Autotest Sanftes Schnurren

ZEITmagazin-Redakteur Wolfgang Lechner war mit Wolfram Siebeck essen. Und durfte danach seine Kutsche fahren

Als die Menschen noch mit Kutschen reisten, erzählt man sich, da gab es Pferde, die fanden den Weg nach Hause auch noch, wenn der Kutscher auf seinem Bock längst eingeschlafen war. Vor Müdigkeit oder voll des süßen Weins oder weil der Braten im Wirtshaus wieder so üppig gewesen war. Egal: Die Pferde trabten fröhlich fürbass, brachten den Wagen vor dem Hoftor zum Stehen und weckten den Kutscher mit sanftem Wiehern.

Heute spannt einer wie Wolfram Siebeck 279 Pferde vor seine Kutsche, heute gäbe es Navigationssysteme, Spurassistenten, Abstandswarner – und trotzdem will so ein Wagen noch gesteuert werden. Auch nach einem Restauranttest, bei dem sich Abstinenz aus logischen Gründen verbietet. Dann ist die Stunde des Autotesters gekommen.

Elf Jahre ist dieser E 430 schon alt, hat 220.000 Kilometer auf dem Buckel und schnurrt über die Straßen der Drôme, als würde er den Weg nach Puy Saint Martin längst auswendig kennen, auch ohne GPS. Ausgestattet nämlich ist Wolfram Siebecks Auto vor allem mit Dingen, die das Ein- und Aussteigen und das Fahren bequem machen: elektrische Sitzverstellung, Automatikschaltung, so was.

Und nachdem auch das Dessert gewürdigt ist, welches das Menü vorhin beschloss, kann der Fahrzeughalter auf dem Beifahrersitz über sein zweitliebstes Thema sprechen. Erzählt, wie er auf der (deutschen!) Autobahn schon mal 230 Sachen fährt, wie der Drehzahlmesser dann höchstens 1500 Umdrehungen zeigt, dass der Achtzylinder auch dann nicht mehr als zehn Liter schluckt. Wie viele (viele!) Weinkisten sich im Laderaum verstauen lassen, dass aber das Umklappen der Rücksitze ziemlich mühsam sei. "Schreiben Sie das!"

Dann: Ruhe. Nur das Schnurren des Motors, leises Atmen vom Beifahrersitz, das Knirschen der Reifen auf dem Kies der Hofzufahrt. Und zuletzt Barbara Siebecks sanfte Stimme aus dem Fond: "Wolfram, wir sind da!"

Technische Daten:
Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 205 kW (279 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO²-Emission: 292 g/km
Durchschnittsverbrauch: 12,5 Liter
Preis bei Erstzulassung (Juli 1997): 127.098 Mark

 
Leser-Kommentare
  1. Gänsestopfleber und Ressourcenverbrauch.

    Das Essen von Teilen gequälter Kreaturen und der ungehemmte Verbrauch von Ressourcen geben sich offensichtlich die Hand.

    Nicht schön...

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