Olympia "Das IOC verrät die olympischen Ideale"»Das IOC verrät die olympischen Ideale«

Die Schwimmlegende Michael Groß übt scharfe Kritik am IOC. Dieser "undemokratische Club" hätte die Menschenrechtslage in China längst kritisieren müssen. Ein Interview

DIE ZEIT: Sie sind der bekannteste deutsche Schwimmer, in den achtziger Jahren gewannen Sie dreimal olympisches Gold. Sind Sie neidisch auf die Athleten, die jetzt nach Peking reisen?

Michael Groß: Ja, klar. Olympia ist das Schönste, was einem als Sportler passieren kann.

ZEIT: Dass China politisch Andersdenkende ins Gefängnis sperrt, dämpft Ihre Freude über Olympia nicht?

Groß: Doch. Aber Vorrang hat das olympische Gefühl.

ZEIT: Bevor Sie 1988 zu den Spielen nach Südkorea fuhren, planten Sie, dort gegen die Militärdiktatur zu protestieren – ließen es dann aber. Warum?

Groß: Als ich in Seoul war, spielte für mich nur noch der Sport eine Rolle. Ich hatte jahrelang trainiert. Alles, was mich ablenkte, schob ich weg.

ZEIT: Einige Sportler haben in Peking Proteste angekündigt. Sie erwägen, die Eröffnungsfeier zu boykottieren oder symbolische Armbänder zu tragen. Haben Sie dafür Verständnis?

Groß: Politische Meinungsäußerung an den olympischen Stätten ist verboten, und das finde ich richtig. Es gibt so viele Missstände, gegen die man protestierten könnte, die Todesstrafe, Guantánamo, das würde Olympia überfordern. Außerhalb des olympischen Dorfs und der Stadien muss es aber möglich sein, seine Meinung kundzutun. Das hat Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, vor Kurzem erst zugesichert. Er sollte schon mal überlegen, was er sagt, wenn die Chinesen das nicht tolerieren. Die Zensur der Olympia-Journalisten, die nicht frei im Internet recherchieren können, ist der erste Sündenfall – erbärmlich! Das IOC verrät die olympischen Ideale.

ZEIT: Was befürchten Sie?

Groß: Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Liveübertragung vom Platz des Himmlischen Friedens, im Zentrum Pekings, und plötzlich käme es zu Protesten, Tumulten. Die Chinesen könnten die Leitungen kappen, die Pressefreiheit einschränken. Und wer weiß, was noch. Ich hoffe sehr, dass keine Deutschen oder anderen Olympia-Besucher in chinesischen Gefängnissen landen.

ZEIT: Das Internationale Olympische Komitee hält sich mit Kritik an China auffallend zurück – während sich die westliche Welt darüber erregt, dass China im Frühjahr in Tibet Demonstranten verprügeln ließ und auch den ein oder anderen Bürgerrechtler im eigenen Land schnell noch wegsperrt. Sollte das IOC China härter angehen?

Groß: Das IOC hätte sich längst um die Verständigung von Tibetern und Chinesen kümmern und auch die Verletzung von Menschenrechten in China deutlicher ansprechen müssen. Eine unpolitische Organisation wie diese ist am ehesten geeignet, Brücken zu bauen. In der Olympischen Charta ist das Ziel der Völkerverständigung festgeschrieben. Die Olympischen Spiele sind kein Wald-und-Wiesenfest, sondern ein politisches Statement. Aber das IOC ist leider selbst kein Hort der Demokratie, sondern ein Club von Leuten, die sich selber wählen.

ZEIT: Wäre es besser gewesen, die Olympischen Spiele erst gar nicht an China zu vergeben?

Groß: Ich halte die Entscheidung von 2001 für richtig. Nur sind seitdem sieben Jahre ungenutzt verstrichen. Wie viel hätte man bewegen können! Ich bin 1980 zum ersten Mal nach China gereist, als offizieller Staatsgast. China war noch ein abgeschottetes Land. Wenige Menschen können sich vorstellen, wie es aussah. Nie vergessen werde ich die Heerscharen von Fahrrädern am Platz des Himmlischen Friedens in Peking – wie Ameisen, überall schwarze Punkte. Ich habe damals viel über chinesische Traditionen gelernt. Wie präsent sie im Alltag sind. An ein solches Land darf der Westen nicht hochnäsig herangehen. Auch deshalb ist es nachvollziehbar, Olympische Spiele dort ausrichten zu lassen, von einer so stolzen Nation.

ZEIT: Was hätten Sie sich für China am meisten gewünscht?

