Beruf Ingenieure haben freie Fahrt

Das Wichtigste zum Berufseinstieg – und zu den Chancen in der Autoindustrie

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Ingenieure derzeit aus?

Für Ingenieure herrscht auf dem Arbeitsmarkt praktisch Vollbeschäftigung – mehr noch: Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) können derzeit mehr als 70.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. Allein von 2006 auf 2007 ist laut IW-Studie die Schere zwischen offenen Stellen und Jobsuchenden um 44 Prozent auseinander gegangen. Jede fünfte Firma muss mittlerweile Aufträge ablehnen, weil ihr die nötigen Fachkräfte fehlen. In der Automobilbranche ist der Bedarf an Ingenieuren ebenfalls sehr groß – auch wenn sie in den vergangenen Jahren immer mal wieder durch Fusionen und Werksschließungen von sich reden machte. In der Autoindustrie waren im Jahre 2006 mehr als 90.000 Beschäftigte im Bereich Forschung und Entwicklung tätig, davon waren rund 60 Prozent Wissenschaftler und Ingenieure. Über alle Wirtschaftsbereiche waren es über 310.000 – mit anderen Worten: Jeder Dritte, der in Deutschland im Forschungs- und Entwicklungsbereich arbeitet, tut dies in der Automobilindustrie.

Welche Spezialisten braucht die Autoindustrie?

»Gefragt sind in der Hauptsache Ingenieure für Maschinenbau und Elektrotechnik«, sagt Andreas Kraus, Pressesprecher des Verbands der Automobilindustrie (vda). Laut Angaben des Personaldienstleisters Adecco stieg die Zahl der gesuchten Maschinenbauingenieure von 2006 auf 2007 von 1.118 auf 1.654, bei den Elektroingenieuren von 258 auf 407. Wirtschaftsingenieure, Fertigungstechniker und Verfahrenstechniker stehen auf den Plätzen drei bis fünf der »Most Wanted«-Liste der Automobilindustrie. Andreas Kraus: »Auch Naturwissenschaftler wie Physiker und Chemiker werden gesucht.«

Welche Auswirkungen hat die Klimadebatte auf die Branche?

Der Benzinpreis steigt, die Politik fordert immer niedrigere Abgaswerte – die Folge: neue Technologien werden fieberhaft gesucht, und das bedeutet volle Auslastung für die Entwicklungsabteilungen der Automobilhersteller. Der CO₂-Ausstoß der europäischen Fahrzeugflotte liegt derzeit bei 140 Gramm pro Kilometer. Die EU fordert bis 2012 eine Senkung auf 130 Gramm – ein Porsche produziert derzeit rund 300… Da gibt es einiges zu tun. Bis zu 3.000 zusätzliche Jobs schaffe die Klimadebatte, schätzen Experten. Nicht zuletzt ihretwegen sucht Daimler derzeit insgesamt mehr als 3.000 Ingenieure und VW rund 1200. Bei den Ingenieuren am beliebtesten sind allerdings BMW, Audi und Porsche – aus Imagegründen. Auf die erforderliche Qualifikation der Ingenieure habe die Klimadebatte als solche keine Auswirkungen, meint vda-Pressesprecher Andreas Kraus: »Vielmehr zeichnet den guten Ingenieur aus, über den Tellerrand hinauszudenken und Probleme ganzheitlich anzugehen.«

Wie wichtig sind Praktika?

Praktika sind Bestandteile des Ingenieurstudiums, an den Fachhochschulen sogar in noch höherem Maße. »Praktika sind wichtig, weil sie erste Erfahrungen mit dem Produkt und mit potenziellen Arbeitgebern ermöglichen und bei der Wahl der Ingenieurfachrichtung helfen«, sagt vda-Sprecher Andreas Kraus. »Aber auch die Arbeit an Hochschulinstituten ist hilfreich für das persönliche Fortkommen.« Praktika und eventuell eine fachbezogene, studienbegleitende Nebenbeschäftigung wirken sich im Lebenslauf positiv aus, zumal sie auf zielgerichtetes Arbeiten hinweisen. Immerhin ein Drittel aller Fachhochschulabsolventen im Elektrotechnik- und Maschinenbau haben ihren Jobeinstieg direkt über Verbindungen aus einem früheren Praktikum oder einer Examensarbeit geschafft. »Aber es ist heute nicht mehr so, dass Sie erst Praktikant sein müssen, bevor Sie angestellt werden«, sagt Volker Brennecke, Leiter der Abteilung Bildung, Arbeitsmarkt, Gesellschaft beim VDI. »Der Ingenieurbedarf ist derzeit einfach so groß, dass Absolventen sofort eingestellt werden.« Etwas anders sieht es höchstens noch bei den begehrtesten Arbeitgebern aus: So besetzt etwa Porsche die Berufseinsteiger-Positionen zu 80 Prozent mit ehemaligen Praktikanten.

