Politisches Buch
Die georgische Gefahr
Silke Kleinhanß zeigt, was sich tatsächlich hinter dem Konflikt um Südossetien verbirgt
Ein Sturm der Entrüstung rauscht durch die Blätter, der klammheimliches Triumphgefühl kaum verbirgt. Endlich hat die »westliche Welt« beschert bekommen, was sich als Äquivalent für Amerikas völkerrechtswidrigen Irakkrieg mit seinen Hunderttausenden von Toten zumindest aufwerten lässt: Russlands ebenfalls völkerrechtswidrigen Überfall auf seinen kaukasischen Nachbarstaat. Dass zuvor der georgische Präsident Michail Saakaschwili eine schlafende Stadt im eigenen Land bombardieren ließ, wird klein an den Rand geschrieben.
Wer sich nicht nur mit der einen Seite dieser blutigen Medaille im Schatten Olympias begnügen will, dem zeigt die junge Leipziger Politologin Silke Kleinhanß die andere, im Dunkeln gelassene Hälfte der Konfliktursachen auf. Ihr soeben erschienenes, schmales Buch weist nach, dass nicht nur Russlands imperiale Strategie, sondern auch Georgiens Außenpolitik ein Gefahrenherd ist. Dem Transformationsland im Kaukasus sind Nationalstaatsbildung, Demokratisierung und die Einführung der Marktwirtschaft misslungen. Um von dem multiplen Versagen abzulenken, instrumentalisiert Tbilissi die Außenpolitik zur Demonstration staatlicher Handlungsfähigkeit. Weil sich die Akteure auf der innerstaatlichen Bühne bestmöglich präsentieren wollen, räumen sie ihren außenpolitischen Handlungen ein geringeres Gewicht ein als deren innenpolitischen Folgen.
Es ist kein Zufallstreffer, dass Saakaschwili mit seinem Überfall auf Südossetien diese Analyse gerade bestätigt hat. Denn die Autorin belegt ihre Thesen mit transparenter Argumentation und einer schnörkellos-sachlichen Darstellung Georgiens seit der Unabhängigkeit. Der erste Präsident Swiad Gamsachurdia (1991 bis 1992) betrieb Nation-Building mit historischen Mythen ohne politische und ökonomische Reformen. Für ihn waren nicht nur die ethnischen Minderheiten, sondern auch alle Oppositionspolitiker Agenten des Kremls. Wer jene Zeit von Wahn und Hass rund um den Präsidentenpalast in Tbilissi selbst miterlebt hat, kann diese Bewertung nur bestätigen. Eduard Schewardnadse (1992 bis 2003) führte demokratische Grundstrukturen ein, benutzte sie aber als Deckmantel für seine korrupten Netzwerke. Saakaschwili stärkte die Exekutive, ohne für demokratische Konsensbildung zu sorgen. Auch für ihn ist jede Opposition von Russland gelenkt.
Den Konflikt um Südossetien brachen die Georgier 1989 vom Zaun, als sie Georgisch zur einzigen Staatssprache dieser autonomen Republik erklärten. In ihr leben vor allem Alanen, die eine mit dem Iranischen verwandte Sprache sprechen. Da das staatliche Gewaltmonopol in den ersten Jahren der Unabhängigkeit Georgiens von kriminellen Milizen privatisiert wurde, fielen deren Warlords 1992 in das unbotmäßige Abchasien ein. Statt Sold galten Plünderungen als Belohnung.
Die Verantwortung für dieses Staatsversagen schiebt Tbilissi allein Russlands Intrigen zu. Kleinhanß stellt keineswegs in Abrede, dass Moskau die Konflikte dankbar nährt und hütet oder dass die sezessionistischen Regionen heute mafiöse Enklaven sind. Doch Georgiens antirussische Außenpolitik dient vor allem der Definition der eigenen Nation, deren Bevölkerungsclans nicht in demokratische Institutionen geleitet werden.
Um eine grundlegende empirische Staatlichkeit aufrechtzuerhalten, setzt Georgiens Außenpolitik zugleich auf den externen Gönner USA. Washington erklärte bereits 1997 die ferne kaspische Region zur »Sphäre nationalen Interesses«. Seither haben die USA im Rahmen ihrer von Ölinteressen und vom »Krieg gegen den Terrorismus« bestimmten Strategie das marode Land mit Militärhilfen, Manövern und Entwicklungsgeldern zu ihrem Vorposten an Russlands Grenze aufgepäppelt. Sie hätten damit demonstriert, so Kleinhanß in ihrer Studie, dass Nato-Truppen auch dort stationiert werden könnten und die amerikanische Machtprojektion bis in den Kaukasus reiche. Ebendiese Projektion hat Moskau mit der Strafaktion gegen Georgien im Visier.
