Es ist einfach, Ja zu sagen«, sagt Juha Jaakkola. Weil es Arbeitsplätze bringt und Steuereinnahmen. Weil bisher nichts Schlimmes passiert ist. Weil man den Behörden vertraut und sich hier schon lange an die Atomenergie gewöhnt hat. Deshalb haben drei Viertel seiner Kollegen im Gemeinderat von Eurajoki Ja gesagt, Ja zum Endlager für Atommüll. Jaakkola, der Vorsitzende, hat Nein gesagt.

Finnland hat sich als erstes Land der Welt auf einen Ort für ein Endlager geeinigt, das war im Jahr 2001. Jetzt wird gebaut, noch nicht das Lager, sondern zunächst ein Labor, um das Granitgestein besser zu untersuchen. Wenn es so kommt, wie alle erwarten, dann wird von 2015 an der Stollen weiter in den Fels von Olkiluoto getrieben, bis in 500 Meter Tiefe. Auf der Insel, die zur Gemeinde Eurajoki gehört, stehen bereits zwei Atommeiler. Ein dritter, der modernste der Welt, ist im Bau.

»3116« leuchtet auf der Anzeigetafel am Tunneleingang. Gut drei Kilometer ist der Stollen inzwischen lang. »Injektointi hkp -290« steht darunter. »Wir sind auf fast 300 Meter Tiefe. Dort werden jetzt die Wände mit Beton verstärkt, damit nicht so viel Wasser eindringt«, erklärt Sari Ojala von der Firma Posiva, die für die Entsorgung des Atommülls zuständig ist. Ganz dicht kriegt man den Granit aber nicht. Deshalb soll der Abfall in besonders haltbare Kupferkanister verpackt werden. 2800 davon werden nach heutiger Planung im Fels versenkt, beladen mit 5500 Tonnen Uran, Plutonium und anderen radioaktiven Stoffen, die für Jahrmillionen strahlen.

Gelassen verfolgen die Finnen, wie das Endlager in den Fels gesprengt wird

»Wir hinterlassen das unseren Kindern, es geht um eine sehr lange Zeit«, sagt Jaakkola. Deshalb war er gegen das Endlager. Der Gemeinderatschef erzählt das mit unbewegter Miene. Er trägt eine angegraute Topffrisur, sein Hemd ist ordentlich gebügelt, das beigefarbene Sakko etwas zu groß. Mit seiner Frau Pirjo und den fünf Kindern lebt Jaakkola auf einem Bauernhof außerhalb von Eurajoki. Hier sind die Häuser aus Holz und rot gestrichen, die Weizenfelder leuchten, mittendrin liegen Felsbrocken, abgeladen in der letzten Eiszeit. Der Gemeinderatsvorsitzende ist Bauer, pflanzt Zuckerrüben, Getreide und Raps an. »Ich hatte auch Angst, dass die Leute meine Produkte nicht mehr kaufen, wenn das Endlager hier gebaut wird«, sagt er.

Mehr als 60 Prozent der Einwohner von Eurajoki antworteten bei der letzten Umfrage 1999, sie würden ein Endlager akzeptieren. Wenn man sie heute fragt, sagen viele nicht Ja oder Nein, sondern »weiß nicht«. So wie Mikka Kiuiharja. Er hat seine Musikanlage auf dem Marktplatz aufgebaut; aus den Boxen dringen Volkslieder, gesungen von Jugendlichen aus der Kirchengemeinde. Orjatori hat er seine Firma genannt, Sklavenmarkt. »Ich verleihe die Ausrüstung an alle möglichen Bands, was für Musik die machen, ist mir egal«, erklärt der 22-Jährige. Er trägt Tarnjacke und Pferdeschwanz. Zum Endlager habe er keine Meinung, sagt Mikka. »Ich hoffe einfach, dass es ziemlich sicher ist.« Auch seine Freundin mit den langen Dreadlocks hat keine Meinung dazu. »Wir kennen auch niemanden, der dagegen ist«, sagt Mikka. »Ach doch, einen. Aber der ist weggezogen.«