Technik und Psyche Spaß mit Robotern

Wie steht der Mensch zur Maschine? Ein Gespräch über eine ungewöhnliche Beziehung

DIE ZEIT: Wir spielen mit Computern und lassen uns in Zukunft vielleicht sogar von Robotern pflegen. Ist der Mensch ersetzbar?

Sören Krach: Nein. Sitzt uns eine Maschine gegenüber, haben wir weniger Spaß und versuchen weniger, uns in sie hineinzuversetzen als in einen Menschen. Allerdings lassen wir uns leicht täuschen: Je menschlicher die Maschine aussieht, desto eher reagieren wir auf sie wie auf einen Menschen.

ZEIT: Wie haben Sie das getestet?

Krach: Wir haben unsere Probanden ein Computerspiel spielen lassen, bei dem sie mit ihrem Gegenüber zusammenarbeiten mussten – das waren entweder ein Laptop, zwei verschiedene Roboter oder ein Mensch. Interessant fielen die Reaktionen auf die Maschinen aus: Obwohl die Roboter die gleichen zufälligen Spielzüge machten, gaben die Probanden an, mit dem einen mehr Spaß gehabt zu haben als mit dem anderen. Ein Proband berichtete sogar, er hätte eine »gute Ebene der Kooperation mit dem Roboter gefunden«. Der einzige Unterschied war aber, dass Barthoc jr. im Gegensatz zu dem anderen Gerät die Form eines Menschen hatte.

ZEIT: Kann man Kooperation auch messen?

Krach: Es gibt in den Neurowissenschaften den Begriff der »Theory of Mind«. Er bezeichnet die Fähigkeit, sich in einen anderen hineinzuversetzen, ihm Wünsche und Absichten zuzuschreiben – eine Voraussetzung für kooperatives Verhalten. Während die Probanden spielten, haben wir ihre Hirnaktivität im Kernspintomografen gemessen: Je menschlicher der Gegner aussah, desto aktiver waren jene Bereiche des Gehirns, die für den Perspektivwechsel zuständig sind.

ZEIT: Heißt das, Beziehungen zu ferngesteuerten Hunden, Männern oder Frauen könnten funktionieren, wenn diese nur echt genug aussähen?

Krach: So weit möchte ich das Experiment nicht interpretieren, es ging ja erst mal nur um ein simples Computerspiel. Die Interaktion mit einem echten Menschen rief auch in unserem Versuch die stärksten Reaktionen hervor. Bisher können wir nur sagen, dass man mit einem gut nachgebauten Partner sicher mehr Spaß hätte, als mit einem schlecht nachgebauten. Vorausgesetzt, man möchte sich überhaupt in ihn hineinversetzen.

Interview: Katrin Zeug

 
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  • Quelle DIE ZEIT, 18.09.2008 Nr. 39
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  • Schlagworte Technik | Psyche | Computerspiel | Roboter | MIT
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