Evolution Der sanfte AtheistDer sanfte Atheist

Pascal Boyer erklärt die Religion als Nebeneffekt der biologischen Selektion. Ein Glaubensgegner ist der Religionsanthropologe deshalb nicht

Die Luft steht im alten Senatssaal der Universität Frankfurt. An diesem Sommertag herrschen schon vormittags drückende Temperaturen. Dennoch bewahren die versammelten Theologen, Philosophen und Naturwissenschaftler Haltung. Niemand lockert die Krawatte oder legt das Jackett ab – bis auf einen. Ausgerechnet der Hauptredner gibt sich lässig. Kurzärmelig tritt Pascal Boyer ans Rednerpult, erläutert gestenreich seine Ideen und stört sich auch nicht weiter daran, dass dabei allmählich das Hemd aus der Hose zu rutschen beginnt.

Schon optisch wird der Unterschied zwischen Boyer und seinen Zuhörern deutlich: hier der französischstämmige Religionsanthropologe, der auf erfrischend unverkrampfte Art über religiöse Fragen nachdenkt; dort die deutschen Fachleute, die sich an die althergebrachte akademische Ordnung halten und das vielschichtige Thema Religion streng in theologische, soziologische und philosophische Aspekte trennen. Da wirkt ein Forscher wie Boyer, der über solch disziplinäre Grenzen hinausdenkt, wie ein Hochseilartist auf einem Pfarrgemeindefest.

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Für zwei Wochen ist der Professor für »kollektives und individuelles Gedächtnis« von der Washington University in St. Louis nach Frankfurt gekommen, als Fellow ans hiesige Institut für Religionsphilosophische Forschung. Und heute soll Boyer einem größeren Wissenschaftlerkreis Rede und Antwort stehen. Denn evolutionsbiologische Erklärungen der Religion sind derzeit ebenso beliebt wie umstritten. Der britische Biologe Richard Dawkins gründet darauf zum Beispiel sein Buch Der Gotteswahn, mit dem er gegen jedweden religiösen Glauben zu Feld zieht und zu einem militanten Atheismus aufruft. Dawkins zitiert auch Boyer als Kronzeugen. Gehört der Franzose also ebenfalls zu den wissenschaftlichen Gottesgegnern?

Ihm gehe es nicht darum, den Inhalt eines religiösen Glaubens zu beweisen oder zu widerlegen, erklärt Boyer gleich zu Beginn. »Ich bin vor allem daran interessiert, wie religiöse Ideen entstehen, wie sie funktionieren und welche Folgen sie haben.« Er persönlich glaube zwar nicht an Gott, aber anders als Richard Dawkins sei er ein »Atheist ohne Agenda«.

In Kamerun ist die Frage nach der Herkunft des Bösen völlig unbedeutend

Seine Unvoreingenommenheit rührt auch daher, dass der Sohn einer Katholikin und eines Juden selbst »religiös völlig indifferent« aufgewachsen ist. »Der Glaube spielte bei uns zu Hause überhaupt keine Rolle«, erzählt Boyer. »Während meiner Jugend in Frankreich kannte ich niemanden, der auch nur jemanden kannte, der religiös gewesen wäre. Das Thema war sozusagen inexistent.«

Erst während seiner Feldforschung in Afrika, unter anderem beim Volk der Fang in Kamerun, stieß Pascal Boyer auf das Thema Religion. Dort begann er sich erstmals zu fragen, wie sich die erstaunliche Vielfalt religiöser Glaubensvorstellungen rund um den Globus erklären lasse. Zugleich wurde ihm in Afrika bewusst, dass das abendländische Verständnis von Religion keinesfalls universell gültig ist. »Nehmen wir beispielsweise die Grundfrage der Theodizee – warum existiert das Böse? In Kamerun gilt diese Frage als völlig unbedeutend, das interessiert dort niemanden«, erzählt Boyer in Frankfurt, wohl wissend, dass dies für die anwesenden Theologen wie ein Affront klingt. Religion ohne Theodizee – darf man das überhaupt als Religion bezeichnen?

