BMW "Das größte Manko ist der Erfolg"Seite 6/6

ZEIT: Angela Merkel hat Ihnen in Brüssel doch geholfen, damit die EU Sie bei neuen CO2-Grenzwerten nicht benachteiligt.

Reithofer: Das stimmt. Aber es gab auch viele andere Stimmen.

ZEIT: Wo fehlt es noch?

Reithofer: Wenn ich hier in Bayern über die Grenze nach Österreich fahre, kann ich billiger tanken.

ZEIT: Sie wollen nicht die Mineralölsteuer senken?

Reithofer: Nur angleichen.

ZEIT: Besonders profitiert BMW vom Steuerprivileg für Dienstwagen, das von diversen Politikern angeprangert wird.

Reithofer: Gravierende Verschlechterungen bei der Dienstwagenregelung würden deutsche Hersteller wie uns hart treffen, dann brauchten wir vielleicht nicht mehr so viele Fabriken in Deutschland.

ZEIT: Eine klare Ansage. Aber denken Sie an die drohende Klimakatastrophe. Muss Deutschland nicht damit rechnen, dass die klassischen Hersteller verlieren oder gar untergehen, weil andere flexibler und schneller sind?

Reithofer: Wir müssen, wenn es um den Zeitraum 2010 bis 2020 geht, als Industrie unser Denken revolutionieren. Nehmen wir mal ein Beispiel aus einer anderen Branche: Der Hybrid ist die elektrische Schreibmaschine, jetzt geht es darum, wer erfindet den PC?

ZEIT: IBM wurde von Microsoft besiegt, um in Ihrem Bild zu bleiben, Microsoft nun von Google. Wie sollen wir sicher sein, dass Sie diesem Schicksal entgehen?

Reithofer: Wir machen jetzt unser »eigenes Google«, mit unserem »Project i«. Das hat eine eigene Mannschaft und sitzt außerhalb unseres Forschungszentrums. Dieses Unternehmen im Unternehmen hat den Elektro-Mini entwickelt, arbeitet am Megacity-Car und anderen Elektroautos. Nur so geht es.

Das Gespräch führten Uwe Jean Heuser und Dietmar Lamparter

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Reithofer, es fehlen die kleinen Schritte. Bis zum Erreichen der gesteckten Ziele sollte es doch möglich sein auch kleinere und damit auch sparsamere Motoren anzubieten. Wenn Sie heute z. B. das 1èr Coupe mit einem kleinerem Benzin Motor wollen, so bekommen Sie nur 6 Zylinder mit mindestens 200 PS angeboten. Warum ? Wir haben deshalb im Augenblick den Kauf zurückgestellt und warten ab, bis Ihr Unternehmen sich in die richtige Richtung bewegt.
    Alex Hommel

  2. Als Muenchner kann man nicht wirklich auf BMW schimpfen. Auch baut BMW im Allgemeinen hochattraktive Autos, die, relativ gesehen, wirklich weniger verbrauchen als die der Konkurrenz.

    Allerdings sollte Hr. Reithofer sich nicht zu sehr ueber Bruessel beschweren: Von allen deutschen Autobauern sind sie diejenigen, dessen Lobbyisten am aggressivsten und am destruktivsten gegen jede Beschraenkung von Abgasen oder Verbrauch vorgehen (dabei gelten die Deutschen dort schon zu den haertesten Lobbyisten). Deshalb sollte BMW darueber lieber den Mantel des Schweigens breiten und sich darauf konzentrieren noch effizientere Motorentechnik zu entwickeln.

  3. An anderer Stelle in ZEIT online (Deutschland/Automobilindustrie) habe ich einen kleinen Beitrag zum obengenannten Thema geschrieben. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nicht wiederholen. Ich finde es einfach toll, dass Herr Reithofer vom Königsweg "Wasserstoffbetriebene Automobile" spricht. Als "Artur-Fischer-Preisträger" (für meine "Intelligente Pumpe") und Verfahrensingenieur sehe ich keine größeren Schwierigkeiten, entsprechende PKW-Tanks zu entwickeln (zumal Flüssiggastanker auf der ganzen Welt unterwegs sind!).

    Viel Erfolg möchte ich der d e u t s c h e n Automobilindustrie für diese Super-Innovation aus HILDESHEIM wünschen!

  4. Der Inhalt des Interviews lässt mich nachdenken. Die Art und Weise des Interviews leider nur kopfschütteln. Meiner Meinung nach ein grottenschlecht geführtes Interview. Die Fragen oft stark angreifend (in welcher Position ist der Interviewer??) und meistens ohne Zusammenhang und klare Linie. Gut daran ist, dass zumindest Herr Reithofer auf diese Weise seine rethorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann; Sich bei Antworten sachlich gibt und viele handfeste Informationen über neue Projekte gibt. Schade dass ich solche Beiträge bei der ZEIT zuletzt häufiger sehe.

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    Der Interviewer ruft mit seiner Art und Weise der Fragestellung zwangsläufig eine abwährende Art der Antworten hervor.

    Meine Leselust reichte nicht mal zu Ende der Seite 1.

    Grüße
    Messala
    -------------------------------------

    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
    W. Allen

    Der Interviewer ruft mit seiner Art und Weise der Fragestellung zwangsläufig eine abwährende Art der Antworten hervor.

    Meine Leselust reichte nicht mal zu Ende der Seite 1.

