Religion Wenn Atheisten zu Propheten werden
Darwin konkurriert nicht mit Gott: Wer die Welt allein aus dem Blickwinkel der Evolutionstheorie sieht, verkennt die Bedeutung des christlichen Schöpfungsglaubens
Hat der Triumph der modernen Wissenschaften den Glauben heutzutage überflüssig gemacht? Was man in der jüdisch-christlichen Tradition unmittelbar auf das Schöpferwirken Gottes zurückgeführt hatte, wird immer detaillierter aus Kräften und Gesetzen der Natur erklärt. Die Schöpfung der Welt wird zur Weltentstehung; und die Erschaffung der Lebewesen mit dem Menschen als »Krone der Schöpfung« zur Evolution.
Der grundlegende Fehler, der in dieser Entgegensetzung zum Ausdruck kommt, liegt darin, dass der Schöpfungsgedanke mit den weltbildhaften Vorstellungen gleichgesetzt wird, in denen die biblischen Texte ihn präsentieren. Die Schöpfung wird nicht als Thema des Glaubens, sondern des Wissens angesehen. Unter Wissen ist in solchen Fällen das Erfahrungswissen zu verstehen, das wir mit den Mitteln von Beobachtung und Experiment erwerben. Dieses Erfahrungswissen ist an die Bedingungen von Raum und Zeit gebunden; der Glaube dagegen richtet sich auf die Wirklichkeit Gottes, die Raum und Zeit umgreift und übersteigt.
Das hat beispielsweise unmittelbare Konsequenzen für die häufig diskutierte Frage, ob im Biologieunterricht auf den biblischen Schöpfungsglauben und ob im Religionsunterricht auf die Evolutionstheorie Bezug zu nehmen sei. Am günstigsten wäre es ohne Zweifel, wenn das Verhältnis zwischen beiden Betrachtungsweisen in interdisziplinären Unterrichtsprojekten geklärt würde. Dann könnten biologische und theologische Perspektiven jeweils in ihrer Eigenbedeutung anerkannt werden. Man könnte lernen, dass man die Beziehung zwischen diesen beiden Betrachtungsweisen nur dann zureichend bestimmen kann, wenn man bereit ist, sie voneinander zu unterscheiden.
Insbesondere muss man es vermeiden, die biblischen Schöpfungserzählungen zu konkurrierenden Welterklärungsmodellen zu machen und das eine gegen das andere auszuspielen. Sowohl das Ergebnis: »Darwin beweist, dass es Gott nicht gibt« als auch das Ergebnis: »Gott beweist, dass Darwin Unrecht hat« wären eine unterrichtliche Fehlleistung. Ebenso klar ist, dass der Biologieunterricht die Grenze zur weltanschaulich-religiösen Bildung nicht überschreiten darf; er darf nicht unter der Hand zum Religionsunterricht – auch nicht in einem antireligiösen Sinn – werden.
Nun gibt es keineswegs nur die Forderung, den Unterricht über die Evolutionstheorie und denjenigen über den biblischen Schöpfungsglauben miteinander zu verbinden. Weiter geht die Forderung, das eine durch das andere zu ersetzen. Soweit in deutschen Bundesländern, in denen der Ethikunterricht den Religionsunterricht weithin verdrängt (wie derzeit in Berlin und in etwas schwächerer Form auch in Brandenburg), dieser Ethikunterricht den Darwinismus als die richtige und den christlichen Glauben als die falsche Weltanschauung darstellt, geschieht genau dies. Soweit allerdings umgekehrt gefordert wird, dass in den Schulen nicht die Evolutionstheorie, sondern eine biblische Weltanschauung, »Kreationismus« genannt, unterrichtet wird, geschieht das Gleiche mit umgekehrten Vorzeichen. Der Glaube an den Schöpfer wird dann zu einer pseudowissenschaftlichen Weltanschauung; dieser Glaube selbst soll nämlich das zutreffende Wissen über die Entstehung und Entwicklung der Welt vermitteln.
