Datenspeicherung: Googles Backup an der Nordsee
Der weltgrößte Suchmaschinenkonzern errichtet an der niederländischen Küste ein gewaltiges Datenzentrum – Besucher sind dort unerwünscht

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Das Google-Logo prangt nicht am Bauzaun: Über die Standorte ihrer Datencenter redet die Suchmaschinenfirma nicht gern
Irgendwann im September, man legt sich da nicht so fest, werden zehn Kerzen das Google-Logo im Netz zieren. Und im Googleplex, dem Hauptquartier der Firma im kalifornischen Mountain View, wird man eine Riesenparty feiern: Zehn Jahre ist es her, dass die Suchmaschine ans Netz ging. Es wird eine bunte Feier sein, ganz in Blau, Rot, Gelb und Grün, und man wird wieder lesen können, wie locker und offen es doch zugeht bei den Turnschuh-Milliardären Larry Page und Sergey Brin.
Das ist die eine Wirklichkeit von Google – die andere ist grau, unspektakulär und eher verschlossen. Dieses andere Google kann man in diesen Tagen in einem Industrieareal im niederländischen Eemshaven besichtigen: ein lang gestrecktes Fabrikgebäude ohne Türschild und fast ohne Fenster, neben dem Schafe und Rinder friedlich grasen. Hier an der Nordseeküste, gegenüber der Insel Borkum, baut der Suchmaschinenriese eines der größten Datenzentren in Europa. Wenn es fertig ist, sollen 100.000 Hochleistungsrechner auf ihren Festplatten das Internet speichern.
In den zehn Jahren seines Bestehens hat Google die Welt verändert. Das Verb »googeln« steht mittlerweile im Duden. Und längst ist Google nicht mehr nur Internetsuche, darum gruppiert sich ein ganzer Strauß von Anwendungen: die Suche in Büchern, die Google eingescannt hat, webbasierte Bürosoftware, das Videoportal YouTube, die automatisch zusammengestellte Nachrichtenseite Google News und schließlich Google Earth, mit dem jeder Anwender auf Satellitenbilder zugreifen kann. Alles kostenlos für den Nutzer, denn finanziert wird Google fast ausschließlich über Anzeigen, die es auf den eigenen und auf fremden Seiten platziert.
Blickt man mit Google Earth auf Eemshaven, dann sieht man an der Kreuzung von Kwelderweg und Huibertgatweg nur grüne Wiese. Das Satellitenfoto ist wohl lange nicht mehr aktualisiert worden – ein Schelm, wer Absicht dahinter vermutet. Während Besucher im Hauptquartier des Unternehmens gern herumgeführt werden und man die für die Mitarbeiter kostenlosen Sportanlagen und Cafés vorführt, hält man Gäste aus den Maschinenräumen der Firma lieber heraus. In das neue Rechnergebäude kommt keiner herein, der nicht zum Personal gehört oder als Lieferant zusätzliche Serverschränke, Großrechner und frisches Netzwerkzubehör herantransportiert. Google veröffentlicht keine Liste seiner großen Serverfarmen und Scannerfabriken und auch keine Daten über den Stromverbrauch.
Und während das Logo des Suchriesen im Web omnipräsent ist, fehlt es in Eemshaven gänzlich. In den Registern der Hafenbehörde und der Gewerbekammer ist die Firma TCN als Besitzerin des Rechenzentrums aufgeführt, die mit 300 Angestellten europaweit mehrere Anlagen betreibt. Offiziell überlässt sie den Platz in den Serverschränken verschiedenen Untermietern, von denen Google der größte sei. Vieles deutet allerdings darauf hin, dass Google in Eemshaven der einzige Mieter ist.
Wie sein Rivale Microsoft gibt Google Milliarden für neue, riesige Datenfabriken in aller Welt aus. »Es geht darum, die Inhalte näher zu den Nutzern zu rücken«, bestätigt der Schweizer Unternehmenssprecher Matthias Graf. In Eemshaven werden Kopien von Milliarden Webseiten aus aller Welt die Großrechner füllen; gezielt will man damit europäische Internetsurfer bedienen – je kürzer die Distanz zwischen Server und Nutzer, desto schneller kommen Suchergebnisse an.
