In den USA ist so ein Wahlkampf eine endlose Sache. Er gleicht einer Schmierenkomödie, bei der stets dieselben Witze erzählt werden, die immer besser – oder auch trübsinniger – werden, je öfter man sie hört. In Österreich hingegen erinnert er eher an den Überfall durch eine vier Wochen lange Propagandaorgie. Hier ist er Teil der Festspielkultur. Im Juni die Euro, im Juli das JazzFest und Oper in Bregenz, im August Festspiele in Salzburg. Und im September wählen wir eben einen neuen Kanzler. Entertainment nonstop.

Viel spielt sich auf der Straße ab. Überall hängen Wahlplakate. Meinungsforscher glauben zwar nicht an deren Wirkung. Ich wäre mir da aber nicht so sicher. Schließlich gehen die Leute Tag für Tag daran vorüber, während sie mit anderen Dingen beschäftigt sind. Unbewusst nehmen sie dabei die Werbebotschaften auf.

Es ist ein Medienwahlkampf. Hier zählt das Aussehen. Beispielsweise der Sonnenjunge Heinz-Christian Strache von der ausländerfeindlichen FPÖ, der rechts außen ein viel erträglicheres Gesicht gibt als der berühmt-berüchtigte Jörg Haider. Der Kerl kann – ähnlich wie George W. Bush – kaum einen zusammenhängenden Satz sprechen, aber dank seiner azurblauen Kontaktlinsen und seines 1000-Watt-Lächelns wird er den Freiheitlichen möglicherweise rund 20 Prozent der Stimmen bringen.

Sein jüngster Image-Trick ist, passend zu den blauen Linsen, ein serbisch-orthodoxes Gebetsarmband, das er auf den rund 3000 Plakaten im ganzen Land am Handgelenk trägt. Das soll der serbischen Minderheit signalisieren, die FPÖ-Parole »Österreich den Österreichern« würde sie nicht unbedingt ausschließen. Dass tatsächlich jemand auf diesen Anbiederungsversuch hereinfällt, ist schwer vorstellbar. Aber unbewusst können sich doch einige Serben ein bisschen wohler fühlen, ohne recht zu wissen, warum.

Anderes Beispiel: der linkische und wenig einnehmende Wilhelm Molterer von der ÖVP. Der ist tatsächlich ein Mauerblümchen. Hier haben wir einen Mann, der auf dem falschen Empfang auftaucht, erkennt, dass er niemanden kennt, aber dem dann keine Ausrede für einen würdigen Abgang einfällt. In dieser Welt medialen Politikmarketings hatte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wahrscheinlich nie eine Chance. Intelligenz ohne Charisma läuft da ins Leere, und die zusätzlichen Kilo, die der Sozialdemokrat seit seinem Amtsantritt zulegte, waren auch nicht gerade hilfreich.

Nun wird uns mit einem Taschenspielertrick Werner Faymann als Spitzenkandidat angeboten, dessen freundliches Gesicht und vertrauenerweckendes Lächeln positive Qualitäten verströmen sollen. Genau genommen ist das ansprechende Gesicht alles, was man über ihn weiß – ausgenommen jener Geschichten, die von den Millionen an Steuergeldern erzählen, die er der Kronen Zeitung für Anzeigen zugeschanzt haben soll. Damit gewann er die Loyalität von Herausgeber Hans Dichand, und dadurch gewinnt er vermutlich auch die Wahlen. Warum dies kein Skandal ist, verstehe ich nicht. Offenbar, weil ohnehin schon jeder an solche Sitten gewöhnt ist.

Gibt es eigentlich auch irgendwelche inhaltlichen Themen? Schwierig. Die Inflation, die alle Österreicher mit voller Wucht getroffen hat, steht ganz oben auf der Liste. Wenn es fast unmöglich geworden ist, für weniger als 30 Euro in einem Restaurant essen zu gehen, dann ist eines der kostbarsten Güter des Landes in Gefahr: die Gemütlichkeit.