BMW "Das größte Manko ist der Erfolg"
Wo bleibt der erste Öko-BMW, Herr Reithofer? Der Konzernchef über tonnenschwere Autos, das Schicksal seiner Branche – und wie er Daimler schlagen will

© Johannes Simon/Getty Images
Seit zwei Jahrzehnten bei BMW – und seit 2006 ist Norbert Reithofer, 52, der Chef
DIE ZEIT: Herr Reithofer, wie viel wiegen Sie ?
Norbert Reithofer: Um die 100 Kilo. Warum?
ZEIT: Ihre beiden neuesten Autos, das Geländecoupé X6 und die 7er-Limousine bringen jeweils rund 2,5 Tonnen auf die Waage. Zweieinhalb Tonnen Stahl, Kunststoff, Gummi müssen bewegt werden, um einen Manager mit 100 Kilo von A nach B zu bringen. Beschämend, oder?
Reithofer: Der neue 7er wird mit dem neuen Dieselmotor nur etwa sieben Liter verbrauchen, ein Spitzenwert für Fahrzeuge dieser Klasse. Wir verkaufen im Übrigen Autos, um Gewinne zu erwirtschaften. Beim X6 ist die Produktion schon für vier Monate im Voraus ausverkauft. Wir haben also das richtige Fahrzeug auf die Straße gebracht, denn die Kunden fragen es nach.
ZEIT: Aber Gewicht steigert den Verbrauch.
Reithofer: Den Geländewagen X5 kann ich mit einem 6-Zylinder-Diesel-Motor unter zehn Litern fahren. Verglichen mit Modellen der Wettbewerber, ist das höchst effizient. Zudem baut die BMW Group mehr kleine, leichte Modelle. Wir haben vier Varianten des kleinen 1er-BMW und drei des Mini eingeführt, und da kommt noch mehr.
ZEIT: Ihr wichtigster Auslandsmarkt sind die USA, und dort haben Sie in der Vergangenheit sehr viel Geld mit Ihren schweren 8-Zylinder-Autos verdient. Jetzt stehen dort die Höfe Ihrer Händler voll mit gebrauchten Dickschiffen, die Sie nur mit Rekordrabatten loswerden. Sie müssen neu denken.
Reithofer: Die BMW Group ist in den USA im Vergleich zu anderen Herstellern noch gut unterwegs. Wir sind zudem ja schon dabei, neu zu denken. Wir haben frühzeitig begonnen, uns auf das Jahr 2008 vorzubereiten. Das Unternehmen hat die freiwillige Selbstverpflichtung des europäischen Automobilverbands ernst genommen, den Kraftstoffverbrauch von 1995 bis 2008 um 25 Prozent zu senken…
ZEIT: …Europas Hersteller versprachen, den Ausstoß aller Autos im Schnitt auf 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zu senken. Herausgekommen sind 160. Ziel verfehlt, Versprechen gebrochen.
Reithofer: Wir haben aber, wie vereinbart, unseren Beitrag durch neueste Motorentechnik geleistet. Wir sind jetzt als Flotte bei 158 Gramm, schauen Sie mal bei vergleichbaren Herstellern nach.
ZEIT: Liegt das nicht vor allem daran, dass sich zuletzt ihre große Limousine kaum noch verkaufte?
Reithofer: Man muss fair bleiben. Der alte 7er läuft aus, der neue wird sich gut verkaufen. Denn er setzt neue Maßstäbe für Luxuslimousinen.
ZEIT: Maßstäbe für Autokolosse, ja. Aber Sie selbst trauen doch dem langjährigen Erfolgsrezept – schneller, stärker, größer – nicht mehr. Sonst hätten Sie einen geplanten Geländeriesen nicht gerade ersatzlos gestrichen.
Reithofer: Wir sorgen auch bei Geländewagen für eine Balance. Wir haben den erfolgreichen mittelgroßen X3 gebracht, und ich war immer ein Verfechter des noch kleineren X1. Es kommt auf die Technik an, die im Auto steckt. Wir haben eine eigene Hauptabteilung gegründet, die Energieverschwendung im Fahrzeug bekämpft. Wir haben uns dadurch unter den deutschen Durchschnitt gedrückt. Das hat uns dreistellige Millionenbeträge im Jahr gekostet.
ZEIT: Aber es wird kein Hybridantrieb angeboten, mit dem Toyota Furore machte, und nicht massiv in Elektroautos investiert. Und zwar weil man bei Ihnen glaubte, dass solche Ökoantriebe nicht genügend Freude am Fahren garantierten. Dabei wurde ignoriert, dass Öl teurer wird und die Kundschaft ihr Verhalten ändert – in einer Industrie mit Planungszyklen von fünf Jahren!