    Grüße
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    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
    W. Allen

  5. Genau diese Art des Interviews ist doch das, warum sich deutsche Unternehmen immer mehr von Deutschland verabschieden.
    Das Interview ist von Seiten DER ZEIT fast "bösartig" geführt. Immer wieder bringt man nur die negativen Dinge aufs Papier. Klar soll der Journalismus neue Dinge "aufdecken".
    Aber BMW ist der einzige deutsche Autohersteller, der tatsächlich eine Wende zu mehr Energieeffizienz eingeleitet hat. (Man könnte die BMW Lösung auch "Hybrid light" nennen. Ist vielleicht nur noch keiner im BMW MArketing draufgekommen.)
    Was wollen Sie denn dann denn Managern von Audi oder VW sagen?

    Oder wird Audi daher geschönt, weil die ihre vollständig lächerliche Effizienzwerbung als Sonderbeilage auch in DER ZEIT verteilt haben. In dieser Sonderbeilage (vor 2 Wochen angefügt) ist nahezu jedes Wort lächerlich. (Stichwort : "Audi duo seit Jahren im Handel" - nicht mal die Audi Homepage meldet heirzu einen Treffer. Außer eben die HV RedeProtokolle.)

    Ich denke, dass es sich hier um ein furchtbar schlechtes Interview handelt. Schade um die Zeit es gelesen zu haben.

  6. Nun gut, einige Fragen wirken etwas zusammenhangslos. Ob das daher rührt, dass eine etwas ungeordnete Frageliste recht strikt abgearbeitet wurde oder daher, dass etwas gekürzt wurde (aus Gründen der Länge oder einem Mangel an Freigabe einiger Antworten oder warum auch immer), ist schwer zu sagen.

    Generell freue ich mich aber durchaus darüber, dass ein Chef eines deutschen Automobilunternehmens hier mal nicht mit Samthandschuhen angefasst wird, wie man das andernorts kennt. Die Fragen, die hier gestellt werden, muss man sich als BMW-Chef gefallen lassen. Man hätte an so manch einer Stelle sogar noch sehr viel kritischer nachhaken können. Auf Audi oder Mercedes zu zeigen, die es ja vermeintlich oder tatsächlich (noch) schlechter machen als BMW, zählt nicht so recht, denn man kann ebenso auf Hersteller zeigen, die in Sachen Umweltschutz eine Ecke früher aufgewacht sind und weniger Lobbyarbeit betrieben haben, um selbst eingegangene Versprechen in Sachen Umweltschutz letztlich doch nicht einhalten zu müssen.

    Unverschämt finde ich an diesem Interview eher Reithofers Selbstverständnis - man hat alles zu jedem Zeitpunkt richtig gemacht. Die Steuersubventionen für Dienstwagen haben zu bleiben, sonst wird offen mit Arbeitsplatzabbau/-verlagerung gedroht - aber eine Einmischung der Politik in Form von kritischen Äusserungen dazu, dass andere Hersteller weiter beim Abbau von CO2-Emissionen sind, verbittet man sich andererseits. Dass man nun einen kleineren X1-Geländewagen (zusätzlich zu den X3-, X5- und X6-Schiffen) baut, darf Reithofer im Interview sogar unwidersprochen als Schritt in Richtung Umweltschutz darstellen. Obwohl der X1 im Verkauf natürlich nicht als kleinere Alternative zum X3/X5/X6 (die ja keineswegs auslaufen werden), sondern als grössere Alternative zum 1er laufen wird. Motto: mit dem X1 war es noch nie so erschwinglich, ein BMW-SUV zu fahren.
    Die Umwelt wird's freuen...

    Neinnein, das Interview wurde nicht zu hart geführt, es war wirklich das Minimum an "Unverschämtheit", das sich die Chefs deutscher Autokonzerne derzeit überall, nicht nur in der ZEIT, klaglos gefallen lassen sollten. Genug Platz zur PR für das eigene Produkt (X1!, Efficient Dynamics!, neuer 7er!, 535d!, Elektro-Mini!, Megacity-Auto!, 3er Coupé!) blieb ja trotzdem.

    ---
    StGB §328, Absatz 2.3:
    Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine nukleare Explosion verursacht.

  7. Der Interviewer ruft mit seiner Art und Weise der Fragestellung zwangsläufig eine abwährende Art der Antworten hervor.

    Meine Leselust reichte nicht mal zu Ende der Seite 1.

    Grüße
    Messala
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    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
    W. Allen

    Antwort auf "Das Interview an sich"
    • wowman
    • 19.09.2008 um 10:04 Uhr

    Einigen meiner Vorredner kann ich mich nur anschliessen: es furchtbar mieses Interview. Mir scheint, vielen Medien ist es unmöglich, eine Diskussion zum Thema Auto zu führen, ohne den Gesprächspartner dafür anzugreifen, dass er (und seine Kunden) nicht dem Ideal freudloser Fortbewegung anhängen.
    Dazu kommt noch ein erstaunlicher Mangel an Sachverstand (Stichwort: Tesla Roadster) gepaart mit herzerweichender Naivität im Sinne von "wenn mein Benzin alle ist, fahre ich elektrisch, denn das ist umweltfreundlich".

    Um den Bogen zu BMW zu schlagen: offenbar fällt es manchen Zeitgenossen schwer zu tolerieren, dass Menschen Freude am Fahren haben.

    Wenn die Welt durch Freudlosigkeit gerettet werden könnte (immer unterstellt, dass sie tatsächlich bedroht ist, wodurch auch immer) - wäre es noch wert, auf ihr zu leben?

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