- Datum 21.1.2009 - 11:06 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 21.08.2008 Nr. 35
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Freut mich, dass sowas noch in der konservativen Zeit bekanntgemacht wird.
ausgewogener geschrieben? Warum davor soviele eher einseitige Berichte und Kommentare, wenn die andere Seite durchaus erkannt ist, und man auch weiß, daß sie bekannt ist und berechtigt ist. Warum dann nur so eine kleine "Randbuchbemerkungsbesprechung", nur um den Anschein der Ausgewogenheit zu wahren (aber wir hatten doch auch....).
Verstehe ich nicht!
Wenn ich mir den Artikel durchlese, drängt sich mir die
Frage auf, warum so genau auf die Vergangenheit und die Verfehlungen der alten
Präsidenten eingegangen wird, die sicherlich auf eine gewisse Art die Wahrheit
wieder geben, über Saakashvili aber nur ein vager Satz verloren wird. Nichts wird über die erfolgte und erfolgreiche Korruptionsbekämpfung
unter Saakashvili vermerkt, die sicherlich auf ihre Art eine Stärkung der demokratischen
Werte darstellt, im Gegenteil, das z.B. die Polizei nun einen Lohn für ihre
Arbeit erhält und somit nicht mehr Geld auf dubiosen Weg erlagen muss, wird als
etwas negatives Dargestellt. Mit keinem Wort wird auf die erfolgreich eingeleitete
wirtschaftliche Öffnung des Landes und dem starken Wirtschaftswachstum
hingewiesen. Ebenso wenig, dass der aktuelle Präsident Georgiens vor ein paar
Jahren auf friedlichem Weg eine weitere abtrünnige Provinz (Adscharien) zurück
ins Land geholt hat. Ebenso werden Georgier zu unrecht als Fremdenhasser
dargestellt, obwohl es viele Minderheiten gibt mit denen dort schon immer gut
zusammen gelebt wurde, und nicht zuletzt äußert sich diese Toleranz auch durch
zwei Synagogen und eine Moschee im Stadtbild von Tiflis.
Unter dem Strich, eine kleine Korrektur, darüberherrscht der Meinungsteil der Politikredaktion undüber allem schwebt der Geist und die lenkende Hand der Transatlantiker.Aber trotzdem lobenswert, der kleine Ausgleich.Hier nun einige Hinweise, warum die Person Saakashwilis so seltsam unterbelichtet bleibt.1)Michail Saakaschwili in Israel: „Nächstes Jahr in Suchumi!“, Artikel erschienen am 16/11/2006 auf caucaz.comVon Renaud FRANCOIS in LyonUbersetzt von Fiona GUTSCHhttp://www.caucaz.com/home_de/breve_contenu.php?id=198Wer das gelesen hat, der weiß warum dieser Präsident zwar eloquent und medienwirksam auftritt, aber auch, warum sein Waffengang in Südossetien fast zwangsläufig war. Der Mann bleibt gefährlich und ist ein Kriegstreiber. 2)Die Gefahr bleibt, ließt wenn man den folgenden Artikel aus der International Herald Tribune vom heutigen Tage (25.08.2008).Es soll, nach erfolgreicher Wiederaufrüstung, genau so wie es der Präsident in seinem Wahlversprechen ansagte, weiter gehen. - Da kann man nur sagen irre, der Typ!Der will mit seinem Land in die NATO und in die EU, um noch modernisierter aus dem einzigen Monopolsender Georgiens Propaganda zu verbreiten und um mit modernen, neuen Waffen da weiter zu machen, wo er bisher von den Russen gestoppt wurde. International Herald TribuneGeorgian president vows to rebuild army and pursue control of enclavesBy C. J. Chivers and Michael SchwirtzMonday, August 25, 2008http://www.iht.com/articles/2008/08/25/europe/26georgia.phpZu den Hintergründen der Aufrüstung und der Militärstrategie Saakashwilis liefert folgender Artikel Einblicke:3)Amerikanisches Radar, russische Militärbasen, nationale Streitkräfte: Der Zustand der Militärstandorte im SüdkaukasusArtikel erschienen am 09/07/2006, auf caucaz.comVon Célia CHAUFFOUR in WarschauUbersetzt von Gudrun STAEDEL-SCHNEIDER http://www.caucaz.com/hom... den Augen der russischen Peacekeeper, sie waren seit 1992 in Tchinwali (Südossetien), aber auch in Abchasien UN-mandatiert stationiert, insgesamt etwa jene nun plötzlich anrüchigen 500 Mann, baute sich Saakashwili in Senaki und seit 2007 in Gori die militärischen Ausgangslager für den Überfall auf Südossetien. Ganz selbstverständlich mit amerikanischer Hilfe. 