GenerationenwandelDie traurigen StreberDie traurigen Streber

Wo sind Kritik und Protest der Jugend geblieben? Die Angst vor der Zukunft hat eine ganze Generation entmutigt. Eine Polemik von 

Soll man staunen über die Studenten, deren Berufswünsche Geld und Sicherheit heißen? Über ihren Zulauf zu skrupellosen Unternehmensberatungen, über das jugendliche Alter der Börsenspekulanten, der Hedgefondsmanager? Über angehende Künstler, die keinen Charakter, sondern nur Erfolg auf dem Markt suchen? Kaum geschlüpfte Küken mit feuchtem Federkleid und großem Schnabel, »hungrig« nennt man wohl diesen enthemmten Appetit in der Sprache der Personalberater. Die Blase der New Economy, ihr Aufblubbern und Platzen, die Vernichtung von Arbeitsplätzen an der Börse, alles das Werk einer neu eingestiegenen Generation, in der Morgenröte ihres Lebens geleistet. Die Verblödung der Künste, die primitiven Scherze der Fernsehunterhalter, die verächtlichsten und zynischen Werbesprüche, sie wurden nicht von verdorbenen Greisen, sondern von den Jungen und Jüngsten vollbracht.

Nun gut. Leichtfertigkeit und Bedenkenlosigkeit, hätte man noch vor Jahrhunderten gesagt, sind ein Zug der Jugend, sie werden vergehen. Aber wir waren es lange auch anders gewohnt. Auch Idealismus galt einmal als Zug der Jugend, das Nein zu Kompromiss, Anpassung und Geschäftemacherei. Die Generationen des Sturm und Drang, des Jungen Deutschland, lebten vom Aufbegehren gegen die Ständegesellschaft, die Herrschaft der Kirche, die ungerechten Verhältnisse. Jugend hat Revolutionen gemacht. Ihr Gerechtigkeitsempfinden konnte von Herkunft und Klasseninteressen absehen, Bürgerkinder haben für Proletarier gekämpft, Aristokraten in den französischen und russischen Aufständen des 19. Jahrhunderts.

Der Idealismus der Jugend, gewiss, er konnte missbraucht werden, die resignierte Abgeklärtheit unserer Tage verweist gerne darauf, aber man kann es auch anders sehen: Er war immerhin so stark, dass die sozialistischen Diktaturen, sofern sie nur ein Heilsversprechen machten, darauf bauen konnten. Sie versprachen, wohlgemerkt, keine Incentive-Dinners unter Palmen, sondern einen steinigen Weg zum Menschheitsglück. Und selbst noch in unserer jüngeren Vergangenheit, von 1968 bis weit hinauf in die achtziger Jahre der Hausbesetzer, Atomkraftgegner und Umweltschützer hat die Jugend sich gegen schlechte Verhältnisse empört, nicht das bessere, sondern das richtigere Leben gesucht, bizarre Übertreibungen, Kitsch und Sentimentalität gewiss eingeschlossen.

Aber heute? Manches wird von Hochschulen und Unternehmen der Jugend vorgeworfen, mangelnde Bildung, Disziplin, Durchhaltevermögen, aber niemals: Aufsässigkeit. Und wie auch? Die Praktikanten und Berufsanfänger akzeptieren bis zur Charakterlosigkeit jede Bedingung, jede eingespielte Dummheit, jede ethisch bedenkliche Praxis. Sie blicken aus Rehaugen, die sich nur manchmal melancholisch verschleiern, auf die raue Welt der Wirtschaft und Politik und scheinen den Schwur getan zu haben, so schnell wie möglich zum Haifisch zu werden, um auch dort zu überleben, wo es von Feinden wimmelt. Denn dass die Welt böse ist, die Berufswelt zumal, das halten sie für gewiss; man hat es ihnen oft genug gesagt. Die gesellschaftliche Großdebatte um Globalisierung und verschärfte Konkurrenz, um Standort und Wettbewerbsfähigkeit ist tief bis in die Psyche vorgedrungen, man könnte auch sagen, sie ist dort eingeschlagen wie ein Meteor und hat einen Krater hinterlassen, in dem alles Leichte und Hoffnungsvolle, alle Fantasie und alles Aufbegehren verschwunden sind.

