Jugend Die effizienten Idealisten
Vorige Woche schrieb Jens Jessen, die Jugend von heute habe keinen Charakter. Dabei ist sie eigentlich rebellisch – auf eine höchst subtile Weise
Nehmen wir an, die Jugend wäre, wie Jens Jessen sie sich wünscht: kritische Köpfe mit Parteiausweis im Rucksack und Brecht-Zitaten auf den Lippen. Am ersten Praktikumstag legen sie dem Chef dar, was er alles falsch macht. Wie würde diese Jugend auf Jessens Artikel reagieren? Sie würde sich zum Sit-in vor der ZEIT- Redaktion versammeln und im Sprechchor rufen: »Wer die Jugend so verkennt, gehört schon zum Establishment!«
Nehmen wir an, die Jugend wäre, wie Jessen sie darstellt – angepasst, wirtschaftshörig, charakterlos. Wie würde sie reagieren? Sie würde nicken, die rote Krawatte zurechtrücken und sagen: »Verbindlichen Dank für diese konstruktive Kritik.«
Keins von beidem wird geschehen. Jessens Polemik sagt nichts über die »Jugend von heute« aus. Umso stärker offenbart sie die verquere Weltsicht einer Generation, die ihren Nachfolgern die eigenen antiquierten Maßstäbe aufzwingen will.
Wer richtet denn hier überhaupt? Der Vertreter einer Generation, die in den Siebzigern sozialisiert wurde; einer Generation, die mit ein paar lieblichen Liedern und leuchtenden Buttons die 68er imitierte. Beim Demo-Hopping gingen Jessen & Co. nicht einmal ein Risiko ein: Wer wusste, dass die Rente sicher ist und Arbeitslosigkeit ein Nischenproblem, der konnte leicht ein bisschen durch den Hofgarten demonstrieren. Der Vertreter einer weich gespülten Generation wirft den eigenen Kindern vor, weich gespült zu sein. Bitte?
Man hat sich ja längst eingerichtet im Chefbüro mit Panoramablick. Man darf längst entscheiden über die Karrieren der anderen. Man fände es erfrischend, in der Jugend den Rebellenmut zu sehen, den man selbst einst hatte oder gern gehabt hätte. So beschimpft man die Jungen und verklärt gleichzeitig die eigene Vergangenheit. Die Schulzeit – eine einzige Folge von geschwänzten Mathestunden und Haschisch-Sessions. Das Studium – eine Reihe von Teach-ins und Friedensmärschen.
Hinter dem selbstgerechten »Jetzt rebelliert doch mal!« steckt derselbe Paternalismus wie hinter dem altbekannten »Jetzt benehmt euch endlich!«: Mal soll die Jugend brav sein, mal wild. Dabei ist Aufmüpfigkeit, wie Jessen sie fordert, kein Wert an sich, geschweige denn ein Ausdruck für Charakter. Wer das behauptet, müsste in letzter Konsequenz auch Neonazis für besonders charakterfest halten – schließlich grenzen die sich besonders drastisch von der Mehrheitsgesellschaft ab.
Wenn Jessen über verschärfte Konkurrenz und die Tyrannis der Selbstdisziplinierung lamentiert, was kritisiert er dann wirklich? Er verzweifelt daran, dass die Märkte globaler und die Menschen individualistischer geworden sind. Er verfällt dem Pessimismus einer Generation, die spürt, dass ihr die Welt entgleitet und sie die Jugend nicht mehr versteht. Globalisierung und Individualisierung gelten prinzipiell als böse und erlauben nur eine einzige Reaktion: Entmutigung und Rückzug.
Die Jungen aber erstarren nicht in Furcht vor Heuschrecken und Haifischen, Verflechtung und Vernetzung. Anders als Jessen behauptet, sind sie randvoll mit Zuversicht: So glauben neun von zehn Studenten, dass sie in fünf Jahren zufrieden leben werden. Wer optimistisch ist, hält sich nicht auf mit Geflenne über den Wirtschaftsdarwinismus; lieber tüftelt er daran, wie er in einer globalisierten Welt glücklich werden kann.