Während einige Zuhörer nervös auf ihren Sitzen hin und her rutschen – ob wegen der Hitze oder der ungewohnten Argumentation, ist schwer zu beurteilen –, kommt der Anthropologe nun erst so richtig auf Betriebstemperatur. Fast fröhlich erklärt er seinem Publikum, dass Theologen und Religionsforscher leider »häufig aneinander vorbeireden«. Während die einen ihre theologischen Auslegungen im Blick hätten, würden Forscher wie er die Religion als »weitverbreitetes soziales Phänomen« betrachten und deshalb ganz andere Aspekte sehen. »Das ist wie in der Literaturwissenschaft: Die einen beschäftigen sich mit Shakespeare, Joyce und so weiter; die anderen studieren die Auslagen der Bahnhofsbuchhandlungen, weil diese Massenliteratur weiter verbreitet und für die meisten Menschen wichtiger ist.«

Betrachte man die Religion aus dieser Warte, dann stoße man beispielsweise auf den theological correctness effect. »Mein Kollege Justin Barrett hat dazu einige interessante Studien gemacht: Befragt man Menschen nach ihrem Glauben, versuchen sie, theologisch korrekt zu antworten. Sie sagen zum Beispiel, Gott sei allgegenwärtig, allwissend und nicht korrumpierbar. Testet man allerdings ihren Glauben in einer experimentellen Situation, verhalten sie sich so, als ob Gott eben doch menschenähnlich sei und man mit ihm verhandeln und feilschen könne.« Viele Christen würden auch kleine esoterische Rituale im Alltag praktizieren oder Horoskope zurate ziehen – obwohl die Kirche dies als Aberglauben ablehne. »Priester argumentieren, nur ihre eigenen Rituale hätten eine Bedeutung, weil dahinter ja eine echte Theologie stehe. Nur: Das kümmert den Durchschnittsgläubigen meist wenig«, hat Boyer festgestellt. Für ihn sind daher »die theologischen Lehrsätze und die institutionellen Dogmen eine Sache – und der praktizierte Glaube der normalen Gläubigen ist oft etwas ganz anderes«.

Erste Lacher im Publikum, mancher scheint sich heimlich ertappt zu fühlen. Und während die Ersten nun doch das Jackett ablegen, kommt Boyer zum Kern seiner Theorie. Denn ihm zufolge muss man zur Erklärung solcher weitverbreiteten Verhaltensweisen den Blick nicht auf die religiösen Überlieferungen, sondern auf die psychologische und kognitive Grundausstattung des Menschen richten. Wie er schon in seinem 2001 erschienenen Buch Religion Explained (deutsche Fassung: Und Mensch schuf Gott, 2004) erklärte, gibt es ein ganzes Bündel von Faktoren, die den Menschen zum Glauben geradezu prädestinieren. Allerdings, und das ist der Kern von Boyers Theorie, hätten sich solche »Glaubensmodule« zunächst aus ganz pragmatischen, evolutionsbiologischen Gründen entwickelt und sich erst danach als Bausteine für das religiöse Denken erwiesen.

Da wäre zum Beispiel die Fähigkeit zum kausalen Denken: Selbst im größten Chaos sucht der Mensch nach einer Ursache oder einem tiefer liegenden Ordnungsprinzip. Für Homo sapiens war diese Begabung enorm hilfreich, denn sie hat ihn zur Entwicklung von Philosophie, Technik und Wissenschaft befähigt. Zugleich ist diese Neigung derart stark, dass uns die Annahme, etwas geschehe »einfach so«, ohne besonderen Grund, zutiefst widerstrebt. Das gilt für die Komplexität der Natur (»wo es eine Schöpfung gibt, muss es auch einen Schöpfer geben«) ebenso wie für unser eigenes Leben. »Wenn uns ein Schicksalsschlag ereilt, fragen wir stets: Warum ich? Warum jetzt?«, sagt Boyer, »auch wenn wir genau wissen, dass Ähnliches fast allen Menschen irgendwann einmal widerfährt.«