Groß: Ein Treffen der chinesischen Führung mit dem Dalai Lama auf neutralem Grund, vermittelt vom IOC. Stellen Sie sich vor, was für eine Wirkung das gehabt hätte – auch in China, auf die eigenen Bürger.

ZEIT: Sympathisieren Sie mit den Tibetern, wie es viele Deutsche tun?

Groß: Ich habe Tibet in den neunziger Jahren mit dem Mountainbike bereist, vier Wochen lang. Tibet ist ein faszinierendes Land, aber die Menschen leben außerhalb der großen Städte in tiefster Armut. Ich frage mich, ob wir nicht zu sehr unsere Ideale auf sie projizieren. Die Chinesen behaupten, sie betrieben in Tibet Entwicklungspolitik. Auch wenn vieles Propaganda ist: Es gehört ja nicht zu unseren Idealen, Menschen vom Fortschritt auszuschließen, den Tibet dringend benötigt.

ZEIT: Selbst wenn es China gelingen sollte, alle Proteste zu unterdrücken, könnte das schöne Bild von Olympia befleckt werden – durch Doping. China führt zwar offiziell scharfe Kontrollen durch, behindert aber unabhängige Kontrolleure. Können die Wettkämpfe überhaupt fair sein?

Groß: Ich denke, schon, im Rahmen des Machbaren. Doping wird es immer geben, daher muss man es mit allen Mitteln bekämpfen.

ZEIT: Am Samstag beginnen die Schwimmwettkämpfe, und wenn man sich diese Sportler anschaut, kann man kaum glauben, dass sie nicht gedopt sind – etwa die Amerikanerin Dara Torres. Sie ist 41 Jahre alt und war wie Sie schon 1984 in Los Angeles dabei, eine dürre Frau mit erstaunlichen Muskeln.

Groß: Ich kenne Dara Torres seit 1983. Sie ist extrem talentiert und hat von Natur aus eine gertenschlanke Modelfigur. Wie sie heute noch Weltklasseleistungen schafft, weiß ich nicht. Sie ist vermögend, hat ein Kind, ist gesund und muss sich nichts mehr beweisen. Warum sollte sie dopen? Als Sportler habe ich mir über Doping selten Gedanken gemacht.

ZEIT: Das ist kaum zu glauben.

Groß: Es gibt immer noch Weltklasseleistungen ohne Doping, der Überzeugung bin ich. In manchen Sportarten hat sich in den letzten Jahren jedoch viel in die falsche Richtung entwickelt. Heute ist es im Radsport normal, in jungen Jahren gleich Kortison zu nehmen, wenn das Knie zwickt. Und zum Doping ist es vom legalisierten Medikamentenmissbrauch nur ein kleiner Schritt. Ich begreife nicht, dass Menschen es sich antun, Mittel mit unbekannten Nebenwirkungen zu nehmen. Ich war mal Mitglied der Anti-Doping-Kommission im Radsport. Wir gaben die Arbeit nach kurzer Zeit auf, denn wir hatten nicht die ausreichende Unterstützung des Verbands. Es war ein Morast. Man trat rein und ging unter.

ZEIT: Sind Sie selbst nie in Versuchung gekommen, unerlaubte Mittel zu nehmen?

Groß: Nein. Ganz einfach weil für mich Sport immer Nebensache und Betrug schlicht unvorstellbar war. Ich habe einen Monat vor Olympia in Los Angeles 1984 Abitur gemacht, und nach den Spielen von Seoul bin ich gleich wieder an die Uni gegangen. Mein Trainer von damals ist bis heute Oberstudienrat und kam wegen Prüfungen manchmal nicht zum Training. Da lernt man, was wirklich wichtig ist. Wenn mich junge Athleten fragen, was das Wichtigste im Sport ist, dann sage ich: Abitur zu machen. Dann gucken mich viele mit großen Augen an.

ZEIT: Sie führen heute eine PR-Agentur in Frankfurt. Welchen Rat würden Sie China geben, um sein Renommee zu verbessern?

Groß: Ich bin nicht berufen, politischen Rat zu erteilen. Aber eins ist sicher: Auf Dauer schafft es kein Land der Welt, den Menschen ihre natürlichen Rechte zu verwehren.

ZEIT: Seit Ihren großen Erfolgen als Schwimmer sind mehr als 20 Jahre vergangen. Heute werden wieder viele Schwimmweltrekorde aufgestellt, leider nur selten von Deutschen. Was läuft falsch?