Von grimmigen Vorgesetzten, Lehrern und Professoren muss die Jugend nicht mehr an die Kandare genommen werden; sie hat sich selbst schon an die Kandare gelegt. Die Autoritäten haben das autoritäre Gesicht verloren. Der erbarmungslose Leistungs- und Anpassungsdruck, den alle empfinden, hat keine persönlich haftbar zu machenden Urheber. Gegen einen Tyrannen könnte sich die Jugend vielleicht empören, nicht aber gegen die Tyrannis der eigenen Selbstdisziplinierung. Die Imperative von Knappheit und Konkurrenz müssen nicht von außen herangetragen werden; sie sind längst verinnerlicht. Junge Germanisten, die sich an Schillers, an Heines, an Brechts Ideologiekritik geschult haben, arbeiten bereitwillig und demutsvoll in PR-Abteilungen, die den Kunden und der Öffentlichkeit ein X für ein U vormachen. Junge Betriebswirte verkaufen im Außendienst Versicherungsverträge, deren Nutzlosigkeit für den Kunden ihnen offen zutage liegt. Junge Ingenieure, die den Wirkungsgrad der Energieerzeugung genau berechnen können, entwerfen Windkraftanlagen, deren Rentabilität allein auf irregeleiteten Subventionen beruht.

Man kann in dumpfes Brüten verfallen über die eingereichten Lebensläufe von Hochschulabsolventen, die tatsächlich alles enthalten, was heute gerne verlangt wird, Auslandsaufenthalte, soziale Hilfsdienste, Berufspraktika ohne Zahl, EDV- und Sprachkenntnisse. Sie enthalten nur eines nicht, können es auch gar nicht enthalten: persönliche Wege und Umwege zum Glück, denn für Selbstfindungen ist keine Zeit, nicht einmal für die winzigste in einem solch früh gestylten Lebensplan. Nur nicht bummeln! Nicht träumen, keine falschen Hoffnungen hegen. Es ist, als ob die Eltern ihre Abstiegsangst gnadenlos an die Kinder weitergereicht hätten. Schon die Berufswünsche sind von einem ernüchterten Realismus und komisch-kindlich nur dort, wo sie als Endziel plötzlich, inhaltlich seltsam unbestimmt, »Geschäftsführer« sagen. Früher, gewiss noch vor zwanzig Jahren, hätte ein Jugendlicher schon das Ältliche gescheut, das dem Begriff anhaftet, das Magenkranke, von Konkursen und verzweifelten Bilanzfälschungen Bedrohte, aber heute leuchtet daraus wohl die letzte verbliebene Utopie: auch einmal selbst Chef sein, an der Spitze jener Hackordnung stehen, die für das Leben gehalten wird.

Wer oder was, um Himmels willen, hat den jungen Leuten das darwinistische Weltbild aufgeredet? Das Überleben der Stärksten allein? Hat sich etwas, was als ökonomisches Marktprinzip Sinn ergibt, zur Universalmetapher aufgeschwungen und alles Gnädig-Humane auf den Schrotthaufen der Illusionen befördert? Denn die jungen Leute glauben ja nicht, dass die Welt gut ist, wie sie ist. Nichts wäre falscher, als ihnen nachzusagen, sie seien unkritisch. Sie glauben aber auch nicht, dass sich die Welt zum Besseren verändern ließe, den privaten Raum vielleicht ausgenommen. Man könnte von einem neuen Biedermeier sprechen, allerdings ohne die Behaglichkeit, die dabei gerne mitgedacht wird, einem Rückzug aufs intime Umfeld, das gleichwohl keinen Schutz verspricht gegen die jederzeit mitgefürchtete Katastrophe der Arbeitslosigkeit. Es ist eine Restaurationsepoche, wie sie Stendhal nach dem Ende Napoleons beschrieben hat, mit der Kälte, dem Duckmäusertum, der Heuchelei und dem Karrierismus; aber ohne vorherige Revolution. Oder sollte man tatsächlich den vorausgegangenen Ruin der sozialistischen Staatenwelt mitdenken, den politischen Bankrott der großen Gesellschaftsutopien?