Damit wird der Schöpfungsglaube aber als eine Form der Welterklärung betrachtet. Der Glaube an den Schöpfer wird nicht als Grundlage einer Daseinsgewissheit angesehen, die unserem Leben verlässlichen Halt gibt. Sondern der Schöpfer wird als eine in der Natur wirkende Kraft verstanden; der Schöpfungsglaube wird dadurch als eine wissenschaftliche Hypothese behandelt, die mit neueren wissenschaftlichen Einsichten in Konkurrenz tritt. Ein solches Konkurrenzverhältnis liegt zugrunde, wenn in manchen Bundesstaaten der USA, vereinzelt aber auch in Deutschland, gefordert wird, dass nicht die Evolutionstheorie Darwins, sondern der biblische Schöpfungsglaube gelehrt werden solle.
Mit dieser Verkehrung des Glaubens an den Schöpfer in eine Form der Welterklärung, die mit wissenschaftlichen Theorien in Konkurrenz treten will, hat die Christenheit immer wieder Schiffbruch erlitten. Die Auseinandersetzung über das kopernikanische Weltbild oder der »Fall Galilei« sind Beispiele dafür. Indem ein zur Weltanschauung missdeuteter Glaube an die Stelle der wissenschaftlichen Vernunft treten wollte, wurde das Bündnis von Glaube und Vernunft in Wahrheit aufgekündigt.
Neuerdings wird der Evolutionstheorie auch eine Auslegung der Schöpfungslehre entgegengesetzt, der man den Namen »Intelligent Design« gibt. Weil man die innere Folgerichtigkeit der Evolution nicht anders begründen könne, müsse man aus wissenschaftlichen Gründen, so wird gesagt, einen Welturheber annehmen, der die Welt von Anfang an so intelligent konzipiert hat, dass es zur Entstehung des Lebens und zur Entwicklung des Menschen als der Krone der Schöpfung kam.
Damit wird freilich Gott den Ursachen in Raum und Zeit gleichgesetzt, wie sie sich sonst mit Hilfe empirischer Forschung ermitteln lassen. Gott wird zum Gegenstand des Erfahrungswissens, das seinerseits zwingend an die Kategorien von Raum und Zeit gebunden ist. Solchen Vorstellungen liegt eine Denkweise zugrunde, die der Philosoph Immanuel Kant gerade überwinden wollte, als er in der Vorrede zu seiner Kritik der reinen Vernunft erklärte, er habe »das Wissen aufheben« müssen, »um zum Glauben Platz zu bekommen«. Er wollte den Gottesbegriff aus der Umklammerung durch das an die Kategorien von Raum und Zeit gebundene Erfahrungswissen befreien, damit der Begriff Gottes als der alles umfassenden Wirklichkeit überhaupt wieder zur Geltung kommen konnte. Hinter diese Befreiung Gottes aus der Vorherrschaft des Erfahrungswissens fällt man wieder zurück, wenn man die Notwendigkeit des Gottesbegriffs auf der Ebene des Erfahrungswissens festzuhalten oder zu beweisen versucht.
Es kann nicht verwundern, dass dem ideologischen Missbrauch des christlichen Schöpfungsglaubens, wie er im Kreationismus und in der Lehre vom »Intelligent Design« vorliegt, spiegelbildlich ein Missbrauch entspricht, der meint, aus den Einsichten der modernen Naturwissenschaften zwingend eine Leugnung Gottes und die Verpflichtung auf einen kämpferischen Atheismus ableiten zu können. Beispielhaft ist dafür der Evolutionsbiologe Richard Dawkins, der sich mit seinem Buch Der Gotteswahn an die Spitze dieser Bewegung gesetzt hat. Im Vorwort erklärt der Autor seine Absicht, mit diesem Buch zum Atheismus bekehren zu wollen; das wissenschaftliche Material, das er entfaltet, steht also von vornherein in einem weltanschaulichen Zusammenhang, der die Grenzen der Wissenschaft überschreitet. Die kämpferischen Atheisten werden dadurch zu dem, was sie verachten: zu Vertretern eines Glaubens, ja zu dessen Priestern und Propheten.
