Achim Lohrie, 49,
ist seit 15 Jahren im CR-Geschäft, heute bei Tchibo

Gefreut hat sich Achim Lohrie nicht, als der Anruf kam: Vor einer Hamburger Tchibo-Filiale stehe eine Frau, ein selbst gemaltes Schild in der Hand, auf dem sie die angeblich miesen Bedingungen anklagt, unter denen der Kaffeeröster und Textileinzelhändler seine Kleidung produzieren lasse. Aus der Ruhe aber brachte die Aktion Lohrie nicht. Der studierte Jurist gilt als einer der erfahrensten CR-Fachmänner in Deutschland, seit gut 15 Jahren ist er im Geschäft. Er hat schon anderes erlebt. Achim Lohrie ist Leiter des Bereichs Unternehmensverantwortung, er kam 2005 zu Tchibo, als die Organisation Clean Clothes Campaign die Arbeitsbedingungen von Tchibo-Lieferanten medienwirksam anprangerte und der Druck der Verbraucher zunahm. Seitdem hat man umgedacht. Tchibo-Lieferanten müssen sich inzwischen auf die Standards des Unternehmens verpflichten. Dazu gehört: keine Kinderarbeit. Und sie dürfen keine Unteraufträge vergeben, "es sei denn, die Unterauftragnehmer sind uns bekannt", sagt Lohrie. "Nur so können wir die Wertschöpfungskette kontrollieren." Bei Tchibo hat Lohrie regelmäßige Kontrollen implementiert und ein Trainingsprogramm für die Zulieferbetriebe entwickelt, das für faire Arbeitsbedingungen sorgen soll. Wenn das Unternehmen heute ein neues Produkt aufnehmen will, beraten sich die Leiter des Einkaufs, des Qualitätsmanagements und der CR über die Lieferantenauswahl. Legt Lohrie ein Veto ein, geht die Entscheidung an den Vorstand. "Selbst wenn wir im Einzelfall teurer produzieren müssen, rechnet es sich", sagt Lohrie. "Unsere Zulieferer sollen auch in den nächsten Jahren noch mit uns arbeiten wollen."

Katrin Meyer, 30,
weiß, dass CR ohne Hilfe der Mitarbeiter nicht funktioniert

Katrin Meyer ist die CR-Abteilung von Olympus Europa. "Manager Compliance and Responsibility" steht auf ihrer Visitenkarte, die Stelle wurde erst für sie geschaffen. Ihre Aufgabe: eine CR-Strategie für das Unternehmen zu entwickeln. "Natürlich fange ich nicht bei null an", sagt die 30-Jährige. In Japan, beim Mutterkonzern, gebe es genug Mitarbeiter, die sich mit CR beschäftigen und etwa dafür sorgen, die Wertschöpfungskette sauber zu halten. Ihr Bereich ist das gesellschaftliche Engagement – und die Motivation der Mitarbeiter. "Wer bei Olympus Europa arbeitet, soll das gern tun und stolz auf sein Unternehmen sein", sagt Meyer. Als die Sozialökonomin vor gut einem Jahr von der Universität ins Unternehmen kam, hat sie erst einmal den Status quo angeschaut. Und den Mitarbeitern die Angst genommen, die nicht wussten, was CR für ihren Arbeitsplatz bedeutet. Meyer bot Seminare an, sprach mit den Fachabteilungen im Haus und stellte fest: Ohne die Hilfe der Mitarbeiter könne CR nicht implementiert werden, viel zu viel Wissen gehe sonst verloren. "Es gab schon eine Menge CR, ohne dass die Aktivitäten so bezeichnet wurden", sagt Meyer. Einen Kindergarten in der Hamburger Innenstadt, wo es für Olympus-Kinder geförderte Plätze gibt. Fast jeder Standort engagiere sich sozial, unterstütze Sportvereine, viele Beschäftigte arbeiteten ehrenamtlich. Vor allem treibt Meyer Projekte voran, die in direkter Verbindung zur Marke stehen. Unterstützt wird beispielsweise die "Aktion Lächeln" des Vereins Ärzte der Welt: Dabei werden Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten operiert. Schließlich fertige Olympus nicht nur Kameras, sondern auch medizinische Geräte. "Wir wollen zeigen: Mit unseren Produkten entsteht Gutes", sagt Katrin Meyer.

Jakobine Sauerbruch, 32,
berät Firmen, die sich engagieren wollen

Was Nachhaltigkeit heißt, wusste Jakobine Sauerbruch schon als Kind. "Der Papa erntet, was der Uropa gepflanzt hat", brachte ihr der Vater bei. Zwar lebt die 32-Jährige heute nicht mehr von der elterlichen Forstwirtschaft, Nachhaltigkeit ist aber auch ihr Beruf. Nach einem Studium der Forstwirtschaft hat sie bei einem Holzhersteller das Einmaleins der Corporate Responsibility (CR) erlernt und die noch recht überschaubare deutsche Szene kennengelernt. Heute ist sie Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Schlange und Co., einer Firma mit knapp zehn Beschäftigten, die sich auf CR spezialisiert hat und Firmen zeigt, wie sie Verantwortung übernehmen können. Manche wollen sich gesellschaftlich engagieren. "Da ist es wichtig, dass das Engagement zum Produkt passt, sonst verpufft es oder wirkt unglaubwürdig", sagt Sauerbruch. Ein Windelhersteller, der eine Universität finanziell unterstützt? Eher nicht. Eine Kooperation mit einem Kindergarten? Schon eher. Meist aber soll Sauerbruch auf die Wertschöpfungskette schauen, also auf den Weg des Produkts vom Rohstoff bis zum Verbraucher. Deshalb setzt sie sich nicht nur mit Mitarbeitern an einen Tisch, sie fragt auch Menschen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Unternehmen zu tun haben, NGOs und Professoren beispielsweise. Sie fragt sie, wo das Unternehmen Verantwortung übernehmen sollte. "Es ist erstaunlich, wie sehr sich die Antworten gleichen", sagt Sauerbruch. Bei einem Automobilhersteller etwa denkt jeder an die Abgase, bei einem Mobilfunkunternehmen an Jugendschutz und Stromverbrauch. Sauerbruch entwickelt Konzepte und Strategien. Und bringt damit Steine ins Rollen. Das Ausführen ihrer Ideen übernehmen andere. Beraterin – das ist ein schnelles Geschäft.