Literatur Wer bin ich für Dich?Seite 4/4

Nachdem auch die Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch im Fiasko geendet hat und alle Schlösser sich als Luftschlösser erwiesen haben, die post festum von ihr gern mit Hasstiraden besprüht werden – so wird etwa im Roman Malina Frisch als »Herr Ganz« zur Horrorfigur –, erscheint Paul Celans Bild in ihrem Werk als jene wunderbare, wenngleich dunkle Sehnsuchtsfigur, zu der er für sie schon bei ihrer ersten Begegnung wurde und die von der Wirklichkeit nun bis zu ihrem Tod – sie starb 47-jährig im Jahr 1973, drei Jahre nach Celans Tod, an den Folgen von Brandverletzungen in Rom – nicht mehr entzaubert werden konnte. »Celan war kein Mensch, sondern eine blutende Wunde«, schrieb Émile Cioran. Man kann auch eine Wunde lieben, zumal wenn man eine große Dichterin ist.

Zu dieser Ausgabe ist anzumerken, dass der Kommentar uns oft im Stich lässt. Die Übersetzung der Briefe von Gisèle Celan-Lestrange an Ingeborg Bachmann, die dieser Ausgabe beigegeben sind, ist alles andere als geschmeidig, ja sogar gelegentlich grammatikalisch falsch (»Schreiben Sie mir von Ihnen«). Am ärgerlichsten ist der Klippschulstil des Nachworts von Barbara Wiedemann und Bertrand Badiou (»Schreiben ist beiden keine einfache Sache, auch Briefe-Schreiben nicht«). Auch Amtsdeutsch-Begriffe wie »diesbezüglich« haben in einer Ausgabe eines Dichter-Briefwechsels nichts zu suchen, so wenig wie das Wort »Partner«, das man Eheinstituten überlassen sollte.

 
Leser-Kommentare
    • wergi
    • 03.09.2008 um 16:03 Uhr

    eine tiefe, lang andauernde, verwirrte, zerstörerische... usw. Liebe. eine Liebe eben, wie sie nur von zwei Menschen gelebt werden kann. zufällig waren diese beiden auch noch Dichter und Literaten. deshalb nun die veröffentlichung dieser briefe? keine privatsphäre für die beiden? natürlich liest man gerne und voller begeisterung und anteilnahme diese texte - doch auch verschämt, also "gespalten", denn es ist doch sehr intim. sie  ziehen einen unglaublich in ihren
    Bann, die beiden, mit ihrer Mimosenhaftigkeit, Feinfühligkeit und Unfeinfühligkeit,
    ihrem Ernst, der ganzen Trauer und "Schuld".
    Darüber hinaus bekommt man viel mit von Alltagsnöten wie etwa Geldsorgen, und sonstigen Plänen und Hoffnungen, Ungenügen an sich und anderen,
    überraschenden Wendungen im Leben, Enttäuschungen, Zusammenbrüchen. Allein die
    Briefüberschriften! Bachmann z.B. schreibt
    "Liebster, Liebster Paul", und Celan antwortet mit einem simplen
    "Ingeborg". Humor ist selten, oft unfreiwillig (z.B. als
    Celan sich bei Bachmann beschwert, man hätte seine Art, Gedichte
    vorzulesen, mit der Heinz Ehrhardts verglichen), es wird viel gelitten,
    viele Vorwürfe und Anklagen werden lautgemacht, viel Verzweiflung mit
    großem Pathos. Wirklich sehr beeindruckend, für Fans ein must-have!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service