Was tritt zu den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen unserer oder einer anderen Zeit hinzu, wenn wir die Welt als Schöpfung verstehen? Wir gewinnen einen Zugang zu ihrem inneren Sinn. Gerade weil sich das Ziel, um dessentwillen die Welt entstand und das Leben sich auf der Erde bildete, nicht aus den naturwissenschaftlichen Einsichten selbst erschließt, brauchen wir einen Zugang zu dem Sinn des Ganzen, der den Raum des unserem Wissen Zugänglichen überschreitet. Der Glaube an Gott als den Schöpfer vermittelt die Gewissheit, dass diese Welt die Möglichkeit zum Guten in sich enthält; er erschließt einen Zugang zur Welt, der sich auf diese Güte verlässt und zu ihr beizutragen bereit ist. Dass Gott es mit der Welt im Ganzen ebenso wie mit meinem persönlichen Leben gut meint, ist der Grundsinn des Schöpfungsglaubens.
Vorabdruck aus dem neuen Buch von Bischof Wolfgang Huber »Der christliche Glaube«, Gütersloher Verlagshaus, 2008
- Datum 13.05.2009 - 13:59 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle DIE ZEIT, 21.08.2008 Nr. 35
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Es ist immer wieder erstaunlich, wie schwer es gläubigen Menschen fällt zu akzeptieren, daß Atheismus kein Glaube ist.Und das Atheismus und Wissenschaftsgläubigkeit nicht ein und das selbe sind.
<cite>Es ist immer wieder erstaunlich, wie schwer es gläubigen Menschen fällt zu akzeptieren, daß Atheismus kein Glaube ist.</cite>Natürlich ist Atheismus ein Glaube. Aus formallogischen wie aus ontologischen Gründen läßt sich über das Metaphysische keine positive, empirische Aussage machen - d.h. also auch über dessen Nichtexistenz! Daraus folgt, dass Gottesglauben genauso wie der Atheismus Glaubenssätze sind. Ich weiß wirklich nicht, was daran so schwer zu verstehen ist, wenn man sein wissenschaftstheoretisches Handwerk beherrscht.Logisch und empirisch fundiert ist dagen nur der Agnostizismus - aber das ist eine andere Baustelle.Das sage ich einfach mal so, als zutiefst überzeugter Atheist...
<cite>Es ist immer wieder erstaunlich, wie schwer es gläubigen Menschen fällt zu akzeptieren, daß Atheismus kein Glaube ist.</cite>Natürlich ist Atheismus ein Glaube. Aus formallogischen wie aus ontologischen Gründen läßt sich über das Metaphysische keine positive, empirische Aussage machen - d.h. also auch über dessen Nichtexistenz! Daraus folgt, dass Gottesglauben genauso wie der Atheismus Glaubenssätze sind. Ich weiß wirklich nicht, was daran so schwer zu verstehen ist, wenn man sein wissenschaftstheoretisches Handwerk beherrscht.Logisch und empirisch fundiert ist dagen nur der Agnostizismus - aber das ist eine andere Baustelle.Das sage ich einfach mal so, als zutiefst überzeugter Atheist...
Wenn ein Bischof fordert, nicht den "Schöpfer als eine in der Natur wirkende Kraft" zu verstehen, um die Reiche von Wissenschaft und Glauben getrennt zu halten, dann frage ich mich als Laie, wie sich das mit den christlichen Lehren von der leiblichen Auferstehung Christi verträgt. Leibliche Auferstehung ohne in der Natur wirkende Kräfte?Wenn Gott keine Eingriffsmöglichkeiten in die Natur besitzt, dann ist Theologie eine rein virtuelle Veranstaltung.
Herr Huber hat recht. Es kann keinen in die Welt eingreifenden Gott geben.
Schon im 19. Jahrhundert wurde die Existenz des Laplaceschen Dämons, also eines Wesens, dass in die Welt sehen kann und sie überblickt, alle Vergangenheit und alle Zukunft, das auch in ihr aktiv werden kann, sprich schöpferich sein kann, widerlegt.
Wenn es also einen richtigen Gott gibt, dann auf keinen Fall einen "banalen" Schöpfergott. Es muss sich dann um ein Wesen handeln, dass in unser Weltengeschehen, nicht eingreift, nicht eingreifen wird und nie eingegriffen hat.…
Insofern bleibt den Kreationisten nur ein Gott, der kleiner, unbedeutender als der Laplacesche Dämon ist, z. B. ein toller Mensch, über den Geschichten erzählt werden und der Geschichte gemacht hat.