Mag sein. Es wäre allerdings schwierig, die gedankliche Brücke zu finden in die unpolitische Resignation der Jugend, die gerade nicht das große Ganze, sondern das Eigene bedroht sieht. Rette sich, wer kann! Aber vielleicht liegt dem erbarmungslosen Eindruck von Unentrinnbarkeit doch der Gedanke zugrunde, dass Alternativen nicht oder nicht mehr zu haben sind. Der Wirtschaftsdarwinismus als Weltbild kann sich vielleicht nur aufdrängen, wenn eine konkurrierende Lebenswelt, wie zweifelhaft auch immer, gar nicht mehr vorhanden ist. Alternativen müssen nicht besser sein, um Trost zu spenden, allein dass es überhaupt welche gibt, ist ein Beweis gegen die Unentrinnbarkeit des Bestehenden und ein starker Anreiz, weitere und nun vielleicht wirklich bessere Alternativen zu finden.

Aber wo wären sie zu suchen? Jugend ist ja nicht nur die Summe von persönlichen Schicksalen einer Generation, es ist auch eine Kultur, ein Ensemble von Moden, Büchern, Musik und Filmen, die von Jüngeren für Jüngere gemacht werden. Dort ist aber erst recht nicht mehr von Aufbruch und Aufruhr die Rede, es geht ein großes sanftes Klagen durch die jüngere Literatur, ein Auswalzen von Familie und Familiengeschichten, und das Äußerste an Utopie, das die Musik bietet, ist die Utopie einer rauschhaften Party des Vergessens. Selbst das krankhafte Interesse, das der deutsche Film an den Schicksalen der RAF-Terroristen zeigt, ist keines an ihren verqueren Revolutionsgedanken, sondern an einem Privatheroentum, das Politik durch persönliches Martyrium ersetzt.

Eine düstere Verschwörungstheorie besagt, es gebe ein Interesse des Kapitals an der Entmutigung der Jugend und ihrer Zurichtung zu willigen Vollstreckern der Wirtschaft. Aber in Wirklichkeit ist nur schwer denkbar, dass Arbeitgeber an fantasiearmem, eingeschüchtertem und blind angepasstem Nachwuchs Vergnügen finden. Jede Unternehmung braucht ein dynamisches Prinzip; und wer sollte den Weg aus den hergebrachten Üblichkeiten finden als die Jugend, die noch gar nicht weiß, was üblich ist? Von spontaner Verwunderung, intuitivem Missfallen lässt sich mehr profitieren als von der sachkundegesättigten Bedenkenträgerei der alten Hasen.

Natürlich wird jeder, der sich noch an die siebziger Jahre erinnert, sich auch an die rituelle Aufsässigkeit, eine öde und mechanische Kultur des Infragestellens erinnern. Das Bestehende hatte, allein weil es bestand, immer schon unrecht. Andererseits ist es für das Fortkommen einer Gesellschaft im Großen oder einer Firma im Kleinen nicht unerheblich, dass es überhaupt ein Potenzial an Unruhe, an Unzufriedenheit und Auflehnung gibt.

Nur die Jugend hat Genie. Schopenhauer war von diesem Gedanken durchdrungen, er meinte aber nicht, dass Begabung an ein Lebensalter gebunden sei, sondern dass diese Begabung sich nur entfalten kann, wo die Zurichtung der Gesellschaft noch nicht eingesetzt hat, die Rücksichtnahmen auf Erwartungen und Konventionen. Was aber, wenn Jugend in diesem Sinne Schopenhauers sich gar nicht mehr entfalten kann, weil vor aller Entfaltung des Genies schon die Gesellschaft zugeschlagen hat?

