Volk Wir EingeborenenSeite 3/3

Ein Kazike aus der Nachbarsiedlung, der sich als Jaime vorstellt, tritt hinzu. Er ist 41 Jahre alt, ein kräftiger, untersetzter Mann mit pechschwarzem Schopf, dessen klobige Krankenkassenbrille einen seltsamen Gegensatz zum streichholzlangen Pflock bildet, der seine Nasenscheidewand durchbohrt. »Die alte Zeit war viel besser«, sagt Jaime. »Wir hatten unsere Kultur. Es ist für jedes Volk schade, wenn es seine Kultur verliert.« Den Nambikwara fehlen die Eigenschaften, um in der Welt der Eroberer zu bestehen; sie kennen den »Geist des Wettbewerbs« nicht und begehren keine Machtpositionen, stellt Lévi-Strauss fest.

Als Rondon seine Telegrafenlinie baute und immer mehr Goldgräber, Kautschukzapfer, Diamantensucher und Viehzüchter das Land der Indios okkupierten, begannen diese sich zu wehren. 1933 töteten die Nambikwara in der protestantischen Missionsstation Juruena sechs Menschen – ein Akt verzweifelter Selbstverteidigung. Bei der Ankunft der europäischen Kolonialherren lebten auf dem Kontinent fünf Millionen Indianer, heute sind es noch rund 350.000. Die Ethnologen sind als »Entdecker« und Erforscher der Urvölker immer auch Chronisten ihres Untergangs. Weltweit existieren nur noch rund 5.000 dieser Gemeinschaften, allerorten sind sie durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen bedroht, sie werden vertrieben, zwangsumgesiedelt oder ausgerottet. Der Ethnograf stehe dem Verfall alter Kulturen gegenüber wie der Astronom den sich von ihm entfernenden Sternen, schreibt Lévi-Strauss. Alle Ethnien, die er untersucht hat, sind mehr denn je gefährdet: durch »weiße« Krankheiten, durch Alkohol- und Drogensucht, durch die Todesschwadronen landhungriger Großgrundbesitzer.

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Moderne Ethnologie ist die Selbstauslegung im Fremden

Unlängst ging das spektakuläre Bild von einem »Stamm« um die Welt, der angeblich noch unentdeckt ist. Man sah in einer Lichtung im Regenwald ein paar kupferrot leuchtende Männer; sie schossen Pfeile auf einen Hubschrauber, der gerade die Blätterdächer ihrer Hütten überflog. Sie lehnen unsere räuberische Zivilisation ab, sie wollen so leben, wie sie seit Menschengedenken gelebt haben.

Eine Windhose fegt durch das Lager und wirbelt den Abfall in ihrem Sogtrichter in die Luft. »Macht sauber«, sagt Jaime und lacht. Vor der Hütte nebenan knistert ein Feuer, drei Steine, darauf ein Tiegel – die Kochstelle, unverändert seit dem Neolithikum. Weil es bei allen Urvölkern so ist, deuten wir gerne das glückliche Kindesalter der Menschheit in sie hinein und romantisieren sie als »Überlebende der Steinzeit«. Wir erliegen wie Lévi-Strauss einer »morbiden Faszination«. Er war hingerissen von der »naiven und bezaubernden animalischen Zufriedenheit« der Nambikwara.

Aber die Menschen, die uns begegnen, wirken überhaupt nicht glücklich und zufrieden. In ihrer schmucklosen Armut nisten Gleichgültigkeit und Selbstaufgabe, und wir empfinden, was schon Lévi-Strauss empfunden hat: Mitleid mit diesen »von einer unerbittlichen Katastrophe zu Boden gedrückten Menschen«. Dieses Gefühl schlägt den Grundton seines wunderbaren Hauptwerkes Tristes Tropique an, in dem er die Expedition zu den Indianern nacherzählt. Es ist das schönste und traurigste Buch, das uns die Ethnologie geschenkt hat. Lévi-Strauss entlarvt unsere Wahrnehmung des »edlen Wilden« als reine Projektion – sie hat mehr mit unserer eigenen Sehnsucht zu tun als mit dessen sozialer Wirklichkeit. Am Ende weiß man nicht, ob die verblüffendste Erkenntnis, die Lévi-Strauss in Brasilien gewann, ein Trost ist: La pensée sauvage, das Denken der Wilden, folge der universellen Logik des menschlichen Geistes. Sie denken wie wir, und wir denken wie sie. »Ich habe einen neolithischen Verstand«, postuliert Lévi-Strauss. Er bewies, was viele Völkerkundler vor ihm ahnten, aber verdrängten: dass die Betrachtung anderer Kulturen stets auf unsere eigene zurückverweist. Moderne Ethnologie ist Selbstauslegung im Fremden.