Genauso wird es wohl auch mit Jesus gewesen sein. Ein toller Mensch, wohl von jemandem anderen gezeugt als von Joseph, was dann zu einer etwas verwirrenden Geschichte führte. Letztlich aber sicher jemand, der eine Menge Gutes im Sinne hatte, sich von den Konservativen seiner Zeit absetzte und dann von ihnen dafür abgestraft wurde. Heute würde ein Jesus vom Papst nicht anerkannt, nicht gesehen, nicht wahrgenommen werden, von Herrn Schäuble wohl auch nicht, schon gar nicht von Herrn Mixa oder herrn Dyba. Denn wer würde schön jemanden mögen, der die Massen auf sich zieht, durch die Lande wandert, die Abschaffung der Kirchensteuer fordert und die entreibenden Finanzämter verwüstet? Vielleicht gibt es ja einen Menschen, der gerade für solcherlei Unwesen in einem Knast sitzt oder gerade im Iran an einem Baukran aufgehängt wird oder von den Chinesen in Lhasa vorhin erschossen wurde.
Herr Huber hat recht. Es kann keinen in die Welt eingreifenden Gott geben.
Schon im 19. Jahrhundert wurde die Existenz des Laplaceschen Dämons, also eines Wesens, dass in die Welt sehen kann und sie überblickt, alle Vergangenheit und alle Zukunft, das auch in ihr aktiv werden kann, sprich schöpferich sein kann, widerlegt.
Wenn es also einen richtigen Gott gibt, dann auf keinen Fall einen "banalen" Schöpfergott. Es muss sich dann um ein Wesen handeln, dass in unser Weltengeschehen, nicht eingreift, nicht eingreifen wird und nie eingegriffen hat.…
Insofern bleibt den Kreationisten nur ein Gott, der kleiner, unbedeutender als der Laplacesche Dämon ist, z. B. ein toller Mensch, über den Geschichten erzählt werden und der Geschichte gemacht hat.
Genauso wird es wohl auch mit Jesus gewesen sein. Ein toller Mensch, wohl von jemandem anderen gezeugt als von Joseph, was dann zu einer etwas verwirrenden Geschichte führte. Letztlich aber sicher jemand, der eine Menge Gutes im Sinne hatte, sich von den Konservativen seiner Zeit absetzte und dann von ihnen dafür abgestraft wurde. Heute würde ein Jesus vom Papst nicht anerkannt, nicht gesehen, nicht wahrgenommen werden, von Herrn Schäuble wohl auch nicht, schon gar nicht von Herrn Mixa oder herrn Dyba. Denn wer würde schön jemanden mögen, der die Massen auf sich zieht, durch die Lande wandert, die Abschaffung der Kirchensteuer fordert und die entreibenden Finanzämter verwüstet? Vielleicht gibt es ja einen Menschen, der gerade für solcherlei Unwesen in einem Knast sitzt oder gerade im Iran an einem Baukran aufgehängt wird oder von den Chinesen in Lhasa vorhin erschossen wurde.
aber er ist eine reine Theorie ohne jedwegliche Fakten, da keinerlei Beweise, göttliche Eingriffe u.ä. bestehen bzw. auch nur vermutet werden können, ist das eine (Ihre und die anderer Gläubiger) virtuelle Welt. Atheismus schliesst Glauben aus, das sollten sie wissen. Wir wissen vieles nicht, vermuten auch vieles, diese Vermutungen als Fakt zu nehmen ist reine Privatsache.Wenn Ich Ihnen sage, der 335te Planet im Sternbild Kassiopeia besteht aus grünem Käse, können Sie mir nicht das Gegenteil beweisen, höchstens die Unwahrscheinlichkeit. Genau so geht es mir mit ihrem Glauben an einen Gott, der ist für mich genauso (bzw. noch) unwahrscheinlicher als mein Beispiel.Jeder der glaubt, kann das tun, Bestandteil irgendeines Unterrichts sollte das auf keinen Fall sein.
