Terrorismus Al-Qaida allein zu HausAl-Qaida allein zu Haus
Warum der Terror sieben Jahre nach 9/11 die Kraft verliert, erklärt Josef Joffe
Warum der Terror sieben Jahre nach 9/11 die Kraft verliert, erklärt
9/11 plus 7: Sieben Jahre nach dem Anschlag von New York ist ein guter Moment, um über die Karriere des Terrors nachzudenken. Das Fazit vorweg: Glänzend sieht die nicht mehr aus.
Siehe London, wo ein Schwurgericht am Montag Schuldsprüche in einem Terrorkomplott verhängte; dabei wären so viele Menschen umgekommen wie in Manhattan. Bloß wurden die Dschihadisten vorher gefasst. Und das – die Vereitelung, nicht der Versuch – ist die eigentliche Nachricht. Rückblickend war der 11. September 2001 der Scheitelpunkt des Terrors, jedenfalls in Europa und Amerika. Die Neunziger waren voll davon: das jüdische Gemeindezentrum von Buenos Aires 1992 und 1994, der Kurdenmord in Berlin 1992, der Angriff auf das World Trade Center 1993, die U-Bahn-Bomben von Paris 1995, dazu der Doppelschlag gegen die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998. Und nach 9/11?
Madrid 2004, London 2005. Weder in Amerika noch in Europa konnte die Internationale des Mordes seitdem reüssieren. Aber ist denn nicht die Zahl der Terrortoten weltweit gewaltig gestiegen – bis auf 22700 im Vorjahr? Diese Zahl stammt vom National Counterterrorism Center der USA, und sie muss »dekonstruiert« werden. Allein im Irak sind 13600 Zivilisten umgekommen – 60 Prozent der globalen Opfer. Just dort tut sich allerdings Wundersames. Im August 2006 wurden 2733 Zivilisten gemordet, im August 2007 waren es 1598 und in diesem August 226. Diesen Krieg gewinnt »al-Qaida in Mesopotamien« also nicht – ebenso wenig wie »al-Qaida Central« in Amerika und Europa. Warum nicht?
Bekanntlich kennt der Sieg viele Väter. Einer ist die vorzügliche Zusammenarbeit der Polizei- und Geheimdienste. Der Westen, die Araber, die Russen, die Israelis: Sie alle kümmern sich nicht um die Streitereien ihrer Regierungen und haben sich gegen den gemeinsamen Feind verbündet. So wurden die Verschwörungen in England, Deutschland und Kanada aufgedeckt.
Ein zweiter Vater ist, horribile dictu, die amerikanische Armee, die mit der irakischen seit Sommer 2007 den Binnenkrieg im Irak gewinnt. Gerade ist die Provinz Anbar, das Zentrum des Aufstandes, in die Gewalt der Regierung übergegangen. Der Abzug der USA soll 2009 beginnen. Der dritte Vater der Niederlage ist al-Qaida selber. Der Heilsbringer ist zum Hassobjekt geworden – im Irak, wo die Gotteskrieger Schreckensregimente auf ihrem turf errichtet hatten, in Arabisch-Nahost insgesamt – zumal nachdem bin Ladens »Nummer zwei«, Abu Mussab al-Sarkawi, 2005 ein Blutbad unter einer Hochzeitsgesellschaft in Jordanien angerichtet hatte. Die Umfragen in Nahost untermauern, was der Qaida-Experte Peter Bergen in dürren Worten so ausdrückt: »Sich die ganze Welt zum Feind zu machen ist nie eine Siegesstrategie.«
Wenn wir sieben Jahre nach 9/11 der Opfer gedenken, können wir zwar nicht auf-, aber durchatmen. Obwohl die Dschihadisten jederzeit zuschlagen können, haben sie die strategische Partie verloren, weil sie sich mit der ganzen Welt angelegt haben. Deshalb können die Staatsschützer ruhig etwas leiser treten. Wenn die Freiheit verliert, gewinnt al-Qaida doch. Und wir hätten ihr den Sieg geschenkt.
- Datum 21.09.2009 - 14:52 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.09.2008 Nr. 38
- Kommentare 57
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Aehnlich differenziert und tiefschürfend wie eine Caroline Glick oder Daniel Pipes Kolumne in der Jerusalem Post. Wir siegen auf der ganzen Linie.
scheint Sie zutiefst zu beunruhigen. Oder wünschen Sie sich keine Niederlage der Al-Quaida?
scheint Sie zutiefst zu beunruhigen. Oder wünschen Sie sich keine Niederlage der Al-Quaida?