Viele weitere Glaubensmodule hat Boyer noch identifiziert. Da sind – um nur einige zu nennen – etwa die menschliche Gabe, sich in andere hineinversetzen zu können,die Fähigkeit, sich geistige Prozesse auch unabhängig von materiellen Wirkungen vorstellen zu können, und die Schwierigkeit des Menschen, sich ein Ende seiner eigenen Existenz auszumalen. All das prädestiniere Homo sapiens von Natur aus für den Glauben an übernatürliche Einflüsse und die Kraft von Ritualen. Zur Zeit der ersten Hochkulturen hätten dann religiöse »Gilden« angefangen, diesen Glaubensdrang in verschiedene Systeme zu gießen; letztlich lägen dabei den heutigen Weltreligionen dieselben »mentalen Rezepte« zugrunde wie den frühen Stammesreligionen, meint Boyer.

Während der Anthropologe – dem das weiße Hemd mittlerweile endgültig aus der Hose gerutscht ist – schwungvoll argumentiert, mehren sich in Frankfurt die zweifelnden Gesichter. Offensichtlich kollidieren Boyers Erkenntnisse deutlich mit dem einen oder anderen Weltbild. Und als der Vortrag beendet ist, lebt die von der Hitze ermattete Zuhörerschaft wieder auf. Das sei ja alles sehr interessant, sagen die einen, aber Wissenschaft und Religion bezögen sich nun einmal prinzipiell auf verschiedene Domänen des menschlichen Erlebens; daher könne man kaum das eine mit dem anderen erklären. Andere beharren darauf, dass sich trotz aller evolutionsbiologischen Erklärungen die Existenz einer transzendenten Wirklichkeit nicht widerlegen lasse.

Boyer lässt sich nicht anmerken, dass er solche Einwände schon oft gehört hat, und antwortet ebenso engagiert wie freundlich. Der entscheidende Punkt sei doch die Frage: »Was bleibt noch übrig, wenn alles erklärt ist?« Wenn also wirklich die ganze »mentale Maschinerie« des religiösen Denkens aufgeklärt sei – was vielleicht noch nicht vollständig gelungen sei, aber woran man weiter arbeite –, welche Notwendigkeit gebe es dann noch für einen Begriff wie Gott?

Liegt es an der Wärme, an der Höflichkeit gegenüber dem Gast aus Amerika oder an dessen Beredsamkeit? So richtig infrage gestellt wird Boyers Theorie in dieser Versammlung der Glaubensexperten nicht. Eine Weile plätschert die Debatte noch dahin, dann laden die Veranstalter versöhnlich zum »gemeinsamen Mittagsmahl«. Da dieses aus herangekarrten Fertigpizzas besteht, lässt sich Boyer zu einer Alternative überreden: raus aus der Uni, über die Straße, in den nahen Frankfurter Palmengarten, zum Vieraugengespräch auf einer kühlen Caféterrasse.

Der Anthropologe bestellt sich einen Salat und ein großes Mineralwasser und lehnt sich ermattet in seinem Stuhl zurück. Er sei solcher Diskussionen inzwischen ein wenig müde, bekennt er. »Die Debatten zwischen Wissenschaftlern und Theologen sind leider sehr vorhersehbar. Da wird stets gesagt, dass Wissenschaft mit Fakten, Religion aber mit Sinn und Bedeutung zu tun habe – und damit hat sich’s dann meist.« Natürlich müsse er eingestehen, dass auch er die letztgültige Struktur des Universums nicht kenne und daher nicht sagen könne, ob es da noch »etwas Höheres« gebe. Aber mit schwammigen Bezügen auf irgendwelche transzendenten Wahrheiten will sich der Forscher eben nicht zufriedengeben. »Ich möchte gerne eine klare Antwort vonseiten der Theologen, wie sie das, was außerhalb der wissenschaftlichen Beschreibung liegt, bezeichnen.«

