Rezessionsgefahr

Deutschland auf Autopilot

Eine Rezession wird wahrscheinlicher. Andere europäische Regierungen steuern dagegen – doch die deutsche nicht

Das R-Wort ist wieder da. »Eine Rezession in Deutschland ist möglich«, steht in einem internen Dokument des Internationalen Währungsfonds vom Anfang des Monats. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechnet für das laufende Jahr sogar fest mit einer Rezession und erwartet nur etwa ein halbes Prozent Wirtschaftswachstum für 2009. Auch die EU-Kommission und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung prognostizierten am Mittwoch unabhängig voneinander, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal schrumpfen werde. Etliche weitere Forscher – etwa die vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle – korrigieren ihre Prognosen ebenfalls gerade nach unten. Der Aufschwung? Ist vorbei.

Schon im Sommer sagten einige Bankenvolkswirte, Deutschland gerate in ein anhaltendes Tief. Norbert Walter, der Chefökonom der Deutschen Bank, nahm damals bereits das R-Wort in den Mund: Rezession. Ein Einbruch, in dem die Wirtschaftsleistung mindestens ein halbes Jahr lang schrumpft. Eine Periode schwarzer Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmern, brachliegender Produktionsanlagen, Entlassungen und aufgeschobener Investitionen.

Der Industrie springen im Inland und Ausland die Kunden ab

Aber warum ausgerechnet in Deutschland? Waren es nicht die USA, die seit Monaten haarscharf an einer Rezession vorbeischlitterten? Das Mutterland der Finanzkrise mit seinen hoch verschuldeten Privathaushalten? Kaum noch ein amerikanischer Volkswirt, der nicht mit einer tiefen Rezession in den Staaten rechnete, entweder im Sommer oder spätestens im kommenden Winter. Doch bisher wurden sie alle von den vergleichsweise guten Konjunkturdaten aus Amerika überrascht.

Dafür hagelt es diesseits des Atlantiks trübe Wirtschaftsnachrichten. Das Wachstum in Europa schwächt sich rapide ab. In den Monaten April bis Juni schrumpfte die Wirtschaft der Euro-Region um 0,2 Prozent. Besonders schwer hat es Großbritannien erwischt, wo höchstwahrscheinlich die Rezession schon begonnen hat. Im Süden Europas schlagen sich einige Länder, allen voran Spanien, mit dem Kater eines langen Konsum- und Immobilienbooms herum, der auf Pump finanziert war.

Es hakt aber auch in Deutschland. Hierzulande ist die Wirtschaft von April bis Juni um ein halbes Prozent geschrumpft. Die Einzelhandelsumsätze sinken, den Verbrauchern fehlt das Geld, und in Umfragen berichten sie von mangelnder Zuversicht. Nun streiken auch noch diverse Kunden aus dem Ausland, auf die sich die Exporteure so lange verlassen konnten. Acht Monate in Folge verbuchten die produzierenden Firmen nun immer weniger neue Aufträge. Das ist der vielleicht größte Schreck für viele Konjunkturbeobachter, die dachten, spätestens im Juli sei der Niedergang schon vorüber.

So ergeht es auch anderen Ländern. Doch in einem Punkt ist Deutschland gewiss ungewöhnlich: Überall tun die Wirtschaftspolitiker etwas gegen die Rezession – nur nicht hier.

In Großbritannien hat der angeschlagene Premierminister Gordon Brown gerade ein Hilfsprogramm für Hausbesitzer und Hauskäufer aufgelegt, um den ramponierten Immobilienmarkt zu stabilisieren. Auch die Spanier legen ein Konjunkturprogramm auf. In Frankreich hatte der Präsident Nicolas Sarkozy schon vor einiger Zeit Steuergeschenke verteilt, um der drohenden Krise vorzubeugen. Als in der vergangenen Woche eine Fülle namhafter Weltökonomen zu einem Global Economic Symposium im schleswig-holsteinischen Plön zusammenkamen, äußerten Amerikaner wie Alan Blinder (Princeton) und Barry Eichengreen (Berkeley) glattes Unverständnis darüber, wie man sich in der gegenwärtigen Lage zurücklehnen und gar nichts tun könne.

