Türkei Urlaub satt!Seite 5/5
Spät abends in der Lobby des Hotels Majesty Mirage Park in Göynük. Eine Gruppe türkischer Reiseleiter, die für Öger arbeitet, sitzt beim Feierabendbier und diskutiert. Der Studienkreis bildet sie in einem Seminar zu »interkulturellen Lehrern« aus. Die Reiseleiter sollen den Urlaubern einen erweiterten Blick auf die Türkei ermöglichen, jenseits von Strand und Hotelbar. Am Nachmittag hat die Gruppe sich Die Sonne der Hyänen angesehen. Danach herrschte Schweigen. »Wir sind doch alle ein bisschen wie Hai Ibrahim«, sagte einer. »Wir sind Werkzeuge dieses Systems. Ich hab mich geschämt.« Einige seiner Kollegen nickten betreten.
Stück für Stück zeigt das Seminar ihnen die Spirale des Billigtourismus. Aber was heißt das für sie als Reiseleiter? »Ich lerne die Spielregeln und spiele mit«, sagt einer, »die Dummen, die gehören auch zum Spiel, aber nicht als Spieler, sondern nur als Spielfiguren. Ich will nicht bei den Dummen sein. Ich will Spieler sein, nicht Spielfigur.« Als Reiseleiter müssen sie sich dem System anpassen. Das geht bis zur Selbstverleugnung. »Manche von uns erklären den Gästen, dass es viel zu gefährlich ist, ins Dorf zu gehen, dass sie besser nur die durch uns gebuchten Tagesausflüge nehmen«, erzählt einer, »dann haben die Leute Angst, und wir können ihnen unsere Fahrten zum Teppichhändler verkaufen.«
Für jede verkaufte Tasche, jeden Ring erhält der Reiseleiter eine Provision
Verkaufsfahrten sind bei den Managern der All-inclusive-Hotels sehr beliebt. Ein Gast, der im Bus sitzt, verursacht in der Zeit keine Kosten. Im Gegenteil – die Hotels kassieren oft noch die Provisionen der Händler. Die Reiseleiter wissen, dass die Waren im »Lederland« und »Teppichdorf« überteuert sind. Aber für jeden verkauften Teppich, jede Tasche, jeden Ring erhalten auch sie eine Provision.
Einer, Mesut mit Namen, berichtet von Verträgen zwischen Reiseveranstaltern und Händlern, die vorsehen, dass 1500 Kunden pro Saison herangeschafft werden müssen. So wird der Reisepreis subventioniert. »Ich führe den Gast zum Teppichhändler und bekomme 30 Prozent vom Verkaufspreis«, sagt ein anderer am Abend nach dem dritten Bier. Sich zu verweigern hieße den eigenen Job zu gefährden. »Auf dem Wochenmarkt wird der Gast ausgenommen, und ich als Reiseleiter steh daneben und darf nichts sagen.«
In diesem Moment landet eine Ladung Wodka direkt vor den Füßen des Reiseleiters. Ein junger Gast, schon reichlich abgefüllt, der den Barkeeper auf Russisch so lange zum Nachschenken aufgefordert hat, bis sein Colaglas randvoll mit Wodka war, hat es nicht ganz bis auf die Terrasse geschafft.
Bis in die Nacht debattiert die Reiseleiter-Runde. Sie müssen mit Gästen klarkommen, deren Art, Urlaub zu machen, sie eigentlich verachten. »Man könnte den Gast ja darauf hinweisen, was das bedeutet – so ein 299-Euro-Urlaub all-inclusive«, sagt Riduan irgendwann. »Damit sorgt er dafür, dass Servicekräfte ohne Sozialversicherung arbeiten. Solche Preise basieren auf Ausbeutung.« Ja, pflichten andere aus der Runde ihm bei, bei solchen Preisen dürften sie sich nicht beschweren, dass sie zum Kauf von Teppichen gedrängt würden, die sie daheim bei Karstadt billiger bekämen. Sie tragen mit dazu bei, dass das Land zu einem der austauschbaren Billigziele wird, die sie dann irgendwann selbst nicht mehr besuchen wollen. »Das müsste man ihnen doch endlich mal begreiflich machen.«
Aber wie stellt man das an, ohne dem Gast die Freude an seinem Urlaub zu verderben? Ohne ihm zu sagen, dass er für sein kleines Geld keinen Elsass-Riesling zum Essen erwarten kann, sondern nur Schnellvergorenes aus dem Tank?