»Manche Religionskritiker tun so, als hätten Gläubige gestörte Hirne«

Boyer selbst glaubt, dass auch die meisten »Sinnfakten« letztlich mentale Phänomene sind, deren Ursache psychologisch und neurobiologisch erklärbar sei. Aber für andere Perspektiven ist er durchaus offen. Fröhlich erzählt er davon, dass sein Kollege, der Evolutionspsychologe Justin Barrett, ein überzeugter Christ sei. »Dass Gott existiert und dass es der Sinn des Lebens ist, einander zu lieben – davon ist Barrett, anders als ich, felsenfest überzeugt. Dennoch sind wir zwei uns, wenn es um die wissenschaftliche Erforschung der Religion geht, witzigerweise in allem einig.«

Nein, so leicht lässt sich Pascal Boyer in keine Schublade stecken. Und genauso, wie er religiöse Weltbilder dekonstruiert, hinterfragt er auch die Prämissen von Gottesgegnern wie Richard Dawkins. Von dessen militantem Atheismus sei er »ziemlich irritiert«, bekennt Boyer am Ende unseres Gesprächs. »Diese Religionskritiker scheinen zu behaupten, dass Menschen religiös werden, weil ihre Gehirne sozusagen nicht richtig funktionieren oder weil sie zu begrenzt sind oder weil sie einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Und die ›Lösung‹ bestünde demnach einfach darin, die Menschen aufzuklären, damit sie die Welt wieder ›richtig‹ – also atheistisch – interpretieren. Mir scheint, jeder einzelne Schritt dieser Argumentation ist falsch.«

Schließlich lehre doch gerade die Evolutionsbiologie, dass der religiöse Glaube ganz natürlich sei, »dass es die normale Funktionsweise des Gehirns ist, religiöse Vorstellungen zu entwickeln«, sagt der Anthropologe. Wie man daraus folgern könne, religiöses Denken sei eine Art »falsches Denken«, das sei ihm einfach nicht klar, bekennt Pascal Boyer. »Entweder hat Dawkins mein Buch nicht richtig gelesen – oder nicht richtig verstanden.«

Dass er sich mit solchen Argumenten weder bei bibeltreuen Gläubigen noch bei fundamentalistischen Gottesgegnern beliebt macht, scheint den Wissenschaftler nicht zu stören. Er vertraut bei der Erforschung der Religion offenbar seinem eigenen Kompass. Wäre er nicht so areligiös, müsste man wohl sagen: Der Mann hat ein unerschütterliches Gottvertrauen.

 
Leser-Kommentare
  1. ... der Hunger auf mehr macht. Allein ich glaube, dass wenn man Religion bzw. ihren Ursprung im Menschen erforschen will, man die Frage nach dem Vorhandensein oder Fehlen einer zentralen Gottesfigur verzichten muss. Natürlich resultiert daraus eine Restunsicherheit der Theorie aber das Gebilde, das wir Religion nennen hat den Gottesglaube meines Erachtens nach nur als, wenn auch wichtigen, Kern alles drumherum müsste sich dann doch aber klären lassen, oder? Ein tolles Thema zum nachdenken.  

  2. Richard Dawkins und Christopher Hitchins sind bekannte Beispiele von Religionskritikern. Ganz im Einklang mit Pascal Boyer wird Religion zusammenfassend bei ihnen als ein ideologisierter Aberglaube gesehen - also nicht als Menschen mit Gehirn-Fehlfunktionen wie Pascal Boyer hier behauptet. Der Hauptkritikpunkt liegt nicht im Glauben an transzendenten Wesen, sondern an den Auswirkungen von unaufgeklärtem Gedankengut. Folter, Kriege, unterlassene Hilfeleistung sind historisch (also auch aktuell) direkte Kinder einer bedingungsloser Religiösität.Religionskritiker raten eher Max Frisch als die Bibel zu lesen um für's Leben zu lernen. Kinder sollen keine Angst vor einem strafenden Gott haben, sondern motivierte Moral entwickeln. Frauen nicht beschnitten werden und Aidskranke beim Geschlechtsverkehr nicht Kondome meiden. Predigern soll nicht unkritische Glauben geschenkt werden, aufgrund ihrer konfessionellen Autorität. Das Gehirn soll im vollem Maße benutzt werden, denn es ist immernoch das wunderbarste Instrument der Weltgeschichte.Die gängigen Religionen sollten durch eine Tradition des aufgeklärten, humanistischen Geistes ersetzt werden. Sich jeden Sonntag treffend und nicht einen unantastbaren Gott preisen, sondern den Humanismus der uns ein freies Leben ermöglicht. 

