Integration "Der Kölner Dom ist dreimal so hoch"

Vom Balkon aus wird er bald Minarette sehen. Der Autor und Enthüllungsjournalist Günter Wallraff über den Bau der Kölner Großmoschee in seiner Nachbarschaft

DIE ZEIT: Herr Wallraff, Sie wohnen ganz nah an der geplanten Moschee in Köln-Ehrenfeld. Freuen Sie sich auf Ihren Nachbarn?

Günter Wallraff: Vom Balkon aus werde ich die Minarette wohl sehen können. Ich wohne seit 1967 hier, das Viertel hat sich auch durch die türkischen Einwanderer positiv verändert, sie haben Billigläden durch nette Cafés ersetzt. Diese Moschee gibt es ja schon lange, jetzt wird an derselben Stelle eben eine neue gebaut. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Was regt man sich nun über die beiden 55 Meter hohen Minarette auf? Der Kölner Dom ist dreimal so hoch.

ZEIT: Warum braucht man eine neue Moschee?

Wallraff: Die alte – eine marode Fabrik und Lagerhalle – ist einfach unwürdig. Jetzt wird hier der renommierte Architekt Paul Böhm ein imposantes, modernes Baudenkmal schaffen. Für das Viertel wird es eine Attraktion sein, die es aufwertet. Andererseits kritisiere ich den Bauherren auch, die Türkisch-Islamische Union Ditib, weil sie weisungsgebunden ist an das Amt für religiöse Angelegenheiten in der Türkei, und so wie sich die Türkei entwickelt, wird das immer islamisch-totalitärer und intoleranter.

ZEIT: Sie haben also gemischte Gefühle.

Wallraff: Ja, man muss die Ditib beobachten.

ZEIT: Kritiker sagen, man wisse nicht, was in dieser Großmoschee gepredigt werde.

Wallraff: Das wussten wir bisher auch nicht. Aber jetzt hat sich die Ditib ja bereit erklärt, die Predigten auf Deutsch ins Internet zu stellen. Man sollte aber auch Verhandlungen führen mit der Türkei, damit dort Kirchen, darunter auch historische Kulturdenkmäler aus der Frühzeit des Christentums, restauriert werden.

ZEIT: Wollten Christen in der Türkei oder gar in Saudi-Arabien eine Kirche bauen, würden sie wohl scheitern.

Wallraff: Aber es geht hier nicht um eine saudi-arabische Moschee. Andererseits ist auch die Ditib sehr hierarchisch strukturiert, das ist ein Problem. Kürzlich war ich auf einer Veranstaltung, bei der es um die Verfolgung der Bahai ging, einer kleinen Religionsgemeinschaft, deren gesamte Führungsspitze gerade im Iran verhaftet und in Verhören gefoltert wurde wegen ihrer liberalen Weltanschauung. Die Kölner Organisatoren hatten gehofft, es würde wenigstens ein Verantwortlicher einer Moscheenorganisationen kommen und sagen, so etwas dürfe nicht im Namen des Islams geschehen. Keiner stand dafür bereit.

ZEIT: Sie klingen sehr skeptisch, warum verteidigen Sie dennoch die Moschee?

Wallraff: Ich gehe vom Istzustand aus, und der ist erbärmlich und menschenfeindlich. Außerdem denke ich auch an die Ehrenfelder Geschäftsleute. Touristen, die den Kölner Dom besuchen, können dann auch mal einen Abstecher nach Ehrenfeld machen, das nicht gerade reich an Sehenswürdigkeiten ist. Ich sehe die Reislamisierung, die wir gerade überall beobachten, als ein letztes Aufbäumen gegen die Moderne, in 30 bis 50 Jahren ist das ein Auslaufmodell.

ZEIT: Aber der zunehmenden Islamisierung steht eine Radikalisierung von Nichtmuslimen gegenüber. Die rechtspopulistische Pro-Köln-Fraktion im Stadtrat ist doch eine Gefahr.