Reithofer: Wir konzentrieren uns schon seit zwei Jahren auf die Perspektive 2020. Und schon heute können sich unsere effizienten Motoren sehen lassen: Ein BMW 535d mit Leichtbau und gewichtsreduziertem Motor hat im Vergleichstest mit einem Hybridfahrzeug eines japanischen Konkurrenten beim Verbrauch klar gewonnen…
- Datum 02.04.2009 - 10:16 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.09.2008 Nr. 38
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Herr Reithofer, es fehlen die kleinen Schritte. Bis zum Erreichen der gesteckten Ziele sollte es doch möglich sein auch kleinere und damit auch sparsamere Motoren anzubieten. Wenn Sie heute z. B. das 1èr Coupe mit einem kleinerem Benzin Motor wollen, so bekommen Sie nur 6 Zylinder mit mindestens 200 PS angeboten. Warum ? Wir haben deshalb im Augenblick den Kauf zurückgestellt und warten ab, bis Ihr Unternehmen sich in die richtige Richtung bewegt.
Alex Hommel
Als Muenchner kann man nicht wirklich auf BMW schimpfen. Auch baut BMW im Allgemeinen hochattraktive Autos, die, relativ gesehen, wirklich weniger verbrauchen als die der Konkurrenz.
Allerdings sollte Hr. Reithofer sich nicht zu sehr ueber Bruessel beschweren: Von allen deutschen Autobauern sind sie diejenigen, dessen Lobbyisten am aggressivsten und am destruktivsten gegen jede Beschraenkung von Abgasen oder Verbrauch vorgehen (dabei gelten die Deutschen dort schon zu den haertesten Lobbyisten). Deshalb sollte BMW darueber lieber den Mantel des Schweigens breiten und sich darauf konzentrieren noch effizientere Motorentechnik zu entwickeln.
An anderer Stelle in ZEIT online (Deutschland/Automobilindustrie) habe ich einen kleinen Beitrag zum obengenannten Thema geschrieben. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nicht wiederholen. Ich finde es einfach toll, dass Herr Reithofer vom Königsweg "Wasserstoffbetriebene Automobile" spricht. Als "Artur-Fischer-Preisträger" (für meine "Intelligente Pumpe") und Verfahrensingenieur sehe ich keine größeren Schwierigkeiten, entsprechende PKW-Tanks zu entwickeln (zumal Flüssiggastanker auf der ganzen Welt unterwegs sind!).
Viel Erfolg möchte ich der d e u t s c h e n Automobilindustrie für diese Super-Innovation aus HILDESHEIM wünschen!
Der Inhalt des Interviews lässt mich nachdenken. Die Art und Weise des Interviews leider nur kopfschütteln. Meiner Meinung nach ein grottenschlecht geführtes Interview. Die Fragen oft stark angreifend (in welcher Position ist der Interviewer??) und meistens ohne Zusammenhang und klare Linie. Gut daran ist, dass zumindest Herr Reithofer auf diese Weise seine rethorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann; Sich bei Antworten sachlich gibt und viele handfeste Informationen über neue Projekte gibt. Schade dass ich solche Beiträge bei der ZEIT zuletzt häufiger sehe.
Der Interviewer ruft mit seiner Art und Weise der Fragestellung zwangsläufig eine abwährende Art der Antworten hervor.
Meine Leselust reichte nicht mal zu Ende der Seite 1.
Grüße
Messala
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"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
W. Allen
Der Interviewer ruft mit seiner Art und Weise der Fragestellung zwangsläufig eine abwährende Art der Antworten hervor.
Meine Leselust reichte nicht mal zu Ende der Seite 1.
Grüße
Messala
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"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
W. Allen
Genau diese Art des Interviews ist doch das, warum sich deutsche Unternehmen immer mehr von Deutschland verabschieden.
Das Interview ist von Seiten DER ZEIT fast "bösartig" geführt. Immer wieder bringt man nur die negativen Dinge aufs Papier. Klar soll der Journalismus neue Dinge "aufdecken".
Aber BMW ist der einzige deutsche Autohersteller, der tatsächlich eine Wende zu mehr Energieeffizienz eingeleitet hat. (Man könnte die BMW Lösung auch "Hybrid light" nennen. Ist vielleicht nur noch keiner im BMW MArketing draufgekommen.)
Was wollen Sie denn dann denn Managern von Audi oder VW sagen?