eine Fantastilliarde geschliffener, lupenreiner Fünfkaräter... Entschuldigung, aber Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, denn, eine fortgeschrittenen Technik vorausgesetzt, werden sich Ihre und meine Behauptung überprüfen lassen. Wenn wir aber einen Gott-Detektor hätten, der IHN auch gegen seinen Willen anzeigt, misst und blossstellt: wären wir dann nicht selber Götter?Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
Ludwig Wittgenstein
eine Fantastilliarde geschliffener, lupenreiner Fünfkaräter... Entschuldigung, aber Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, denn, eine fortgeschrittenen Technik vorausgesetzt, werden sich Ihre und meine Behauptung überprüfen lassen. Wenn wir aber einen Gott-Detektor hätten, der IHN auch gegen seinen Willen anzeigt, misst und blossstellt: wären wir dann nicht selber Götter?Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
Ludwig Wittgenstein
Da stimme ich mal einem Christen voll und ganz zu - Gott, reden wir mal ausschlieslich über den christlichen Gott, konkuriert wirklich nicht mit dem Herr Darwin, der eine ist ein Protogonist eines etwa drei Tausend Jahre alten Scinefiction Romans - der andere eine genialer Wissenschaftler der vor gar nicht so langer Zeit über die Welt wanderte.- Was ich mich frage wieso Fundamentalisten in der Zeit eine Platform für ihre Propaganda bekommen?
liefert der Name "Gütersloher Verlagshaus" einen mehr als dezenten Hinweis.Alles aus einem Guß. Die B-Stiftung kümmert sich um die Umgestaltung D€UTSCHLANDS in all seinen Facetten, da darf die ethische Unterfütterung nicht fehlen.Diese Aufgabe fällt traditionell den Kirchen zu. Hat man schon die Hölle auf Erden bedarf es doch mindestens eines jenseitigen Trostes."Huber vertritt wie Bonhoeffer die Überzeugung, dass die Kirche sich einmischen und für andere da sein müsse." Man muß es nur glauben.Wen die Gschaftlhuber näher interessieren, hier ein interessanter Link:http://www.jungewelt.de/2...
liefert der Name "Gütersloher Verlagshaus" einen mehr als dezenten Hinweis.Alles aus einem Guß. Die B-Stiftung kümmert sich um die Umgestaltung D€UTSCHLANDS in all seinen Facetten, da darf die ethische Unterfütterung nicht fehlen.Diese Aufgabe fällt traditionell den Kirchen zu. Hat man schon die Hölle auf Erden bedarf es doch mindestens eines jenseitigen Trostes."Huber vertritt wie Bonhoeffer die Überzeugung, dass die Kirche sich einmischen und für andere da sein müsse." Man muß es nur glauben.Wen die Gschaftlhuber näher interessieren, hier ein interessanter Link:http://www.jungewelt.de/2...
Herr Huber hat recht. Es kann keinen in die Welt eingreifenden Gott geben.
Schon im 19. Jahrhundert wurde die Existenz des Laplaceschen Dämons, also eines Wesens, dass in die Welt sehen kann und sie überblickt, alle Vergangenheit und alle Zukunft, das auch in ihr aktiv werden kann, sprich schöpferich sein kann, widerlegt.
Wenn es also einen richtigen Gott gibt, dann auf keinen Fall einen "banalen" Schöpfergott. Es muss sich dann um ein Wesen handeln, dass in unser Weltengeschehen, nicht eingreift, nicht eingreifen wird und nie eingegriffen hat.…
Insofern bleibt den Kreationisten nur ein Gott, der kleiner, unbedeutender als der Laplacesche Dämon ist, z. B. ein toller Mensch, über den Geschichten erzählt werden und der Geschichte gemacht hat.