Wer weiß, dass er in zwei Jahren vielleicht ganz woanders lebt, entwickelt neue Loyalitäten: Viele der Jungen wollen nicht dreißig Jahre Kassenwart des SPD-Ortsvereins sein, sondern arbeiten lieber drei Monate für eine Behindertenwerkstatt. Sie tragen nicht am 1. Mai besprühte Pappplakate durch die Straßen, sondern vergeben online Mikrokredite an ugandische Friseurinnen. Nicht mehr nach Utopien streben sie, sondern nach Zielen, die sie unmittelbar umsetzen können: in der eigenen Familie, der eigenen Nachbarschaft, der eigenen Facebook-Gruppe. Effizienten Idealismus könnte man diese Haltung nennen.
Was für eine Jugend aber entsteht daraus? Eine, die eben nicht karrierehörig und egozentrisch ist, wie Jessen meint. Sie entzieht sich einem Wertekanon, der noch vor Kurzem als sakrosankt galt. Zum Beispiel glaubt sie nicht mehr dran, dass die Arbeit zentraler Sinnstifter der menschlichen Existenz sei. Die Jugend rebelliert nicht im Beruf, weil der Beruf nicht mehr so wichtig ist, weil er als Sinnstifter kaum mehr taugt in einer Zeit, in der selbst highest potentials wegrationalisiert werden.
Dass stattdessen die Familie wichtiger geworden ist, sollte man nicht als Rückzug aufs Biedermeiersofa fehldeuten. Knapp die Hälfte der unter Dreißigjährigen interessiert sich für Politik. Und deutlich mehr Leute studieren Sprachen und Literatur als die ach so marktgerechten Ingenieurswissenschaften. Auch engagiert sich keine Altersgruppe so stark ehrenamtlich wie die 14- bis 24-Jährigen. Die Verkürzung der Schulzeit hat eben nicht dazu geführt, dass Abiturienten früher auf den Arbeitsmarkt strömen, stattdessen bewerben sich Jahr für Jahr mehr Schulabgänger für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Und die Biobranche boomt auch deshalb, weil viele Berufseinsteiger ihre ersten Gehälter in den Öko-Supermarkt tragen.
Wer das verstanden hat, begreift auch, warum alte Parameter für Engagement – etwa die Zahl der Parteibücher – wenig über den Charakter einer Generation aussagen. Die Jugend sucht nach neuen Politikformen: Sind nicht die jungen Frauen, die den Feminismus zeitgemäß erneuern wollen, höchst politisch? Verändern nicht die jungen Väter die Gesellschaft, wenn sie Sandkastenspiele auch außerhalb des Team-Coachings üben? Verbessert jemand mit bewusstem Konsum nicht stärker die Welt als mit demonstrativer Konsumkritik?
Dass der Ton moderater geworden ist und die Strategie subtiler, ist ein Zugeständnis an eine Welt, die sich nicht mehr in Schwarz-Weiß-Schemata pressen lässt. Mit Strebern in Nadelstreifen hat das nichts zu tun.
Die jungen Menschen heute sind vielfältiger, als Jens Jessen behauptet. Unter ihren gebügelten Hemden verbirgt sich eine Generation mit Charakter. Intelligent bahnen sich die vielen Jugendgruppenleiter, Alphamädchen und Bioorangen-Esser einen Weg zwischen Neigung und Vernunft, zwischen Altruismus und Karriereplan. Sie verdienen mehr als eine Schlagzeile mit Ausrufezeichen.
