Linz - Pathos, ein bisschen Pop und ganz viel Heimatstolz. Das erwarten sich die 2000 Menschen, die sich am Freitag vergangener Woche auf dem Hauptplatz in der oberösterreichischen Landeshauptstadt versammelt haben. Beim Wahlkampfauftakt der FPÖ wollen sie ein spritziges Feuerwerk erleben. Parteichef Heinz Christian Strache soll sie unterhalten, das ist das Mindeste. Sie tragen Kappen, bedruckt mit seinem Namen, und T-Shirts mit seinem Konterfei in verwegener Che-Guevara-Optik. Nach einer Stunde Warten ist es so weit. Wie ein Tingeltangelentertainer tänzelt ihr Messias mit einer rot-weiß-roten Fahne in der Hand auf die Bühne. Aus den Lautsprecherboxen donnern die Paukenschläge aus Carl Orffs pompöser Kantate Carmina Burana. Laut und wütend und mit langsam versagenden Stimmbändern wettert Strache gegen die Große Koalition, die EU, den Verräter Jörg Haider und natürlich gegen die Ausländer, die nicht dieselben Vorteile wie Österreicher genießen sollen. Eine Hetzrede wie aus dem Bilderbuch, möchte man meinen. Doch die eigens aus dem Ausland angereisten Journalisten sind enttäuscht. Auf eine skandalöse Darbietung warten sie vergeblich. Zu zahm ist ihnen der blaue Trommler diesmal. Sie wissen, es ging schon einmal lauter, wütender und vor allem radikaler.

Es hat sich was getan in der Wahlkampfstrategie der Freiheitlichen. Die Parteielite verzichtet auf wüste Beschimpfungen und absurde Forderungen wie jene nach einer »medizinischen Kastration von Kinderschändern«. Auch abstruse Beleidigungen des Religionsgründers Mohammed, die noch bei den Grazer Gemeinderatswahlen Anfang dieses Jahres für internationale Empörung sorgten, bleiben diesmal aus.

Es ist ein neuer Kurs, den sich die FPÖ diesmal für ihren Wahlkampf verordnet hat: Nationalismus ohne allzu lautes Poltern, sozialpolitischer Populismus statt platter Hetze. Das rechte Getöse bleibt gedämpft, die Führung verlangt mehr Stromlinienform. So scheint es jedenfalls bislang. Mit einem »inländerfreundlichen« Kurs als »soziale Heimatpartei«, wie Wahlkampfstratege Herbert Kickl die Freiheitlichen nennt, will die FPÖ bis zu 20 Prozent der Stimmen erreichen. Frauen und Pensionisten, die bislang die SPÖ wählten, sollen nun ins freiheitliche Boot gelockt werden. Meinungsforscher sehen in diesen Wählersegmenten ein starkes Wachstumspotenzial für die Freiheitlichen. Die FPÖ hat diese Chance erkannt. Daham statt Islam hat ausgedient, nun verkünden die Wahlplakate Gerechtigkeit für unsere Leut’.

Hat da ein Wolf Kreide gefressen? Oder sind die rechten Recken im Ausgedinge gelandet? Und bleiben bald nur mehr die freiheitliche Übermutter Barbara Rosenkranz, die laut Europäischem Menschenrechtsgerichtshof als »Kellernazi« bezeichnet werden darf, und ihr Mann Horst Jakob Rosenkranz, einst Aktivist der verbotenen NPD und seit 1991 Vorsitzender der Kritischen Demokraten, einer rechtsextremen Gruppierung, als einsames Gralshüterduo übrig? Mitnichten.

Nach den politischen Parvenüs sind wieder Burschenschafter am Ruder

Als Strache vor drei Jahren die Parteiführung übernahm, begannen die rechten Ideologen mit einem personellen Umbau, der jetzt kurz vor den Wahlen so gut wie abgeschlossen ist. Die Bundesliste der FPÖ liest sich wie ein Führer durch die deutschnationale Burschenschafter-Landschaft. Werner Neubauer etwa – eingeschrieben bei der Teutonia Linz und fleißiger Autor des Burschenschafter-Zentralorgans Aula – ist auf Platz sechs gereiht. Gefolgt von Harald Stefan, einem Wiener Anwalt und Olympia-Burschenschafter.

Als einer der letzten liberalen Geister in der Partei gilt derzeit Peter Fichtenbauer. Aber auch der niederösterreichische Anwalt, der heute von der »neuen Breite« der Partei schwärmt, ist einschlägig vorbelastet. Er diente dem Verein zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny als Vizeobmann. Das NS-Fliegerass Nowotny wird von Neonazis, aber auch von Mitgliedern des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ) als heroische Siegfried-Gestalt verehrt.

Während unter Jörg Haiders Parteiführung die legendäre Buberlpartei politischer Parvenüs zum Zug kam, haben heute die jungen Männer aus deutschnationalen Burschenschaften und freiheitlichen Vorfeldorganisationen wie dem RFJ die besten Chancen auf eine Karriere in der FPÖ. Udo Landbauer ist einer von ihnen. Mit gerade einmal 22 Jahren kandidiert er auf dem eher aussichtslosen 21. Platz der Bundesliste. Seine Kandidatur sendet ein Signal an die rechten Kameraden. Landbauer gehört der Burschenschaft Germania an und ist seit acht Jahren beim RFJ aktiv. Wie auch der junge Wiener Gemeinderat und ehemalige RFJ-Vorsitzende Johann Gudenus, ein Vorreiter der rechten Parteiwende, stellt Landbauer offen das NS-Verbotsgesetz infrage – in seiner Szene ein wichtiges Element aufrechter Gesinnung.