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    Nun, der aufgeklärte, humanistische Geist soll `s also richten. Aber der hat doch auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Und als es mit der Aufklärung so richtig vorwärts ging, in der französischen Revolution, gabs da nicht auch ein paar Geschädigte?Hat sich nicht auch Erich Mielke (völlig zu recht) als Humanist bezeichnet?, schließlich waren er und seine Genossen im Besitz der einzigen wissenschaftlichen Weltanschaung, die die Menschheitsentwicklung von der Höhle bis zum Sieg des Sozialismus objektiv und luzide erklären konnte.

    Nun, der aufgeklärte, humanistische Geist soll `s also richten. Aber der hat doch auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Und als es mit der Aufklärung so richtig vorwärts ging, in der französischen Revolution, gabs da nicht auch ein paar Geschädigte?Hat sich nicht auch Erich Mielke (völlig zu recht) als Humanist bezeichnet?, schließlich waren er und seine Genossen im Besitz der einzigen wissenschaftlichen Weltanschaung, die die Menschheitsentwicklung von der Höhle bis zum Sieg des Sozialismus objektiv und luzide erklären konnte.

    • Rahab
    • 16.08.2008 um 12:28 Uhr

    zumindest soweit er dazu verhelfen kann, zwischen dem bedürfnis nach spiritualität und dem bedürfnis danach, immer auf auf der richtigen seite stehen zu wollen, nämlich der macht, zu unterscheiden und weiter unterscheiden zu lernen. je mehr es um macht und teilhabe an bzw. übernahme von macht selbst geht, so meine these, umso stärker die tendenz zu mono- als mono-kausalität, monotheismus. einerseits.
    denn andererseits nimmt auch das denken in mono-formen immer mal wieder recht freiheitliche züge an. beispielsweise in einem islam, der jeden menschen of all three sexes als statthalter des 'einen' in seiner undenkbaren vielheit versteht und von da ausgehend der menschlichen unter- wie entscheidungsfähigkeit einen so hohen stellenwert einräumt, dass jede/r einzelene sich in anbetracht seiner direkten verantwortlichkeit ständig die frage stellen muß, ob oder ob nicht er/sie gegenüber diesem oder jenem ausdruck von organisierter macht in gedanken wie taten in die knie geht oder nicht. beispielsweise.
    was bleibt übrig? zum einen die spiritualität. die lebt jede/r ganz höchstpersönlich und meistens, wie mich die erfahrung gelehrt hat, ziemlich synkretistisch. was anders wohl auch garnicht geht. weil die schönheit, die der welt, der menschen und beider ausdrucksmöglichkeiten, immer wieder überwältigend ist. und zum anderen die menschlichen organisationsformen. die sind oft genug ziemlich erschreckend und haben mit schönheit wenig bis garnichts zu tun. und zum dritten der gedanke, dass es möglich sein muß, nicht nur in gedanken sondern auch in taten über das denken in mono-rabumsich hinauszukommen. ohne alle anderen besoffen zu reden.
     
    äh selektion? das mit der selektion habe ich so nicht gefunden. kann aber auch daran liegen, dass mein begriff von evolution nicht mit dem öden,schnöden,blöden darwin für den kleinen mann endet. kann allerdings auch daran liegen, ich habe es überlesen, weil ich von anderen immer erst mal nicht gleich das allerschlimmste annehme. nu - geh ich eben noch mal lesen... falls aber in der redaktion wer gedacht hat, der artikel selbst müßte noch ein bißchen aufgepeppt werden, kann ich jetzt schon sagen, war's ein mißgriff und reine buhlerei um die gunst des publikums.

