Russland & der Westen Beitreten, bitte
Um der russischen Herausforderung wirksam zu begegnen, muss sich die EU weiter öffnen, vor allem für die Ukraine
Für ein paar Monate sind die Europäer weltpolitisch allein zu Haus. Bis weit ins kommende Jahr hinein ist Amerika damit beschäftigt, einen Präsidenten zu wählen, zu inthronisieren und an sein Amt zu gewöhnen. Chinesen, Inder oder Brasilianer, die Newcomer der Großmachtszene, werden sich erst recht nicht vordrängen, wenn es um den Kaukasus, Georgien und Russland geht. Die schwerste internationale Krise seit dem Irakkrieg ist in europäischer Zuständigkeit gelandet. Für kommenden Montag hat Frankreichs Präsident Sarkozy die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zu einem Sondergipfel eingeladen, eine hochdramatische Geste.
Fast an jedem Tag hat Russland die Lage in dieser angespannten Zeit weiter eskaliert und der Welt seine Kompromisslosigkeit eingehämmert, Schlag auf Schlag: Verzögerungen beim Truppenrückzug, Soldaten im Schwarzmeerhafen Poti, die Duma fordert die staatliche Anerkennung von Abchasien und Südossetien, Präsident Medwedjew verkündet sie. Sofort nach Medwedjews Erklärung hat der britische Außenminister einen Solidaritätsbesuch in der Ukraine angekündigt, die als mögliches nächstes Ziel russischer Machtansprüche gilt. Europa, das von Hause aus keineswegs allgemeine Sympathie für die georgische Provokationspolitik empfand, wird von Moskau herausgefordert und beginnt zu reagieren.
Kein anderes Thema war bisher so zuverlässig geeignet, die EU zu spalten, wie die Russlandpolitik. Polen, Balten und Tschechen fürchten als ehemalige sowjetische Untertanen Moskau noch immer. Deutsche, Franzosen oder Italiener dagegen sind traditionell russlandfreundlich. Entspannungspolitiker gegen Kalte Krieger, treue Alliierte Amerikas gegen Verfechter der EU-Selbstständigkeit, hundertprozentige Westler gegen Leute mit kultureller Faszination durch den Osten – die gesamten Widersprüche und Gegensätze in den europäischen Weltbildern kommen am Verhältnis zu Russland zum Ausdruck und zum Ausbruch.
Das oberste Ziel der Europäer muss daher ihre Einigkeit sein. Es mag sein, dass selbst eine solidarische EU für diese Krise zu schwach ist. Aber eine gespaltene wird rein gar nichts zustande bringen und könnte ihre Hoffnung auf weltweiten Einfluss auf lange Zeit begraben. Dies ist die zweite Chance für eine gemeinsame europäische Außenpolitik nach der kompletten Zerstrittenheit und Lähmung im Irakkrieg; eine dritte wird es so bald nicht geben.
Zum ersten Mal könnte Russlands verwegene Politik die Europäer tatsächlich zusammenschließen. Dass man mit Moskau nicht einfach weiter »Modernisierungs- partnerschaft« spielen kann, wissen nach dem Georgienkrieg auch die Russlandversteher. Sarkozy riskiert sein persönliches Prestige, wenn er Medwedjew und Putin keine Zugeständnisse abringt. Angela Merkel und ihr Außenminister Steinmeier, sonst beim Umgang mit autoritären Mächten gern uneinig, verlangen gemeinsam von Russland Respekt für die Souveränität Georgiens. Die Zeit einer deutschen Sonderbeziehung zu Moskau ist vorbei. Umgekehrt werden die Russlandkritiker etwas anderes bieten müssen als eine Konfrontationspolitik, die nur ein schwacher Abklatsch eines selbst schon ohnmächtigen amerikanischen Konfliktkurses sein könnte. Die Europäer sollten in ihrer moralischen Haltung unzweideutig sein: Der Georgienfeldzug darf nicht als »humanitäre Intervention« nach dem Vorbild des Kosovokrieges durchgehen, Einflusszonen von Großmächten wird die EU nicht absegnen. Aber Sanktionen gegen Russland? Sollen die Putinisten doch selbst eine Eiszeit ausrufen, wenn sie europäische Vorhaltungen nicht ertragen; das braucht man ihnen nicht abzunehmen.
