Ausstellung Von Ludwig II. zu King Louie
Wie Walt Disney die Schatztruhe der Weltkultur plünderte – eine Ausstellung in München
Es scheint das deutsche Schicksal dieses Films zu sein, dass er bei uns sporadisch und in Sondervorstellungen gezeigt wird. Denn er wurde nach seinem Erscheinen als erster abendfüllender Zeichenfilm im Jahr 1938 in Berlin schon einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgeführt, als sich schon die Wolken am diplomatischen Himmel zusammenzogen.« So feierte die Film-Revue die erste Aufführung 1948 von Walt Disneys Snow White and the Seven Dwarfs in Nachkriegsdeutschland. Die Aufführung verdankte sich einer Initiative des amerikanischen Gouverneurs für Bayern als »Weihnachtsgeschenk« an Münchner Kinder. Die Zeitschrift kratzt an einem zunächst überraschend anmutenden Zusammenspiel zwischen NS-Propaganda und US-Popkultur, ohne diesen allerdings weiter zu erläutern. Statt dessen ist von »24000 strahlenden Kinderaugen« die Rede.
Die nun nach München kommenden Ausstellung Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst ist dieses Zusammenspiel gleich gänzlich entgangen. Und man könnte im selben Atemzug hinzufügen: Das ist auch nicht ihr Thema. Denn die Ausstellung sucht nach motivischen, stilistischen und figurativen Vorbildern der Filmkunst Disneys in Europa und kümmert sich nicht um mögliche Rückwirkungen Disneys auf die Kultur des Alten Kontinents.
Dass Disney seine Plots ebenso wie seine zeichnerischen Motive allen Schatztruhen der Weltkultur entnahm, ist eine im Prinzip bekannte Tatsache. Der Wert der Ausstellung liegt darin, diese »Entnahmen« für die Zeichentrickfilme der Jahre 1937 bis 1967, von Schneewittchen über Bambi, Fantasia, Dumbo, Aschenputtel, Susi und Strolch bis zum Dschungelbuch Film für Film, Motiv für Motiv im Einzelnen nachzuweisen. Dabei lassen sich durchaus überraschende, manchmal auch erwartbare, nun aber glücklich konkretisierbare Einsichten gewinnen. Ausgehend von der dominanten thematischen Rolle der Märchen der Brüder Grimm, positioniert sich im Zentrum der Ausstellung mit geradezu Heiterkeit erweckender Deutlichkeit die bayerische Sekundärkunst um den »Märchenkönig« Ludwig. Sogar ein bisher niemals aufgestellter Ofen des melancholischen Sissy-Fürsten wird erstmals gezeigt. Das ist etwas viel der bayerischen Folklore, sorgt aber vielleicht auch als Münchner Neo-Camp für Aufmerksamkeit.
Die Reize der Verbindung von Ludwig-Sissy-Disney-Schneewittchen und, wie die Ausstellung klugerweise pointiert, Joan Crawford als Modell aller bösen und schönen Stiefmütter dieser Welt sind aber nur ein Aspekt. Die Ausstellung untersucht ganz ernsthaft den Gedächtnisschatz der Disney-Werkstatt in Sachen europäischer Kunst. Von Dürer über Brueghel, Piranesi, Friedrich, Carus bis zu Dalí reicht dieser Motiv-Vorrat. Er zeigt Disney nicht nur als genialen Gedächtniskünstler, sondern auch als ästhetischen Erzieher, der unseren Blick mittelbar zurück auf die eigenen Schätze lenkt. An Daumier, Doré und vor allem Grandville zeigt sich, wie genau Disney die frühe europäische Massengrafik analysiert haben muss, um zu eigenen Formen populärer Unterhaltung zu gelangen.
Das sind Andeutungen. Deutlicher wird die Ausstellung, wenn es um den genuinen Disney-Thrill geht und sie La Fontaine und Grandville klug und subtil ins Visier nimmt. Allerdings fehlt der Zugang zu Lessings Fabeltheorie und damit eine wesentliche Pointe zu allen »sprechenden Tieren«. Mit ihr wäre eine das Gesamtwerk Disneys – also nicht nur seine Filme – erfassende Schlussfolgerung möglich gewesen. Nach Lessing ist die Fabel der plausibelste Weg, »der Menschheit« über alle Zeiten und Regionen hinweg einen Spiegel vorzuhalten, also ihr als Gattung zu begegnen. Und ist ebendeshalb eine allegorische Erzählform aller Völker und Zeiten, ja der »Weltkultur«.
Und in der Tat war Disney der erste populäre Imaginationsindustrielle der Weltkultur. Der Themen- und Motivschatz Disneys stammt eben nicht nur aus Europa, sondern aus aller Welt: Drachen aus China, Katzen aus Siam, Mumien und Monster aus Nordafrika, Tempelschätze aus Mittelamerika, Hexenmärchen aus Japan und immer wieder Plots und Pointen aus der Großküche Hollywoods.
- Datum 23.09.2008 - 14:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.09.2008 Nr. 39
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ein blödes Sehen und Vertrauen-Glauben lehren, welches sich auf der Ebene des Kindsehens abspielt. Auf der einen Seite war Walt Disneys Zeichentrick eine technische Revolution, auf der anderen Seite steckte in ihr eine okkulte Intention, Massen zu bündeln und zu lenken. Im übrigen arbeitete der sympathische US-Boy mit der NASA zusammen, ob er den NaWis nur eine gute Unterrhaltung wünschte...
dass es zu dieser zeit noch nicht die zweite novelle des dritten entwurfs der durchführungsverordnung des fünften korbes der urheberrechtsgesetzgebung in zeiten globaler internetzkommunikation gab
"Aschenputtel passt der Schuh (und nicht der Koitus)"
Kuriose Metapher, wie kann Koitus jemandem "passen"?
noch bizarrer wird es wenn man sie konsequent zuende denkt. Man versuche sich bildlich vorzustellen wie Aschenputtel ihren Koitus auf der Treppe liegen lässt.
dass ihr nicht zufällig auf einem auf der treppe herumliegenden koitus ausrutscht! - macht doch sinn! wenn die zu früh ausrutschen, dann geht's auf der treppe abwärts. die mädchen werden zu gefallenen und die jungs rutschen in die politik. wenn ohne migrationshintergrund. aber den haben prinzen ja nie! also. und die mit migrationshintergrund rutschen dahin, wo sie hingehören. erst in die schlagzeilen und dann in den knast.
woraus wir ganz allgemein lernen, dass böse taten immer die ihnen gebührende strafe finden.
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