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    wird es ja wohl nicht sein, wenn Sie, werte Rahab, Ihren Begriff von Evolution ins Spiel bringen, der nicht mit "dem öden,schnöden,blöden darwin für den kleinen mann endet" und der, wenn ich das richtig verstanden habe, ohne Selektion auskommt. Vielleicht könnten Sie ja mal bei Gelegenheit in drei mittellangen Sätzen erklären, worin sich der Evolutionsbegriff der großen Frau von dem des kleinen Mannes unterscheidet? Würde mich echt interessieren.

    wird es ja wohl nicht sein, wenn Sie, werte Rahab, Ihren Begriff von Evolution ins Spiel bringen, der nicht mit "dem öden,schnöden,blöden darwin für den kleinen mann endet" und der, wenn ich das richtig verstanden habe, ohne Selektion auskommt. Vielleicht könnten Sie ja mal bei Gelegenheit in drei mittellangen Sätzen erklären, worin sich der Evolutionsbegriff der großen Frau von dem des kleinen Mannes unterscheidet? Würde mich echt interessieren.

  3. Nun, der aufgeklärte, humanistische Geist soll `s also richten. Aber der hat doch auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Und als es mit der Aufklärung so richtig vorwärts ging, in der französischen Revolution, gabs da nicht auch ein paar Geschädigte?Hat sich nicht auch Erich Mielke (völlig zu recht) als Humanist bezeichnet?, schließlich waren er und seine Genossen im Besitz der einzigen wissenschaftlichen Weltanschaung, die die Menschheitsentwicklung von der Höhle bis zum Sieg des Sozialismus objektiv und luzide erklären konnte.

  4. Schön ists zu reden, wenn man nur so strotzt voller Kraft und nicht ums tägliche Brot ringen muß. Nun, die alten Griechen haben da schon auf diesem Feld kräftig geackert. Die Chinesen sowieso. Die Christen haben sich dann viele Glaubenswahrheiten von den alten Griechen und Juden ausgeliehen. Nach Heraklit,  viel Wissen heißt noch lange nicht Erkenntnis  haben. Viel hat man schon erreicht den anderen zuzuhören. Ein ewiger Menschheitstraum, woher komme ich und wohin gehe ich! Was ist der Mensch im nicht endenden Weltall. Meine naive Meinung zu den Religionen ist, sie wollen den Menschen irgendwie einen Sinn geben im kommen und gehen der Generationen. Doch wie immer überall, Fanatiker legen Nagelbretter mit den Spitzen nach oben. Das schlimmste im Menschenleben ist, wenn er vom Menschen ausgebeutet und drangsaliert wird. Haben wir das nicht jeden Tag irgendwie unterschwellig. Wenn mir der sanfte Atheist garantiert, dass er es abschafft, hat er eine neue Religion gegründet. Warum nicht!

  5. Gerhard S. - nur so am rande kleine einsprengselung:Sie sagen dawkin hätte gesagt, ein vollkommenes Wesen könne nur vollkommenes schaffen und da wir unvollkommenes vor uns hätten, gäb es ihn nicht.Gegenfrage: kennen sie denn eine andere welt noch, als diese einschließlich all ihrer und aller anderen menschen träume und vorstellungen?Wenn nicht - woher wissen sie denn, dass das Universum nicht vollkommen eingerichtet ist, sondern unvollkommen? Sie benötigten doch dazu einen Vergleich, also ein anders universum, nicht?Von daher taugt diese dawkinische 'beweisführung' nur als amüsement etwas - dawkin, den ich selbst nun schon erleben durfte , ist ein typischer verschmitzter Brite, dem der Schalk aus den Augen leuchtet und der es liebt zu streiten und auch einmal 'gewagte' positionen um des diskurses willen in den raum zu schmeissen.