Manuel J. Hartung, 26, ist Chefredakteur von ZEIT CAMPUS. Cosima Schmitt, 33, arbeitet als Redakteurin im Reise-Ressort der ZEIT
- Datum 06.09.2008 - 14:03 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 04.09.2008 Nr. 37
- Kommentare 44
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... immerhin gehörte ich auch noch vor kurzem zu den unter Dreißigjährigen. Die Welt ist deutlich komplexer geworden, Protest jeder Form schon deshalb schwerer. Ich bin alles andere als ein Nadelstreifentyp und würde selbst manchmal gerne demonstrieren etc. bin aber dann von den dummen und nutzlosen Parolen und der Wirkungslosigkeit der Aktionen oft abgeschreckt. Zusätzlich zu den Repressionen die Polizei und Justiz mittlerweile bereit halten, wenn man gar offen seine Meinung vertritt, ich muß niemand an den Soziologen erinnern, der Dank §129a seit Monaten abgehört wird und sogar in U-Haft saß, als vermeintlicher gedanklicher Rädelsführer und Anstifter.Dass die Jugend nicht mehr offen gegen ihre Elterngeneration rebellieren muss, sollten wir hingegen als Verbesserung der Gesellschaft wahrnehmen. Die Konflikte zwischen Alten und Jungen haben, wahrscheinlich auch dank höherem Bildungsgrad, imho deutlich abgenommen im Vergleich zu früheren Generationen.Dass die Politik und damit vor allem die vorgestrige Generation die Individualisierung noch nicht begriffen hat, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Allein die Forderung die Jugend sollte sich Parteien (und damit Blockmeinungen und Grabenkämpfen) anschließen, ist anachronistisch. Dieses System stirbt hoffentlich bald und wird durch eines ersetzt, welches besser zu unserer gut gebildeten individualistischen Gesellschaft passt: einer Basisdemokratie. Bis dahin werde ich weiter meine Unangepasstheit ausleben, indem ich z.B. mehr-demokratie.de unterstütze und nicht wählen gehe oder zumindest Protestparteien wähle
Ihr Ansicht zu unserem "sterbenden System" einmal unbenommen, folgendes:<cite>Zusätzlich zu den Repressionen die Polizei und Justiz mittlerweile
bereit halten, wenn man gar offen seine Meinung vertritt, ich muß
niemand an den Soziologen erinnern, der Dank §129a seit Monaten abgehört wird und sogar in U-Haft saß, als vermeintlicher gedanklicher Rädelsführer und Anstifter.</cite>Und genau soetwas war früher ein Grund auf die Straße zu gehen. Da schmiss dann mal jemand mit Steinen auf Polizisten, der späer Außenminister wurde. Nicht, dass ich Gewalt guthieße. Aber zu genanntem Punkt passierte doch sehr wenig.Sie bleiben somit auch in "vorauseilendem Gehorsam" fern.<cite>Dass die Jugend nicht mehr offen gegen ihre Elterngeneration
rebellieren muss, sollten wir hingegen als Verbesserung der
Gesellschaft wahrnehmen. Die Konflikte zwischen Alten und Jungen haben,
wahrscheinlich auch dank höherem Bildungsgrad, imho deutlich abgenommen
im Vergleich zu früheren Generationen.</cite>"Sollten" vielleicht, "müssen" nicht. Es ist kein Normativismus. Die Konflikte sind vorhanden und sollten sogar deutlich schärfer ausgetragen werden als früher, schließlich gibt es Verwertungslogiken denen sich JEDER unterwerfen muss. Allein das "demografische Problem" sollte mannigfache Diskussionen und Proteste auslösen. Nur was bringt es? Riester-Verträge werden ohne Sinn und Verstand des Systems und seiner Grundlagen abgeschlossen.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Ihr Ansicht zu unserem "sterbenden System" einmal unbenommen, folgendes:<cite>Zusätzlich zu den Repressionen die Polizei und Justiz mittlerweile
bereit halten, wenn man gar offen seine Meinung vertritt, ich muß
niemand an den Soziologen erinnern, der Dank §129a seit Monaten abgehört wird und sogar in U-Haft saß, als vermeintlicher gedanklicher Rädelsführer und Anstifter.</cite>Und genau soetwas war früher ein Grund auf die Straße zu gehen. Da schmiss dann mal jemand mit Steinen auf Polizisten, der späer Außenminister wurde. Nicht, dass ich Gewalt guthieße. Aber zu genanntem Punkt passierte doch sehr wenig.Sie bleiben somit auch in "vorauseilendem Gehorsam" fern.<cite>Dass die Jugend nicht mehr offen gegen ihre Elterngeneration
rebellieren muss, sollten wir hingegen als Verbesserung der
Gesellschaft wahrnehmen. Die Konflikte zwischen Alten und Jungen haben,
wahrscheinlich auch dank höherem Bildungsgrad, imho deutlich abgenommen
im Vergleich zu früheren Generationen.</cite>"Sollten" vielleicht, "müssen" nicht. Es ist kein Normativismus. Die Konflikte sind vorhanden und sollten sogar deutlich schärfer ausgetragen werden als früher, schließlich gibt es Verwertungslogiken denen sich JEDER unterwerfen muss. Allein das "demografische Problem" sollte mannigfache Diskussionen und Proteste auslösen. Nur was bringt es? Riester-Verträge werden ohne Sinn und Verstand des Systems und seiner Grundlagen abgeschlossen.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
...in der Fortsetzung Jessens Artikels. Bitte weiter so.Was den Artikel selbst betrifft, so versuchen die Autoren im ersten Teil Jessens Anmerkungen als "knallharten" Paternalismus zu deuten und liegen mit ihrem Verglich nicht ganz falsch. Im weiteren scheinen Sie ihm etwas anderes entgegen halten und die negativen Illusionen oder einfachen Erklärungen widerlegen zu wollen.Aber genau das gelingt ihnen nicht, vielmehr tun sie schlussendlich nichts anderes als Jessen selbst, übertreiben und zeichnen ein doch sehr interessiert-idealisiertes Bild.<cite>Wenn Jessen über verschärfte Konkurrenz und die Tyrannis der Selbstdisziplinierung lamentiert, was kritisiert er dann wirklich? Er verzweifelt daran, dass die Märkte globaler und die Menschen individualistischer geworden sind. Er verfällt dem Pessimismus einer Generation, die spürt, dass ihr die Welt entgleitet und sie die Jugend nicht mehr versteht. Globalisierung und Individualisierung gelten prinzipiell als böse und erlauben nur eine einzige Reaktion: Entmutigung und Rückzug.</cite>Und dass die Märkte "globaler" wurden, führte nicht zu verschärfter Konkurrenz? Und es ist nicht möglich, dass dies negative Folgewirkungen zeitigt? Wenig plausibel scheint dann der Gegenvorwurf an Jessen.<cite>Wer weiß, dass er in zwei Jahren vielleicht ganz woanders lebt, entwickelt neue Loyalitäten: Viele der Jungen wollen nicht dreißig Jahre Kassenwart des SPD-Ortsvereins sein, sondern arbeiten lieber drei Monate für eine Behindertenwerkstatt.</cite>Wann waren Sie zuletzt im Ortsverein einer deutschen Partei wie CDU oder SPD? Wenn man in der richtigen Region und nicht ganz dumm ist, wird man schneller Landtagsabgeordneter als man sehen kann. Parteien haben keine Jungen mehr, keine guten Leute. Nach der Marktlogik müssten Karriereisten sich genau dort einfinden, was sie ja auch zu tun scheinen. Aber niemand muss "30 Jahre Kassenwart" sein um vor Ort aktiv zu sein - vorallem kommunalpolitisch. Diese Zeiten sind längst vorbei, es gibt Schnuppermitgliedschaften, etc. Eine sehr flache Begründung für die wenigen jungen Parteimitglieder. Und indem solches hofiert wird, ist es salonfähig über Politiker und Parteien zu schimpfen und auch stückweit "unpolitisch" zu sein. Schließlich besteht ein Unterschied zwischen "politischem Interesse" und "Politik" wie bspw. auch "Affinität zu Führungsaufgaben" und "Vorstandsvorsitzender".<cite>Zum Beispiel glaubt sie nicht mehr dran, dass die Arbeit zentraler Sinnstifter der menschlichen Existenz sei. Die Jugend rebelliert nicht im Beruf, weil der Beruf nicht mehr so wichtig ist, weil er als Sinnstifter kaum mehr taugt in einer Zeit, in der selbst highest potentials wegrationalisiert werden.</cite>Arbeit als "Sinnstifter" war nie richtig oder sinnvoll.Es bleibt aber weiterhin die Erklärungsmöglichkeit der "Rationalisierungsangst": Wenn ich um meinen Arbeitsplatz fürchten muss - und man muss arbeiten um einen halbwegsen Lebensstandard auch nur mglw. zu erreichen - dann reiße ich den Mund nicht immer schnell und weit auf. Der Bedeutungsverlust allein erklärt es nicht.<cite>Und deutlich mehr Leute studieren Sprachen und Literatur als die ach so marktgerechten Ingenieurswissenschaften.</cite>Und bald gibt es wieder mehr Taxifahrer. Ein running-gag aber nicht falsch und für Betroffene unschön. Wo ist da ihre Kritik am ökonomischen Verwertungsmaßstab?<cite>Die Verkürzung der Schulzeit hat eben nicht dazu geführt, dass Abiturienten früher auf den Arbeitsmarkt strömen, stattdessen bewerben sich Jahr für Jahr mehr Schulabgänger für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Und die Biobranche boomt auch deshalb, weil viele Berufseinsteiger ihre ersten Gehälter in den Öko-Supermarkt tragen.</cite>Viele bewerben sich auch für ein FSJ/FÖJ, etc. weil sie schlicht nicht wissen, was sie sonst machen sollen oder hoffen, damit bessere Chancen auf einen Studienplatz oder eine Arbeit zu bekommen.<cite>Verbessert jemand mit bewusstem Konsum nicht stärker die Welt als mit demonstrativer Konsumkritik?</cite>Gerade weil die Ökonomie globalisiert ist und kaum ein Konsument wissen kann, wie was in Indien oder andernorts produziert wurde?Ganz klar: NEIN.<cite>Dass der Ton moderater geworden ist und die Strategie subtiler, ist ein Zugeständnis an eine Welt, die sich nicht mehr in Schwarz-Weiß-Schemata pressen lässt. Mit Strebern in Nadelstreifen hat das nichts zu tun.</cite>Es gibt durchaus "schwarz-weiß" Schemata, nur wollen einige, dass diese weniger erkennbar werden und es ist auch nicht mehr "en vougue" darauf hinzuweisen. So gesehen ist diese Strategie subtiler geworden, die Jugend glänzt durch reine Anpassung.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Was ist so schlimm an zufriedenen, gebildeten und offenherzigen Taxifahrern?
Was ist so schlimm an zufriedenen, gebildeten und offenherzigen Taxifahrern?