Doch genau das haben die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück im Augenblick vor. Eine Woche vor der Wiederaufnahme der Haushaltsverhandlungen in Berlin klingt die Regierung immer noch so wie auf dem Höhepunkt des Booms: Man wolle vor allem den Bundeshaushalt bis 2011 ausgleichen. Deshalb will die Regierung auch keine teuren Hilfsprogramme für die Konjunktur auflegen. Gegen solche Wünsche will sich Finanzminister Steinbrück »mit Händen und Füßen wehren«. Deutschland stehe schließlich besser da als andere europäische Länder, sagt er.

Deutschland hat noch Kraftreserven – doch reichen sie?

Stimmt ja auch. Weil die Häuserpreise zwischen Rhein und Oder kaum stiegen, hat das Land keine Immobilienkrise. Und seine Unternehmen sind international so wettbewerbsfähig wie selten. Am kommenden Wochenende wird Steinbrück das wieder zu hören bekommen – als Klage. Dann wollen die europäischen Finanzminister in Nizza zusammentreffen. Es dürfte eine Krisensitzung werden, denn Steinbrücks Kollegen stehen unter riesigem Druck. Einige Beobachter sprechen schon von einer »Zerreißprobe« für Euroland, weil die Kosten des Wirtschaftens in Ländern wie Spanien, Italien und Portugal zuletzt gegenüber Deutschland gestiegen seien – und weil sie auch mehr Hilfe von der EU wollen.

Aber dass es anderen schlechter geht – ist das Grund genug, ruhig zu bleiben? Steinbrück würde seine Bärenruhe auch damit begründen, dass einige Dinge gerade wieder von selbst ins Lot kommen. Tatsächlich sind der Ölpreis und die Nahrungsmittelpreise, die seit Monaten die Inflation anheizten und die Verbraucher in Angst und Schrecken versetzten, zuletzt wieder gesunken. Damit bleibt den Menschen wieder etwas mehr Geld zum Einkaufen anderer Waren übrig. Und es sinkt die Gefahr, dass die Notenbanker wegen der Preissteigerungen auch noch die Zinsen erhöhen und die Konjunktur erdrosseln.

Trotzdem geht Steinbrück enorme Risiken ein. Die Regierung verlässt sich ganz auf die Exportwirtschaft. Was, wenn deren Absatz weiter einbricht, weil die Konjunkturkrise große Teile des Globusses erfasst? Wer sich auf Ausfuhren verlässt, statt auch etwas für die Binnenkonjunktur zu tun, kann sehr leicht enttäuscht werden.

Ob Angela Merkel und Peer Steinbrück in den kommenden Wochen bei ihrer harten Linie des Abwartens bleiben können, wird sich aber vor allen Dingen innenpolitisch entscheiden: Ende September wird in Bayern der Landtag gewählt, und im kommenden Jahr folgt die Bundestagswahl. Deshalb verschärfen sich schon jetzt die Berliner Debatten. Die Steuern runter! Das Kindergeld rauf! Die Last der Lohnnebenkosten senken! Vor allem aus der Union hagelt es Forderungen im Namen des Volkes. Zum Wochenbeginn bekräftigte der CDU/CSU-Fraktionschef im Bundestag, Volker Kauder, dass die Union die Mittelschichten kräftig entlasten wolle.

Selbst wenn die Sparmauer im Kabinett hält, gerät ihr Plan in der Wirtschaftsflaute unter Druck. Denn nach einem Einbruch der Konjunktur folgen schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Dann sinken die Steuereinnahmen, und die Sozialausgaben steigen. Nach Umfragen des Münchner ifo Instituts planen deutsche Firmen schon jetzt, im nächsten Halbjahr im Schnitt keine neuen Jobs mehr zu schaffen.

Kaum vorstellbar, dass Merkel und Steinbrück begleitet von steigenden Arbeitslosenzahlen in ihre Wahlkämpfe ziehen wollen – und die Wähler damit trösten, sie hätten beinahe den Haushalt saniert.