Genauso wird es wohl auch mit Jesus gewesen sein. Ein toller Mensch, wohl von jemandem anderen gezeugt als von Joseph, was dann zu einer etwas verwirrenden Geschichte führte. Letztlich aber sicher jemand, der eine Menge Gutes im Sinne hatte, sich von den Konservativen seiner Zeit absetzte und dann von ihnen dafür abgestraft wurde. Heute würde ein Jesus vom Papst nicht anerkannt, nicht gesehen, nicht wahrgenommen werden, von Herrn Schäuble wohl auch nicht, schon gar nicht von Herrn Mixa oder herrn Dyba. Denn wer würde schön jemanden mögen, der die Massen auf sich zieht, durch die Lande wandert, die Abschaffung der Kirchensteuer fordert und die entreibenden Finanzämter verwüstet? Vielleicht gibt es ja einen Menschen, der gerade für solcherlei Unwesen in einem Knast sitzt oder gerade im Iran an einem Baukran aufgehängt wird oder von den Chinesen in Lhasa vorhin erschossen wurde.
Wenn man Herrn Hubers Gottesverständnis mal der blumigen Sprache entkleidet, bleibt ein "Irgendwie-Gott", der nicht von dieser - sichtbaren, erfahrbaren - Welt ist, nicht wirklich - sichtbar, erfahrbar - darin eingreift, folgerichtig keinen praktischen Wert für jene hat, die ganz real an dieser "besten aller Welten" leiden. Das nennt sich Agnostizismus, wenn ich mich nicht irre.Herr Huber gibt den uralten Kampf der Religionen gegen die messbare und erfahrbare Realität auf und der Wissenschaft recht. Gut so. Was bleibt? Oh, die "Sinnfrage". Leider sind die Antworten der Religionen, _aller_ Religionen, nach der Aufgabe jeglicher Möglichkeit, Gewissheit zu bekommen, auf jeden Fall eines: Vollkommen willkürlich; man könnte auch sagen, beliebig erfunden.Mit anderen Worten: Herr Huber selber dampft seine Märchenstunde ein zu einer Tröst-Krücke aus unhaltbaren Zukunftsversprechen.Das ist okay, entzieht den Religionen aber auch endgültig jede Legitimation für ethische oder gesellschaftliche Fragen, Einfluss auf politische Institutionen und Finanzierung durch öffentliche Gelder.Danke, Herr Huber, damit kann ich gut leben. Wenn Sie sich dann bitte entsprechend verhalten würden...
Ich habe den Kommentar von Huber auch als Rückzugsgefecht empfunden, allerdings als intellektuelles. Man darf und kann den Wissenschaften zur Recht "vorwerfen", dass sie keine Sinnfragen beantworten können. Wenn man den Sinn unbedingt sucht, bleibt nur der Weg in das Metaphysische bzw. übersinnliche. Ich denke man sollte so fair sein zu konstatieren, dass Wissenschaft eben solche Aussagen nicht zulässt und deswegen auch nicht "sinnstiftend" sein kann. Dawkins Standpunkt Agnostizismus durch Atheismus zu ersetzen ist hier durchaus angreifbar und das hat Huber meiner Meinung nach gut ausformuliert getan.Ansonsten 100% Ihrer Meinung. Vom Gottesbegriff bleibt nach Aufklärung und wissenschaftlich fundiertem Weltbild letztlich nur ein unbestimmtes, metaphysisches Prinzip über: Der verzweifelte Versuch das, was unerfahrbar und übersinnlich ist der Erfahrung und Sinneswahrnehmung irgendwie näher zu bringen.Jetzt oder nie ...
Ich habe den Kommentar von Huber auch als Rückzugsgefecht empfunden, allerdings als intellektuelles. Man darf und kann den Wissenschaften zur Recht "vorwerfen", dass sie keine Sinnfragen beantworten können. Wenn man den Sinn unbedingt sucht, bleibt nur der Weg in das Metaphysische bzw. übersinnliche. Ich denke man sollte so fair sein zu konstatieren, dass Wissenschaft eben solche Aussagen nicht zulässt und deswegen auch nicht "sinnstiftend" sein kann. Dawkins Standpunkt Agnostizismus durch Atheismus zu ersetzen ist hier durchaus angreifbar und das hat Huber meiner Meinung nach gut ausformuliert getan.Ansonsten 100% Ihrer Meinung. Vom Gottesbegriff bleibt nach Aufklärung und wissenschaftlich fundiertem Weltbild letztlich nur ein unbestimmtes, metaphysisches Prinzip über: Der verzweifelte Versuch das, was unerfahrbar und übersinnlich ist der Erfahrung und Sinneswahrnehmung irgendwie näher zu bringen.Jetzt oder nie ...