- Datum 13.08.2009 - 17:12 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 28.08.2008 Nr. 36
- Kommentare 42
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Die „Zeit“ wird schwachsinnig. Jetzt sollen wir auch noch weitere Schurkenstaaten, wie die Ukraine oder Georgien, in die EU aufnehmen. Polen und die Balten sind schon hirnrissig genug. Aber Deutschland finanziert ja deren Verlustwirtschaften und läßt sichin den nächsten Krieg hineintreiben.
Was ist bdenn gegen Polen und die Balten einzuwenden - welches Problem haben Sie mit diesen Staaten?Können Sie die Liste der Schurkenstaaten vervollständigen:- Polen- Lettland- Litauen- Estland- Ukraine- Georgien- ...'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Übertrieben zwar aber - im Grundsatz ein richtiger Komentar! Ich befürworte schon lange eine EU aus Deutschland Benelux und Frankreich !
Ja ähm, der Begriff "Schurkenstaaten" hat mich im Zusammenhang mit einer möglichen EU-Erweiterung dann doch ratlos gemacht. Ist dies nicht die Rhetorik unseres Lieblingsfeindes USA (so zumindest die sichtbare Konvention in diesem Forum)? Ich weiss ja nun nicht, wie Sie "Schurkenstaat" definieren... aber zur Zeit der Gründung der EWG gab es sogar einen Gründungsstaat, auf welchen der Begriff "Schurkenstaat" ohne jede Einschränkung zugetroffen hätte. Kurz zuvor hatte dieser einen absolut wahnwitzigen Weltkrieg vom Zaun gebrochen, mit Millionen von Toten, hinzu kam noch die technisierte Tötung von Millionen aus rassistischen Gründen. Der Name jenes Landes ist mir gerade entfallen, ich werde ihn jedoch sofort hier nachtragen, wenn er mir wieder einfällt. Herzliche Grüsse aus der Schweiz!
Was ist bdenn gegen Polen und die Balten einzuwenden - welches Problem haben Sie mit diesen Staaten?Können Sie die Liste der Schurkenstaaten vervollständigen:- Polen- Lettland- Litauen- Estland- Ukraine- Georgien- ...'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Übertrieben zwar aber - im Grundsatz ein richtiger Komentar! Ich befürworte schon lange eine EU aus Deutschland Benelux und Frankreich !
Ja ähm, der Begriff "Schurkenstaaten" hat mich im Zusammenhang mit einer möglichen EU-Erweiterung dann doch ratlos gemacht. Ist dies nicht die Rhetorik unseres Lieblingsfeindes USA (so zumindest die sichtbare Konvention in diesem Forum)? Ich weiss ja nun nicht, wie Sie "Schurkenstaat" definieren... aber zur Zeit der Gründung der EWG gab es sogar einen Gründungsstaat, auf welchen der Begriff "Schurkenstaat" ohne jede Einschränkung zugetroffen hätte. Kurz zuvor hatte dieser einen absolut wahnwitzigen Weltkrieg vom Zaun gebrochen, mit Millionen von Toten, hinzu kam noch die technisierte Tötung von Millionen aus rassistischen Gründen. Der Name jenes Landes ist mir gerade entfallen, ich werde ihn jedoch sofort hier nachtragen, wenn er mir wieder einfällt. Herzliche Grüsse aus der Schweiz!
Die Einigkeit Europas durch die Aufnahme neuer Mitglieder mit gänzlich unterschiedlichen Interessen stärken?
Es tut mir Leid, das ist doch keine Logik!
... wenn aus dem Versagen Europas endlich die richtigen Schlüsse gezogen werden könnten, wie die z.B. nach dem Irak-Krieg bereits einmal angedacht worden war:http://kommentare.zeit.de/user/jpscotty/beitrag/2008/08/30/nach-dem-krieg-die-wiedergeburt-europas#comment-188634'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
... wenn aus dem Versagen Europas endlich die richtigen Schlüsse gezogen werden könnten, wie die z.B. nach dem Irak-Krieg bereits einmal angedacht worden war:http://kommentare.zeit.de/user/jpscotty/beitrag/2008/08/30/nach-dem-krieg-die-wiedergeburt-europas#comment-188634'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Was ist bdenn gegen Polen und die Balten einzuwenden - welches Problem haben Sie mit diesen Staaten?Können Sie die Liste der Schurkenstaaten vervollständigen:- Polen- Lettland- Litauen- Estland- Ukraine- Georgien- ...'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Da ist ziemlich viel einzuwenden:
EU-Gelder werden zwar gerne genommen, aber gegen eine Handvoll Dollar sind uns diese Staaten noch bei jeder Entscheidung in den Rücken gefallen.