Wir fragen den Kaziken Jaime nach seinem größten Wunsch. Er versteht die Frage nicht. Oder es gelingt uns nicht, sie in seine Sprache, die er Yainjausu nennt, zu übersetzen. Wir hätten dazu Curt Unckel aus Jena gebraucht, den ersten Völkerkundler, der vor hundert Jahren unter den Nambikwara gelebt und ihre Sprache gesprochen hat. Lévi-Strauss verstand nur ein paar Floskeln, dennoch konnte er ihre sozialen und religiösen Strukturen genau dokumentieren. Aber die alte Kultur der Nambikwara ist gestorben, und eine neue wurde nicht geboren. Die Ureinwohner sind verwahrlost und im Niemandsland zwischen Tradition und Moderne in einer grüblerischen Melancholie versunken. »In 508 Jahren hat sich bei uns kein Stamm wirklich der Zivilisation anpassen können«, bilanziert der legendäre Indianerexperte Sidney Possuelo.

Wir verlassen das Lager und fahren wieder an den Silos von Cargill vorbei, an diesen stählernen Kathedralen der Agroindustrie. Als wir in die Teerstraße einbiegen, geht uns der Schlusssatz von Claude Lévi-Strauss durch den Kopf: »Ich hatte eine auf ihren einfachsten Ausdruck reduzierte Gesellschaft gesucht. Die der Nambikwara war so einfach, dass ich in ihr nur Menschen fand.«

Literatur zum Thema:

Bartolomé de Las Casas: Bericht von der Verwüstung westindischer Länder
Insel 2005; 246 S., 7,50 €

Claude Lévi-Strauss: Traurige Tropen
Suhrkamp 1978; 424 S., 14 €

Nigel Barley: Die Raupenplage
Von einem, der auszog, Ethnologie zu betreiben; dtv 1998; 190 S., 19,50 €

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Das Grundgesetz definiert - nach den ausgiebigen Diskussionen während der Rittersturz-Konferenz der westlichen Ministerpräsidenten aufgrund des erteilten Handlungsauftrages mit Genehmigungsschreiben der drei Mächte:

    Artikel 146

    Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.

    Art.133 GG

    Der Bund tritt in die Rechte und Pflichten der Verwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes ein.

    Genehmigungsschreiben der Militärgouverneure der britischen, französischen und amerikanischen Besatzungszone zum Grundgesetz

    vom 12. Mai 1949

    Herrn Dr. Konrad Adenauer
    Präsident des Parlamentarischen Rates
    Bonn

    Sehr geehrter Herr Dr. Adenauer !

    1. Das am 8. Mai vom Parlamentarischen Rat angenommene Grundgesetz hat unsere sorgfältige und interessierte Aufmerksamkeit gefunden. Nach unserer Auffassung verbindet es in glücklicher Weise deutsche demokratische Überlieferung mit den Prinzipien einer repräsentativen Regierung und einer Rechtsordnung, die die Welt als für das Leben eines freien Volkes unerläßlich betrachtet.

    2. Indem wir die Verfassung genehmigen, damit sie gemäß Artikel 144 (1) dem deutschen Volke zur Ratifizierung unterbreitet werde, nehmen wir an, daß Sie verstehen werden, daß wir verschiedene Vorbehalte machen müssen. Zum ersten unterliegen die Befugnisse, die dem Bund durch das Grundgesetz übertragen werden, sowie die von den Ländern und den örtlichen Verwaltungskörperschaften ausgeübten Befugnisse den Bestimmungen des Besatzungsstatutes, das wir Ihnen schon übermittelt haben und das mit dem heutigen Datum verkündet wird.