Wallraff: Ja, die wollen ihre Neonazi-Ideologie unter die Leute bringen. Sie gehen sogar in Schulen und machen Propaganda. Solche Gruppen arbeiten sich gerne an Themen wie Moscheenbau ab, und viele in der deutschstämmigen Bevölkerung fallen drauf rein. Dabei sind die meisten hier lebenden Muslime nicht islamistisch, und nur eine Minderheit sind Moscheebesucher.

ZEIT: Sie haben jetzt eine muslimische Gemeinde gefunden, in der Sie aus Salman Rushdies Satanischen Versen lesen werden . Er wurde 1989 vom Ajatollah Chomeini mit dem Tode bedroht.

Wallraff: Aus Sicherheitsgründen kann ich nicht sagen, wo das sein wird. Es ist eine kleinere Gemeinde, die das allerdings am liebsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden lassen will. Da muss ich noch Überzeugungsarbeit leisten.

Die Fragen stellte Annabel Wahba

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 06.09.2008 um 16:22 Uhr

    aber wen repräsentiert wallraff eigentlich in diesem interview, außer sich selbst, einen enthüllungsjournalisten also. wo sind jene repräsentanten unserer gesellschaft, die es wirklich anginge, hier ihre meinung zu äußern? die wahrheit ist: diese typen klemmen vor furcht ihren schwanz ein und verduften lieber nach mallorca oder auf die bahamas, um es sich schön zu machen. es sind eben nur mietlinge und halten es mit der deutschen christenheit ganz im sinne dieser wendung: "forget it once and for all." sie (diese feiglinge) stellen, obgleich auf zwei beinen noch laufend, das resultat eines zustandes dar, bei dem die substanzen ptomain, cadaverin und putrescin hochzeit feiern.

    • Rahab
    • 06.09.2008 um 16:42 Uhr

    die menschen, die selber denken - nicht denken lassen. selber denken auch auf die gefahr hin, sich zu irren.

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    • Anonym
    • 06.09.2008 um 16:58 Uhr

    enthält prinzipiell, wenn auch gerafft,  den appell der aufklärung des 18. jahrhunderts, der für alle gesellschaften, religionen und staatengebilde rund um den globus noch heute gültig ist, aber kaum befolgt wird.

    • Anonym
    • 06.09.2008 um 16:58 Uhr

    enthält prinzipiell, wenn auch gerafft,  den appell der aufklärung des 18. jahrhunderts, der für alle gesellschaften, religionen und staatengebilde rund um den globus noch heute gültig ist, aber kaum befolgt wird.

    • Anonym
    • 06.09.2008 um 16:58 Uhr

    enthält prinzipiell, wenn auch gerafft,  den appell der aufklärung des 18. jahrhunderts, der für alle gesellschaften, religionen und staatengebilde rund um den globus noch heute gültig ist, aber kaum befolgt wird.

    Antwort auf "ganz einfach"
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    • Rahab
    • 06.09.2008 um 17:15 Uhr

    kaum befolgt ist in kommentar 1 zu besichtigen.

    • Rahab
    • 06.09.2008 um 17:15 Uhr

    kaum befolgt ist in kommentar 1 zu besichtigen.

  1. Zitat Wallraff: "Dabei sind die meisten hier lebenden Muslime nicht islamistisch, und nur eine Minderheit sind Moscheebesucher"Ja was nun, nur eine Minderheit sind Moscheebesucher und deshalb brauchen sie dann so ein Riesending? Kapier ich nicht.Ich empfehle: alles etwas tiefer hängen, kleinere Ausgabe der Moschee, natürlich sollen es auch die Moslems hübsch haben, aber auch die übrigen in K-Ehrenfeld lebenden Menschen wollen es hübsch haben, aber für Nicht-Moslem wird das schwierig mit so einem Pracht- und Protzbau, der völlig unverhältnismäßig ist.Dabei muß auch bedacht werden, daß Moscheen nicht wie unsere christlichen Kirchen für die in der Umgebung wohnenden Gläubigen gebaut werden. Es würde also auch eine kleinere Ausgabe reichen. Mit diesem Protzbau werden völlig falsche Signale gesendet: wir sind kein muslimisches Land, das zur Ehre Allahs einen Prachtbau braucht. Dagegen geht der Kölner Dom als Prachtbau in einem christlichen Land völlig in Ordnung. 