»Die All-inclusive-Reisenden sind einfach die falschen Gäste«, meint einer. »Andere haben wir nicht«, kommt es barsch zurück. »Und solange das so ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Gäste weiterhin zum Goldschmied oder zum Teppichhändler zu lotsen.«
Hundert Meter weiter, in zweiter Reihe, fernab vom Strand, wurde kürzlich eine neue Baugrube ausgehoben. Schon ragt ein Betonskelett in den Himmel über Göynük. Schlapp und traurig baumelt die türkische Fahne von einer rostigen Eisenstange auf dem Dach des Rohbaus. Vor dem Zaun hat der Bauherr eine große Tafel mit einer bunten Computersimulation aufgestellt. Ein weiß glänzendes Bauwerk ist dort zu sehen, das Eldar Resort, mit Sportwagen davor und Möwen, die sich im Sommerwind treiben lassen. In Göynük gibt es zwar keine Möwen. Aber dafür bald Hotel Nummer 20.
- Datum 10.09.2008 - 09:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.09.2008 Nr. 37
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Was ich mich Frage ist ob die all inclusiv Angebote das Niveau der Touristen hier so gedrückt haben oder ob das Niveau der Touristen erst diese all inclusiv Angebote erfordern damit sie überhaupt noch kommen ....
Noch vor 10 Jahren konnte man in Türkischen Touristenorten für 5-15 DM hervorragend Essen gehen. Dann kam die AK Partei und die vervierfachung der Alkoholsteuern. Das kann natürlich kein Gastronom so umlegen so das Essen im Restaurant etwa das dreifache kostet wie vor 10 Jahren.
Und das schreckt Besucher ab so das das all inclusiv Hotel durchaus an Attraktivitaet gewinnt!
Russen allerdings sind seitdem sie hier auftauchten tendenziell immer im Hotel geblieben. Interesse an Historischen Bauwerken, Land und Kultur besteht überhaupt nicht!
...war ich zum letzten Mal vor 20 Jahren in dieser Ecke der Türkei, allerdings auf eigenen Faust mit dem Auto - und bin dann ganz begeistert wieder nach Hause gekommen. Schade eigentlich um diese nette Region der Türkei.www.ThomasKrueger.eu
Dieser ganze All-Inclusive-Wahn. Ich hoffe, dass Backpacking bzw. Urlaub am Strand um die Ecke, bald wieder modern wird. Sozusagen als Gegenstroemung. Teurer ist es auch nicht, aber weitaus wertvoller.
...finde ich eigentlich eher die Überheblichkeit, mit der im Artikel wie auch in den Kommentaren über die Armen und Ungebildeten hergezogen wird.
...finde ich eigentlich eher die Überheblichkeit, mit der im Artikel wie auch in den Kommentaren über die Armen und Ungebildeten hergezogen wird.