Mitarbeit: Marc Brost,Mark Schieritz,Claas Tatje

Anzeige
Leser-Kommentare

  1. Jetzt mit zweifelhaften Geldausgabeprogrammen gegenzusteuern dürfte eh kaum Erfolg haben.

  2. Deutschland hat keinen Immobilienmarkt den es zu stützen gilt. Hier gibt es im Gegensatz zu Spanien und GB also keinen Handlungsbedarf.
    Da wäre dann noch die Stimulation der Binnennachfrage. Allerdings werden nur noch wenige Konsumgüter in Europa hergestellt. Deutschland lebt von seinen Exporten, vor allem den Maschinen und Autos. Diese Bereiche lassen sich durch ein Konjunkturprogramm, das die Binnennachfrage ankurbeln soll, aber kaum stimulieren. Der Effekt von Konsum auf dem Binnenmarkt bleibt zu kleinen Teilen am Einzel- und Zwischenhandel hängen, die Nutznießer wären aber die Billiglohnländer die unsere Konsumgüter produzieren.
    Steuersenkungen für Unternehmen würden wieder zu Lasten der Arbeitnehmer gehen und die soziale Kluft in Deutschland noch vertiefen.

    Weil es kein sinnvolles Szenario für Konjunkturprogramme gibt und Deutschland verhältnismäßig gut da steht, sollte die Regierung ihren finanziellen Handlungsspielraum nicht für ein Strohfeuer verbrauchen. Es gibt genügend unterfinanzierte Bereiche, vor allem in Forschung und Bildung, bei denen das Geld langfristig mehr Nutzen einbringt, als es jetzt mit der Gießkanne zu verteilen.

  3. Warum sollten wir uns vor einer Rezession fürchten? Wir haben keinen Grund dazu! Immerhin leben und arbeiten wir in Deutschland immer nach nach der AGENDA 2010. Und wir haben erst mal 2008.

    Diese Reform hat doch den Wirtschaftsaufschwung gebracht!

    Also, da wir ja von unseren marktradikalen Politikern immer hören wie toll die Reform ist und sie ja für die Wirtschaftbelebung sorgtwerden wir weiter geil drauf sein.

    Also, lass mal stecken, Agendapolitik ist Zukunft. Frag mal Münte und Steinmeier? Nur Erfolgsgeschichten.

    Neuland

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Marktradikal?   Knut Schreiber

    Neuland, was für Marktradikale Politiker sollen das sein? Es gibt in den wesentlichen Ämtern dieser Republik keine marktradikalen Politiker. Die Ökosteuereinführer, Mehrwertsteuererhöher usw. können wohl kaum "marktradikal" genannt werden. Auch Deutschland ist weit weg von Martradikalismus oder auch nur "Neoliberalismus". Noch immer reißt der Staat mehr als 50% der Volkseinkommens an sich. Noch immer sind Gesundheitswesen, Rentenwesen und Bildungswesen quasi vom Staat monopolisiert. Von einem Arbeits"markt" kann man angesichts der zahlreichen politischen Eingriffe kaum sprechen. Das ist alles, nur nicht marktradikal.

    Nun mag dir das Land nicht sozialistisch genug sein. Okay. Aber das heißt noch lange nicht, dass dieses Land "marktradikal" sei. Ich, als echter Marktradikaler, wäre sonst wesentlich erfreuter über den wirtschaftlichen und politischen Zustand dieser Republik.

