Artikel zu recht an.Warum also diese Abstimmung der Eltern "mit den Füssen"?Offensichtlich, weil das Vertrauen in die herkömmliche Institution Schule verloren gegangen ist. Denn im Zuge der gesamten Diskussion um Integration, Bildungschanchen und Chanchengleichheit ist mir ein Aspekt verloren gegangen:Chanchengleichheit bedeutet für mich, nicht nur die Schwächsten mit allen Anstrengungen auf das Niveau des Rests fördern zu wollen, sondern auch gerade diesen Rest gemäß der Fähigkeiten zu fördern, anstatt ständig zu nivellieren.Wenn alle Eltern das berechtigte Gefühl hätten, ihre Kinder würden den Fähigkeiten gemäß gefördert, wäre der Artikel überflüssig.Leider sieht die Realität anders aus!
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