    • Anonym
    • 06.09.2008 um 17:09 Uhr

    .. dieses interview ist darum im blick auf die problematik ein schein-interview, weil der "falsche" befragt wird und dieser dann liebenswerter weise antwortet. war es der ZEIT-redaktion nicht möglich oder bloß unbehaglich stattdessen führende funktionäre und beamte aus den beiden kirchen und hohe politiker darüber zu befragen und als ergänzung dazu stimmen aus der bevölkerung beizumischen?

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    möchten Sie denn stellvertretend für die muslimische Seite fragen ? Da sind mindestens 1 dutzend Organisationen die für sich den Anspruch erheben für die in Deutschland lebenden Mosleme zu sprechen! Von denen würden (allerdings nur in diesem Fall) höchstens 2 verschiedene Einschaetzungen zu hören sein:
     entweder - der Geplante Moscheebau ist zu klein
    oder - der Geplante Moscheebau müsste grösser ausfallen 
    Loht also keine Nachfrage !
     Meine Einschaetzung ist mit der des Herrn Wallraf fast identisch besonders gut hat er die Gefahr die vom Ditib und dem Amt für religiöse Angelegenheiten in der Türkei ausgeht sehr gut erkannt! Das sollten sich Brüsseler Bürokraten auch mal vor Augen halten wenn sie sich Sorgen um die Schliessung der ach so demokratischen AK Partei macht - diese Partei hat den Etat des Religionsministeriums mal gerade versiebenfacht!
    Ob die Minrete einer Moschee hier 10 Meter höher sind oder nicht sollte uns Deutsche in unserem Selbstbewusstsein nicht beeindrucken, solange keine Lautsprecher darauf sind die dann gleich noch 5 Mal am Tag losplaerren! Hier ginge die Religionsfreiheit zu weit - das ist schlicht Ruhestörung und wird sicher nie genehmigt!
     

    möchten Sie denn stellvertretend für die muslimische Seite fragen ? Da sind mindestens 1 dutzend Organisationen die für sich den Anspruch erheben für die in Deutschland lebenden Mosleme zu sprechen! Von denen würden (allerdings nur in diesem Fall) höchstens 2 verschiedene Einschaetzungen zu hören sein:
     entweder - der Geplante Moscheebau ist zu klein
    oder - der Geplante Moscheebau müsste grösser ausfallen 
    Loht also keine Nachfrage !
     Meine Einschaetzung ist mit der des Herrn Wallraf fast identisch besonders gut hat er die Gefahr die vom Ditib und dem Amt für religiöse Angelegenheiten in der Türkei ausgeht sehr gut erkannt! Das sollten sich Brüsseler Bürokraten auch mal vor Augen halten wenn sie sich Sorgen um die Schliessung der ach so demokratischen AK Partei macht - diese Partei hat den Etat des Religionsministeriums mal gerade versiebenfacht!
    Ob die Minrete einer Moschee hier 10 Meter höher sind oder nicht sollte uns Deutsche in unserem Selbstbewusstsein nicht beeindrucken, solange keine Lautsprecher darauf sind die dann gleich noch 5 Mal am Tag losplaerren! Hier ginge die Religionsfreiheit zu weit - das ist schlicht Ruhestörung und wird sicher nie genehmigt!
     

    • Rahab
    • 06.09.2008 um 17:15 Uhr
    6. stimmt

    kaum befolgt ist in kommentar 1 zu besichtigen.

    • Anonym
    • 06.09.2008 um 17:23 Uhr

    (auf Wunsch des Benutzers entfernt. Die Redaktion/jk)

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    • Anonym
    • 06.09.2008 um 17:26 Uhr

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    • Anonym
    • 06.09.2008 um 17:26 Uhr

    (Auf Wunsch des Benutzers entfernt. Die Redaktion/jk)

    • Anonym
    • 06.09.2008 um 17:26 Uhr
    8. (...)

    (Auf Wunsch des Benutzers entfernt. Die Redaktion/jk)

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  • Quelle DIE ZEIT, 04.09.2008 Nr. 37
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