    3. Zweitens versteht es sich, daß die Polizeibefugnisse, wie sie in Artikel 91(2) enthalten sind, nicht ausgeübt werden dürfen, bis sie von den Besatzungsbehörden ausdrücklich gebilligt sind. In gleicher Weise sollen die übrigen Polizeifunktionen des Bundes im Einklang mit dem in dieser Frage an Sie gerichteten Schreiben vom 14. 4. 49 ausgeübt werden.

    4. Ein dritter Vorbehalt betrifft die Beteiligung Groß-Berlins am Bund. Wir interpretieren den Inhalt der Artikel 23 und 144 (2) des Grundgesetzes dahin, daß er die Annahme unseres früheren Ersuchens darstellt, demzufolge Berlin keine abstimmungsberechtigte Mitgliedschaft im Bundestag oder Bundesrat erhalten und auch nicht durch den Bund regiert werden wird, daß es jedoch eine beschränkte Anzahl Vertreter zur Teilnahme an den Sitzungen dieser gesetzgebenden Körperschaften benennen darf.

    5. Ein vierter Vorbehalt bezieht sich auf die Artikel 29 und 118 und die allgemeinen Fragen der Neufestsetzung der Ländergrenzen. Abgesehen von Württemberg-Baden und -Hohenzollern hat sich unsere Haltung in dieser Frage, seitdem wir die Angelegenheit mit Ihnen am 2. März besprochen haben, nicht geändert. Sofern nicht die Hohen Kommissare einstimmig eine Änderung dieser Haltung beschließen, sollen die in den genannten Artikeln festgelegten Befugnisse nicht ausgeübt werden und die Grenzen aller Länder mit Ausnahme von Württemberg-Baden und -Hohenzollern bis zum Zeitpunkt des Friedensvertrages, so wie sie jetzt festgelegt sind, bestehen bleiben.

    siehe hierzu auch das Dokument Nr. II der "Frankfurter Dokumente" vom 1. Juli 1948.

    hier hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen, der sich durch alle (mir zugänglichen) Veröffentlichungen zieht: anstelle der Worte "mit Ausnahme von Württemberg-Baden und -Hohenzollern" muss es wohl richtig heißen "Württemberg, Baden und Hohenzollern"; gemeint sind die drei früheren Länder Baden-Württembergs: Württemberg-Baden. Württemberg-Hohenzollern und Baden, nicht nur die beiden aufgeführten!.

    6. Wir sind fünftens der Auffassung, daß Artikel 84, Absatz 5, und Artikel 87, Absatz 3, dem Bund sehr weitgehende Befugnisse auf dem Gebiet der Verwaltung geben. Die Hohen Kommissare werden der Ausübung dieser Befugnisse sorgfältige Beachtung schenken müssen, um sicherzustellen, daß sie nicht zu einer übermäßigen Machtkonzentration führen.

    7. Bei unserer Zusammenkunft mit Ihnen am 25. April unterbreiteten wir Ihnen eine Formel, in der auf englisch der Sinn des Artikels 72 (2), 3, wiedergegeben war. Diese Formel, die Sie annahmen, da Sie Ihre Auffassung wiedergebe, lautete wie folgt:
    "... weil die Wahrung der Rechts- oder wirtschaftlichen Einheit sie erfordert, um die wirtschaftlichen Interessen des Bundes zu fördern oder eine angemessene Gleichheit wirtschaftlicher Möglichkeiten für alle Menschen sicherzustellen."

    Wir möchten Sie davon unterrichten, daß die Hohen Kommissare diesen Artikel in Übereinstimmung mit dem vorliegenden Text auslegen werden.

    8. Um die Möglichkeit zukünftiger Rechtsstreitigkeiten auszuschalten, möchten wir klarstellen, daß wir bei der Genehmigung der Verfassungen für die Länder bestimmten, daß nichts in diesen Verfassungen als Beschränkung der Bestimmungen der Bundesverfassung ausgelegt werden kann. Ein Konflikt zwischen den Länderverfassungen und der vorläufigen Bundesverfassung muß daher zugunsten der letzteren entschieden werden.