Die Gegenströmung ist schon da. Eigentlich ist es eher weniger eine Strömung als eine Isolierung, als Konsequenz der "Umverteilung von unten nach oben".Reiche haben zwar Arme, wollen aber doch gern wieder unter sich sein, zum Beispiel auf den exklusiveren friesischen Inseln, in den diversen über den Erdball verstreuten Edelhotels oder in den landschaftlich beeindruckenden Refugien der Eidgenossen - je nach Jahreszeit.Arme haben zwar Beine, aber nicht genügend Finanzmittel, um sich wirklich exklusive Unterkünfte leisten zu können. Da bleiben für die Müller-Mittelstands nur noch die beschriebenen alles-inklusive-Angebote oder eben Balkonien mit Geranien. Ach ja, Massentourismus: da wurde der Kaviar unters Volk geworfen, damit der Pöbel auch ganz sicher ausrutscht. Und eben dachten wir noch, wir seien Kunden - und damit die Könige der Neuzeit. Weit gefehlt! Die Parallele zur Massentierhaltung ist mehr als offensichtlich. Melken mal anders.
haben diverse Besucher der Türkischen Riviera gar nicht verdient weil sie überhaupt nicht arbeiten glauben Sie mir ! Sie kommen trotzdem ! Für die ist es fast schon schade um das Wasser mit dem das inclusive Bier verdünnt wird !
Massentierhaltung umschreibt das ganz gut. Die Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Genua und Savona werden von den Offizieren und Mannschaften der Handelsschiffe kurz und treffend als "Viehtransporter" bezeichnet.www.ThomasKrueger.eu
haben diverse Besucher der Türkischen Riviera gar nicht verdient weil sie überhaupt nicht arbeiten glauben Sie mir ! Sie kommen trotzdem ! Für die ist es fast schon schade um das Wasser mit dem das inclusive Bier verdünnt wird !
Massentierhaltung umschreibt das ganz gut. Die Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Genua und Savona werden von den Offizieren und Mannschaften der Handelsschiffe kurz und treffend als "Viehtransporter" bezeichnet.www.ThomasKrueger.eu
haben diverse Besucher der Türkischen Riviera gar nicht verdient weil sie überhaupt nicht arbeiten glauben Sie mir ! Sie kommen trotzdem ! Für die ist es fast schon schade um das Wasser mit dem das inclusive Bier verdünnt wird !
...finde ich eigentlich eher die Überheblichkeit, mit der im Artikel wie auch in den Kommentaren über die Armen und Ungebildeten hergezogen wird.
sind mit unter nicht so begütert weil noch jung aber die Reisen um etwas zu lernen und unbedingt den Neckermaennern vorzuziehen ! Werfen ein besseres Licht auf unsere Gesellschaft als die ganzen Pauschalis !
sind mit unter nicht so begütert weil noch jung aber die Reisen um etwas zu lernen und unbedingt den Neckermaennern vorzuziehen ! Werfen ein besseres Licht auf unsere Gesellschaft als die ganzen Pauschalis !
sind mit unter nicht so begütert weil noch jung aber die Reisen um etwas zu lernen und unbedingt den Neckermaennern vorzuziehen ! Werfen ein besseres Licht auf unsere Gesellschaft als die ganzen Pauschalis !
tatsächlich etwas lernen. Der Autor des Artikels gehört aber nicht dazu. Jedenfalls hielt er es offenbar nicht für nötig, für seine Recherche *mit* einem einzigen der dortigen Urlauber zu sprechen. Mit den Konkurrenten der Billigheimer, ja. Auch die Reiseleiter bekamen Gelegenheit, über ihre Kundschaft die Nase zu rümpfen. Die Kellner schon nicht mehr. Und die Urlauber, auch die Deutschen, kommen im Artikel überhaupt nicht zu Wort.Wären sie gefragt worden, es hätte sich womöglich herausgestellt, dass sie gute Gründe für diese Art der Urlaubsplanung haben. Schließlich läuft das All-Inclusive-Geschäft schon seit über zehn Jahren, und es läuft gut. Die All-Inclusive-Anbieter machen nicht nur das Erstkundengeschäft. Irgendetwas muss die Leute immer wieder in solche Läden ziehen. Die Beantwortung der Frage, wieso erwachsene Leute eigentlich im Urlaub eine ganze Woche Sardinen essen, und das wiederholt: Das hätte auch den Lesern des Artikels die Möglichkeit gegeben, etwas Neues zu lernen. Das wäre dann aber nicht der Wohlfühl-Artikel fürs Zeitpublikum gewesen, der hier leider veröffentlicht wurde.