Aus diesem Film (Gansterkomödie) wurde dieses Satz verwendet. Josef Joffe vermied viele Begrifflichkeiten zu benutzen. Kein Wort über den islamistischen Terror, kein Wort über "Gotteskrieger" und "Taliban". Eine Zwischenbilanz, die es in sich hat. Dabei ist der Begriff der Verharmlosung noch Milde ausgedrückt. Zu sehr hat der islamistische Terror das Leben der Menschen hier verändert. Es hat dazu geführt, das am 20.September 2008 in Köln ein Anti-Islamisierungskngress stattfinden wird. Also, ist der gewalttätige islamistische Terror schon soweit fort geschritten, dass die Bedrohung fest in den Köpfen der Menschen ankommen ist. Und da kann man wirklich, von einem Erfolg auf der ganzen Linie sprechen!
Glauben Sie wirklich, die Faschisten, die sich in Köln treffen, brauchen einen Anlaß wie 09/11, um auf Seelenfang zu gehen?
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Glauben Sie wirklich, die Faschisten, die sich in Köln treffen, brauchen einen Anlaß wie 09/11, um auf Seelenfang zu gehen?
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
...nach all den jahren der terrorwarnungen ist das ja mal ein ganz interessanter inhaltlicher schwenk, den herr joffe da vollzieht.
interessant aus meiner sicht, dass das lockerlassen in sachen "war on terr'r" von einer verschärfung des tones in eine andere richtung begleitet wird.
ganz losgelöst von der tatsache, dass dieser mann in anderen artikeln bereits neue, offensichtlich besser geeignete feindbilder aufbaut, fände ich es interessant, einmal eventuelle parallelen zur raf zu ziehen.
deren entwicklung verlief ja ähnlich zu qaida und konsorten: als avantgarde des bewaffneten kampfes gegen den faschismus gestartet, und mit der bekämpfung derer, die sie eigentlich vom faschismus befreien wollten, geendet. so kanns gehen.
aber das ist nur eine fußnote.
...andererseits, horribile dictu, der terror im irak nicht nur von der us-armee unterdrückt, sondern primär ausgelöst worden war, wird natürlich trotzdem unterschlagen. wär ja auch ein bisschen viel erkenntnis auf einmal.
Man kann es nicht mehr hören.
Es ist allen, aber auch allen bekannt, dass der Einmarsch der Amerikaner a) falsch, b) dumm, und c) schlecht geplant und durchgeführt war. Wir wissen das alle, es wird nicht unterschlagen.
Viel zu oft wird leider unterschlagen (außer in diesem Artil) dass die Amerikaner ihre Strategie geändert haben und sich die Lage dort stetig verbessert. Sobald die Lage ruhig ist werden die Amerikaner mit ihrem Abzug beginnen.
wurde eindeutig nicht primär von den USA ausgelöst - da haben die Terror-Regime der Region schon selber für gesorgt:
http://hrw.org/german/docs/2005/02/17/iraq10191.htm
http://www.tagesschau.de/ausland/giftgasangriff2.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,446533,00.html
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Man kann es nicht mehr hören.
Es ist allen, aber auch allen bekannt, dass der Einmarsch der Amerikaner a) falsch, b) dumm, und c) schlecht geplant und durchgeführt war. Wir wissen das alle, es wird nicht unterschlagen.
Viel zu oft wird leider unterschlagen (außer in diesem Artil) dass die Amerikaner ihre Strategie geändert haben und sich die Lage dort stetig verbessert. Sobald die Lage ruhig ist werden die Amerikaner mit ihrem Abzug beginnen.
wurde eindeutig nicht primär von den USA ausgelöst - da haben die Terror-Regime der Region schon selber für gesorgt:
http://hrw.org/german/docs/2005/02/17/iraq10191.htm
http://www.tagesschau.de/ausland/giftgasangriff2.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,446533,00.html
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Erst die "Ereignisse"vom 11.09.01 irgendwelchen Islamistengruppierungen (die es wahrscheinlich gar nicht wirklich gibt) in die Schuhe schieben und dann erzählen das man diesen "Feind" besiegt hat...
So kann man sich nicht nur seinen eigenen Krieg, sondern auch Sieg machen. Schade nur das unsere Demokartie darunter schwer zu leiden hatte.
Erst die "Ereignisse"vom 11.09.01 irgendwelchen Islamistengruppierungen (die es wahrscheinlich gar nicht wirklich gibt) in die Schuhe schieben und dann erzählen das man diesen "Feind" besiegt hat...
Wer schiebt hier in die Schuhe?
Wer sind die 'irgendwelchen Islamistengruppen'?
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
sich von NATO und den Amerikanern zu trennen.
Bestimmt nichts! Habe ich Recht?
Erst die "Ereignisse"vom 11.09.01 irgendwelchen Islamistengruppierungen (die es wahrscheinlich gar nicht wirklich gibt) in die Schuhe schieben und dann erzählen das man diesen "Feind" besiegt hat...
Wer schiebt hier in die Schuhe?