Es ist leicht, zu sagen, dass eine Gesellschaft, wenn sie Zukunft haben will, sich eine solche Entmutigung der Jugend nicht leisten kann. Schwerer ist zu sagen, wen man dafür verantwortlich machen soll. Einiges deutet sogar darauf hin, dass die Möglichkeiten zu Protest und Auflehnung von der Jugend pessimistischer eingeschätzt werden als nötig. Der Erfolg von Attac, den international tätigen und gut vernetzten Globalisierungskritikern, zeigt ein anderes Bild der Jugend. Aber die Umfragen, die erst kürzlich unter Studenten oder in der Generation unter dreißig angestellt wurden, belegen doch das rapide geschwundene Interesse an Politik und Gesellschaft, überhaupt auch nur an Informationen, die sich nicht unmittelbar für den eigenen Alltag nutzen lassen. An persönlichem Erfolg, sei es im Beruf oder in der Liebe, sind alle interessiert, an Fragen der sozialen Gerechtigkeit eine schwindende Anzahl. Mit dem Vorwurf von Egoismus und Wegduckerei ist das Phänomen nicht erklärt, denn auch der Rückzug aufs Private und das »Ich zuerst« sind nur der Ausdruck einer Depression, die von der Zukunft nichts erwartet. Rette sich, wer kann! Manches spricht dafür, dass die Jugend unsere Gesellschaft zerfallen sieht und nur noch das eigene Überleben sichern will.

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Leserkommentare
  1. Der Artikel spricht mir als "Langzeitstudent" und "Geisteswissenschaftler", der sich nun auf die Suche nach Arbeit begeben muss doch aus der Seele. Für mich befindet sich die Ursache dieser Entwicklung jedoch nicht in den Bereichen der Zukunftsangst ode des Karrieredrucks. Es handelt sich m.E. nach eher um einen (Rück-?)Schritt aus der postmaterialistischen Zeit in eine kapitalistisch-hedonsitische. Das eigene Streben nach einem Weg zum Glücklichsein wird durch vorgefertigte Meinungen ersetzt. Individualismus wird abgelehnt damit kann man ja kein Geld verdienen. Komisch nur dass gerade die Alt-68er heute auf den Chefsesseln sitzen und genau dies fördern. Vielleicht sind ihnen kritische Leute ja aus eigener Erfahrung zu anstrengend, wer weiß...Für mich entstand in den letzten Jahren Universität jedenfalls ein nicht zu leugnender Abscheu gegen diese "Karrierekinder" denen man in der WG beibringen muss, wie man Wäsche wäscht, kocht, putzt etc., die jedoch gleichzeitig ihre Praktikas absolvieren, ihre Werksstudentenstellen haben, ihr Netzwerk pflegen... und gleichzeitig damit ihren älteren Kommilitonen die Arbeitsplätze wegnehmen. Diese Ambivalenz ist schon beinahe widerlich! Aber vorgelebt wird es überall, was will man nun also den Kindern vorwerfen? So wurde ich gerade beim Klick auf die Rubrik "Bildung" auf der Hauptseite sofort mit Schlagwörtern wie "Hochschulranking", "Excellenceranking (man beachte die englische Schreibweise!)" oder "Karrierebranchen" konfrontiert. Dass man bei einem Studium immer so viel lernt, wie man selber will, "gut" und "schlecht" relative Kategorien sind und Statistiken nicht nur bei Scientologen meistens Lügen bzw. zumindest interpretierbar sind, wird wie immer verschwiegen. Nunja, ich werde die Tage mal wieder ein paar Bewerbungen rausschicken, genauso viele Absagen einstreichen und mich mal wieder fragen, ob sich das mit der Arbeit überhaupt lohnt, da ich dann ja gar keine Zeit mehr zum Leben hätte...

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    • helgam
    • 28. August 2008 21:08 Uhr

    der Beitrag war ein Spiegel unter anderen- er ist ein Spigel und genauer  als Statistiken.danke