tatsächlich etwas lernen. Der Autor des Artikels gehört aber nicht dazu. Jedenfalls hielt er es offenbar nicht für nötig, für seine Recherche *mit* einem einzigen der dortigen Urlauber zu sprechen. Mit den Konkurrenten der Billigheimer, ja. Auch die Reiseleiter bekamen Gelegenheit, über ihre Kundschaft die Nase zu rümpfen. Die Kellner schon nicht mehr. Und die Urlauber, auch die Deutschen, kommen im Artikel überhaupt nicht zu Wort.Wären sie gefragt worden, es hätte sich womöglich herausgestellt, dass sie gute Gründe für diese Art der Urlaubsplanung haben. Schließlich läuft das All-Inclusive-Geschäft schon seit über zehn Jahren, und es läuft gut. Die All-Inclusive-Anbieter machen nicht nur das Erstkundengeschäft. Irgendetwas muss die Leute immer wieder in solche Läden ziehen. Die Beantwortung der Frage, wieso erwachsene Leute eigentlich im Urlaub eine ganze Woche Sardinen essen, und das wiederholt: Das hätte auch den Lesern des Artikels die Möglichkeit gegeben, etwas Neues zu lernen. Das wäre dann aber nicht der Wohlfühl-Artikel fürs Zeitpublikum gewesen, der hier leider veröffentlicht wurde.
tatsächlich etwas lernen. Der Autor des Artikels gehört aber nicht dazu. Jedenfalls hielt er es offenbar nicht für nötig, für seine Recherche *mit* einem einzigen der dortigen Urlauber zu sprechen. Mit den Konkurrenten der Billigheimer, ja. Auch die Reiseleiter bekamen Gelegenheit, über ihre Kundschaft die Nase zu rümpfen. Die Kellner schon nicht mehr. Und die Urlauber, auch die Deutschen, kommen im Artikel überhaupt nicht zu Wort.Wären sie gefragt worden, es hätte sich womöglich herausgestellt, dass sie gute Gründe für diese Art der Urlaubsplanung haben. Schließlich läuft das All-Inclusive-Geschäft schon seit über zehn Jahren, und es läuft gut. Die All-Inclusive-Anbieter machen nicht nur das Erstkundengeschäft. Irgendetwas muss die Leute immer wieder in solche Läden ziehen. Die Beantwortung der Frage, wieso erwachsene Leute eigentlich im Urlaub eine ganze Woche Sardinen essen, und das wiederholt: Das hätte auch den Lesern des Artikels die Möglichkeit gegeben, etwas Neues zu lernen. Das wäre dann aber nicht der Wohlfühl-Artikel fürs Zeitpublikum gewesen, der hier leider veröffentlicht wurde.
für die all incl. Geschaefte finden Sie in Artikel 10. Hier stimmt sicher in der Preisgestaltung des 2. Hotels etwas nicht !
Bitte nicht zu vergessen das viele Menschen in den Urlaub fliegen um sich nicht vor den Nachbarn/Kollegen rechtfertigen zu müssen und am Urlaubsort müssen die dann sparen - sieht ja auch niemand !
Man stelle sich mal vor : es gibt sogar Mitmenschen die nehmen Kredite auf um in den Urlaub zu fahren !
für die all incl. Geschaefte finden Sie in Artikel 10. Hier stimmt sicher in der Preisgestaltung des 2. Hotels etwas nicht !
Bitte nicht zu vergessen das viele Menschen in den Urlaub fliegen um sich nicht vor den Nachbarn/Kollegen rechtfertigen zu müssen und am Urlaubsort müssen die dann sparen - sieht ja auch niemand !
Man stelle sich mal vor : es gibt sogar Mitmenschen die nehmen Kredite auf um in den Urlaub zu fahren !
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