4)Wie sich Geschäftsfreundschaften mit der Familie des amerikanischen Präsidenten auswirken, dazu liefert der folgende Artikel zumindest Hinweise:Neil Bush in Tiflis: « Georgia on my mind ! »Artikel erschienen am 28/06/2005Von Renaud FRANCOIS in ParisUbersetzt von Barbara GRABSKIhttp://www.caucaz.com/home_de/breve_contenu.php?id=51Über diese Hintergründe werden wir vielleicht in denFeuilletons der Republik und aus einigen Nachdenkzeitschriften noch informiert. Aber der Zug bei den Mainstream-Politikredaktionen dürfte abgefahren sein. Da geht es, und wenn nur noch auf einem Hinkebein, um die Bestätigung der eigenen Thesenwelt.GrüßeChristoph LeuschPS: Wenn mich diese blöde Einseitigkeit und tumbe Einfalt nicht so aufregte, ein bekannt einseitiger Artikel von Herrn Joffe pro Woche reichte doch, würde ich mir nicht die Mühe machen, so viel hier einzutragen. - Allerdings, große Reaktionen erwarte ich nicht. Dazu ist einfach das "Meinungsmacht"- Gefälle (Evelyn Finger) zu groß.
Hallo, ich möchte auf Ihren Beitrag antworten, damit es nicht wieder
alles einseitig klingt. Warum der Westen die Geschähnisse in Georgien
einseitig belichtet? - Weil er sich schuldig fühlt in das Konflikt
nicht rechtzeitig eingemischt zu haben und auf dem Gebiet der
Außenpolitik als ein Gewinnmaximierer eigenes Wohlstands gehandelt zu
haben und nicht als ein Friedensstiefter. Westen, vor allem Europa, hat
eigene demokratischen Werte für das "Wohlstand" eigener Bürger
ausgetauscht. Dafür haben wir ja alle Verständnis nach dem ein harter
kapitalistischer
Wettbewerb offiziell ausgerufen wurde. Wir sind schon lange im
Zeitalter wo es nicht um die Gerechtigkeit,
Hilfe und Mitgefühl geht, sondern um die Maximierung des Eigenprofits
und das
hat Westen auf der internationalen Bühne
im Falle des Georgiens auch getrieben.
Georgien wurde schon längst
von Europa dem Russland geschenkt, eingetauscht für "Demokratisierung"
von Russland, Stabilisierung seiner Wirtschaft und der eigenen. Auf
diesem Weg hat Europa einiges runterschlücken müssen. Und Russland
musste blöd sein das in seinem Interesse nicht zu nutzen. Und
jetzt, da es
knallt, werden wieder
moralische Werte aktiviert. Leider zu spät. Was jetzt auf der
internationalen Bühne geschieht zeigt ja deutlich, dass an alte
Prinzipien angelehnte Weltstrukturen nicht mehr greifen. Und für mich
ist jetzt die Frage, ob es Russland gelingt die neuen Prinzipien
der Machtdurchsetzung mit militärischen Mitteln auf einer Art und Weise
zu legitimieren und diese Art des nach dem 11. September betriebenen
Imperialismus in voller Nacktheit zu demonstrieren und damit zu stärken
und
zu festigen. Wenn ja, dann bleibt mir als einer Weltbürgerin alle
beteiligten und entscheidungsbefugten
Machtinhaber zu verklagen diesen Kurs installiert und alternativlos
mitverfolgt zu haben.
Im Moment spricht in mir aber nicht nur um einen
Weltfrieden besorgte Bürgerin, sondern, wiel eine georgierin, um das
Leben meiner
Lieben bangende, unter anderem um das Leben meiner Tochter, die wegen russischer Patroullien in
Georgien fest stecken bleibt und von mir nicht rausgeholt werden kann, ringende Stimme.