Groß: Es fehlen Charaktere, die ihren Weg gehen und lernen, selbst Widerstände zu überwinden. Am Ende steht jeder allein auf dem Startblock, da hilft einem kein Trainer und auch nicht der Mentalcoach. Ich hatte keinen Psychologen als Berater, aber ich habe früh Wettkampfhärte gelernt – fit zu sein auf die Sekunde.

ZEIT: Schwimmen Sie noch?

Groß: Dazu habe ich wenig Zeit. Wenn Sie mich jetzt ins Wasser werfen, schaffe ich die 100 Meter zwar immer noch in weniger als einer Minute. Der Weltrekord im Freistil liegt jedoch unter 48 Sekunden.

Das Gespräch führte Jörg Burger.

 
Leser-Kommentare
  1. Origiginalton Groß: "Ich hoffe sehr, dass keine Deutschen oder anderen Olympia-Besucher in chinesischen Gefängnissen landen."Und was ist mit den Chinesen, die Herr Groß hier in seinen zu einem "stolzen Volk" verklärt? Heißt das, es muss uns nicht weiter sorgen, wenn diese "noblen Wilden" protestieren und dafür eingesperrt werden, solange unsere Frau Almsick und Frau Henkel verschont bleiben? Heißt das, es muss uns nicht weiter tangieren, wenn chinesische Journalisten und Leser der Zensur unterliegen, solange selbige nicht auf den Besuch auf dem aufgeklärten Westen Anwendung findet? Ich bitte Sie. Wir sollten langsam aufhören, uns wie beleidigte Grundschullehrer aufzuführen, weil die chinesische Regierung seit der Vergabe der Spiele ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätte. Sie hat ihre Aufgaben gemacht, und verzichtet scheinbar gerne auf den Bienchernstempel vom IOC. Sie hat den Fackelzug durch Tibet geschickt -- welch eine Botschaft an das eigene Volk -- und sie habt ausländischen wie einheimischen Journalisten das Internet beschränkt und zahlreiche andere Maßnahmen erlassen, die uns befremden. Nicht nur, weil das alles düstere Dinge im Reich der Mitte in Augenschein rückt, sondern auch, weil es ein unangenehmes Licht auf uns selbst wirft: auf die unbelehrbaren Idealisten, die meinen, die Welt sei mal eben nach ihren Vorstellungen reformierbar ebenso wie auf diverse abgeklärte Ökonomen, die eigentlich nur hoffen, daß am Ende die Kasse stimmt.

  2. Olympia ist Geld Geld Geld Geld Geld Geld Geld Geld Geld GeldAlles andere ist eine nostalgische Lüge.

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    leben oft lang.
    Olympia ist seit langem ins Fadenkreuz geraten aufgund der Kommerzialisierung. Trotzdem bewerben sich alle 4 Jatarget="_blank" hrefe viele Städte um die Ausrichtung und eine Teilnahme an den Spielen ist ein Traum für viele Sportler.
    Wie gesagt, Totgesagte leben oft lang.

    leben oft lang.
    Olympia ist seit langem ins Fadenkreuz geraten aufgund der Kommerzialisierung. Trotzdem bewerben sich alle 4 Jatarget="_blank" hrefe viele Städte um die Ausrichtung und eine Teilnahme an den Spielen ist ein Traum für viele Sportler.
    Wie gesagt, Totgesagte leben oft lang.

  3. Bitte hören Sie mal endlich auf, sich als Herr der Welt zu spielen. Wie viele wissen Sie über Demokratie und Freiheit? Wie viele wissen Sie über Menschenrecht? Wie viele wissen Sie über China? Sie kennen nur eigene Demokratie auf eigener Nase, Sie wissen überhaupt nicht, ob diese Demokratie anderswo passt.

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    Wenn sie das in ihrem Leben geleistet haben was Herr Groß hinter sich hat und viele Goldmedallien gewonnen haben, dann koennen sie ihre Kritik berechtigt abgeben. Und meine Frage waere was wissen sie ueber Demokratie, Menschenrecht und Freiheit?

    Wenn sie das in ihrem Leben geleistet haben was Herr Groß hinter sich hat und viele Goldmedallien gewonnen haben, dann koennen sie ihre Kritik berechtigt abgeben. Und meine Frage waere was wissen sie ueber Demokratie, Menschenrecht und Freiheit?

  4. Wenn sie das in ihrem Leben geleistet haben was Herr Groß hinter sich hat und viele Goldmedallien gewonnen haben, dann koennen sie ihre Kritik berechtigt abgeben. Und meine Frage waere was wissen sie ueber Demokratie, Menschenrecht und Freiheit?