Wie kommt man an Stellenangebote?

Vor allem bei der Suche nach hoch qualifizierten Mitarbeitern setzen Unternehmen gern auf persönliche Kontakte, etwa über eigene Mitarbeiter. Man tut also gut daran, früh einen Fuß ins Unternehmen der Wahl zu bekommen. Wenn der Kontakt nicht über die persönliche Schiene läuft, nutzen die Unternehmen am häufigsten Onlinejobbörsen, um offene Stellen zu besetzen. Ansonsten werden Stellenanzeigen von den meisten Unternehmen eher in regionalen als in überregionalen Zeitungen geschaltet. Daneben werden Firmenkontaktmessen und Recruitingveranstaltungen an Hochschulen immer wichtiger. Aber auch Initiativbewerbungen sind nicht verkehrt: Viele Unternehmen wählen immer noch lieber aus vorliegenden Angeboten aus, als sich extra auf die Suche zu begeben.

Wie viel verdienen Einsteiger?

Laut www.personalmarkt.de gelten für Ingenieure mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung in Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern folgende Einstiegsgehälter (Jahresbrutto): 47.100 Euro in der Produktion, 46.800 Euro in der Konstruktion und 48.100 Euro in der Projektabwicklung. Laut VDI fällt das Jahresgehalt promovierter Einsteiger bis zu 10.000 Euro höher aus als das ihrer nichtpromovierten Kollegen.

Wie wichtig ist BWL für die Karriere?

Wer ins Management aufsteigen will, kommt heute ohne BWL-Kenntnisse nicht mehr aus. »Das fängt schon auf der Bereichs- und Abteilungsleiterebene an«, sagt VDI-Experte Volker Brennecke. »Diese Kenntnisse kann man sich während des Studiums aneignen oder später.« Kleiner Trost: »Es ist immer leichter für einen Ingenieur, sich wirtschaftswissenschaftlich zu qualifizieren, als für einen Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieurkenntnisse zu erwerben.« Ingenieure, die betriebswirtschaftlich denken können, sind bereit für höchste Weihen – Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche sind der beste Beweis dafür.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich kann es nicht mehr hören...in Deutschland fehlen also Ingenieure....und warum sind dann bitte soviele Ingenieure arbeitslos? Warum bekommt ein guter Ingenieur, der sich 2 Jahre lang aus einer ungekündigten Stellung heraus bewirbt keinen Job? Will man vielleicht nur nicht das deutsche Gehalt für einen deutschen Ingenieur zahlen?

    • Anonym
    • 05.09.2008 um 9:06 Uhr

    sondern in Bayern und Baden-Württemberg. Und solang Sie kein Staatsdienster sind erhalten Sie auch kein "deutsches Gehalt". Gehalt hängt hier vor allem von Region, Unternehmen und Verhandlungsgeschick ab. OH OH tut mir leid dass war jetzt wieder zu differenziert. Sie wollten sicher das hören: ja die Politiker sind eh alles Verbrecher und stopfen sich die Taschen voll..

  2. Von den Ingenieuren in meiner Verwandtschaft wurden alle vor 10-15 Jahren arbeitslos durch Kündigungen oder Rausmobben, und das ab 52 Jahren. Von deren Kindern studiert keiner das Ingenieurfach.

  3. So? Zufälligerweise handelte es sich um einen Ingenieur, welcher in Bawü lebte und arbeitete...jetzt nicht mehr. Und was sein Verhandlungsgeschick angeht, er verdient jetzt mehr, im Ausland.

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