Als Nichtausßenseiter des Konflikts möchte ich hier auch ein Paar Überlegungen anstellen.Meine
erste Reaktion auf diesen Krieg war ein Fluch für die jetzige
georgische Regierung, dass es so weit gekommen ist. Aber nach einigem
Überlegen denke ich, dass es Georgien einfach keine andere Wahl blieb.
Und das ist wirklich bitter zuzugeben. Die Tatsache ist, dass Russland
seit
Jahren unter dem Deckmantel des Friedenstifters in der Region steht,
über 60% der Bevölkerung von Abchasien und Ossetien wird es nicht
ermöglicht in ihre Häuser zurück zu kehren. Noch schlimmer,
georgische Seite bekam nie die Möglichkeit ein Gesprächspartner in dem
Konflikt zu sein. Alle progeorgische Kräfte in diesen Regionen werden
verfolgt, verstummelt, umgebracht. Viel Mals hat Saakashvili
sich bemüht mit
Russland zu verhandeln u.a. mit dem Versprechen russischen
Investitionen in
der Region rechtsmässigen Status zu garantieren. Aber Russland geht es
um den Einfluß in dieser Region und zwar um einen bedingungslosen
Einfluß, so wie in alten Zeiten. Russland ist ein imperialistisch
denkendes
Land nach wie vor und daraus schöpft er auch eigene Kraft. Leider
verfielen Politiker in Georgien dem Irrtum
der Unabhängigkeit und des Neuanfangs und versuchten mit Russland als
einem Partner zu
verhalndeln. Die die Geschichte
dieser Länder gut kennen, haben das Recht zu sagen diesem Fehler hätte
man
nicht verfallen dürfen. Aber alles hat Grenzen. Fakt ist, dass nach dem
Zerfall des sowjetischen
Großreiches in ehemaligen sowjetischen Ländern keine Möglichkeit
gegeben war eine
eigene Politik und Politiker auszubilden. Man stand ständig dem
russischen Machtanspruch gegenüber und daraus resultierenden
geschürten Konflikte ökonomischer, territorialer und
politischer Art. Diese Länder
bekamen auch keine weitere Unterstützung, vor allem aus Europa nicht,
auf die sie so hofften und drängten.
Mir persönlich
(wie auch vielen Georgiern) wäre lieber einen friedlich-freundlichen
Nachbarn angesichts des Russlands zu
haben als einen unbekannten Verbündeten hinter dem Ocean, der
historisch wie kulturell ferner ist. Ein kleines Land braucht aber
Verbündeten, weil es alleine nicht existieren kann, besonders unter
schwierigen Umständen. Und das ist meiner Ansicht nach der Hauptschuld
des Russlands, dass er nicht als Alternative für Georgien offen stand.
Vielleicht auch, weil er selbst mit zahlreichen Problemen zu kämpfen
hatte. Die Entscheidungsmacht guter Nachbarschaft lag leider nie in
Händen georgischer Staat wie damals als auch jetzt.
Die Frage - wer den Krieg begennen hat, finde ist obsolet. Der Krieg
ist in der Region schon seit Anfang der 90-er Jahre. Die Vertriebenen
sowie die Gebliebenen in den Regionen sowie im ganzen Land tun mir
Leid. Vor allem, dass man seit Jahren im Elend, Embargo,
Krieg und Hoffnungslosigkeit lebt. Die Karte, auf die Saakashvili mit
der
Offenlegung des
Konfliktes gesetzt hat, ist vielleicht einen erzwungenen Frieden für
Georgien auszuhandeln. Dass es so vielen Menschen auf allen Seiten das
Leben kosten
müsste, dass es noch mehr Zeit gebraucht wird einander zu vertrauen,
sich zu
versöhnen und zu lieben, sich selbst zu suchen und zu finden kann ich
persönlich mit nichts entschuldigen. Und diese Schuld lege ich als
Georgierin auf den Oberhaupt des Landes und als Weltbürgerin auf
alle die, die diesen Zustand herbeigeführt haben. Ich hoffe sehr, dass
meinem Land in Jahrtausenden erlernte Weisheit Geduld zu üben, die
Hoffnung nicht zu verlieren und das Leben trotz allem zu ehren in
dieser schwierigen Zeit zu Gute kommt. Und als der Mensch,
dem das schöne Leben viel Wert ist, wünsche ich nicht nur, dass mir die
Liebe zu dem russischen Vater meines Kindes - meinem Partner nicht
abhanden kommt, sondern dass das friedliche und faire Leben
in diesem Kampf gewinnt. (Entschuldigt für etwas pathetische Töne und
einige Schreibfehler dieses Beitrags. Musste das einfach loswerden.)
rührt. Und woher kommt die Kritiklosigkeit wenn es um Russland geht? Diese Verblendung ist gefährlich. Sie erinnert mich an das Wahnhafte der NS-Ära.
