Autogas Glücksgefühle beim Tanken

Flüssiggas findet als günstige Alternative zum Benzin viele Kunden

Christian Materla ist gern Pendler. Jeden Morgen steigt er in seinen in die Jahre gekommenen Mercedes und fährt 130 Kilometer weit. Der 53-Jährige arbeitet in Berlin, wohnt aber in Mecklenburg-Vorpommern, kurz vor der polnischen Grenze. Macht anderthalb Stunden Fahrzeit – pro Richtung. »Dafür haben wir ein wunderschönes Einfamilienhaus auf dem Land«, sagt er, »zu einem Preis, von dem wir in Berlin nur träumen konnten.« Wenn da die hohen Spritpreise nicht wären. Materlas monatliche Ausgaben für Treibstoff sind inzwischen auf über 750 Euro geklettert. »Es war Zeit, mich vom Benzinpreis abzukoppeln«, sagt Materla. Nur wie? Er hat Fachzeitungen durchgeblättert, im Internet recherchiert, sich in Onlineforen mit anderen Pendlern ausgetauscht. Schließlich stand sein Entschluss fest: »Ich steige auf Autogas um.«

Wenige Branchen profitieren so stark von den hohen Benzinpreisen wie die kleine Zunft der Autogas-Umrüster. Für 2.000 bis 3.000 Euro können sie praktisch jeden Benzinmotor auf Gasversorgung umstellen. Was früher als enorme Investition erschien, kommt vielen Autofahrern mittlerweile vor wie ein Schnäppchen: Je höher der Benzinpreis steigt, desto schneller rechnet sich die Umrüstung. Ein Liter Flüssiggas, kurz LPG (Liquid Petroleum Gas) genannt, kostet um die 70 Cent. »Man tankt quasi zum halben Preis«, sagt der Verkehrswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer, Direktor am Center Automotive Research (CAR) der Fachhochschule Gelsenkirchen. Das Institut geht davon aus, dass 2015 bereits zwei Millionen Flüssiggasautos auf Deutschlands Straßen fahren werden. 2003 waren es gerade einmal 13.000, dieses Jahr sollen es 350.000 werden. »Die Entwicklung hat erst begonnen«, sagt auch Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

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Schon jetzt hinkt das Angebot der Nachfrage hinterher: Wer sein Auto für einen Umbau anmeldet, muss vielerorts mit zwei und mehr Monaten Wartezeit rechnen. »Wir arbeiten seit Monaten an der Kapazitätsgrenze«, sagt Sven Hager, der in Berlin eine der größten Umbaufirmen betreibt. 18 Mitarbeiter hat er inzwischen, um die 20 Autos schaffen sie pro Woche. Auch den Mercedes von Christian Materla haben sie umgerüstet. Dass der Benzinpreis in den vergangenen Wochen gesunken ist, habe ihnen keinerlei Atempause verschafft, berichtet Hager: »Das ist jetzt ein Selbstläufer. Die Leute sind durch die hohen Spritkosten sensibel geworden und haben sich informiert. Bis vor Kurzem wusste doch kaum einer, was LPG überhaupt ist.«

Der größte Vorteil von Flüssiggas hat dem Treibstoff seinen Namen gegeben. Im Gegensatz zum Erdgas ist LPG schon bei relativ niedrigen Temperaturen und geringerem Druck flüssig. Das macht die Tanks kleiner. Häufig lassen sie sich in der Mulde des Ersatzrads verstecken, während für die dickwandigen Erdgastanks meist der ganze Kofferraum draufgeht. Auch der Einbau einer LPG-Anlage ist deutlich günstiger, die Autobesitzer zahlen dafür im Schnitt 1.000 Euro weniger als für die Erdgasumrüstung.