    9. Wir möchten es auch klar verstanden wissen, daß nach Zusammentritt der gesetzgebenden Körperschaften, die das Grundgesetz vorsieht und nachdem entsprechend dem im Grundgesetz festgelegten Verfahren die Wahl des Präsidenten sowie die Wahl und Ernennung des Kanzlers bzw. der Bundesminister erfolgt sind, die Regierung der Bundesrepublik Deutschland konstituiert ist und das Besatzungsstatut daraufhin in Kraft tritt.

    10. Nach Vollendung seiner letzten Aufgabe, wie sie in Artikel 145, Absatz 1, festgelegt ist, wird der Parlamentarische Rat aufgelöst. Wir möchten diese Gelegenheit benützen, um die Mitglieder des Parlamentarischen Rates zur erfolgreichen Vollendung ihrer unter kritischen Verhältnissen durchgeführten schwierigen Aufgabe sowie zu der offenkundigen Sorgfalt und Gründlichkeit, mit der sie ihre Arbeit geleistet haben, und zu der Hingabe an demokratische Ideale, nach deren Erreichung wir alle streben, zu beglückwünschen.

    Frankfurt, den 12. Mai 1949

    Lucius D. Clay
    General US-Army
    Militärgouverneur
    Amerikanische Zone

    gez.
    B. H. Robertson
    General
    Militärgouverneur
    Britische Zone

    Pierre Koenig
    General der Armee
    Militärgouverneur
    Französische Zone

  2. Am besten den Begriff restlos ächten, in die moralische Doppelzange nehmen mit ständigen Verweisen auf NS-Faschismus und DDR-Sozialismus, sodass bloß kein Mensch mehr auf die Idee kommt, vom Souverän noch sprechen zu wollen. Ach, so, das passiert ohnehin gerade? Na, dann habe ich nichts gesagt...

  3. Volk ist zunächst einmal nur ein Begriff und dieser Begriff lässt sich auf jede beliebige Art definieren. Letztendlich entsteht ein Volk (Gemeinschaft) dadurch, dass Individuen miteinander interagieren oder kommunizieren, und das ist eben die Definition von Volk, d.h. Gemeinschaft ist gleich Kommunikation.

    • Anonym
    • 13.09.2008 um 21:48 Uhr

    was ist das volk?das volk nichts gesetzliches nichts politisches oder religiöses!das volk einfach der mensch wie man ihn sieht!den mensch schlicht und einfach ohne herkunft oder hautfarbe betrachten!das volk betrachten ohne durch irgendwelche medien gegeneinander aufzuhetzen!
    keine hintergdanken haben sondern einfach nur eine gemeinschaft sein in der es auch probleme gibt die aber durch sprechen und gegenseitiges akzeptieren leicht zu vermeiden sind!!!
    meiner meinung sollte das volk über der politik stehen!in der demokratie wird vorgelogen das sie es tuhe!!aber trotz alle dem das im großen und ganzen das volk leidet nicht!
    demokratie ist eine versteckte diktatur die offiziell dient den mensch dumm zu halten lügen zu verbreiten und gegeneinander aufzuhetztn!
    sie fragen sich nun wie kommt er zu diesem thema es geht doch um das volk!!das ist ganz einfach wir leben in eienr demokratie und wir sind das volk aber leider schon lange keine gemeinschaft mehr!!schon mal gefragt warum?
    ich bedanke mich und wünsche allen leser eine nette antwort auf meinen posteingang zurück!!