Lieber Herr Rueger,Also Hass auf Georgier oder Georgien habe ich, in der ganzen heftigen Kritik an der tendenziellen Berichterstattung der ZEIT/ZEIT-Online selten entdecken können. Nur umgekehrt den Wunsch mancher Journalisten, die Russen und ihre Regierung herabzuwürdigen.Bedenken Sie, die sind hier von fast der gesamten Führungsriege der ZEIT-Politikredaktion für ihre kommunistische, zarisitische und "moskowitische", -das ist für Russen eine Beleidigung-, Vergangenheit an den Pranger gestellt, als Minderleister im Vergleich mit den Chinesen verunglimpft und als Aggressoren dieses aktuellen Konfliktes abgeurteilt worden. Herr Joffe, der gerne die langen Linien der Geschichte bemüht, er forscht, rein rhetorisch, ja mindestens bis zu den Holzhütten und Palästen des Kiewer und Moskauer Rus, bemüht sich ganz konsequent von den eigentlichen lokalen und regionalen Hintergründen des von Georgien verlorenen Krieges abzulenken, um aus dem Konflikt eine neue Konfrontation Russland-NATO, Böse-Gute, richtig und falsch zu zimmern.Darin liegt sowohl ein wahnhaftes Element, als auch ein Kalkül, aus Motivationen gespeist, die weit außerhalb des Journalismus liegen. - Einige Motive lassen sich erkennen, wenn Sie nachvollziehen, an welche Organisationen und Institutionen sich manche Journalisten freiwillig binden. - Keine Frage, das dürfen sie. Das ist gelebte Freiheit. - Aber schon aus Gründen des Publikationsprivilegs und der allgemeinen Berufsregeln, sollten diese Redakteure und Autoren ihre Beziehungen transparent machen.Weder der aktuelle Konflikt, noch sein derzeit beobachtbarer Verlauf, noch seine Hintergründe gemahnen an die NS-Ära oder an die Stalin-Zeit. Das ist Gerede und es ist fast immer schlecht, wenn solche Vergleiche überhaupt angestellt werden.Die hier vorgestellte Buchpublikation beschäftigt sich mit den georgischen Hintergründen, fürr den aktuellen gewaltsamen Einmarsch in die, de facto seit 1992, unabhängige Provinz Südossetien. Denn, interessant und notwendig ist schon, den Unwillen der Südosseten und Abchasen zu verstehen, die sich einfach nicht als zu Georgien gehörend definieren wollen.Von Kritiklosigkeit gegenüber Russland kann überhaupt nicht die Rede sein. Aber, wer in der aktuellen Diskussion Ursachen und Folgen verdreht, der hinterfragt sich selbst nicht und macht sich damit ungalubwürdig. GrüßeChristoph Leusch
Lieber Herr Rueger,Also Hass auf Georgier oder Georgien habe ich, in der ganzen heftigen Kritik an der tendenziellen Berichterstattung der ZEIT/ZEIT-Online selten entdecken können. Nur umgekehrt den Wunsch mancher Journalisten, die Russen und ihre Regierung herabzuwürdigen.Bedenken Sie, die sind hier von fast der gesamten Führungsriege der ZEIT-Politikredaktion für ihre kommunistische, zarisitische und "moskowitische", -das ist für Russen eine Beleidigung-, Vergangenheit an den Pranger gestellt, als Minderleister im Vergleich mit den Chinesen verunglimpft und als Aggressoren dieses aktuellen Konfliktes abgeurteilt worden. Herr Joffe, der gerne die langen Linien der Geschichte bemüht, er forscht, rein rhetorisch, ja mindestens bis zu den Holzhütten und Palästen des Kiewer und Moskauer Rus, bemüht sich ganz konsequent von den eigentlichen lokalen und regionalen Hintergründen des von Georgien verlorenen Krieges abzulenken, um aus dem Konflikt eine neue Konfrontation Russland-NATO, Böse-Gute, richtig und falsch zu zimmern.Darin liegt sowohl ein wahnhaftes Element, als auch ein Kalkül, aus Motivationen gespeist, die weit außerhalb des Journalismus liegen. - Einige Motive lassen sich erkennen, wenn Sie nachvollziehen, an welche Organisationen und Institutionen sich manche Journalisten freiwillig binden. - Keine Frage, das dürfen