Sie haben ihre Vergangenheit unter (zeitweiser) Sowjetherrschaft absolut nicht überwunden und reagieren daher in Krisensituationen noch weit weniger logisch, als andere Staaten.
etc. etc
Da ist ziemlich viel einzuwenden:
EU-Gelder werden zwar gerne genommen, aber gegen eine Handvoll Dollar sind uns diese Staaten noch bei jeder Entscheidung in den Rücken gefallen.
Sie haben ihre Vergangenheit unter (zeitweiser) Sowjetherrschaft absolut nicht überwunden und reagieren daher in Krisensituationen noch weit weniger logisch, als andere Staaten.
etc. etc
Haben Sie zu Ende gedacht, Herr Ross, was am Ende Ihrer Logik des Konfrontationskurses uns erwarten könnte? Warum heizen Sie die Entwicklung zum 2. Kalten an ? Gorbatschow hat den ex-sowjetischen Satellitenstaaten doch nicht die Freiheit geschenkt, damit Russland "umzingelt" wird ! Die Idee, Russland in die EU zu integrieren - siehe Stenkamp - zielt immerhin fantasievoller auf Kooperation. Gorbatschow hätte diese Idee wohl unterstützt. An kulturellen Gemeinsamkeiten z.B. in Literatur und Musik dürfte die Idee ja nicht scheitern. Legen Sie doch bitte die vergangenheitsorientierten Denkmuster ab! Die äußerst gefährdete Zukunft braucht neue, deeskalierende und kooperierende Denkmuster!
Was liegt da auf der Hand?Will man die ethnischen Konflikte in Rußland nach Mitteleuropa holen?Was ist die gemeinsame Schnittmenge der Politik Rußlands mit der Politik der EU?Welche Strategie verfolgt Rußland bei der Lösung der Probleme Energie, Umweltschutz, Ernährung, soziale Ungerechtigkeit und sind diese annähernd kongruent mit dem Vorgehen der EU?'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
..Heute: Die russsische Herausforderung. Wumm!!Gestern: Krieg als Therapie. Wumm!!Vor drei Tagen: Mach's wie im Kosovo. Wumm!!Die Schlagzeilen von Bild und Bild am Sonntag dürften dem kaum nachstehen.Da tauchen Fragen auf. Fragen vor allem, wo der Unterschied zwischen journalistischer Informationspflicht und Propaganda liegt.Der OSZE-Bericht, der die Dinge in und um Georgien halbwegs richtig stellt, der klar sagt, dass Saakaschvili den Krieg wollte, mit wessen Unterstaützung auch immer, der wird grad mal so nebenbei erwähnt. (Die georgische Regierung am Pranger: Nach SPIEGEL-Informationen
hat die OSZE Hinweise darauf, dass die Führung in Tiflis den Krieg mit
Russland verschuldet hat. In Berlin beschäftigte man sich schon vor
Monaten in internen Szenarien mit den Folgen einer aggressiveren
Außenpolitik Moskaus.) Aus:http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,575396,00.htmlDer deutsche Journalismus ...eine Propagandashow Made in USA?Fragen über Fragen.
»Dem erneuerten Moskauer Machtanspruch muss die EU offensiv ihr Alternativmodell entgegenstellen, die wirtschaftliche Verflechtung und die Herrschaft des Rechts.« Grundsätzlich nichts dagegen zu sagen, wenn - ja wenn da nicht zwischen den Zeilen stehen würde: "...und was Recht ist bestimmen WIR!"Denn das ist im Moment das Manko an der gesamten Diskussion bzw. der Arroganz, mit der wir (der Westen bzw. die EU & NATO) uns anmaßen hier Judikative zu spielen und über den Rest der Welt zu Gericht zu sitzen.Wer hat uns denn, bitteschön, berufen das gute Gewissen für alle anderen zu sein? Gibts da einen göttlichen Erlass und wir sind schon wieder auf dem Kreuzzug? Oder hab ich da etwas verpasst? ...mich hat nämlich keiner zu den Waffen gerufen... *schäm*
... wenn aus dem Versagen Europas endlich die richtigen Schlüsse gezogen werden könnten, wie die z.B. nach dem Irak-Krieg bereits einmal angedacht worden war:http://kommentare.zeit.de/user/jpscotty/beitrag/2008/08/30/nach-dem-krieg-die-wiedergeburt-europas#comment-188634'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren