Konjunktur Wohin die Reise geht
Droht Deutschland eine Rezession? Oder nur ein leichter Abschwung? Wenn Wirtschaftsexperten in die Zukunft schauen, nutzen sie Konjunkturindikatoren.
OECD senkt Wachstumsprognose für Deutschland. So lautete jüngst eine Schlagzeile. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung traut der deutschen Wirtschaft 2008 nur noch ein Wachstum von 1,5 Prozent zu, im Juni hatte sie noch von 1,9 Prozent gesprochen. Solch düstere Konjunkturnachrichten liest man im Augenblick ziemlich häufig. Stimmungseinbruch in der Wirtschaft, titelte die Deutsche Presse-Agentur vor ein paar Tagen.
Doch dieselbe Nachrichtenagentur hatte genau eine Woche zuvor etwas Gegenteiliges berichtet: »Konjunkturerwartungen für Deutschland überraschend verbessert« schrieb sie da. Kein Einzelfall und auch kein spezielles Problem dieser Nachrichtenagentur. Wenn man die Wirtschaftsnachrichten verfolgt, dann scheint es mal raufzugehen, mal runter, und zusammen ergibt das ein verwirrendes Bild. Dabei geht es doch um das wichtigste Wirtschaftsthema überhaupt: Wohin bewegt sich die Konjunktur? Werden viele Menschen bald ihren Arbeitsplatz verlieren? Ist es an der Zeit, mehr Lohn zu fordern, oder stehen Firmenpleiten bevor? Können Unternehmer Investitionen wagen und Verbraucher shoppen gehen?
Wenn die Institute und Konjunkturexperten ihre Prognosen ändern und die Journalisten aufgeregt darüber berichten, hat das meist dieselbe Ursache: Ein sogenannter Konjunkturindikator hat sich verändert. Daten, aus denen man schon im Voraus ablesen kann, ob die Wirtschaft demnächst schneller oder langsamer wächst. Davon gibt es eine ganze Menge. Aufmerksam verfolgt werden zum Beispiel die vom Münchner Ifo-Institut ermittelten »Geschäftserwartungen« und der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW-Index), die beide durch Umfragen zustande kommen. »Sie sind die besten Indikatoren für die kommende Entwicklung«, sagt Jörg Hinze vom Hamburger Weltwirtschafts-Institut, der seit fast 30 Jahren Konjunkturprognosen erstellt.
Hinze hat viele Indikatoren über lange Zeit beobachtet und findet diese beiden am treffsichersten. Doch auch andere Institute von der Commerzbank bis zur OECD fassen die Zukunftschancen der Wirtschaft regelmäßig zu einem solchen Index zusammen. Daneben gibt es dann noch Daten aus der Wirtschaftsstatistik, die frühzeitig anzeigen können, wohin die Reise geht: Die Zahl der Baugenehmigungen etwa lässt erkennen, ob demnächst viel in der Bauwirtschaft verdient wird; die Zahl der offenen Stellen verrät etwas über den künftigen Arbeitsmarkt, und die Zahl der Auftragseingänge etwas über die erwartbare Auslastung der Industrie.
Die Indizes richtig zu interpretieren erfordert allerdings genaues Hinsehen. Regel Nummer eins: Nicht von kleinen Schwankungen irritieren lassen! Das ZEW-Konjunkturbarometer zum Beispiel, das auf Umfragen unter Finanzexperten basiert, stieg im August plötzlich an – was entsprechend positive Schlagzeilen auslöste. Doch dieser kleine Ausschlag konnte davon ablenken, dass der Barometerstand immer noch auf sehr niedrigem Niveau verharrt und es damit nicht viel Grund zur Euphorie gibt.
Regel zwei: Ein Index allein ist nicht sehr aussagekräftig! Ernsthafte Konjunkturforscher betrachten alle gängigen Indizes gemeinsam und vergleichen sie mit Werten aus der Vergangenheit. Regel drei: Nicht zu viel erwarten! Zu den Entwicklungen, die ein Indikator vorhersagen kann, können ja noch viele Überraschungsfaktoren hinzukommen, von Ölschocks bis zu schlechtem Wetter. Wer etwa hätte voraussagen können, dass der vergangene Winter so mild ausfiel? Das führte dazu, dass schon im ersten Quartal viel mehr gebaut wurde als üblich.
Erst alles zusammen – die vielen Indikatoren und die sonstigen Ereignisse in der Wirtschaft – ermöglicht ein Urteil. Zurzeit allerdings ist das Gesamtbild recht klar. Zwar zeigen nicht alle Indikatoren nach unten, aber die meisten. Experten sagen: Das Wachstum in Deutschland wird deutlich schwächer. »Es wird verdammt eng«, glaubt Andreas Rees, Chefvolkswirt der Bank UniCredit. Wie sich das genau in Zahlen niederschlägt, darüber sind die Experten freilich schon viel weniger sicher. Das merkt man an ihren unterschiedlichen Urteilen: Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle etwa rechnet für 2009 mit 1,3 Prozent Wachstum, UniCredit nur noch mit 0,6 Prozent. Und dann kommt da noch das Wetter.
Zum Thema:
Sechs wichtige Konjunkturindikatoren im Überblick
- Datum 08.09.2008 - 17:27 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 04.09.2008 Nr. 37
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Leider zeichnet sich das schon seit vielen Monaten ab, wenn man nicht den vermeintlichen Experten der so genannten Institute glaubt, sondern sich schlicht die offiziellen Zahlen im Zusammenhang ansieht - die z.B. Jürgen Jahnke freundlicherweise in mühevoller Kleinarbeit zusammenstellt:jjahnke.net (1207) Auch die Industrieproduktion rutschtjjahnke.net (1200) Warum auch dieser Abschwung die Lügen der neoliberalen Globalisierer entlarvtWenn man diese Zahlen gesehen hat, glaubt man keinem Politiker und keinem Institut mehr - erst recht nicht dem Herrn Straubhaar als Hamburger Märchenerzähler der Neocons.Es ist überfällig von Friedmann zu Keynes Theorien zu wechseln, bevor es ganz zu spät ist und schnellstens das Schwergewicht auf den Binnenmarkt und die dort schlummernden Arbeitsplätze zu legen, statt von der schlechten erfolglosen Medizin immer noch mehr bittere Tropfen verteilen zu wollen.Es ist so einfach. Wer nichts übrig hat, kann nichts kaufen. Dazu hat die gewollte, mächtige Umwälzung von unten nach oben heftig beigetragen.
...der britische independent nicht mehr zitierfähig ist weil eine boulevardzeitung kurz davor ist ihn zu schlucken hier ein nachahmungsvorschlag
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