sie. Das ist gelebte Freiheit. - Aber schon aus Gründen des Publikationsprivilegs und der allgemeinen Berufsregeln, sollten diese Redakteure und Autoren ihre Beziehungen transparent machen.Weder der aktuelle Konflikt, noch sein derzeit beobachtbarer Verlauf, noch seine Hintergründe gemahnen an die NS-Ära oder an die Stalin-Zeit. Das ist Gerede und es ist fast immer schlecht, wenn solche Vergleiche überhaupt angestellt werden.Die hier vorgestellte Buchpublikation beschäftigt sich mit den georgischen Hintergründen, fürr den aktuellen gewaltsamen Einmarsch in die, de facto seit 1992, unabhängige Provinz Südossetien. Denn, interessant und notwendig ist schon, den Unwillen der Südosseten und Abchasen zu verstehen, die sich einfach nicht als zu Georgien gehörend definieren wollen.Von Kritiklosigkeit gegenüber Russland kann überhaupt nicht die Rede sein. Aber, wer in der aktuellen Diskussion Ursachen und Folgen verdreht, der hinterfragt sich selbst nicht und macht sich damit ungalubwürdig. GrüßeChristoph Leusch
Ich freue mich, dass hier mal eine ruhige Diskussion zum Thema aufkommt. Ich muss TobiasRüger insofern recht geben, dass die Kommentare zu allen Artikeln der Zeit Online Redaktion zum Thema Georgien überquellen vor Antiamerikanismus, zielloser Kritik an Journalisten und dem Westen allgemein. Dazu immer diese hier gerade auch in der Buchbesprechung erwähnter Rechtfertigung des russischen Unrechts mit dem amerikanischem. Und colon hat auch nicht ganz Unrecht mit der Behauptung, dass die Artikel der Zeit einseitig daherkommen. Dies liegt meines Erachtens vor allem an reisserischen Schlagzeilen. Kolumnen (Joffe!) geben immer die PERSÖNLICHE Sichtweise eines Authors wieder. Dies wird dann immer gerne genutzt, um die Zeit generell anzuklagen. Meines Erachtens werden die Schuldigen dieses Konfliktes hier nicht einseitig angeklagt. Georgier und Russen haben sich dort beide falsch verhalten (was in meinen Augen oft genug betont wird). Georgier eben genau zu diesem Zeitpunkt (Auslöser) und Russen die ganzen letzten Jahre (Hintergrund). Dass die Russen etwas schlechter wegkommen, mag daran liegen, dass es über die letzten Jahre eben mehr Berichtenswertes zu schreiben gibt. Dass Georgien in einem Anfall von Dummheit eine eigene Stadt bombardiert, um die Gebiete im Handstreich zu nehmen ist schnell abgehandelt. Nur der Russe bietet wohl genug Material, um auch ein paar mehr Sätze zu schreiben (es hat sich ja auch einiges ereignet, was russische Aussenpolitik angeht). Das Berichtete ist dann nicht falsch (was den Autoren oft vorgeworfern wird), aber es häuft sich eben dieses kritische Bild über Russland. Von daher profitieren beide Seiten, wenn man sich kritisch mit dem Geschrieben auseinandersetzt, aber pauschale Verunglimpfungen der Autoren und plumben Antiamerikanismus mal aussen vorlässt. Dann macht das diskutieren auch wieder mehr Freude.
Hallo, ich möchte auf Ihren Beitrag antworten, damit es nicht wieder
alles einseitig klingt. Warum der Westen die Geschähnisse in Georgien
einseitig belichtet? - Weil er sich schuldig fühlt in das Konflikt
nicht rechtzeitig eingemischt zu haben und auf dem Gebiet der
Außenpolitik als ein Gewinnmaximierer eigenes Wohlstands gehandelt zu
haben und nicht als ein Friedensstiefter. Westen, vor allem Europa, hat
eigene demokratischen Werte für das "Wohlstand" eigener Bürger
ausgetauscht. Dafür haben wir ja alle Verständnis nach dem ein harter
kapitalistischer
Wettbewerb offiziell ausgerufen wurde. Wir sind schon lange im
Zeitalter wo es nicht um die Gerechtigkeit,
Hilfe und Mitgefühl geht, sondern um die Maximierung des Eigenprofits
und das
hat Westen auf der internationalen Bühne
im Falle des Georgiens auch getrieben.