ja, ja und nochmals ja. Als Anhänger der so charakterlosen Jugend haben wir diesen Artikel tatsächlich besprochen und waren verwirrt. Das sind nicht wir, die da beschrieben werden.Man muss immer bedenken, dass beispielsweise im Studium ein enormer Zeit- und Leistungsdruck herrscht, der einen,wenn man nicht Gas gibt und lernt, auch schnell aus dem Studium kickt. Nichts da mit "och, die Hausarbeit schreibe ich bis Semesterende".. Eher: "1. August ist Abgabtermin". Zwei Wochen nach Semesterende. Mit Verlaub: Die Herrschaften in den 70ern hätten sich umgeschaut.. Das ehrenamtliche Engagement der Jugend wird meines Erachtens viel zu wenig erwähnt, unter den Tisch gekehrt. Es gibt Jugendliche und junge Erwachsene, die ihre Ferien damit verbringen, die Kinder anderer Leute auf einer Freizeit oder ähnlichem zu betreuen, vorher haben sie Schulungen gemacht, Wochenenden mit der Planung durchgezogen. Vielen Dank für diese Gegendarstellung, umso spannender, dass diese ebenfalls aus der Zeit-Redaktion stammt. (wenn ich mich nicht irre.. :) )
Es ist schön zu lesen, ansonsten treibt es nur die Auflage in die Höhe um von den (un-)angepassten Zeitungskäufe zu erreichen.Ein gewollter Schaukampf, wenn Sie möchten, nicht fern dem übrigens, was so gerne in der Politik als (Wahlkampf-)Populismus kritisiert wird.Am Ende des Tages geben sich alle Beteiligten die Hand und gehen zusammen essen.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Es ist schön zu lesen, ansonsten treibt es nur die Auflage in die Höhe um von den (un-)angepassten Zeitungskäufe zu erreichen.Ein gewollter Schaukampf, wenn Sie möchten, nicht fern dem übrigens, was so gerne in der Politik als (Wahlkampf-)Populismus kritisiert wird.Am Ende des Tages geben sich alle Beteiligten die Hand und gehen zusammen essen.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Ihr Ansicht zu unserem "sterbenden System" einmal unbenommen, folgendes:<cite>Zusätzlich zu den Repressionen die Polizei und Justiz mittlerweile
bereit halten, wenn man gar offen seine Meinung vertritt, ich muß
niemand an den Soziologen erinnern, der Dank §129a seit Monaten abgehört wird und sogar in U-Haft saß, als vermeintlicher gedanklicher Rädelsführer und Anstifter.</cite>Und genau soetwas war früher ein Grund auf die Straße zu gehen. Da schmiss dann mal jemand mit Steinen auf Polizisten, der späer Außenminister wurde. Nicht, dass ich Gewalt guthieße. Aber zu genanntem Punkt passierte doch sehr wenig.Sie bleiben somit auch in "vorauseilendem Gehorsam" fern.<cite>Dass die Jugend nicht mehr offen gegen ihre Elterngeneration
rebellieren muss, sollten wir hingegen als Verbesserung der
Gesellschaft wahrnehmen. Die Konflikte zwischen Alten und Jungen haben,
wahrscheinlich auch dank höherem Bildungsgrad, imho deutlich abgenommen
im Vergleich zu früheren Generationen.</cite>"Sollten" vielleicht, "müssen" nicht. Es ist kein Normativismus. Die Konflikte sind vorhanden und sollten sogar deutlich schärfer ausgetragen werden als früher, schließlich gibt es Verwertungslogiken denen sich JEDER unterwerfen muss. Allein das "demografische Problem" sollte mannigfache Diskussionen und Proteste auslösen. Nur was bringt es? Riester-Verträge werden ohne Sinn und Verstand des Systems und seiner Grundlagen abgeschlossen.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
"Und genau soetwas war früher ein Grund auf die Straße zu gehen. Da schmiss dann mal jemand mit Steinen auf Polizisten, der späer Außenminister wurde. Nicht, dass ich Gewalt guthieße. Aber zu genanntem Punkt passierte doch sehr wenig.