    Antwort auf "Michael Groß "
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    Goldmedallien = Richtigkeit?

    • self22
    • 07.08.2008 um 12:02 Uhr

    ich wusste noch gar nicht, dass in der Demokratie nur der eine Meinung vertreten darf, der etwas geleistet hat. Ich glaube, Sie müssen da auch noch einmal nachlesen, wie das mit der Demokratie gemeint ist. Mir ist bisher jedenfalls nicht klar, warum jemand die Welt besser verstehen sollte, nur weil er sich besonders schnell im Wasser bewegen kann. Die moderne Medienlandschaft sorgt eben LEIDER dafür, dass nur VIP's sich noch zu "Gott und der Welt" respektabel äußern können. Selbst Talkshows strotzen nur so von diesem Zeugs. Wahrscheinlich sind die wirklich die Einzigen, die die Welt verstehen. :-)      

    Diese Logik erschliesst sich mir auch nicht und wird ja gern auch im öffentlichen Raum verwendet um die irrsinnigsten Dinge zu rechtfertigen...Da fallen mir aber einige Personen der Zeitgeschichte (nicht nur der deutschen) ein, auf denen die Bezeichnung "Leistung" sicher objektiv zutrifft, die aber sicher auch Sie nicht verteidigen möchten... 

    Goldmedallien = Richtigkeit?

    • self22
    • 07.08.2008 um 12:02 Uhr

    ich wusste noch gar nicht, dass in der Demokratie nur der eine Meinung vertreten darf, der etwas geleistet hat. Ich glaube, Sie müssen da auch noch einmal nachlesen, wie das mit der Demokratie gemeint ist. Mir ist bisher jedenfalls nicht klar, warum jemand die Welt besser verstehen sollte, nur weil er sich besonders schnell im Wasser bewegen kann. Die moderne Medienlandschaft sorgt eben LEIDER dafür, dass nur VIP's sich noch zu "Gott und der Welt" respektabel äußern können. Selbst Talkshows strotzen nur so von diesem Zeugs. Wahrscheinlich sind die wirklich die Einzigen, die die Welt verstehen. :-)      

    Diese Logik erschliesst sich mir auch nicht und wird ja gern auch im öffentlichen Raum verwendet um die irrsinnigsten Dinge zu rechtfertigen...Da fallen mir aber einige Personen der Zeitgeschichte (nicht nur der deutschen) ein, auf denen die Bezeichnung "Leistung" sicher objektiv zutrifft, die aber sicher auch Sie nicht verteidigen möchten... 

  5. Goldmedallien = Richtigkeit?

    Antwort auf "Lieber Sharepoint"
  6. eben egozentrische Personen, da wird aus einem geplanten Protest eben mal nix, denn man "schiebt" eben lieber alles weg um den Erfolg nicht zu gefähren...Da sind dann die fehlenden Ideale die man anderen vorwirft eben auch nicht mal vor der eigenen Tür präsent! Schade Herr Groß!Wie gesagt, man kann Herrn Groß und vorallem allen Funktionären nur empfehlen die Dissidenten und andere in den menschenunwürdigen Gefängnissen mal zu besuchen (auch mal die "schwarzen" inoffiziellen) oder mal einem Vollzug der Todesstrafe beizuwohnen! Und anstatt durch Tibet zu düsen (was ja ok ist) und hier Mister Superschlau zu spielen könnte Herr Groß ja auch mal die (noch härteren) Haftbedingungen dort besuchen und dann urteilen!Und dann noch diese Doping Märchen... Selbst wenn man eben nicht rein stofflich, z.b. durch Medikamente & andere Stoffe, dopt..Bei uns findet man in der Jugend z.B. zum Turnsport, wird gefördert und am Ende steht viel. dann eine Olympia Karriere..In China (und wohl auch anderen Staaten) werden eben mal 200.000 Kinder auf ihr Potential untersucht (Knochenbau, -struktur etc.) und dann in Sportstätten intensivst "gefördert"... Ob das immer so dem freien Menschen repräsentiert..Aber das Thema wird ja eh kaum angesprochen, denn schließlich profitierte auch Deutschland von seinen Ost-Athelten die in den Sporthochschulen der DDR "gefördert" wurden...Olympia ist am Limit, getrickst wurde schon in der Antike, nur von einem modernen Menschen, Herr Groß, erwarte ich mehr Übersicht!  