  4. In grauer Vorzeit war "Volk" der Begriff für die Leute, die eben - "folgen", Charakterliche Besonderheiten einer Teilgruppe schienen da nicht wichtig. Danach hat das Wort einen ständigen Bedeutungswandel durchgemacht. Es wird benutzt, um die Zusammengehörigkeit einer Gruppe zu zementieren, die einen Grund suchen, zusammen zu bleiben. Alleine fühlt man sich zu schwach, um die Herausforderungen zu meistern, die sich durch die Nähe von Fremden stellen, mit denen man sich nicht identifizieren mag. Aber man sucht nicht bloß eine Mitgliedschaft wie im ADAC oder im Mieterverein, sondern eher eine Art Verwandtschaft, aus der man nicht so leicht austeten kann. Dazu braucht man dann noch andere Instrumente. So werden die Begriffe "Kultur", "Nation" und "Tradition" als mächtige Werkzeuge verwendet, um die Zusammengehörigkeit einer durch gemeinsame Interessen verbundenen Gruppe durch Mythisierung zu überhöhen. In diesem Stadium wird das "Volk" durch Abgrenzung definiert: "Wir" sind jetzt nicht mehr die Leute, die locker durch eine gemeinsame Sprache oder ein bewirtschaftetes Gebiet verbunden sind, sondern "wir" sind auf eine neue Art miteinander verwandt und in jedem Fall "anders" als die Nachbarn. Plötzlich werden da Musikstile, Kochrezepte und Tänze entdeckt, die angeblich ganz, ganz anders sind als bei den Nachbarn. Denen gefällt das auch nicht, was "wir" da machen, und falls doch, können sie nicht mithalten: "Unsere" Tänze nicht gut tanzen, "unsere" Gerichte nicht kochen, "unsere" Instrumente nicht gut spielen.
    Diese Prozesse lassen sich gut beobachten, wenn ein Volk entsteht - die Deutschen des 19. Jahrhunderts etwa, die ihre Kleinstaaten zusammenschlossen, oder auch, wenn ein Staatsgebilde zerfällt, wie in Jugoslawien oder der Ex-Sowjetunion. In der UdSSR fühlte man sich vor allem als Mitglied einer Gemeinschaft, die durch die sozialistische Idee verbunden war. Man legte auf die Besonderheiten der einzelnen Gruppen keinen Wert und glaubte, diese würden sich allmählich in der großen Sowjetgemeinschaft auflösen. Man sprach Russisch, verdrängte die Nationalsprachen und heiratete viel untereinander. Als der Sozialismus als Staatsmodell nicht mehr taugte, entdeckte man alte Traditionen, die man wiederbeleben wollte. Nicht immer war der Versuch erfolgreich: Die alten Religionen waren nur noch oberflächlich bekannt, die Nationalsprachen waren den Erfordernissen der Moderne nicht angepasst und zudem tief mit russischem Wortschatz durchmischt, den man eigentlich loswerden wollte.

  5. Wikipedia definiert "Volk" als "eine Gruppe von Menschen, die sich als ideelle Einheit begreift und durch eine gemeinsame Geschichte oder verschiedene gemeinsame Eigenschaften (Sprache, Kultur, Tradition, Religion, Gebräuche etc.) verbunden ist". Nach meinen Überlegungen in Nr. 5 trifft diese Definition aber nicht. Denn zuerst kommt das Bedürfnis, sich einer großen und starken Gemeinschaft anzuschließen. Dann erst sucht man sich die Eigenschaften, die man der Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft zu Grunde legt. Selbst die Frage, ob man eine Sprache oder eine Religion als speziell definieren will, ordnet man dabei dem Ziel unter, eine starke Gemeinschaft zu finden. Ein paar Wörter, die regional verschieden ausgesprochen werden, ein anderer Schrifttyp, das reicht schon, um eine neue "Sprache" zu definieren. Andersherum: Was für eine Sprache, Kultur, Tradition, Religion, was für Gebräuche machen US-Amerikaner, Schweizer oder Singapurer zu "Völkern"?
    Als die Leipziger Montags-Demonstranten "Wir sind das Volk" riefen, meinten sie das Wort im Gegensatz zu ihrer Regierung. Als sie die Parole in "Wir sind ein Volk" änderten, waren sie schon auf der Suche nach einer neuen Identität.
    Wie sollen wir hier im deutschen Sprachraum also mit dem Wort "Volk" umgehen? Die schlechteste Lösung: Das Wort durch irgendwas politisch Korrektes ersetzen. Das funktioniert nämlich nicht. Wörter ändern ihre Bedeutung zu schnell. Und das Bedürfnis nach einem Gründungsmythos ist zu stark. Besser ist es wohl, miteinander im Gespräch darüber zu bleiben, was man meint, wenn man "Volk" sagt.

  6. Sehr geehrter Herr Grill,

    m.E. sollten einfach und konsquent alllle Redewendungen, allle Worte und selbstverständlich alle Buchstaben die jemals ein
    Nazi, ein Radfahrer
    (die sind, bekanntermaßen, an überhaupt allem schuld),
    ein Investmentbänker oder Gebrauchtwarenverkäufer
    (Liste kann von allen beliebig verlängert werden)
    benutzt haben,
    ab sofort nicht mehr benutzt werden.