Sie bleiben somit auch in "vorauseilendem Gehorsam" fern."Ja das stimmt teilweise, zum Teil ist es auch Bequemlichkeit, das gebe ich offen zu. Ich ärgere mich, dass ich Aufwand betreiben muss, um den Unsinn einiger paranoider Politiker etwas entgegenzusetzen. Letztlich wahrscheinlich mit äußerst geringer Wirkung und womöglich auch noch mit Nachteilen für mich (man hat ja nicht etwa schon genug Probleme). Noch dazu könnte man jede Woche gegen irgendwas anderes auf die Straße gehen, gegen Überwachung, gegen unmenschliche Bedingungen in der Asylpolitik, gegen die Bildungspolitik, gegen H4, gegen Studiengebühren, gegen... es ist endlos. Demos können auch keine Alternativen vermitteln, idR sind sie nur GEGEN etwas und nur selten für etwas eindeutiges. Auch werden sie gerne von linken und rechten Extremen missbraucht. Demos sind für mich ein absoluter Notanker, kein adäquates Mittel um Politik zu beeinflussen."Die Konflikte sind vorhanden und sollten sogar deutlich schärfer ausgetragen werden als früher, schließlich gibt es Verwertungslogiken denen sich JEDER unterwerfen muss."Ich meinte eher das Aufbegehren gegen elterliche Bevormundung. Die finanzielle Benachteiligung ist ja eher versteckt, da sie sich über so lange Zeiträume erstreckt und Vergleiche schwer möglich sind.Auch hier stellt sich die Frage, gegen wen begehre ich auf? Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen, die Politik hat's versaut. Die 40+ Generation hat sich ihren Wohlstand schliesslich auch irgendwie erarbeitet und vertraglich gesichert, da kommen wir nicht ohne weiteres ran. Auch das Rentenproblem lässt sich nicht einfach lösen und zusätzlich wirft man uns Sand in die Augen (ala "mach Riester und dir gehts später gut"). Die Mauer vor der die heutige Generation steht, ist der SACHZWANG. Der wurde zwar von den vorigen Politikergenerationen geschaffen (Demographieproblem vertagt, Staatsverschuldung hochgetrieben, gedankenlose Globalisierung,...) aber an die kommt man nicht mehr ran und mit der jetzigen Politikergeneration könnte man fast schon Mitleid haben, die können nur noch den Mangel verwalten und verlieren so oder so immer.
"Und genau soetwas war früher ein Grund auf die Straße zu gehen. Da schmiss dann mal jemand mit Steinen auf Polizisten, der späer Außenminister wurde. Nicht, dass ich Gewalt guthieße. Aber zu genanntem Punkt passierte doch sehr wenig.
Sie bleiben somit auch in "vorauseilendem Gehorsam" fern."Ja das stimmt teilweise, zum Teil ist es auch Bequemlichkeit, das gebe ich offen zu. Ich ärgere mich, dass ich Aufwand betreiben muss, um den Unsinn einiger paranoider Politiker etwas entgegenzusetzen. Letztlich wahrscheinlich mit äußerst geringer Wirkung und womöglich auch noch mit Nachteilen für mich (man hat ja nicht etwa schon genug Probleme). Noch dazu könnte man jede Woche gegen irgendwas anderes auf die Straße gehen, gegen Überwachung, gegen unmenschliche Bedingungen in der Asylpolitik, gegen die Bildungspolitik, gegen H4, gegen Studiengebühren, gegen... es ist endlos. Demos können auch keine Alternativen vermitteln, idR sind sie nur GEGEN etwas und nur selten für etwas eindeutiges. Auch werden sie gerne von linken und rechten Extremen missbraucht. Demos sind für mich ein absoluter Notanker, kein adäquates Mittel um Politik zu beeinflussen."Die Konflikte sind vorhanden und sollten sogar deutlich schärfer ausgetragen werden als früher, schließlich gibt es Verwertungslogiken denen sich JEDER unterwerfen muss."Ich meinte eher das Aufbegehren gegen elterliche Bevormundung. Die finanzielle Benachteiligung ist ja eher versteckt, da sie sich über so lange Zeiträume erstreckt und Vergleiche schwer möglich sind.Auch hier stellt sich die Frage, gegen wen begehre ich auf? Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen, die Politik hat's versaut. Die 40+ Generation hat sich ihren Wohlstand schliesslich auch irgendwie erarbeitet und vertraglich gesichert, da kommen wir nicht ohne weiteres ran. Auch das Rentenproblem lässt sich nicht einfach lösen und zusätzlich wirft man uns Sand in die Augen (ala "mach Riester und dir gehts später gut"). Die Mauer vor der die heutige Generation steht, ist der SACHZWANG. Der wurde zwar von den vorigen Politikergenerationen geschaffen (Demographieproblem vertagt, Staatsverschuldung hochgetrieben, gedankenlose Globalisierung,...) aber an die kommt man nicht mehr ran und mit der jetzigen Politikergeneration könnte man fast schon Mitleid haben, die können nur noch den Mangel verwalten und verlieren so oder so immer.
