Marktturbulenzen Eine Krise in vier Wellen

Von der Immobilienkrise zur weltweiten Rezession - Eine Chronik

NEW YORK - MARCH 24:  Reflections of other Midtown buildings are seen in a window at Bear Stearns headquarters March 24, 2008 in New York. A new agreement will give Bear Stearns shareholders five times the payout than was outlined in a JPMorgan Chase & Co. buyout deal last week.  (Photo by Chris Hondros/Getty Images)

NEW YORK - MARCH 24: Reflections of other Midtown buildings are seen in a window at Bear Stearns headquarters March 24, 2008 in New York. A new agreement will give Bear Stearns shareholders five times the payout than was outlined in a JPMorgan Chase & Co. buyout deal last week. (Photo by Chris Hondros/Getty Images)

Als die britische Großbank HSBC am 7. Februar 2007 verkündet, dass sie wegen höherer Risiken im US-Immobiliengeschäft ihre Rücklagen erhöht, ahnt kaum jemand, dass dies der Auftakt für eine Krise ist, die die gesamte Weltwirtschaft erfassen wird und bis heute andauert. In der ersten großen Welle erwischt es im Sommer des vergangenen Jahres Hedgefonds wie jene der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns, die Milliardenverluste einfahren und geschlossen werden – vor allem aber auch deutsche Banken: So rettet nur eine Kraftanstrengung der hiesigen Finanzbranche die IKB Deutsche Industriebank vor dem Aus, dann erwischt es die Sachsen LB. Beide hatten sich mit spekulativen Papieren aus den USA verkalkuliert. Insbesondere die Rettung der IKB, die eine private Bank war, aber zu großen Teilen der staatlichen KfW gehörte, kostet den Steuerzahler mehrere Milliarden Euro. Im August 2008 verkauft die KfW ihre marode Tochter dann an einen Finanzinvestor.

Misstrauen macht sich unter den Banken breit: Wer sitzt auf welchen Papieren, wem drohen hohe Abschreibungen, wer ist noch flüssig? Weltweit horten die Banken im Sommer 2007 ihr Geld, die Zentralbanken reagieren mit mehreren Liquiditätsspritzen und – zumindest in den USA – mit Zinssenkungen. Die britische Bank Northern Rock wird verstaatlicht. Gegen Ende des Jahres folgt dann die zweite große Welle der Krise: Vor allem in den USA melden Banken Milliardenabschreibungen. Chefs von Topadressen wie Citigroup oder Merrill Lynch verlieren reihenweise ihren Job, Staatsfonds aus China, Singapur oder den Golfstaaten springen als Investoren mit frischem Kapital ein. Deutsche Landesbanken wie die WestLB oder die BayernLB geraten durch die Abwertung ganzer Anlageklassen ins Wanken.

Es folgt die dritte Welle: Im März 2008 rettet die amerikanische Notenbank Fed die Investmentbank Bear Stearns mit einer 29-Milliarden-Bürgschaft – das Institut wird zu einem Spottpreis an JPMorgan Chase verkauft. Stimmen mehren sich, dass die Finanzkrise nun auch die Konjunktur in den USA und in Europa bedrohe. Befürchtungen, die Banken könnten ihre Kreditvergabe massiv einschränken, bewahrheiten sich ebenso wenig wie Prognosen, die Krise sei bald vorbei.

Immer neue Abschreibungen erschüttern die Banken, immer neue Finanzinstitute wechseln wie Wachovia oder Fortis ihre Chefs aus oder machen wie Indymac in Amerika Pleite. Anfang September übernimmt der amerikanische Staat die Kontrolle über die zwei, für die Stabilität des Immobilienmarktes zentralen Baufinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae und bewahrt sie so vor dem Bankrott. Ein Schritt, zu dem die Regierung im Fall von Lehman Brothers eine Woche später nicht mehr bereit ist. Die vierte Welle rollt.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 17.09.2008 um 21:03 Uhr

    Unbeeindruckt stürzen sie den Rest der Welt ins Verderben und diesen Zustand gab es ähnlich schon einmal in den Zwanzigern des vorigen Jahrhunderts.
    Das System ist in sich marode und menschenverachtend, denn wirklich bluten werden letzlich , die ganz unten.
    Es bleibt noch die Frage offen, welche mögliche Absicht steckt eigentlich hinter diesem ganzen Crash und wer wird davon profitieren?
    Welche Zusammenhänge gibt es zur US-Regierung und zu deren unsäglichen Kriegen im Nahen Osten.
    Zu guter letzt noch die alles entscheidende Frage, was kommt auf diese Welt in der nächsten Zeit noch zu und wieviel Tage sind es noch bis zum nächsten Krieg?
    MfG Orpheus13437

    • Anonym
    • 17.09.2008 um 21:21 Uhr

    ..1969, 2001, 2008.. ? Was ist das treibende Wesen dieses Cern's? Ein Zählen zur Enthüllung, aber um was zum Vorschein zu bringen? Die War-heit?

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