Kürzlich sprach mich jemand an und fragte mich ob ich an
Gott glaube. Ich verneinte. Er bot mir daraufhin an mit ihm über Gott zu sprechen und mir binnen
zwei Wochen die Taufe zu ermöglichen. Ich antwortete, dass wir gern darüber
sprechen könnten, dass aus der Taufe aber wohl eher nichts wird.Im Laufe des Gesprächs fragte er mich dann u.a. was ich von
der Bibel halte und ich antwortete, dass es in meinen Augen ein Stück
Literaturgeschichte sei, mehr aber auch nicht. Denn über kein anderes Buch
wurde schließlich soviel gesprochen und geschrieben – so wie es nun auch wieder
Herr Huber tut.Viele der Probleme zwischen Atheisten und Christen ergeben
sich meines Erachtens daraus, dass viele (logischerweise insbesondere auf
Seiten der Gläubigen) mehr in der Bibel sehen als ein Buch. Seitens der
Atheisten sind aber diejenigen die gefährlichsten, die dieses Buch selbst
ernster nehmen als einige Christen und anstatt des Buches selbst, die Leser des
Buches kritisieren. Das ist dann so als ob man über die Leser des im Artikel angesprochenen
Buches herziehen würde und voraussetzen würde, dass sie nicht reflektieren und
hinterfragen was sie dort lesen – was natürlich auch zum Teil sowohl bei den
LeserInnen des Huber-Buches als auch der Bibel zutreffen kann, aber eben nicht
bei allen.Also lassen Sie uns ein paar Sätze diskutieren:1) „Wer die Welt allein aus dem Blickwinkel der
Evolutionstheorie sieht, verkennt die Bedeutung des christlichen
Schöpfungsglaubens“- Ich hoffe es klingt nicht ungerecht, wenn ich vergleichend
sage „Wer Harry Potter allein aus dem Blickwinkel des wissenschaftlich
erklärbaren betrachtet, verkennt die Bedeutung der kreativen Phantasie“. Kann
es nicht sein, dass sowohl der Glaube an das Paradies (Bibel) als auch der
Glaube an Bahnsteig 9 ½ (Harry Potter), beides die Übernahme von Phantasien der
AutorInnen darstellen und sich jedeR aussuchen kann, ob sie/er in dieser
Phantasiewelt leben möchte oder nicht? Herr Huber unterstellt dieser
Sichtweise, dass 2) „Die Schöpfung wird nicht als Thema des Glaubens, sondern
des Wissens angesehen.“- Viele „Bereiche des Wissens“ sind heute wissenschaftlich
nachweis- und erklärbar, sodass man auf der Wissensebene sagen kann, das
funktioniert jetzt soundso, gleichzeitig auf der Phanstasieebene aber sagen
kann, ich glaube, dass es dazu noch dieser oder jener nicht nachweisbaren
Kräfte bedurft hat.Projizieren wir es doch mal auf den Fußball:
Wissenschaftlich gesehen ist es ein Spiel von vielen teilelastischen Stößen (im
Leben: Physikalische, Chemische, Biologische etc. Vorgänge), welche die
Flugbahn des Balles (den Lauf der Dinge) bestimmen. Dabei können die
SpielerInnen (Menschen und Tiere) durch ihr eigenes Verhalten die Art der Stöße
beeinflussen – wenngleich natürlich auch Wind und Wetter eine Rolle spielen.