Es ist schön zu lesen, ansonsten treibt es nur die Auflage in die Höhe um von den (un-)angepassten Zeitungskäufe zu erreichen.Ein gewollter Schaukampf, wenn Sie möchten, nicht fern dem übrigens, was so gerne in der Politik als (Wahlkampf-)Populismus kritisiert wird.Am Ende des Tages geben sich alle Beteiligten die Hand und gehen zusammen essen.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Der erste Gedanke ist: das war überfällig. Es wird aber schnell klar, dass dies einfach nur der automatisierte Kontrapunkt zu Jessens These ist.
Extremstandpunkte sind hilfreich, um die goldene Mitte und damit die Wahrheit zu lokalisieren.
war mein erster Gedanke zum Jessen-Beitrag gewesen - und
verzichtete auf einen Kommentar.Ein interessanter Beitrag, dachte meine Frau, so interessant
dass sie sich die Printausgabe der ZEIT erwarb - und war enttäuscht.Insofern finde ich den Artikel von Hartung/Schmitt sehr angemessen.Jessen fehlt die Bodenhaftung. Wer ein offenes Auge für die Jugend hat, sieht
wie inhomogen sie ist. Sieht, dass es durchaus charakterliche Clusterbildungen
gibt, die den Jugendlichen selbst auffallen. (So bemerken Studienwechsler von
der reinen Betriebswirtschaft in die eher technische Wirtschaftsinformatik
sofort Unterschiede in Haltung und Verhalten ihrer neuen Kommilitonen.)
So etwas muss doch berücksichtigt werden. Ich fürchte, das Jessen hiervon zum ersten Mal hört.Herzlichst Crest
Herrn Hartung hätte man wohl kaum beispielhaft am Zaun bei Heiligendamm demonstrieren sehen. Eine Gefahr, auch nur in die Nähe eines Anfangsverdachtes nach §129a zu geraten, besteht bei ihm selbstverständlich ebenfalls nicht.Er will in der Mitte der Gesellschaft an der Spitze bleiben. Schön, dass er, in weiblicher Begleitung, dazu ganz ohne Aufregung Stellung bezieht. Selbstverständlich kann aus dieser Perspektive die Risikolosigkeit der Lebensentwürfe als Hauptvorwurf, -im Gegensatz zu seiner High-risk but high potential - Persönlichkeit-, ohne die Fakten der Baby-boomer Generationen wirklich zu kennen, nur bei den 68ern und ihren Nachzüglern abgeladen werden.Er ist einfach viel zu gut gefördert, um sich auf seinem schon vorgezeichneten Weg an die Spitze der deutschen Presselandschaft noch mit widerständigen und karriereschädlichen Aktivitäten aufhalten und dabei fotografieren zu lassen.Eher schon bei einer der derzeit boomenden "Mut"-Veranstaltung ,der drei-bis fünf wichtigsten Verleger der Republik.Ich verwette meinen Kopf, er hat schon früh für den entsprechenden Stallgeruch gesorgt und arbeitet, eingebildet multitasking-fähig, gleichzeitig und überall auf "Exzellenz"-Niveau". Nur so kann man die Inhalte von Campus-Online auf Glossypapier überhaupt nachvollziehen und irgendwie mit nachdenklichen Studenten in Verbindung bringen.Da kann ich nur sagen, der Herr Jessen porträitierte und kritisierte ja nur die Oberfläche, die Erscheinung. Die Basis für das risikolose Fortwirken der konservativen Spielart liefern Campus-Legenden, wie unser Herr Hartung.So sind Studenten und Chefredakteure aber nur auf und im ZEIT-Campus. Die Übrigen halten den Mund, bis die Risikoabsicherung funktioniert und von da an heißt es treten gegen alle Gespenster von Marx, bis Brecht. Vor allem aber gegen jene mit dem (falschen) Parteibuch. GrüßeChristoph Leusch
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