    Dann sind wir endlich politisch korrekt (und es wird auch alles etwas leiser).

    Liebe Grüße.

    JS

  7. Bei dem Begriff des Volkes handelt es sich nur um einem Zustand bzw. einem Status, den irgendwelche Leute beschreiben wollten. Im eigentlichen, objektiven Sinne ist ein Volk eine Gruppe von Menschen, die aufgrund von genetischen Merkmalen glaubt, zusammenzugehören. Leider verwechseln bzw. interpretieren sher viele Menschen diesen Begriff mit dem Begriff der Rasse und damit automatisch mit Nazis. Genau dort tritt damit eine fatale Verwechslung ein.
    Der Begriff der Rasse nämlich beschreibt eine Gruppe von Individuen, die aufgrund rein genetischer Merkmale zusammengehören. Darum wird dieser Begriff auch in der Tierwelt benutzt. Dort gibt es nämlich einen ganz wichtigen Faktor nicht :Die Ebene, aus der man Ideen holt, die Ebene des Geistes, eine unendliche, zum Teil irrationale Ebene, die den Menschen von Tieren unterscheidet. Damit hat Hitler seinen ersten wichtigen Fehler gemacht: Er hat Menschen als Tiere betrachtet und hat den Begriff der Rasse fälschlich benutzt. Menschen unterteilen sich nämlich - bewusst in der Sprache eingerichtet - in Völker, die sich nicht unbedingt nur auf genetische Weise unterscheiden, sondern auf geistige Weise, was wichtige Begriffe wie Kultur und Denk- und Handlungsweise miteinbezieht. Der Begriff des Volkes lässt sich damit nur wage definieren, was aber auch nicht vollends möglich sein kann, da dieser Begriff entstand, um etwas zu beschreiben, wozu man vorher nicht in der Lage war. Ich möchte nur einen Denkansatz liefern, damit man in etwa versteht, worum es bei diesem Begriff geht, da Sprache nicht in der Lage ist, dieses wiederzugeben, ein Geist aber schon. Es ist aber ganz wichtig, Rasse und Volk voneinander zu unterscheiden, da aufgrund von Beobachtungen sich schon die Unterschiedlickeit dieser Wörter auftut.

    Gibt es zu diesem Artikel fragen, fragt mich, ich habe nichts gegen Einwände und werde versuchen, auf diese einzugehen.

    Eine neue Generation hat die Aufgabe, Kritik zu üben.Ohne Kritik gibt es Stillstand. Und Stillstand bedeutet früher oder später den Tod.
    Übt Kritik. Benutzt euren Verstand und eure Vernunft. Denn dazu ist er da.
    gez. Sotha Sil

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >>Der Begriff der Rasse nämlich beschreibt eine Gruppe von Individuen, die aufgrund rein genetischer Merkmale zusammengehören. Darum wird dieser Begriff auch in der Tierwelt benutzt.<<

    Zumindest im Deutschen beschränkt sich der Gebrauch des Wortes "Rasse" im Tierreich meines Wissens auf Haustiere; im Zusammenhang mit Wildtieren, also Tieren, die sich aus eigenem Antrieb fortpflanzen (Partnerwahl durch die eigene Art also), anstatt durch eine fremde Art gezielt zu deren Nutz und Frommen (oder um eines Spleens willen) gezüchtet zu werden, habe ich das Wort weder gehört noch gelesen. Man spricht von Unteratren, was vermutlich nicht genau dasselbe ist wie der Rassenbegriff.
    Der Mensch ist zwar in sofern weitgehend "domestiziert", als dass er Häuser baut, Infrastruktur errichtet etc. und ohne die Errungenschaften der Zivilisation mittlerweile nur mit Mühe überleben könnte (allerdings nicht aus genetisch bedingten Gründen) auch hat er die Partnerwahl mehr oder minder stark kanalisiert; wenn man dabei aber von "Domestikation" sprechen will, ist es eine Selbstdomestikation; keine fremde Art züchtet bewusst und gezielt den Menschen auf bestimmte erwünschte Eigenschaften hin; in sofern ist er eher mit Wildtieren (die im Übrigen teilweise ebenfalls in Bauten und hochorganisierten Gemeinschaften leben) als mit Haustieren.
    Nun soll aber die genetische Diversität einer Horde von 15 Menschenaffen angeblich größer sein als die der gesamten Menschheit, was den Rassenbegriff noch fragwürdiger macht als er ohnehin ist und zudem angesichts der morphologischen Unterschiede frappierend ist. Die genetisch einander unähnlichsten Völker sollen in Afrika leben und zudem beide Schnalzlaute in ihren Sprachen haben, wie das in genuin afrikanischen Sprachen nicht selten vorkommt.