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    • self22
    • 07.08.2008 um 12:33 Uhr

    Sehr gute Zusammenfassung. Ganz unterbewusst habe ich mich in den letzten Jahren schon von verschiedenen Sportarten verabschiedet. Das ging in den 90ern los mit dem Turnen der "Damen" besser "Babies". Beim Stufenbarren hatte ich das Gefühl bei Kinderfolter dabei zu sitzen. Dann kam Radfahren, nachdem mir klar wurde, das kein chemisch unbehandelter Mensch so schnell die Pyrenäen hinauf kommt. Dann erfährt man, wie schon die 17-Millionen-DDR zur größten Schwimmsportnation wurde. Und jetzt die Chinesen. Die ja bestimmt nur sauberes Training ohne jeglichen Zwang und Kindesmisshandlungen praktizieren. Ich glaube ja auch an den Weihnachtsmann. Der Mensch hat eben ein natürliches Limit. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass wir da angelangt sind. Ohne das viele Geld, dass sich durch die zu erreichende Bekanntheit im Nachhinein verdienen läßt ( noch Jahrzehnte später darf ein Gold-Schwimmer noch gut bezahlte Interviews zu Irgendetwas geben ) würde dies kein Mensch mehr seiner Gesundheit antun (jedenfalls abgesehen von den süchtigen Extremsportlern). Der ursprüngliche Gedanke des Sports zur "Körperertüchtigung" sprich Förderung der Gesundheit, ist ja völlig in das Gegenteil abgedriftet. Im Alter werden dann die Folgeerscheinungen des Leistungsports behandelt.         

    • self22
    • 07.08.2008 um 12:33 Uhr

    Sehr gute Zusammenfassung. Ganz unterbewusst habe ich mich in den letzten Jahren schon von verschiedenen Sportarten verabschiedet. Das ging in den 90ern los mit dem Turnen der "Damen" besser "Babies". Beim Stufenbarren hatte ich das Gefühl bei Kinderfolter dabei zu sitzen. Dann kam Radfahren, nachdem mir klar wurde, das kein chemisch unbehandelter Mensch so schnell die Pyrenäen hinauf kommt. Dann erfährt man, wie schon die 17-Millionen-DDR zur größten Schwimmsportnation wurde. Und jetzt die Chinesen. Die ja bestimmt nur sauberes Training ohne jeglichen Zwang und Kindesmisshandlungen praktizieren. Ich glaube ja auch an den Weihnachtsmann. Der Mensch hat eben ein natürliches Limit. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass wir da angelangt sind. Ohne das viele Geld, dass sich durch die zu erreichende Bekanntheit im Nachhinein verdienen läßt ( noch Jahrzehnte später darf ein Gold-Schwimmer noch gut bezahlte Interviews zu Irgendetwas geben ) würde dies kein Mensch mehr seiner Gesundheit antun (jedenfalls abgesehen von den süchtigen Extremsportlern). Der ursprüngliche Gedanke des Sports zur "Körperertüchtigung" sprich Förderung der Gesundheit, ist ja völlig in das Gegenteil abgedriftet. Im Alter werden dann die Folgeerscheinungen des Leistungsports behandelt.         

    • self22
    • 07.08.2008 um 12:02 Uhr

    ich wusste noch gar nicht, dass in der Demokratie nur der eine Meinung vertreten darf, der etwas geleistet hat. Ich glaube, Sie müssen da auch noch einmal nachlesen, wie das mit der Demokratie gemeint ist. Mir ist bisher jedenfalls nicht klar, warum jemand die Welt besser verstehen sollte, nur weil er sich besonders schnell im Wasser bewegen kann. Die moderne Medienlandschaft sorgt eben LEIDER dafür, dass nur VIP's sich noch zu "Gott und der Welt" respektabel äußern können. Selbst Talkshows strotzen nur so von diesem Zeugs. Wahrscheinlich sind die wirklich die Einzigen, die die Welt verstehen. :-)      

    Antwort auf "Lieber Sharepoint"
  7. Diese Logik erschliesst sich mir auch nicht und wird ja gern auch im öffentlichen Raum verwendet um die irrsinnigsten Dinge zu rechtfertigen...Da fallen mir aber einige Personen der Zeitgeschichte (nicht nur der deutschen) ein, auf denen die Bezeichnung "Leistung" sicher objektiv zutrifft, die aber sicher auch Sie nicht verteidigen möchten... 

    Antwort auf "Lieber Sharepoint"

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  • Quelle DIE ZEIT, 07.08.2008 Nr. 33
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  • Schlagworte Leistungssport | Doping | Sportler
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