Wenn Sören Müller auf Streife ist, dann wird er oft gefragt, ob das sein Beruf sei oder sein Hobby. Der Polizist reitet auf seinem Gaul Wellington durch die Wälder, über die Dünen und Strände von Cuxhaven – als Teil des Teams Beachwatch, das hier jeden Sommer den Bereitschaftsdienst übernimmt: Die Reiter suchen nach Campern, die ihr Zelt mitten im Naturschutzgebiet aufschlagen, bitten Parksünder zur Kasse oder beaufsichtigen Wettrennen im Watt.

Die Polizisten zu Pferde werden vor allem eingesetzt, weil sie große Aufmerksamkeit erregen. "Wir stärken das Sicherheitsgefühl der Urlauber und beugen durch bloße Präsenz Straftaten vor", sagt Müller. Wenn der 45-Jährige mit seinem Pferd am Strand steht, dann fragen Kinder, ob sie es streicheln dürfen und wie man eigentlich Polizist wird. Aber in manchen Situationen sei das Pferd auch ein Handicap: "Wenn ich einen Strafzettel ausstelle, muss ich aufpassen, dass Wellington nicht das Auto anknabbert." Die Polizisten, darunter auch vollkommene Reitanfänger, werden in einem sechsmonatigen Lehrgang für den Einsatz in der Staffel ausgebildet. Die Schulung der Pferde dauert anderthalb Jahre. Dabei trainieren sie, trotz vielfältiger Reize ruhig zu bleiben. Polizeibeamte fahren dann mit einem Trecker auf und ab oder verkleiden sich als Störtrupp mit Fahnen und Tröten.

Urlaubsflair biete die Arbeit in der Reiterstaffel nur in den Sommermonaten, sagt Müller. Oft werde unterschätzt, wie hart der Beruf bei vier Grad und Nieselregen im November sei, wenn er und Wellington die Innenstadt von Hannover "bestreifen". Wer eine Karriere als Polizeireiter anstrebt, sollte sich außerdem "nicht zu fein für Stallarbeit sein": Zum Beruf gehört nämlich auch, früh am Morgen die Boxen auszumisten und die Pferde zu putzen. Tina Rohowski

Ausbildung: Studium Gehobener Polizeivollzugsdienst, Reitlehrgang
Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche
Einstiegsgehalt: 22.000 Euro pro Jahr