Georgien wurde schon längst
von Europa dem Russland geschenkt, eingetauscht für "Demokratisierung"
von Russland, Stabilisierung seiner Wirtschaft und der eigenen. Auf
diesem Weg hat Europa einiges runterschlücken müssen. Und Russland
musste blöd sein das in seinem Interesse nicht zu nutzen. Und
jetzt, da es
knallt, werden wieder
moralische Werte aktiviert. Leider zu spät. Was jetzt auf der
internationalen Bühne geschieht zeigt ja deutlich, dass an alte
Prinzipien angelehnte Weltstrukturen nicht mehr greifen. Und für mich
ist jetzt die Frage, ob es Russland gelingt die neuen Prinzipien
der Machtdurchsetzung mit militärischen Mitteln auf einer Art und Weise
zu legitimieren und diese Art des nach dem 11. September betriebenen
Imperialismus in voller Nacktheit zu demonstrieren und damit zu stärken
und
zu festigen. Wenn ja, dann bleibt mir als einer Weltbürgerin alle
beteiligten und entscheidungsbefugten
Machtinhaber zu verklagen diesen Kurs installiert und alternativlos
mitverfolgt zu haben.
Im Moment spricht in mir aber nicht nur um einen
Weltfrieden besorgte Bürgerin, sondern, wiel eine georgierin, um das
Leben meiner
Lieben bangende, unter anderem um das Leben meiner Tochter, die wegen russischer Patroullien in
Georgien fest stecken bleibt und von mir nicht rausgeholt werden kann, ringende Stimme.
Als Nichtausßenseiter des Konflikts möchte ich hier auch ein Paar Überlegungen anstellen.Meine
erste Reaktion auf diesen Krieg war ein Fluch für die jetzige
georgische Regierung, dass es so weit gekommen ist. Aber nach einigem
Überlegen denke ich, dass es Georgien einfach keine andere Wahl blieb.
Und das ist wirklich bitter zuzugeben. Die Tatsache ist, dass Russland
seit
Jahren unter dem Deckmantel des Friedenstifters in der Region steht,
über 60% der Bevölkerung von Abchasien und Ossetien wird es nicht
ermöglicht in ihre Häuser zurück zu kehren. Noch schlimmer,
georgische Seite bekam nie die Möglichkeit ein Gesprächspartner in dem
Konflikt zu sein. Alle progeorgische Kräfte in diesen Regionen werden
verfolgt, verstummelt, umgebracht. Viel Mals hat Saakashvili
sich bemüht mit
Russland zu verhandeln u.a. mit dem Versprechen russischen
Investitionen in
der Region rechtsmässigen Status zu garantieren. Aber Russland geht es
um den Einfluß in dieser Region und zwar um einen bedingungslosen
Einfluß, so wie in alten Zeiten. Russland ist ein imperialistisch
denkendes
Land nach wie vor und daraus schöpft er auch eigene Kraft. Leider
verfielen Politiker in Georgien dem Irrtum
der Unabhängigkeit und des Neuanfangs und versuchten mit Russland als
einem Partner zu
verhalndeln. Die die Geschichte
dieser Länder gut kennen, haben das Recht zu sagen diesem Fehler hätte
man
nicht verfallen dürfen. Aber alles hat Grenzen. Fakt ist, dass nach dem
Zerfall des sowjetischen
Großreiches in ehemaligen sowjetischen Ländern keine Möglichkeit
gegeben war eine
eigene Politik und Politiker auszubilden. Man stand ständig dem
russischen Machtanspruch gegenüber und daraus resultierenden
geschürten Konflikte ökonomischer, territorialer und
politischer Art. Diese Länder
bekamen auch keine weitere Unterstützung, vor allem aus Europa nicht,
auf die sie so hofften und drängten.
Mir persönlich
(wie auch vielen Georgiern) wäre lieber einen friedlich-freundlichen
Nachbarn angesichts des Russlands zu
haben als einen unbekannten Verbündeten hinter dem Ocean, der
historisch wie kulturell ferner ist. Ein kleines Land braucht aber
Verbündeten, weil es alleine nicht existieren kann, besonders unter
schwierigen Umständen. Und das ist meiner Ansicht nach der Hauptschuld
des Russlands, dass er nicht als Alternative für Georgien offen stand.