    IKB-RKN
    Wir haben noch nicht den 1.April, lieber Neuland.
    Wie es weitergeht, zeigen uns Berichte im Hamburger Abendblatt.(10.9.)
    Auszüge: Immer weniger Erwerbstätige mit fester Vollzeitstelle…
    sind inzwischen gut ein Viertel der Arbeitnehmer in Deutschland (25,5 Prozent) befristet, geringfügig oder in Teilzeit beschäftigt. Vor zehn Jahren lag die Quote bei 17,5 Prozent. Die Zahl dieser "atypischen" Arbeitsverhältnisse, zu denen auch die Zeitarbeit zählt, erhöhte sich von 1997 bis 2007 um 2,6 Millionen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Beschäftigten in normalen Arbeitsverhältnissen um 1,5 Millionen…
    von diesen atypischen 7 Millionen arbeiteten knapp fünf Millionen in Teilzeit
    Deutschland fällt weiter zurück
    OECD-Studie belegt wenige Wochen vor Bildungsgipfel: Bedarf an hoch qualifiziertem Nachwuchs ist kaum noch zu decken.
    Und dann reden unsere Experten wechselweise vom Aufschwung, dann vom Abschwung, jetzt von Rezession, demnächst wieder ein Silberstreifen, dann Aufschwung und Depression? Lesen diese hochqualifizierten Experten eigentlich nur im Kaffeesatz? Die OECD und andere Wirtschaftsforschungsinstiute haben vor Jahren schon behauptet, Deutschland wäre "immer noch überindustrialisiert", na ja, dann wurde wie schon in den 60er Jahren von meinem Volkswirtschaftslehrer erzählt, der wagemutige Ritt in die Dienstleistungsgesellschaft bejubelt: wir hier machen die Blaupausen, die Deppen in der Dritten Welt die "Schmutzarbeit" - das war ein "Ritt über den Bodensee", das Ergebnis langjähriger Fehlkalkulation sehen wir heute. Bei den oben geschilderten Arbeitsverhältnissen (und dem Abzweigen von Versicherungsbeiträgen in die Privatversichererkassen) muß das System ja kollabieren.

    Sicher reicht ein "Strohfeuer" nicht aus, auch wenn die Binnennachfrage gestärkt werden muß. Es gehören dazu, wie hier ein Anderer hier schreibt, Investitionen in Forschung und Bildung, richtig, aber auch gezielte Infrastrukturaufbauinvestitionen, wobei in diesem Fall der Staat vorgibt, wo, welche und wieviele Projekte begonnen werden müssen: Straßen-, Schienen-, Trnsrapidverbindungen, neue moderne Kraftwerke, Wasserver- und entsorgung sicher auch, da ist einiges marode. Ein Cargo Cab-Transport-System im Ruhrgebiet, entlastet die Autobahnen. Finanzierung liefe zinsgünstig und langfristig über die KfW, wobei die KfW Anleihen am deutschen Kapitalmakrt aufnehmen sollte, irgendwo muß der deutsche Anleger seiner rd. 160 Mrd. p.a. ja lassen, besser hier als in irgendwelchen Hedgefonds in Steueroasen.

  4. Wer lanziert hier gezielt diese Gerüchte? Kommt sie aus dem rechten Lager? Will man den Wähler verunsichern damit er wieder schön Angst bekommt um seinen Arbeitsplatz. Bloß keine neuen Lohnforderungen stellen und nicht Links oder Mitte wählen.

    Die Medienzare lassen güßen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn alle anderen in Panik ausbrechen, nur Sie allein bleiben ruhig -- wäre es denkbar, dass man Sie nicht informierte?

  5. Neuland, was für Marktradikale Politiker sollen das sein? Es gibt in den wesentlichen Ämtern dieser Republik keine marktradikalen Politiker. Die Ökosteuereinführer, Mehrwertsteuererhöher usw. können wohl kaum "marktradikal" genannt werden. Auch Deutschland ist weit weg von Martradikalismus oder auch nur "Neoliberalismus". Noch immer reißt der Staat mehr als 50% der Volkseinkommens an sich. Noch immer sind Gesundheitswesen, Rentenwesen und Bildungswesen quasi vom Staat monopolisiert. Von einem Arbeits"markt" kann man angesichts der zahlreichen politischen Eingriffe kaum sprechen. Das ist alles, nur nicht marktradikal.