    Ein zentrales Merkmal des Nationalsozialismus und anderer Rassismen ist die Wertschätzung der so genannten Rassenreinheit. Ist diese schon in der Tierzucht ein zumindest überschätzer, im Grunde fragwürdiger Wert, so ist sie als Wert in Bezug auf die genetisch (m.W.) vergleichsweise einförmige Art Homo Sapiens gänzlich absurd, ist doch Inzucht niemals von Vorteil.
    Ein weiteres - und das eigentlich verwerfliche - Wesensmerkmal von Rassismen ist die Idee von der Inferiorität "andersrassiger" Menschen, insbesondere der geistigen und moralischen Inferiorität. Die Existenz von Rassismus setzt natürlich keineswegs tatsächliche "Andersrassigkeit" der diskriminierten Person voraus.

    >>Der Begriff der Rasse nämlich beschreibt eine Gruppe von Individuen, die aufgrund rein genetischer Merkmale zusammengehören. Darum wird dieser Begriff auch in der Tierwelt benutzt.<<

    Zumindest im Deutschen beschränkt sich der Gebrauch des Wortes "Rasse" im Tierreich meines Wissens auf Haustiere; im Zusammenhang mit Wildtieren, also Tieren, die sich aus eigenem Antrieb fortpflanzen (Partnerwahl durch die eigene Art also), anstatt durch eine fremde Art gezielt zu deren Nutz und Frommen (oder um eines Spleens willen) gezüchtet zu werden, habe ich das Wort weder gehört noch gelesen. Man spricht von Unteratren, was vermutlich nicht genau dasselbe ist wie der Rassenbegriff.
    Der Mensch ist zwar in sofern weitgehend "domestiziert", als dass er Häuser baut, Infrastruktur errichtet etc. und ohne die Errungenschaften der Zivilisation mittlerweile nur mit Mühe überleben könnte (allerdings nicht aus genetisch bedingten Gründen) auch hat er die Partnerwahl mehr oder minder stark kanalisiert; wenn man dabei aber von "Domestikation" sprechen will, ist es eine Selbstdomestikation; keine fremde Art züchtet bewusst und gezielt den Menschen auf bestimmte erwünschte Eigenschaften hin; in sofern ist er eher mit Wildtieren (die im Übrigen teilweise ebenfalls in Bauten und hochorganisierten Gemeinschaften leben) als mit Haustieren.
    Nun soll aber die genetische Diversität einer Horde von 15 Menschenaffen angeblich größer sein als die der gesamten Menschheit, was den Rassenbegriff noch fragwürdiger macht als er ohnehin ist und zudem angesichts der morphologischen Unterschiede frappierend ist. Die genetisch einander unähnlichsten Völker sollen in Afrika leben und zudem beide Schnalzlaute in ihren Sprachen haben, wie das in genuin afrikanischen Sprachen nicht selten vorkommt.

    Ein zentrales Merkmal des Nationalsozialismus und anderer Rassismen ist die Wertschätzung der so genannten Rassenreinheit. Ist diese schon in der Tierzucht ein zumindest überschätzer, im Grunde fragwürdiger Wert, so ist sie als Wert in Bezug auf die genetisch (m.W.) vergleichsweise einförmige Art Homo Sapiens gänzlich absurd, ist doch Inzucht niemals von Vorteil.
    Ein weiteres - und das eigentlich verwerfliche - Wesensmerkmal von Rassismen ist die Idee von der Inferiorität "andersrassiger" Menschen, insbesondere der geistigen und moralischen Inferiorität. Die Existenz von Rassismus setzt natürlich keineswegs tatsächliche "Andersrassigkeit" der diskriminierten Person voraus.

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