  6. Den Artikel finde ich persönlich im großen und ganzen gut - nur eine Sache, eine ernstgemeinde Kritik daran:Sie reden von Evolution - und behandeln das thema eigentlich nicht wirklich, außer das gesagt wird, dass eigenschaften, die einen evolutionären Vorteil generiert haben sollen, zugleich grundeigenschaften für eine religiöse auffassung seien.Auch dies hier bereitet mir Probleme:"Schließlich lehre doch gerade die Evolutionsbiologie, dass der
    religiöse Glaube ganz natürlich sei, »dass es die normale
    Funktionsweise des Gehirns ist, religiöse Vorstellungen zu entwickeln«,
    sagt der Anthropologe. Wie man daraus folgern könne, religiöses Denken
    sei eine Art »falsches Denken«, das sei ihm einfach nicht klar, bekennt
    Pascal Boy
    "Von was wird hier geredet, wenn von 'religiös' geredet wird?Heisst hier: a.) 'religiös' steht für irgendeine transzende macht (?), deren man sich auch bewußt ist und denen man bestimmte wie auch immer geartete eigenschaften zuspricht - was bereits auf soetwas wie Astrologie, Kartenlesen usw.. zutreffen würde, oderb.) ist 'religiös' hier einfach ein synonym für 'sympathisch' (Mitleidend - eine weltauffassung, in der man gegenständen und verhältnissen 'natürlich' anthropomorphisiert - also so tut, als ob sie gefühle hätten und bnewußt handeln könnten, was einem selbst aber nicht bewußt sein muss) ?Was gar nicht beruhrt wurde, war evolution innerhalb von verschiedenen denkgebäuten, die man als religiösen oder religiöse weltanschauungen bezeichnen könnte und die bzl. von Menschengruppen diese einen selektionsvorteil verschaffen können (und somit auch sich selbst).Sozusagen um die Metapher aufzugreifen im Artikel: welche Bücher auf dem bahnhofskiosk werden lieber gelesen, warum ist das so, und nach welchen Regeln verändert sich Angebot und Lesergeschmack :PSo wird leider in meinen Augen auf die fundamentale bedeutung von Religion/Weltanschauung zu wenig eingegangen in dem Artikel, vor allem, da nicht genau geklärt wird, was alles unter das soziale Phänomen 'Religion/Religiösität' fällt; z. b. in Hinblick darauf, inwieweit auch Ideologien und sonstige denkgebäute, z. b. politische ebenfalls darunter fallen (können).Mit freundlichen grüßenZagreus

    • Libido
    • 16.08.2008 um 14:48 Uhr

    Die Vorstellung von Gott gemäß den Weltreligionen ist eine sehr einfache.
    Wie eine Vaterfigur straft und belohnt er, stets mit erhobenem Zeigefinger.
    Ob diese Vorstellung Wahr ist, ist für mich keine Diskussion wert.
    Für mich ist viel interessanter, woher diese Autoritätssucht eigentlich kommt, die immer einher geht mit dem Wunsch nach GERÄCHTigkeit. 
    Ich denke, dass der Glaube eine wichtige Funktion im menschlichen Leben ist und es viele Menschen gibt, die das einfach brauchen, um nicht total auszuflippen.
    Wie könnte sonst der Bauer in der "3.Welt", bei 40°C, 14 Stunden auf dem Feld ackern? Ohne ein happy end vor Augen, könnte ihm die Arbeit und das ganze Leben ein noch viel bittereres sein. Ich glaube eines solchen Menschen Gott zu "töten" ist keine Hilfe, wenn man das entstandene Hoffnungs-Vakuum nicht füllen kann.
    Eine riesige Hilfe wäre es aber für die Menschen der "1.Welt". Diese Menschen müssen sich klar darüber sein, dass die Zukunft unserer Welt in unseren Händen liegt und sich nichts erhalten lässt, wenn wir es zerstören.
    Wie zB Glaubenshaltung in Sachen Wirtschaft, die besagt, dass uns der Markt von alleine eine bessere Welt schafft, wenn wir ihn nur machen lassen.
    Oder der Glaube im Alltag, der die Menschen dazu verurteilt mit ihrem allmächtigen Gewissen ständig im Konflikt zu stehen, denn "Gewissensbisse erziehen zum Beißen ( Zitat F.Nietzsche )".
    Wenn es geschafft ist, den Glauben da zu überwinden, wo er unnötig und hinderlich ist, kann man auch dem Menschen der "3.Welt" in die reale Welt holen, in dem man ihm die ernstgemeinte Grundlage auf eine reale Hoffnung gibt.

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