    Nun mag dir das Land nicht sozialistisch genug sein. Okay. Aber das heißt noch lange nicht, dass dieses Land "marktradikal" sei. Ich, als echter Marktradikaler, wäre sonst wesentlich erfreuter über den wirtschaftlichen und politischen Zustand dieser Republik.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Marktradikal   maguscarolus

    mag ja nicht ganz zutreffen, aber gegenüber früher stehen die Zeichen jedenfalls auf "mehr Markt", und damit jedenfalls nicht auf mehr Hoffnung für den als Wähler sehr beliebten "kleinen Mann". Der Glaube an die heilende Kraft des Marktes wird immer nur von denen gepredigt, die davon profitieren oder zu profitieren hoffen. Unter solchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bleibt "common welfare" ein Abfall der gestopften Oberschicht, den diese nicht mehr in die eigenen Bäuche stopfen konnte. Stabile soziale Verhältnisse entstehen daraus nicht.

    Lieber Knut
    eigentlich habe ich es mir abgewöhnt über Haarspaltereien in der Begrifflichkeitsdeutung von "Laissez-faire", "neoliberal", oder "Korporatismus" zu diskutieren.
    Es liegt offensichtlich immer an der "Schmerzgrenze" des Betrachters ab wann welche Definition für den Sachverhalt zutrifft.
    Du bist offensichtlich komplett Schmerzfrei, denn Dir scheint gar nicht aufgefallen zu sein, dass wir in diesem Land auf dem besten Weg sind die soziale Marktwirtschaft aufzugeben?
    Weißt Du warum? Wegen der Globalisierung? Ich bitte Dich. Welthandel gibt es schon Jahrhunderte. Globalisierung ist kein Naturgesetz. Nein, die Globalisierung muss für jede Sauerei herhalten, die uns von Denen zugemutet werden, die schon immer das große Rad gedreht haben.
    Möchtest Du auch dazu gehören?
    Und ja. selbstverständlich halte ich Deine Vorschläge PPP weiter zu penetrieren als irrsinnig. Nur weil die Telefonrechnung etwas gesunken ist hat keine Privatisierung im öffentlichen Sektor dem Bürger etwas gebracht. Sag mal ein Beispiel.
    In der Rente rate ich jedem mal ein Gespräch mit den amerikanischen Freunden anzufangen, die jetzt auf Grund "der wunderbaren freien Kapitalmärkte" ihre komplette Alterversorgung verloren haben!

    Und ja, ich möchte nicht zurück in die "gute alte Steinzeit der indutriellen Revolution" zurück. Nein, da waren die Märkte frei, vor allen Dinge die Arbeitsmärkte waren so was von flexibel, ne? Dafür bin ich wirklich nicht zu haben.

    Nein, einen Sozialismus a la DDR möchte ich nicht haben, aber sehr wohl ein Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft. Dieses Land ist damit groß geworden und hat dank der sozialen Ausgewogenheit Frieden und Freiheit gesichert.

    Aber bitte verschone mich mit den schönen Lippenbekentnissen der Politiker zur sozialen Marktwirtschaft, oder dieser Lobbyistenvereinigung INSM, die den Begriff entehrt hat.

    Fakt ist, dass die "marktradikalen Politiker" kein Utopia wie in Chile durchsetzen können. Diese menschenverachtende "wirtschftsliberale" Geisterbahn wird in unserer Demokratie niemals durchzusetzen sein. Und das ist auch gut so. Damit das so bleibt, müssen diese leeren Heilsversprechen der Vulgärökonomen aufgedeckt werden.

    In diesem Sinne
    Gute Besserung

    Neuland

  6. Wenn die Rezession so bei den Menschen ankommt wie der Aufschwung ist mir nicht bange.

  7. Wenn alle anderen in Panik ausbrechen, nur Sie allein bleiben ruhig -- wäre es denkbar, dass man Sie nicht informierte?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie man die Ölpreise hochspekuliert hat, so wird jetzt die Rezessionsgefahr herbeigeredet.
    Natürlich sind Schwankungen da aber von gewißen Kreisen werden sie benuzt zur Angstmache.

