Medizin-EthikAkt der Liebe

Der Papst ist Organspender. Doch nur wenige Mitglieder der christlichen Kirche wollen seinem guten Beispiel folgen

Papst Benedikt hat ein Herz für seine Mitmenschen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die italienische Zeitung Il Messagero enthüllte vergangene Woche, dass der Heilige Vater schon seit 1980 einen Organspendeausweis mit sich herumträgt und die Weitergabe der eigenen Organe nach dem Tod als einen »Akt der Liebe, der Zuneigung und der Bereitschaft« begreift.

Man muss sich nun gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn der päpstliche Ernstfall eintreten sollte. Dass Benedikt mit gutem Beispiel vorangeht, ist ein deutliches Signal – an seine Kirche, in der der Hirntod als Kriterium fürs Lebensende noch immer umstritten ist, und an seine deutschen Landsleute, von denen im europäischen Vergleich noch immer viel zu wenige den Spenderausweis haben.

Neben irrationalen Ängsten und der Weigerung, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, spielen bei vielen Menschen gewiss auch diffuse religiöse Motive eine Rolle. Da ist es gut, wenn der Papst klarstellt, dass auch ein Mensch ohne Herz oder Niere komplett im Himmel ankommt.

 
Leserkommentare
    • KFlash
    • 11.09.2008 um 13:05 Uhr

    Will man den Mangel an Spendern beseitigen kann man das ganz einfach tun.
    Per Gesetz gilt jeder volljährige Verstorbene als Organspendern, wenn er nicht zu Lebzeiten aktiv wiedersprochen hat.

    Quasi ein OptOut Verfahren, statt ein OptIn wie bis jetzt.
    Vielen Menschen (wie mir) ist es nämlich prinzipiell egal, nur haben sie keine Lust und Zeit sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich bin mir sicher, dass betrifft ca. 20% der Bevölkerung. Man stelle sich einmal die Menge an Menschen vor: 16.000.000 potentielle Spender.

  1. "Neben irrationalen Ängsten und der Weigerung, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen"
    klatsch, und wieder rein in's vorurteil!
    so kann nur jemand reden, der sich nie wirklich gedanken gemacht hat -- die klassische werbekampagne für organspenden läuft nämlich nach dem schema cma: "fleisch aus deutschen landen." mit moralischer einschüchterung (wer kann gegen die schauergeschichten leidender kinder/eltern/... argumentieren?) und einer reduzierung auf fleischerhandwerk wird für organspende geworben.
    eine ernsthafte auseinandersetzung mit den "irrationalen" ängsten findet nämlich nicht statt - stattdessen werden leute, die befürchtungen haben (es weiss ja eben keiner, was nach dem tod ist -- und es ist noch kein spender wiedergekommen, der gesagt hat "war nicht schlimm") mit tollen urteilen wie dem ihren abgewatscht und ihnen damit implizit gesagt, dass sie nicht denken sollen, sondern unterschreiben.
    statt die bedenken einer grossen menge potentieller spender ernstzunehmen, werden sie für inkompetent erklärt.
    auf diese weise werden die zahlen der ausweisinhaber kaum zu erhöhen sein.

  2. Redaktion

    ... bitte gern geschehen! Ich habe mir allerdings schon eine Menge Gedanken gemacht und wüsste jetzt gern, was denn nun die Bedenken sind. Es weiß ja wirklich niemand, wohin man den nun nach dem Tod kommt. Aber dass jemand seine Organe dahin mitgenommen hätte, davon habe ich noch nie gehört.

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    • QUOTE
    • 12.09.2008 um 19:22 Uhr

    Daß unser Gesundheitssystem durch und durch korrupt ist, eventuell?

    A
    B
    C
    D

    Welche Bemühungen um mein Leben habe ich als Organspender wohl zu erwarten, wenn ich solchen Leuten die Entscheidung überlasse, ob sie das Beatmungsgerät ausschalten und meine Organe entnehmen dürfen, wenn gleichzeitig auf der Privatstation ein zahlungkräftiger potentieller Empfänger liegt?

    Meine einzige Chance in diesem Fall ist doch, daß ich für sie LEBENDIG WERTVOLLER bin, als TOT.

    • QUOTE
    • 12.09.2008 um 19:22 Uhr

    Daß unser Gesundheitssystem durch und durch korrupt ist, eventuell?

    A
    B
    C
    D

    Welche Bemühungen um mein Leben habe ich als Organspender wohl zu erwarten, wenn ich solchen Leuten die Entscheidung überlasse, ob sie das Beatmungsgerät ausschalten und meine Organe entnehmen dürfen, wenn gleichzeitig auf der Privatstation ein zahlungkräftiger potentieller Empfänger liegt?

    Meine einzige Chance in diesem Fall ist doch, daß ich für sie LEBENDIG WERTVOLLER bin, als TOT.

  3. Ich meine, bevor sie vielleicht der Teufel holt.

    • selko
    • 11.09.2008 um 19:04 Uhr

    Na gut. Niemand weiss mit absoluter Gewissheit, ob wir nach dem Tod für fehlende Organe bestraft werden, ob wir für gespendete Organe belohnt werden, oder ob diesbezüglich gar nichts weiter passiert.

    Was wir hingegen mit absoluter Gewissheit wissen, ist, dass die Spende von Organen lebenden Menschen helfen kann.

    Rational betrachtet ist eine Organspende daher sinnvoll, sofern man bereit ist, einen möglichen Verlust zugunsten eines sicheren Gewinns in Kauf zu nehmen.

    Selbst der möglicherweise entstehende Nachteil wäre menschheitsübergreifend aber kein solcher, da sich im Falle einer späteren Bestrafung lediglich deren Zielperson ändern würde.

    Und mal ehrlich: Wenn wir nach dem Tod wirklich in eine Welt übergehen, in der man für die Verlängerung anderer Menschen Leben bestraft wird - sollte das alleine nicht schon Grund genug sein, jeden Lebenden so lange wie möglich von dieser Welt fernzuhalten?

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    und eine Überlegung wert.

    und eine Überlegung wert.

  4. und eine Überlegung wert.

    Antwort auf "Sorgfältige Abwägung"
    • QUOTE
    • 12.09.2008 um 19:22 Uhr

    Daß unser Gesundheitssystem durch und durch korrupt ist, eventuell?

    A
    B
    C
    D

    Welche Bemühungen um mein Leben habe ich als Organspender wohl zu erwarten, wenn ich solchen Leuten die Entscheidung überlasse, ob sie das Beatmungsgerät ausschalten und meine Organe entnehmen dürfen, wenn gleichzeitig auf der Privatstation ein zahlungkräftiger potentieller Empfänger liegt?

    Meine einzige Chance in diesem Fall ist doch, daß ich für sie LEBENDIG WERTVOLLER bin, als TOT.

    Antwort auf "Danke ..."
    • QUOTE
    • 13.09.2008 um 11:05 Uhr

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  • Quelle DIE ZEIT, 11.09.2008 Nr. 38
  • Kommentare 18
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