Oder wird Audi daher geschönt, weil die ihre vollständig lächerliche Effizienzwerbung als Sonderbeilage auch in DER ZEIT verteilt haben. In dieser Sonderbeilage (vor 2 Wochen angefügt) ist nahezu jedes Wort lächerlich. (Stichwort : "Audi duo seit Jahren im Handel" - nicht mal die Audi Homepage meldet heirzu einen Treffer. Außer eben die HV RedeProtokolle.)
Ich denke, dass es sich hier um ein furchtbar schlechtes Interview handelt. Schade um die Zeit es gelesen zu haben.
Nun gut, einige Fragen wirken etwas zusammenhangslos. Ob das daher rührt, dass eine etwas ungeordnete Frageliste recht strikt abgearbeitet wurde oder daher, dass etwas gekürzt wurde (aus Gründen der Länge oder einem Mangel an Freigabe einiger Antworten oder warum auch immer), ist schwer zu sagen.
Generell freue ich mich aber durchaus darüber, dass ein Chef eines deutschen Automobilunternehmens hier mal nicht mit Samthandschuhen angefasst wird, wie man das andernorts kennt. Die Fragen, die hier gestellt werden, muss man sich als BMW-Chef gefallen lassen. Man hätte an so manch einer Stelle sogar noch sehr viel kritischer nachhaken können. Auf Audi oder Mercedes zu zeigen, die es ja vermeintlich oder tatsächlich (noch) schlechter machen als BMW, zählt nicht so recht, denn man kann ebenso auf Hersteller zeigen, die in Sachen Umweltschutz eine Ecke früher aufgewacht sind und weniger Lobbyarbeit betrieben haben, um selbst eingegangene Versprechen in Sachen Umweltschutz letztlich doch nicht einhalten zu müssen.
Unverschämt finde ich an diesem Interview eher Reithofers Selbstverständnis - man hat alles zu jedem Zeitpunkt richtig gemacht. Die Steuersubventionen für Dienstwagen haben zu bleiben, sonst wird offen mit Arbeitsplatzabbau/-verlagerung gedroht - aber eine Einmischung der Politik in Form von kritischen Äusserungen dazu, dass andere Hersteller weiter beim Abbau von CO2-Emissionen sind, verbittet man sich andererseits. Dass man nun einen kleineren X1-Geländewagen (zusätzlich zu den X3-, X5- und X6-Schiffen) baut, darf Reithofer im Interview sogar unwidersprochen als Schritt in Richtung Umweltschutz darstellen. Obwohl der X1 im Verkauf natürlich nicht als kleinere Alternative zum X3/X5/X6 (die ja keineswegs auslaufen werden), sondern als grössere Alternative zum 1er laufen wird. Motto: mit dem X1 war es noch nie so erschwinglich, ein BMW-SUV zu fahren.
Die Umwelt wird's freuen...
Neinnein, das Interview wurde nicht zu hart geführt, es war wirklich das Minimum an "Unverschämtheit", das sich die Chefs deutscher Autokonzerne derzeit überall, nicht nur in der ZEIT, klaglos gefallen lassen sollten. Genug Platz zur PR für das eigene Produkt (X1!, Efficient Dynamics!, neuer 7er!, 535d!, Elektro-Mini!, Megacity-Auto!, 3er Coupé!) blieb ja trotzdem.
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StGB §328, Absatz 2.3:
Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine nukleare Explosion verursacht.
Der Interviewer ruft mit seiner Art und Weise der Fragestellung zwangsläufig eine abwährende Art der Antworten hervor.
Meine Leselust reichte nicht mal zu Ende der Seite 1.
Grüße
Messala
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"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
W. Allen
Einigen meiner Vorredner kann ich mich nur anschliessen: es furchtbar mieses Interview. Mir scheint, vielen Medien ist es unmöglich, eine Diskussion zum Thema Auto zu führen, ohne den Gesprächspartner dafür anzugreifen, dass er (und seine Kunden) nicht dem Ideal freudloser Fortbewegung anhängen.
Dazu kommt noch ein erstaunlicher Mangel an Sachverstand (Stichwort: Tesla Roadster) gepaart mit herzerweichender Naivität im Sinne von "wenn mein Benzin alle ist, fahre ich elektrisch, denn das ist umweltfreundlich".
Um den Bogen zu BMW zu schlagen: offenbar fällt es manchen Zeitgenossen schwer zu tolerieren, dass Menschen Freude am Fahren haben.
Wenn die Welt durch Freudlosigkeit gerettet werden könnte (immer unterstellt, dass sie tatsächlich bedroht ist, wodurch auch immer) - wäre es noch wert, auf ihr zu leben?
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