Ein Jahr in der Ukraine: Anna Bogdahn

»Ich will perfekt Russisch reden, ich liebe diese Sprache«, sagt Anna Bogdahn. Eine Freundin, die sich für einen Schüleraustausch in den USA bewarb, wusste davon und drückte ihr die Angebote für Russland und die Ukraine in die Hand. »Ich habe mich dann auf blauen Dunst für beide Länder beworben«, sagt Bogdahn. Dass es die Ukraine wurde, sei kein Problem gewesen: Auch dort wird viel Russisch gesprochen, sodass Anna Bogdahn gleichzeitig ihr Russisch verbessern und passabel Ukrainisch lernen konnte. Der Rechtfertigungszwang gegenüber ihren Mitschülern, warum sie denn nicht in die USA gehe, habe richtig genervt, sagt sie: »Irgendwann wollte ich gar nicht mehr darüber reden.« Heute zeigt sie den Zweiflern von damals die Fotos aus Kiew, »und dann sagen alle: Oh, wie toll, da will ich auch hin.«

Anna Bogdahn, 17, aus Magdeburg war 2007/08 in der Ukraine © privat

Bogdahn wohnte direkt in der Hauptstadt. Ein Leben auf dem Land hätte sie sich auch vorstellen können, aber das Großstadtleben war »sicher eine Stufe besser«. Auf die Landerfahrungen musste sie auch nicht verzichten, schließlich durfte sie mit ihrer Gastoma auf der Datscha per Hand die Kartoffeln setzen – und es war eine große Datscha…

Nicht nur von der Gastfamilie, sondern auch in der Schule wurde sie »total nett aufgenommen«. Auch in der Bevölkerung waren keine Vorbehalte gegenüber dem Gast aus Deutschland zu spüren. Obwohl Ukrainisch die offizielle und damit auch Schulsprache ist, konnte sie sich überall auf Russisch verständigen – und im privaten Kreis sowieso.

Der Unterricht war weniger anspruchsvoll als in Deutschland. »Viel weniger Stoff, das Abitur gibt es nach der elften Klasse, und man braucht nur eine Fremdsprache.« Neben den Schuluniformen sei vor allem der rustikale Ton der Lehrer gewöhnungsbedürftig gewesen: »In Deutschland würde sich kein Schüler so anschreien lassen.« Ihre Entscheidung hat Anna Bogdahn trotzdem nie bereut.