Der Lord lässt warten. Viele Monate hat es gedauert, wurde über das Wann und Wo des Interviews verhandelt, und als es schließlich so weit sein soll, muss Norman Foster doch wieder rasch nach Moskau, Abu Dhabi, Peking oder in eine der vielen anderen Städte, in denen er plant und baut. Seit über 40 Jahren ist Foster im Geschäft, er hat viele Rekorde gebaut, die größten, längsten und teuersten Gebäude der Welt, hat alle wichtigen Architekturpreise und Auszeichnungen gewonnen, wurde sogar zum Lord erhoben – und doch, sein Ruhm wächst noch immer. Mit einem Bürohaus in Ipswich und einem Flughafen in Stansted hat er schon früh Architekturgeschichte geschrieben, seither werden viele Bürohäuser und Flughäfen anders gebaut als zuvor. Auch die ökologische Bauweise hat er vorangetrieben, nicht zuletzt durch seinen Commerzbank-Turm in Frankfurt und den Umbau des Reichstags in Berlin. Aber das alles wirkt fast bescheiden im Vergleich zu den Projekten, die er mit seinem Büro heute bearbeitet. Gigantische Hochhäuser soll er bauen, ganze Städte werden bei ihm in Auftrag gegeben, immer heißer scheint die Architekturmaschine Foster zu laufen. Doch als wir uns endlich treffen in einem Hotelgarten am Genfer See, fällt alle Hektik von ihm ab. Foster kommt gerade aus dem Büro; er arbeitet jetzt viel in der Schweiz, hier hat er sein Zuhause, und hier lebt seine junge Familie.

DIE ZEIT: Lord Foster, darf ich gleich eine naive Frage stellen: Wenn ich einmal auf die Idee käme, mir in Hamburg ein kleines Haus zu bauen, vier Zimmer vielleicht, 140 Quadratmeter, könnte ich Sie dann anrufen und Ihr Büro damit beauftragen?

Norman Foster: Das ist keine naive, das ist eine schwierige Frage.

ZEIT: Warum?

Foster: Weil ich jetzt sehr diplomatisch sein muss.

ZEIT: Heißt das, Sie geben mir einen Korb?

Foster: Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen kleine Aufträge. Manche glauben ja, dass unser Büro nur Superlative baue. Aber das stimmt nicht, wir entwerfen sogar Möbel oder Türklinken. Schauen Sie mal hier (er klappt ein schwarzes Skizzenbuch auf), ich muss nur ein paar Seiten umblättern, schon sehen Sie, wie vielfältig die Dinge sind, mit denen ich mich beschäftige. Manche sind riesig, andere winzig.