Es gibt jetzt einen kleinen Auflauf vor dem Casino von Monte Carlo, weil ein unheimlich breites und flaches Auto der Marke Bugatti vorgefahren ist und genau vor dem Eingang parken will. Ein Parkwächter in makelloser Uniform winkt wohlgeübt die Touristen in kurzen Hosen beiseite, die schnell einen Pulk gebildet haben und sich mit gezückten Handykameras um das schöne, schnelle, teure Auto scharen.

Das macht man hier so: Reiche gucken. Der Vorplatz des Casinos und des Hôtel de Paris mit seinen coiffierten Pärkchen, sprudelnden Brunnen und großzügigen Parktaschen ist ein Exerzierplatz für den Reichtum der Welt. Ach was, das ganze Fürstentum von Monaco ist ein Themenpark für reiche Menschen! Ein Disneyland der Milliardäre mit einer pompösen Promenadenlandschaft, edlen Restaurants, Thermen und Gesellschaftssälen. Streng bewacht und perfekt konzipiert für breite Autos, prächtige Schmuckstücke und lange Jachten. Die Reichen zeigen sich, die Reichen schauen, und vor der Tür wagen auch die Touristen einen Blick.

Doch hinter dieser würdevoll-gelangweilten Kulisse tobt ein erbitterter Krieg. Die Reichen von Monaco haben Angst, denn Barbaren liegen vor den Toren: die neuen Superreichen. Sie sind noch reicher. Jünger. Lebenshungriger. Konsumwütiger. Sie kommen von der Wall Street, aus der City of London oder aus dem Silicon Valley. Sie stammen aus China, Russland, Indien oder der Türkei. Sie tragen Jeans und Badeschlappen.

Man muss sich in die achtziger Jahre zurückversetzen, um zu verstehen, wie diese Reichenwelle ins Rollen kam. Wer bis dahin ein Vermögen schaffen wollte, musste es mühsam anhäufen: Filiale für Filiale, Regionalmarkt für Regionalmarkt, Investition für Investition, häufig auch Generation für Generation. Es war die Art von Wohlstandserwerb, die bis heute hierzulande für die meisten Großvermögen verantwortlich ist: etwa das der Brüder Albrecht (Aldi) mit ihrem schrulligen Sparsamkeitstick, der verschwiegenen Familie Quandt (BMW) und des Hamburger Versandhandelskönigs Otto.

Doch jenseits des Atlantiks, im Amerika der Reagan-Jahre, legte der Kapitalismus den Turbogang ein. Finanzinvestoren mischten sich immer aggressiver in die Welt der Unternehmen ein, zerschlugen sie, warfen Personal heraus und trieben die Manager zu mehr Leistung an. Investmentbanken finanzierten das schnelle Wachstum von Konzernen. Deregulierungen und Steuersenkungen begannen erst in Amerika und erreichten dann ein Land nach dem nächsten. So konnten Unternehmen an Wert gewinnen und Vermögen anschwellen wie nie zuvor.

Mancher erfolgreiche Firmengründer schuf nicht mehr sein eines, großes Lebenswerk. Er brachte nacheinander zwei, drei schnell gewachsene Unternehmen an die Börse oder verkaufte sie an die Konkurrenz. Im Silicon Valley der neunziger Jahre ging das am Ende so schnell, dass sogar einfache Angestellte von Microsoft und Google mit Millionenpaketen nach Hause gingen, weil sie von Beginn an mit dabei waren. Doch führte keineswegs nur die Hightech zum großen Reichtum. Den ermöglichten auch alltägliche Börsenwunder, die zur rechten Zeit praktische Möbelhäuser, schmackhafte Nachos oder passfertige Dachabdeckungen zu Markte getragen hatten.

Alle verdienten mit: Investmentbanker, die solche Deals finanzierten. Spitzenmanager, die so rar wurden, dass sie Multimillionengehälter verlangen konnten. Hedgefonds-Manager, die frisch erworbene Vermögen besonders rentabel anzulegen versprachen und für ihre Dienste dreistellige Millionengehälter einstrichen. Ganz zu schweigen von den gigantischen Vermögen, die plötzlich in Schwellenländern wie Russland, Indien, China oder Brasilien entstanden – teils durch Wagemut und teils durch Protektion, mal durch die Privatisierung von Staatsunternehmen oder als Folge des Öl- und Rohstoffbooms. Manch glücklicher Spekulant ritt einfach die  kleinen Aktienmärkte dieser Länder, als sie von gewaltigen Kapitalfluten renditehungriger Anleger aus aller Welt überschwemmt wurden.