    "...diese "Karrierekinder" ......, die .... und gleichzeitig damit ihren älteren Kommilitonen die
    Arbeitsplätze wegnehmen""Arbeitsplätze wegnehmen" - Begründen Sie doch bitte, wieso und warum die Arbeitsplätze den älteren Kommilitonen gehören, wodurch deren Eigentumsanspruch begründet ist. Wollen Sie etwa auf ein Senioritätsprinzip hinaus? Wer für ein 8-semestriges Studium 14 Semester benötigt, kann doch keinen bonus beanspruchen - eher einen malus wegen langer Leitung.Im übrigen scheint Herr Jensen in einer anderen Welt zu leben als ich. Es hat noch nie so viele Chancen gegeben, wie derzeit - hier und anderswo auf der Welt! Warum sollte man sich da mit "Pseudorevolutionen" wie der 68er aufhalten? Diese angebliche Befreiungsbewegung hat doch auch nur in die Diktatur einer bürokratisch-politischen correctness links-grüner Couleur geführt. Monitoring überall: Gesundheitschip, Aufzeichnung von Mobiltelefonaten, Kontoüberwachung, Meldepflichten von persönlichen Vertrauenspersonen (zB Anwälte), Dokumentationspflichten ohne Ende, .... Der perfekte Überwachungsstaat der 68-er! Vielen Dank! Idealismus? I wo! Nur Herrschaftssicherung! Die Bundesrepublik Adenauers war gegen die heutige die reine Anarchie.  Was soll man sich mit diesem Zeitgeist abmühen, da er auch nur zeitlich endlich ist und durch den nächsten Blödsinns-Ismus ersetzt wird. Eine flexible response scheint da viel erfolgversprechender. Nicht knorriger Zweig, sondern flexible Weide. Aktion nicht im Verband, sondern als Partisan. Vertrauen auf die eigene Kraft und Geschicklichkeit. Aber das muß entwickelt werden. Deswegen die 7. Sprache, frühzeitige Information über alle Möglichkeiten, auch Praktika und natürlich Auslandsjahr während der Schulzeit. Das heißt noch lange nicht, dass ich nach dem Abi vorauseilend gehorsam im Business-Anzug herumlaufen werde. Wahrlich nicht. Wenn ich will aber doch. Ja, Tyrannis der Selbstdisziplinierung - um der Tyrannis der allgegenwärtigen Bürokratie und Überwachung, der politisch-korrekten-öffentlich-rechtlichen Nachrichtenwelt, der Manipulierbarkeit wenigstens etwas entziehen zu können.Die "Revolution" der 68-er war der Griff nach der Macht mit anschließender Machtsicherung. Der Idealismus war wohlfeil in der abgesicherten bundesrepublikanischen Welt und nur vorgeschoben, Opium fürs Volk, Legitimationspropaganda. Nach der "Revolution" suchte man schnell ein warmes Plätzchen in der hastig aufgeblähten Beamtenwelt und trug weiter seine Baskenmütze - mit Pensionsanspruch. Mancher hat der Propaganda auch gegelaubt, war nicht schnell genug und landete dann als Altrevolutionär in einer WG bei den Hausbesetzern. Der Dumme. Auch bei Lenin - die armen - sind viele nützliche Idioten als Idealisten jämmerlich zugrunde gegangen. Für Volk, Vaterland und Kaiser haben sich Millionen abschlachten lassen. Auch Idealisten? Haben sie doch viel größere Opfer gebracht - der gerechten Sache wegen. Ich - und ich denke meine Generation - hat genug von diesem Idealismus. Vielen Dank, Herr Jensen, kein Bedarf.

  2. ich habe selten einen dämlicheren artikel in der zeit gelesen. und seit langem hat mich keiner mehr dermaßen verägert. der ganze beitrag ist verlogen, wiedersprüchlich und ahistorisch.
    jene, die heute die zeit herausgeben gehören zum konservativen bildungsbürgertum. sie können es sich leisten über die bestehenden verhältnisse zu motzen, welche sie selbst mitgestalten. das das kapital kein interesse an kritischen geistern hat, nennt jens jessen eine verschwörungstheorie, eine dunkle noch dazu. es ist also nicht historische wahrheit, dass eben jenes kapital kritische reflexion immer bis aufs äußerste bekämpfte; die vertreter der alten bundesrepublik, die der neuen, die wirtschaft der ganze verdammte zeitgeist? und immer hat die zeit sets ja gesagt zu jenen, die ihr am nächsten waren.
    tut mir leid, aber dieser verwirrte altherrenartikel eines feuilletonisten der auf eine jugend schimpft deren vorläufer er wohl selbst dereinst war ist nun allemal als exotischer zwischenruf zu betrachten.

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    Sie gelernt so messerscharf zu analysieren und dieses dann punktgenau niederzuschreiben? Sehr guter Kommentar!
    Gruss
    Knüppel
     
    P.S.  Das ZEIT-ONLINE-FORUM macht durch kritische Geister, wie Sie "noch mehr" Spaß!

    eingestift - und es gibt eine menge "Therapien" dagegen...._________________________________________________________________

    Bürger, sei wachsam!

