Sie hüllen ihre Körper in Schärpen aus Bohnenschoten und Federn. Ihren Schmuck stellen sie aus Schneckenhäusern, Nüssen oder Kürbisblüten her und setzen sich Blatt- und Grasbüschelarrangements als Hüte auf. Täglich treffen die Kinder der Mursi und Surma, zweier befreundeter Stämme im Süden Äthiopiens, an den Ufern des Flusses Omo zusammen. Mit Pigmentfarben aus Vulkanerde und schnellem Pinselstrich bemalen sie einander, werden eins mit ihrem Pflanzenkostüm, als müssten sie sich wie Jäger oder Krieger der Natur ganz anverwandeln. Der deutsche Fotograf Hans Silvester hat zwölf Reisen ins Tal des Omo unternommen, vor zwei Jahren bereits einen Doppelband mit grandiosen Aufnahmen abgeliefert und nun noch einmal nachgelegt. Die Kleider der Natur heißt die Fortsetzung der faszinierenden Bildergeschichte. Der Betrachter mag sich angesichts dieser Porträts an die Kunst der Avantgarde erinnert fühlen. In Wahrheit wird er Zeuge eines kreativen Schaffens, das vielleicht so alt wie die Menschheit ist. CS

Hans Silvester: "Kleider der Natur. Die Kunst des Körperschmucks im Tal des Omo". terra magica Verlag, München 2008; 168 S., 39,95 Euro

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Foto: Hans Silvester