Würde das Web aus irgendeinem Grund komplett gelöscht, könnte man es aus den Datenbeständen von Google weitgehend wiederherstellen. Daneben sollen auf den Servern in Eemshaven auch viele Anwendungen und Dienste laufen, auf die Nutzer des vergangene Woche veröffentlichten Webbrowsers Google Chrome zugreifen können. Und weil beim Speichern von Daten doppelt genäht besser hält, baut der Suchriese in Belgien gleich noch ein zweites, ähnliches Rechenzentrum.
Das Dach der kalifornischen Zentrale ist mit Solarzellen gepflastert – ein Symbol dafür, dass Google mit seinen Rechenzentren dahin geht, wo es möglichst preiswerten Strom gibt. Auch die holländische Einöde zwischen Hochwasserdeichen und aufgeschüttetem, dem Meer abgerungenem Land hat sich die Firma als Standort ausgesucht, weil hier Energieriesen wie die deutsche RWE und die niederländische Essent gewaltige Kraftwerke planen.
In der Nähe steht die Kopfstation einer 576 Kilometer langen Unterwasserhochspannungsleitung nach Norwegen. Ebenfalls nicht weit entfernt taucht eine superschnelle Glasfaserdatenverbindung aus der Nordsee auf. Sie verbindet Eemshaven mit der englischen Westküste und vernetzt Google in den Niederlanden mit Google in den USA. Googles Hunger nach Daten und Strom ist gewaltig. Im Vollausbau wird das Rechenzentrum in Eemshaven 36 Megawatt verbrauchen. Das entspricht dem Bedarf von 80.000 Haushalten.
Mit öffentlichen Erklärungen zu seiner Standortpolitik hält sich Google zurück. Die Firma gibt öffentlich nur bekannt, was sich ohnehin nicht verbergen lässt. Auch die Anwerbung von Personal für die Datenfabrik verläuft diskret. Gesucht werden Leute, die sich »bestens mit verschiedenen Linux-Betriebssystemen auskennen und auf täglicher Basis in der Lage sind, Lasten bis 10 Kilogramm zu tragen«, heißt es in internen Stellenausschreibungen. Bewerber sollen auch Verschleißteile wie Festplatten oder Arbeitsspeicher in Servern wechseln können.
Trotz aller Verschwiegenheit fallen die Leute von Google in Eemshaven durch Kleidung und Sitte auf. »Ja, wir haben schon gehört, dass sie hier sein sollen«, sagen die Esser am Mittagstisch im Imbissrestaurant Molenzicht am nördlichen Ende des Hafens. Nur essen die Google-Mitarbeiter offenbar anderswo. Selbst ohne Logo an der Kleidung würden sie nämlich sofort erkannt – weil sie keine leuchtfarbenen Schutzhelme tragen wie die Hafenarbeiter, die Beschäftigten der Kraftwerke und die Baggerfahrer, die an diesem Ort das Straßenbild bestimmen. Google war schon immer ein bisschen anders.
Mitarbeit: Christoph Drösser







Es ist doch schön von google, so was zu bauen, so was in Angriff zu nehmen.
An solchen Artikeln finde ich es störend, kein Redakteur kommt ohne irgendwelche Nackenschläge für den Betreiber, hier ist es google, oder irgendein Konkurrenzdenken, hier ist es microsoft, aus.
Warum müssen sich die Redakteure eigentlich immer anderer Leute Köpfe zerbrechen. Es reicht doch, wenn man sachlich berichtet.
Der größte Teil der Leser hat sicherlich eine eigene Meinung!
Viele Grüße von talkletts
Zeigen Sie mir bitte ein Rechenzentrum, in das man einfach so reinspazieren kann.
Das ein Rechenzentrum unter anderen Sicherheitsaspekten als ein Kaufhaus geführt wird, ist ja wohl selbstverständlich.
Gruß DooOdu
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Wer meint, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.
"In Eemshaven werden Kopien von Milliarden Webseiten aus aller Welt die Großrechner füllen"
Das werden sie wohl nicht, denn Google ist gerade bekannt dafuer, keine "Großrechner" zu benutzen, sondern normale PCs.
[...] Wer will schon seinen empfindlichen Stellen zu genau zeigen. Man hat etwas angst vor einem physischen Angriff auf die Serverfarm. Irgendwie auch logisch.
[Gekürzt, bitte beachten Sie, dass wir in diesem Rahmen keine Werbung wünschen. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]
also ich finde es beruhigend das meine Person auch hier in europa gespeichert isrt und nichtirgendwo in der weiten weiten Welt.
little by little we gave you everything you ever dreamed of
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