DIE ZEIT: In der Hitliste der Zielländer deutscher Austauschschüler tauchen erst auf den Plätzen 14 bis 16 Staaten Osteuropas auf – sind diese Länder für viele nur der Trostpreis, wenn Amerika nicht klappt?

RITA STEGEN: Nicht unbedingt. Eine Menge Schüler gibt ein osteuropäisches Land bereits als Zweit- oder Drittwahl an – oder gar als Erstwunsch.

ZEIT: Das Interesse auf deutscher Seite nimmt also wenigstens zu?

STEGEN: Es gibt ein leichtes Wachstum. Die Austauschorganisationen haben in den Neunzigern angefangen, Programme mit Ländern in Osteuropa aufzubauen und in Deutschland Strukturen zu schaffen, um Schüler von dort aufzunehmen. Je mehr und je positiver die Jugendlichen von ihren Erfahrungen berichten, desto stärker steigt das Interesse.

ZEIT: Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Schülern, die von dort zurückkehren?

Rita Stegen, 37, vom Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch- organisationen © privat

STEGEN: Immer wieder hören wir: »Es war fantastisch, ich hätte mir kein besseres Land vorstellen können.« Wenn man einem Schüler ein Land anbietet, an das er vielleicht nicht ein erster Linie gedacht hat, hört man doch in 95 Prozent der Fälle: »Gut, dass ich dort war, es war eine unglaubliche Horizonterweiterung.«

ZEIT: An Sprachkenntnissen ist aber doch vor allem Englisch gefragt, Tschechisch oder Polnisch wirken auf den ersten Blick nicht so karrierefördernd…

STEGEN: Gerade hinsichtlich der vollzogenen und noch bevorstehenden EU-Erweiterungen sind sprachliche und interkulturelle Kompetenzen aus Osteuropa sehr wertvoll. Mit Slowenisch oder Kroatisch erschließt man sich einen Kulturraum von der österreichischen Grenze bis ans Schwarze Meer. Und wenn man eine slawische Sprache gelernt hat, kann man sich eine andere slawische Sprache leichter erschließen.

Interview: Thomas Röbke