  8. Die Zeit schreibt, die deutsche Regierung tue nichts gegen die Rezession, während in anderen Ländern die Politiker eifrig dabei seien, die Konjunktur zu "stützen". Bei diesen "Konjunkturprogrammen" handelt es sich i. d. R. um politischen Aktionismus. Rezessionen werden vom Wähler verständlicherweise ungern gesehen. Für Politiker bietet es sich daher an, so zu tun, als würden sie etwas gegen die Rezession unternehmen. Aktionismus ist typisch für Politiker, schließlich müssen sie sich immer als wichtig und unverzichtbar darstellen. In der Regel ist die Bilanz solcher Konjunkturprogramme aber spätestens mittelfristig negativ. Das im Artikel genannte Spanien ist ein gutes und aktuelles Beispiel. Das dortige Konjunkturprogramme ist bereits verpufft.

    Die Leute sind nicht blöd. Sie wissen, dass zeitlich begrenzte Investitionsprogramme und Steuerrückzahlungen (s. USA) Einmaleffekte haben. Sind sie vorbei, kehrt die Wirtschaft wieder zu ihrer alten Lage zurück. Investitionsprogramme in die öffentliche Infrastruktur schaffen künstlich Arbeitsplätze, die beim Beenden des Programms sofort wieder wegfallen. Im Osten konnte man das sehr schön beobachten. Die Absurdität der Konjunkturmaßnahmen (Steuerschecks) in den USA wurde vom Comedian Dave Barry herrlich zusammengefasst:

    Q. What is an Economic Stimulus Payment?

    A. It is money that the federal government will send to taxpayers.

    Q. Where will the government get this money?

    A. From taxpayers.

    Q. So the government is giving me back my own money?

    A. Only a smidgen.

    Q. What is the purpose of this payment?

    A. The plan is that you will use the money to purchase a high-definition TV set, thus stimulating the economy.

    Q. But isn't that stimulating the economy of China?

    A. Shut up.

    Man muss verstehen, dass ein Großteil des deutschen Booms kein Resultat der deutschen Minireformen war, sondern vor allem durch das boomende Ausland entstand. Der Boom im Ausland war vielerort künstlich und wurde durch Spekulationsblasen (s. bspw. Immobilienmarkt in den USA) stimuliert. Das jetztige Abkühlen ist vor allem Resultat einer fälligen Marktkorrektur und dem Platzen der Blasen geschuldet. Dagegen ist mit politischen Aktionismus in Form von kurzsichtigen "Konjunkturprogrammen" nichts zu machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lieber Knut
    Die "reine Lehre" Deines Papstes "Friedman" ist doch selbst in seinem "Labor" gescheitert. Die Grausamkeiten, die immer in Zusammenarbeit mit der CIA den Menschen unter der Flagge der sog, Freiheit der Märkte angetan wurden stehen den Schlächtern des Kommunismus in nichts nach.

    Dein "TAX" Beispiel aus Amerika ist für sich grotesk. Denn wer kommt den für die Gier der Zocker dort mit 300 Milliarden auf? Der Steuerzahler. Eine Bank wird verstaatlicht! "DDR light" im Land der Freiheit der Märkte. Ist das nicht lustig? Man stelle sich vor Hugo Chavez hätte das gemacht und zufälliger Weise wäre Oskar Lafontaine dort im Urlaub?
    Das wäre ein Gemetzel der Gralshüter der freien Märkte in unserer bürgerlichen Presse.
    Das Perverse ist, dass die Ökonomen oft nicht über den Rechenschieber hinausschauen können und den gesellschaftlichen und kulturellen Schaden gar nicht verstehen. Zu Guter Letzt werden die Gewinne privatisiert und die Verluste sozialisiert. Aber immer "dicke Hose" für den freien Markt.

    Übrigens, die Steuern, die hier bezahlt werden müssen auch immer in die "schwarzen Löcher" gepumpt werden, damit der Kapitalismus weiter blühen kann. (IKB und Landesbanken)

    Für alle "Sozialdarwinisten" hat die TU Chemnitz jetzt einen eigenen Lehrstuhl. Dort hat man sich mit 132 Euro für Hartz IV Empfänger ins Herz der Turbokapitalisten katapultiert.

    Neuland

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service