DIE ZEIT: Herr von Köller, wie fühlt man sich, wenn man eine Bank geschenkt bekommt?

Karsten von Köller: Ich habe nicht das Gefühl, dass die Übernahme der IKB ein Geschenk war. Wir haben hart dafür gearbeitet, den Zuschlag zu bekommen. Und es ist eine große Aufgabe, diese Bank wieder überlebensfähig zu machen. Wir sind zuversichtlich, die Restrukturierung der IKB mit Erfolg durchführen zu können. Mit der AHBR, der heutigen Corealcredit, ist uns das mit einer deutschen Bank bereits einmal gelungen.

ZEIT: Die Frage bezog sich auf den Verkaufspreis. Noch im Frühjahr hat Finanzminister Peer Steinbrück mit einem Erlös von 800 Millionen Euro gerechnet. Sie mussten jetzt gerade mal ein Achtel bezahlen. Das ist fast geschenkt.

von Köller: Aber nur dann, wenn die vorher genannten 800 Millionen Euro eine realistische Summe gewesen wären. Das waren sie nie. Sie sind von der Politik in den Raum gestellt worden, die sich sicherlich nicht intensiv mit der finanziellen Situation der Bank befasst hat.

ZEIT: Aber der Finanzminister sitzt im Verwaltungsrat der verkaufenden Bank – der Staatsbank KfW –, und sein Staatssekretär war lange im Aufsichtsrat der IKB.

von Köller: Die Dinge sind eben sehr kompliziert. Noch im Frühjahr war es nahezu unmöglich, die speziellen Risiken der IKB zu bewerten. Deswegen hat das erste Rettungspaket der KfW ja nicht ausgereicht. Ich hätte damals keine konkrete Zahl genannt.

ZEIT: Insgesamt hat die IKB-Rettung die Steuerzahler fast zehn Milliarden Euro gekostet. Sie bekommen die Bank für rund 100 Millionen Euro, die problematischen Wertpapierportfolios der IKB gehen an die Staatsbank KfW, die restlichen Milliarden werden von Lone Star mit einem Kredit der KfW finanziert. Wenn Sie das schon nicht als geschenkt bezeichnen wollen: Wo haben Sie denn gelernt, so abgezockt zu verhandeln?

von Köller: Wir schauen uns die Vermögenswerte, die wir kaufen, sehr genau an, und wir bewerten sie sehr sorgfältig. Damit fallen wir manchmal auf die Nase, weil es immer wieder Träumer gibt, die andere, höhere Preise bieten. Aber damit haben wir eine relativ hohe Gewähr, am Ende auch jene Erträge zu erzielen, die wir uns vorstellen.

ZEIT: Sie sind Deutscher, sie zahlen hier Ihre Steuern. Es sind auch Ihre Steuergelder, die der Staat in die IKB gebuttert hat, und es sind Ihre Steuergelder, mit denen der Staat für die riskanten Wertpapierportfolios der IKB einstehen wird…

von Köller: …und diese Belastung aller Steuerzahler finde ich auch nicht gut. Ich kann verstehen, dass die Bürger sich jetzt fragen, warum sie für das Missmanagement einer Bank einstehen sollen. Aber der Sündenfall liegt weiter zurück. Die Sache begann 2001, als die staatliche KfW ihren 38-Prozent-Anteil an der IKB erworben hat. Damit sind die Steuerzahler in eine Garantieposition für die IKB geraten. Natürlich konnte damals niemand wissen, in welche Schieflage die Bank kommen würde. Aber da die KfW nun einmal an der IKB beteiligt war, kam man aus der Nummer auch nicht mehr heraus. Schön ist das nicht.

ZEIT: Die KfW ist damals nur deswegen bei der IKB eingestiegen, damit die wichtige Mittelstandsfinanzierung nicht an einen ausländischen Investor fällt. Genau das ist nun geschehen.

von Köller: Wohl wahr. Der Markt ist jetzt dabei, es zu richten. Dass diese Erkenntnis die Steuerzahler rund zehn Milliarden Euro gekostet hat, ist das eigentliche Drama.