Wer sind die 'irgendwelchen Islamistengruppen'?
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
sich von NATO und den Amerikanern zu trennen.
Bestimmt nichts! Habe ich Recht?
Die Wirkung und das Ziel von Terrorismus liegt nicht im Töten ud Zerstören direkt, sondern in den psychologischen Wirkungen auf die Systeme und Gesellschaften die das Ziel des Terroristen sind. So betrachtet war und ist der "Terrorismus" sehr erfolgreich darin, Taktgeber für die Gesetzgeber zu sein. Jede "Sicherheitsmaßnahme" jede Überwachungseinrichtung die wir aus dem Boden stampfen ist vieleicht nützlich um den Terrorismus zu bekämpfen, aber was machen wir damit, wenn wir den Terrorismus "besiegt" haben (soweit das möglich ist)? Sie werden wohl kaum mit verschwinden, sondern was zurück bleibt ist der Überwachungsstaat. Und vom Kampf gegen Terroristen zum Kampf gegen Dissidenten ist es nicht weit, siehe Reichtagsbrand.
Aber gut, wir haben die Überwachungs- und Kontrollpille gegen den Terrorismus geschluckt. Jetzt können wir nur hoffen, das wir nicht an den Nebenwirkungen anstatt am Terrorismus zugrunde gehen.
doch was ist jetzt zu tun gegen die 'Nebenwirkungen'?
http://www.heise.de/newsticker/Bestaetigt-US-Zoll-darf-Laptops-durchsuchen--/meldung/113690
http://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/0,1518,552594,00.html
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
doch was ist jetzt zu tun gegen die 'Nebenwirkungen'?
http://www.heise.de/newsticker/Bestaetigt-US-Zoll-darf-Laptops-durchsuchen--/meldung/113690
http://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/0,1518,552594,00.html
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
"Wenn die Freiheit verliert, gewinnt al-Qaida doch." ihr Zitat Herr Josef Joffe. Und allemal wert, darüber nachzudenken. Sie haben es vorgezogen, daraus ein Resümee zu machen.
Stattdessen durchleuchten sie den Terror, aus der Sicht von Kevin. Ja, Kevin hat die Ganoven besiegt, sie zurückgeschlagen und sie gedemütigt.
Onlinedurchsuchungen, an jeder Ecke eine Kamera, alles Sicherheitsmaßnahmen. Sicherheitsmaßnahmen haben einen Beigeschmack, nicht jeder mag diesen.
Was hat der Westen, im Namen "Gegen den Terror" noch für Schabernack getrieben. Oder war es im Namen der Demokratie zur Ressourcensicherung!
Kann sein das ich naiv bin, ist aber egal, ich kanns mir leisten. Ich frage mich, warum versucht Al Quaida eine Allianz gegen den Westen zu bilden. Und wie groß ist die Anhängerschaft wirklich? Wie viele Islamisten, denen das hier, nur zum Jenseits dient. Eine durchaus gefährliche Ansicht.
Gäbe es sichere Methoden als diese Strickwerke von Geheimdiensten, bei denen doch wirklich keiner weiß, für wem sie wirklich arbeiten.
Sichere Methoden, friedlichere Methoden, Dialog. Man kann Niemanden zwingen, außer mit Gewalt. Wie könnte so ein Dialog aussehen Herr Joffe? Ich weiß es nicht!
'Es gibt Menschen, die wollen keinen Dialog!'
Was macht m,an dann mit solchen Weltbürgerkriegern?
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
'Es gibt Menschen, die wollen keinen Dialog!'
Was macht m,an dann mit solchen Weltbürgerkriegern?
'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)
Der Artikel wirkt ein wenig konstruiert, um das Resümee am Schluss zu rechtfertigen. Das soll die Aussage aber nicht schmälern.
Nur: man hätte sich gewünscht, dass eine Prüfung nach dem Maßstab "Wenn die Freiheit verliert, gewinnt al-Qaida doch." auch bisher von der Politik jedes mal dann vorgenommen worden wäre, wenn Einschränkungen der Freiheit zur Debatte standen. Das ist m.E. das Pflichtprogramm für jeden Demokraten.
Markantes Beispiel im BKA-Gesetz: Richtervorbehalt bei Überwachungsmaßnahmen entfällt und wird einfachen weisungsgebundenen Beamten überlassen. Ja wo gibt es denn sowas ?
Dann wird natürlich gestöhnt: wir haben zu wenig Richter. Antwort darauf: dann stellt gefälligst so viele Richter ein, wie nötig sind für das Funktionieren eines Rechtsstaats. Es ist schon schlimm genug, dass Ermittlungsrichter recht lax über Grundrechtseingriffe entscheiden, aber diese Entscheidung ganz entfallen zu lassen ist untragbar.
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