Nun ist die Frage, sind die SpielerInnen (Menschen und Tiere) selbst- oder
fremdbestimmt – und ist das Wetter eigentlich ein Ergebnis natürlicher Prozesse
oder doch von einer höheren Macht zu verantworten? Spätestens nach einem
Rückstand (Rückschlag im Leben) fangen aber die ersten Fans an zu beten, dass
die/der da oben was gegen diesen Rückstand (Lebenssituation) unternimmt; andere
ärgern sich, dass sie heute die Glücksjacke aufgrund des guten Wetters zu Hause
gelassen haben und wieder andere fordern ganz atheistisch die Einwechslung
eines Spielers (Eigeninitiative in misslicher Lage), der seine teilelastischen
Stöße besser koordinieren kann.Es ist festzustellen, von wissenschaftlichen Gesichtspunkten
gibt es keine Notwendigkeit für eine höhere Macht, dass das Spiel angepfiffen
wird (Schöpfung) – ob eine höhere Macht dennoch einen Einfluss auf das Spiel
(Leben) und die Spielgestaltung (Schicksal) hat, ist Glaubenssache. Von daher
kann die Schöpfung m.E. abstrahiert von der Wissenschaftlichen Ebene als
Glaubenssache angesehen werden, aber welcher Talismann das Glück nun bringen
soll, oder ob mensch ganz ohne Talismann auskommt, sei jedem selbst überlassen
– das nennt man glaub ich (Nicht-)Glaubensfreiheit. 3) „Sowohl das Ergebnis: »Darwin beweist, dass es Gott nicht
gibt« als auch das Ergebnis: »Gott beweist, dass Darwin Unrecht hat« wären eine
unterrichtliche Fehlleistung.“- Eindeutige Zustimmung, denn Darwin beweist lediglich, dass
es keinen Gott braucht. Die Nichtexistenz von etwas kann nicht bewiesen werden.
Daher gilt ja in der Wissenschaft jede Behauptung bis zu ihrem Beweis als
unwahr – in der Welt der Phantasie und des Glaubens hingegen kann es jedoch
keine Wahrheiten und Unwahrheiten geben. 4) „Gerade weil sich
das Ziel, um dessentwillen die Welt entstand und das Leben sich auf der Erde
bildete, nicht aus den naturwissenschaftlichen Einsichten selbst erschließt,
brauchen wir einen Zugang zu dem Sinn des Ganzen, der den Raum des unserem
Wissen Zugänglichen überschreitet.“ - Die Suche nach dem
Sinn des Lebens ist tatsächlich eine Frage, welche die Menschheit schon ewig
umtreibt und die in Zeiten der wissenschaftlichen Erklärbarkeit von Wetter, Landwirtschaft
etc. und der damit zusammenhängenden „Nutzloswerdung“ von Wetter-, Fruchtbarkeits-
und ähnlichen Göttern, einer der Hauptgründe des Erfolges monotheistischer und
atheistischer Religionen ist.
Wenn man über die Bibel diskutiert, sollte man immer bedenken, wann sie verfasst wurde und von wem sie verfasst wurde und welches Interesse dahinter steckte. Allein aus diesen drei Faktoren erschließen sich schon sehr viele unterschiedliche Auslegungen, ja widersprüchliche Aussagen. Außerdem wurden für das neue Testament viele Evangelien nicht berücksichtigt. Beispielsweise in einem nicht berücksichtigten Maria-Magdalena als Jüngerin dargestellt, dies passte natürlich nicht in das patriarchische Weltbild der Zeit, in einem wird Judas als engster Vertrauter Jesu geschildert, nicht als der Verräter. Das Problem ist unheimlich vielschichtig, ich werde mir nicht anmaßen hier urteilen zu wollen, weil mir einfach der fachliche Hintergrund fehlt. Des Weiteren finde ich es immer schwierig, die Bibel wortwörtlich zu nehmen. Es ist nicht möglich aus Wasser Wein zu machen, oder über Wasser zu gehen. Aber es sind Geschichten, die erzählt werden, die einen Großteil unserer Werte und Normen, die wir in Europa haben, geprägt haben und prägen werden. Im Punkt des Ethikunterrichts muss ich Herrn Huber widersprechen. Was im Klassenraum passiert, bestimmt glücklicherweise neben dem Lehrplan noch der Lehrer. Und es gehört zu den Leistungen, die ein moderner Ethikunterricht bringen muss, auch die Schöpfungsgeschichte darzustellen, Parallelen zur Evolution zu ziehen, aber auch deutlich zu differenzieren. Ich finde es immer schade, wenn in solchen, unheimlich spannenden Diskussionen sich beide Seiten mit einer unsäglichen Herablassung ("die armen Atheisten" vs. "Glauben = dumm") behandeln.