    Danke für deinen Kommentar. Ich muss auch gestehen, selten einen so dämlichen und oberschlauen Artikel wie diesen in der Zeit gelesen zu haben.

  3. Die "Jugend von heute" ist also eine depressive, hoffnungslose,
    fantasielose und resignierende Horde Schafe, die unfähig ist selbst zu
    denken. Der Jugend wurde ein "darwinistisches Weltbild aufgeredet". Sie
    sind seelenlose Hüllen, die an nichts glauben, für nichts stehen oder
    kämpfen und sich nicht frei entfalten können, weil die bösen
    Kapitalisten ihr Genie ersticken. Worauf beruhen diese
    Behauptungen? Hat Jens Jessen dafür Beweise oder Beispiele? Es sind
    wohl eher wage Vermutungen oder falsch interpretierte
    Schlussfolgerungen die die Grundlage für so einen Artikel bilden.
    Eigene Erfahrung oder genaue Beobachtung scheinen es jedenfalls nicht
    zu sein, denn selten wurde die Jugend unzutreffender dargestellt.

    • abot
    • 28. August 2008 16:03 Uhr

    Ich denke die beiden ersten Kommentare und der sehr gute Artikel haben all drei auf Ihre Art recht und dann auch wieder nicht, denn so einfach ist das naemlich alles nicht.
    Unsere Gesellschaft wandelt sich, daran besteht kein Zweifel. Die die heute jung sind werden garantiert NIE den Lebensstandard (vorallem im Alter) haben derer die heute alt oder (aelter) sind. Eine sichere Rente gibt es nicht, und einen sicheren (gut bezahlten) Arbeitsplatz gibt es auch nicht. Stattdessen gibt es eine gesellschaftliche Struktur die einerseits groesstmoegliche Flexibilitaet und Durchsetzungskraft vom Einzelnen fordert , die es aber andrerseits Quereinsteigern, oder Querdenkern, oder auch es nur irgendwie eigenstaendig denkenden Teilnehmern sehr, sehr schwer macht. Dies betrifft alte wie junge gleichermassen, denn wer trifft denn die Entscheidungen. Wer hat denn Machtbefugnisse, die jungen sinds (noch) nicht und die alten?
    Wer in unserer Gesellschaft nicht fuer sich selbst eintritt oder fuer sich kaempft oder kaempfen kann dem wird nichts gegeben und/oder er geht unter.
    Ich stimme mit dem zweiten Kommentar ueberein, dass es so etwas wie ein aeusserst wohlgenaehrtes Bildungsbuergertum in diesem Land gibt, die oefters als mal ein wenig zu leichtfertig Ihre Kritik aeussern und auch beschraenkt handeln. Dies ist eine etablierte Schicht denen es zumeist finanziell ausgezeichnet geht und deren Altersabsicherung und sonstiger Lebensstandard gesichert ist. Haeufig wurde dieser sehr hohe Standard ohne viel Kampf und Krampf oder gar besonderes Koennen erreicht, denn in den 60er und 70er Jahren da gab es gute, gut bezahlte und sichere Jobs und selbst Quereinsteiger (Joschka Fischer wurde im Artikel erwaehnt) hatten eine Chance. Der von mir verehrte Joschka wuerde heutzutage mit Sicherheit zum Hartz 4 Empfaenger, denn so ein bunter Lebenslauf, das wuerde nicht mehr akzeptiert werden in den Personalabteilungen oder auch den Parteien?
    Und die jungen? Oft sind dies Einzelkinder, auf die sich die gesamte Aufmerksamkeit einer einzigen Familie konzentriert. Hoffnungen und Aengste und oft viel zu viel Aufmerksamkeit fokussiert auf einen kleinen Menschen der natuerlich in dem Glauben aufwaechst, dass sich die Welt um ihn oder sie dreht. Andrerseits auch ohne diese Familienkonzentration, wer kaempft denn fuer sie wenn nicht sie selber und selbst mit Kaempfen, kommt man denn damit jemals an ein Ziel und dann welches Ziel?
    Ich entdecke immer mehr dass in unserer Gesellschaft das Mittelmass obsiegt. Nicht der sehr begabte Koenner klettert die Karriereleiter empor, sondern derjenige der ausgezeichnete Buero politische Faehigkeiten besitzt. Im Klartext heisst dies: Der beste Schleimer, und Kriecher und andern in den Arschtreter kommt voran, oft unter Zuhilfenahme von Intrigen und Machtspielen die Mobbing miteinschliessen. Dies gilt als Durchsetzungsfaehig?!
    Schulden sind ein weiterer wichtiger Punkt wie Menschen ruhig gestellt werden koennen. Studienabgaenger in den USA oder Grossbritannien fangen Ihr Berufsleben mit Schuldenbergen an, die sie nur dann abbauen koennen in ihrem Leben, wenn sie es mal zu einem Geschaeftsfuehrerdasein schaffen. In Deutschland ist das Thema Schuldenknechtschaft noch kein so grosses Thema, aber wird sich ein junger Familienvater ethnisch vertraeglich verhalten wenn sein Job auf dem Spiel steht und er riskiert zum Hartz 4 Empfaenger zu werden? Oder ist es nicht viel einfacher einfach ein wenig den Kopf in den Sand zu stecken, statt ihn abgeschlagen zu bekommen?
    Ja unsere Gesellschaft als solches braucht wieder Werte und welche die in unserer Gesellschaft gelebt werden koennen. Alte und junge gleichermassen, denn wer sind denn die ganzen Ackermaenner die zwar ganze Belegschaften rausschmeissen, sich selbst aber von dem eingesparten Geld ihre Millionenabfindungen bezahlen. Sie moegen ja ihre Falten geliftet haben, aber jung sind se nicht, diese Vorreiter unserer Gesellschaft!
    Aktuell gilt in unserer Gesellschaft: der Ehrliche ist der Dumme!
    Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Artikel ein Vorgeschmack auf das ist was vielleicht in ein paar Jahren kommen wird, naemlich Junge die sehr sehr sauer auf die Alten sind, deren satte Renten sie mit zumeist erbaermlichen Jobs erwirtschaften muessen. Das was jetzt vorherrscht ist vielleicht so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm?
    Ist es nicht immer so dass auf eine bewegte Generation eine eher ruhige angepasste Generation kommt, die dann wieder von einer Bewegung abgeloest wird? Normalerweise geschieht dies in einem ca. 60 Jahreszyklus, a la 1830-1848, 1918, 1968, also waere die naechste Revoluzzergeneration erst wieder ca. im Jahre 2018 faellig. Ich freu mich drauf!