Trotzdem haben Erdgasfahrzeuge, vor allem als Taxis, lange die öffentliche Wahrnehmung beherrscht – was nicht nur daran lag, dass die Spritkosten pro Kilometer noch niedriger liegen als beim LPG. Ausschlaggebend war, dass die Bundesregierung zunächst vor allem Erdgas steuerlich begünstigen wollte. Erst später gab sie auch der Flüssiggaslobby nach. Jetzt bekommen beide Antriebsarten bis 2018 dieselbe Förderung – mit dem Argument, dass sie beide einen um rund ein Fünftel niedrigeren CO₂-Ausstoß verursachen als Benzin. Zwar ist Erdgas noch ein wenig umweltfreundlicher. Doch Dudenhöffer glaubt, dass das Rennen zwischen den beiden Antriebsformen schon gelaufen sei: »Am Ende entscheidet nicht das Umweltgewissen der Autofahrer. Ausschlaggebend sind die Gesamtkosten und der Komfort. Beide Gesichtspunkte sprechen eindeutig für LPG.«

Neue Statistiken geben Dudenhöffer recht. Die Zahl der Flüssiggasautos wächst doppelt so schnell wie die der Erdgasfahrzeuge. Und auch in absoluten Zahlen liegt LPG inzwischen vor dem langjährigen Marktführer. Das Tankstellennetz für Autogas ist mit 4.000 Stationen in Deutschland bereits fünfmal so groß wie das für Erdgas. Anfangs hatte die Angst vor Garantieausfällen viele Autofahrer von einer Nachrüstung abgeschreckt . Doch inzwischen haben immer mehr Hersteller auch Neuwagen mit LPG-Antrieb im Programm.

Leser-Kommentare
  1. Wie sieht es damit aus? Gas geht in die Luft, verflüchtigt sich das schnell genug, oder gibt es dann einen Filmreifen knall wenn ein Lastwagen in mich rein fährt?

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    Flüssiggasanlagen sind sogar noch sicherer als Benzintanks.

    Erstens ist der LPG-Tank viel solider. Sie hat eine dicke Stahlwand, nicht dieses dünne Blech oder Kunststoff aus dem Benzintanks gebaut werden. Deswegen ist es sogar in ganz schlimmen Unfällen noch nie passiert dass der LPG-Tank reisst.

    Zweitens hat jeder LPG-Tank ein Überdruckventil. Falls das Fahrzeug brennt (und deswegen der Druck im Tank ansteigt), öffnet sich dieses Ventil und lässt das Gas raus. Selbstverständlich brennt das dann natürlich sofort, ABER die Flamme ist kontrolliert und der Druck im Tank steigt nicht mehr an. Dadurch ist eine Explosion unmöglich. Benzintanks haben solche Ventile nicht.

    Flüssiggasanlagen sind sogar noch sicherer als Benzintanks.

    Erstens ist der LPG-Tank viel solider. Sie hat eine dicke Stahlwand, nicht dieses dünne Blech oder Kunststoff aus dem Benzintanks gebaut werden. Deswegen ist es sogar in ganz schlimmen Unfällen noch nie passiert dass der LPG-Tank reisst.

    Zweitens hat jeder LPG-Tank ein Überdruckventil. Falls das Fahrzeug brennt (und deswegen der Druck im Tank ansteigt), öffnet sich dieses Ventil und lässt das Gas raus. Selbstverständlich brennt das dann natürlich sofort, ABER die Flamme ist kontrolliert und der Druck im Tank steigt nicht mehr an. Dadurch ist eine Explosion unmöglich. Benzintanks haben solche Ventile nicht.

  2. Flüssiggasanlagen sind sogar noch sicherer als Benzintanks.

    Erstens ist der LPG-Tank viel solider. Sie hat eine dicke Stahlwand, nicht dieses dünne Blech oder Kunststoff aus dem Benzintanks gebaut werden. Deswegen ist es sogar in ganz schlimmen Unfällen noch nie passiert dass der LPG-Tank reisst.

    Zweitens hat jeder LPG-Tank ein Überdruckventil. Falls das Fahrzeug brennt (und deswegen der Druck im Tank ansteigt), öffnet sich dieses Ventil und lässt das Gas raus. Selbstverständlich brennt das dann natürlich sofort, ABER die Flamme ist kontrolliert und der Druck im Tank steigt nicht mehr an. Dadurch ist eine Explosion unmöglich. Benzintanks haben solche Ventile nicht.

    Antwort auf "Und die Sicherheit?"

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