Der Eid darf ohne religiöse Beteuerung geleistet werden, aber ablegen müssen sie ihn alle. Wer in Deutschland sein Geld als Wirtschaftsprüfer verdienen will, hat die Formel zu sprechen: »Ich schwöre, dass ich die Pflichten eines Wirtschaftsprüfers verantwortungsbewusst und sorgfältig erfüllen, insbesondere Verschwiegenheit bewahren und Prüfungsberichte und Gutachten gewissenhaft und unparteiisch erstatten werde, so wahr mir Gott helfe.«

Hehre Worte. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Mit der Sorgfalt öffentlich bestellter Wirtschaftsprüfer kann es nicht weit her sein – sonst würde sich nicht jede vierte Bilanz, die von ihnen abgesegnet wird, bei einer Überprüfung als fehlerhaft erweisen.

Das Verantwortungsbewusstsein ist auch nicht allzu stark ausgeprägt, andernfalls müssten die Prüfer nach Einschätzung von Experten ihre Testate öfter einschränken oder versagen – statt um des lieben Friedens willen fragwürdige Zahlen abzuhaken. Und wie parteiisch viele Prüfer sind, das erleben immer wieder Kleinanleger, wenn sie ihre Aktien an einen Hauptaktionär abgeben müssen und die Prüfer die Abfindung absichtlich kleingerechnet haben.

Nur mit dem im Eid verankerten Gebot der Verschwiegenheit hat die Prüferzunft keinerlei Probleme. Im Gegenteil, das kommt ihrem Selbstverständnis sehr entgegen. Dieser Berufsstand schätzt die Diskretion in den Hinterzimmern der Macht ganz besonders.

Aber es gibt Zeiten, da geht so viel schief, dass auch Wirtschaftsprüfer nicht so unsichtbar bleiben können, wie sie es gern wären. Skandale wie die um die staatlichen Banken IKB und SachsenLB oder um den Siemens-Konzern werfen Fragen nach der Kompetenz und Moral einer Berufsgruppe auf, die im öffentlichen Interesse für verlässliche und glaubhafte Zahlen im Wirtschaftsleben sorgen soll.

Wie kann es sein, dass sich in den Bilanzen von Unternehmen grobe Fehler finden, obwohl die Zahlenwerke zuvor kostspieligen Kontrollen unterzogen worden sind? Wie ist es möglich, dass über Nacht Banken implodieren, deren Jahresabschlüsse ein uneingeschränktes Testat der Kontrolleure tragen? Und warum fällt es den Prüfern über Jahre nicht auf, wenn in einem Multi wie Siemens eine Milliardensumme mit Scheinrechnungen von weißen in schwarze Kassen transferiert wird?

Skandalös ist das Versagen der Prüfer im Fall der SachsenLB. Die Landesbank mit Sitz in Leipzig hatte über eine Tochter in der Steueroase Dublin mit US-Hypothekenpapieren spekuliert, was am Ende fürchterlich schiefging. Im Sommer 2007 sackte die Bank plötzlich in sich zusammen und musste durch andere Institute und den Freistaat Sachsen gerettet werden. Wie hoch der Schaden für die Steuerzahler am Ende sein wird, lässt sich nicht sagen. Einige Milliarden dürften wohl durch den Schornstein gegangen sein.