  4. Wer Visionen hat, ist ein pathologischer Fall...haben wir gelernt (von wem nochmal?). Naja, man könnte gut-dialektisch darauf setzen, dass das Ganze letztlich doch an den Widersprüchen, die es ständig im Übermaß produziert, zugrundegeht, aber ich bin skeptisch. Vielleicht behält Baudrillard recht mit seiner Analyse, wonach das "Dispositiv" längst zu einem intensiven, schizoiden Gesamtsystem geworden ist, das von seinen inneren Spannungen lebt, statt am Ende zu explodieren. Die BWL-er und solche, die es leider werden wollen, sind damit dennoch nicht exkulpiert, ebensowenig wie die "Zeit", die ein paar Seiten weiter wieder Karrieretipps und Börsenanalysen anbietet. Contradictions indeed.

    • Rahab
    • 28. August 2008 16:45 Uhr

    die jugend wird auch immer älter ... und keiner will's gewesen sein ... nur jung geblieben sein, wollen sie alle
    und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute - und auch ihre flöhe feiern heute noch und tanzen mit den grillen
     
    denn merke: jugend geht heute schon bis ...na, wie alt wollen Sie denn noch werden?

  5. Opa Jens erzählt vom Krieg. Aber die Jugend heutzutage ne *kopfschüttel* früher hätt's sowas nicht gegeben...

  6. Wo sind denn die Erwachsenen da Vorbild ?Endlich mal eine Jugend,die den Erwachsenen nicht mehr wirklich moralisch kommt.Super.Endlich scheint die Welt der Erwachsenen die Jugend gebunden zu haben.In dem was Jugend bindet:Unterhaltung mit dem Charakter von Selbstständigkeit.Die vielen Weltjugendtagesuggerieren der eingeladenen Jugenddoch auch nichts anderes.

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