Vielleicht auch, weil er selbst mit zahlreichen Problemen zu kämpfen
hatte. Die Entscheidungsmacht guter Nachbarschaft lag leider nie in
Händen georgischer Staat wie damals als auch jetzt.
Die Frage - wer den Krieg begennen hat, finde ist obsolet. Der Krieg
ist in der Region schon seit Anfang der 90-er Jahre. Die Vertriebenen
sowie die Gebliebenen in den Regionen sowie im ganzen Land tun mir
Leid. Vor allem, dass man seit Jahren im Elend, Embargo,
Krieg und Hoffnungslosigkeit lebt. Die Karte, auf die Saakashvili mit
der
Offenlegung des
Konfliktes gesetzt hat, ist vielleicht einen erzwungenen Frieden für
Georgien auszuhandeln. Dass es so vielen Menschen auf allen Seiten das
Leben kosten
müsste, dass es noch mehr Zeit gebraucht wird einander zu vertrauen,
sich zu
versöhnen und zu lieben, sich selbst zu suchen und zu finden kann ich
persönlich mit nichts entschuldigen. Und diese Schuld lege ich als
Georgierin auf den Oberhaupt des Landes und als Weltbürgerin auf
alle die, die diesen Zustand herbeigeführt haben. Ich hoffe sehr, dass
meinem Land in Jahrtausenden erlernte Weisheit Geduld zu üben, die
Hoffnung nicht zu verlieren und das Leben trotz allem zu ehren in
dieser schwierigen Zeit zu Gute kommt. Und als der Mensch,
dem das schöne Leben viel Wert ist, wünsche ich nicht nur, dass mir die
Liebe zu dem russischen Vater meines Kindes - meinem Partner nicht
abhanden kommt, sondern dass das friedliche und faire Leben
in diesem Kampf gewinnt. (Entschuldigt für etwas pathetische Töne und
einige Schreibfehler dieses Beitrags. Musste das einfach loswerden.)
"Warum der Westen die Geschähnisse in Georgien einseitig belichtet? - Weil er sich schuldig fühlt in das Konflikt nicht rechtzeitig eingemischt zu haben und auf dem Gebiet der Außenpolitik als ein Gewinnmaximierer eigenes Wohlstands gehandelt zuhaben und nicht als ein Friedensstiefter.".Werte Ketevan,.erlauben Sie mir anzumerken, dass der Westen sich überhaupt keiner Schuld bewusst ist, und lassen Sie sich - bitte, in Ihrem eigenen Interesse - NICHT von solchen emotionalen Interpretationen solcher Begriffe leiten. Der liebe "Westen" ist ein medialer Konstrukt aus der Zeit des Kalten Krieges, ein "Rückgrat" der postmodernen Informationsgesellschaften in Westeuropa und USA, erfunden um Identifikation zu stiften und vor drohendem Kommunismus zu warnen. Es ist ein mehr oder weniger hohles Wort, ein beliebtes Instrument, das zur verm. Sinnstiftung aus dem Keller geholt wird, angestaubt und seiner Bedeutung längst beraubt. Den Staaten und Führungen, die dahinter stecken ist aber reinster Pragmatismus eigen, praktisch bar jeglicher Rücksichten auf Sachen, die wirtschaftlich nicht zu verwerten sind, sich aber als buntes Beiwerk zur Präsentation vom eigenen "good will" doch noch multimedial ausschlachten lassen. .."Westen, vor allem Europa, hat eigene demokratischen Werte für das "Wohlstand" eigener Bürger ausgetauscht. ".Da könnten Sie mehr recht haben, als Sie sich das überhaupt vorstellen können. Hinter alldem Gerede um die Prinzipien, Menschenrechte (und urplötzliches Bestehen auf Unantastbarkeit der Grenzen...), stehen handfeste Interesse der Wirtschaftsmächte,und es geht - immer - nur um Öl, Gas, Gold, Diamanten, Holz, ... oder ganz einfach geostrategisch wichtige Punkte, die Kontrolle über bestimmte Teile der Welt ermöglichen..Im Übrigen - Danke für Ihre Worte. In diesen steckt mehr, als in manchen Berichten diverser Schreibtischtäter und Experten hier bei der ZEIT, nicht anders als bei der SZ u. Co. Herr Joffe und Herr Thumann könnten aus Ihren Worten etwas lernen - wenn sie es nur könnten....Viel Glück in diesen Tagen wünscht.Zack34.
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