Rechtsextremismus Kein Kölsch

Rechtsextreme im Anmarsch: Köln vor dem »Anti-Islamisierungskongress«.

Den Besuchern wird es schwerfallen, auch nur ein Bier zu bestellen. »Kein Kölsch für Nazis«, haben Kölner Gastwirte als Motto auf 200.000 Bierdeckeln ausgegeben. Die Parteigänger des rechtsradikalen belgischen Vlaams Belang etwa, die am Wochenende zum »Anti-Islamisierungskongreß« eintreffen, sollen gar nicht erst auf die Idee kommen, sie würden freundlich aufgenommen. Schätzungsweise 40.000 Kölner wollen gegen den Kongress demonstrieren. Kein Grund zur Sorge, könnte man meinen, das liberale Köln hält dem Angriff der Rechtsradikalen stand. Doch das ist ein Irrtum. Die Rechtspopulisten haben längst hinter der Fassade des demokratischen Pluralismus gesät und beginnen nun zu ernten.

Zu dem »Anti-Islamisierungskongreß« hat das rechte Kommunalbündnis mit Namen Pro Köln eingeladen. Etwa 1500 Sympathisanten aus ganz Europa werden erwartet, darunter die Creme der rechten Radikalen aus Italien, Frankreich, Belgien und Österreich. Gemeinsam wollen sie ein Thema besetzen, von dem sich die Rechte einen neuen Mobilisierungsschub verspricht: die angeblich drohende Islamisierung Europas.

In Köln trägt der Appell an die Ängste der Einheimischen erste Früchte. Die örtliche CDU ist tief gespalten; Oberbürgermeister Fritz Schramma ist in seiner Partei der letzte Anhänger eines Bauvorhabens, gegen das »Pro Köln« seit Langem heftig polemisiert: die geplante Großmoschee der türkisch geprägten Islamvereinigung Ditib. Im Stadtrat stimmte die CDU gemeinsam mit Pro Köln gegen die Baugenehmigung. Am vorgesehenen Standort des geplanten Bauwerks mit seinen beiden 55 Meter hohen Minaretten werden an diesem Freitag auch die Rechten vorbeischauen, im Rahmen einer Sightseeing-Tour an die Hot Spots der verhassten Kölner Multikultigesellschaft.

Eine Reihe ganz unterschiedlicher unfreiwilliger Verbündeter hat die Initiatoren von Pro Köln in ihrer Agitation unterstützt. Anfang des Jahres forderte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan in der Kölnarena vor 18.000 Landsleuten den Bau türkischer Schulen und Universitäten in Deutschland. Das war Wasser auf die Mühlen der Rechten. Auf der anderen Seite stehen Islamkritiker wie der jüdische Publizist Ralph Giordano, ein lautstarker Gegner der Ditib-Moschee, der bei allem Widerwillen gegenüber dem Rechtsextremismus nun zu dessen Kronzeugen geworden ist. »Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem«, sagt Giordano. Zugleich versucht er, sich gegen seine Instrumentalisierung zu wehren. Pro Köln beute »begründete islamkritische Haltungen der Bevölkerung für die rassistischen Motive des Rechtspopulismus aus«, schimpft er. Für die Islamkritik dürfe der »Eurofaschismus« kein Partner sein.

Doch trotz solcher Anwürfe fühlen sich die Rechten in Köln so stark wie nie zuvor. »In der Moscheefrage haben wir die Union vor uns hergetrieben«, frohlockt Markus Beisicht, Vorsitzender von Pro Köln. Bereits 2004 war die Partei in den Kölner Stadtrat und in alle neun Bezirksvertretungen eingezogen. Um die Fraktionsstärke bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr auszubauen, kommt der Moscheestreit gerade recht. Die etablierten Parteien tun sich schwer, der Propaganda der Rechten etwas entgegenzusetzen. »Wir haben lange versucht, sie einfach zu ignorieren«, sagt Stadtoberhaupt Schramma.

Der zugespitzte Streit um den Moscheebau hat die Stadt stark polarisiert. Gleichzeitig liberal und Gegner der Moschee zu sein ist in dieser Atmosphäre fast unmöglich. Ralph Giordano beruft sich auf Hunderte von Zuschriften, in denen die Autoren »ihre Furcht vor einer Islamisierung bekunden, ohne rechts zu sein«. Giordano glaubt: »Diese Leute finden im demokratischen Spektrum keine Heimat.« Schuld daran seien die »verdammten Umarmer und Gutmenschen vom Dienst«.

Auch das sieht man bei »Pro Köln« ähnlich. Es werde viel zu wenig zwischen Rechtspopulismus und Extremismus unterschieden, klagt der Vorsitzende Beisicht. Sein eigener Fall macht freilich die Unterscheidung nicht eben leicht. Beisicht saß schon für die Republikaner im Stadtrat, ehe er sich der »Deutschen Liga für Volk und Heimat« anschloss. Als Anwalt verteidigte er schon häufiger einen bekannten Neonazi, der wegen Volksverhetzung und der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verurteilt wurde.

Auch die Pamphlete, die Beisichts Organisation in Kölns Briefkästen steckt, ähneln gängiger NPD-Propaganda zum Verwechseln. Man dürfe nicht hinnehmen, teilt da etwa der österreichische FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache mit, dass »in unseren Schulen die eigenen Kinder als ›Schweinefleischfresser‹ beschimpft werden, dass unsere Töchter den gierigen Blicken und Händen ganzer Zuwanderungshorden ausgesetzt sind«. Wahlkampfsprache sei das, wiegelt Markus Beisicht ab: »Wir sind hier schließlich nicht auf einer wissenschaftlichen Fachtagung.«

 
Leser-Kommentare
  1. Ich bin selbst ein sehr liberaler Mensch und habe mit den Parteien am rechten Rand nichts am Hut. Ich verstehe aber nicht, wieso Menschen, denen die Aufklärung und die Emanzipation ein hohes Gut ist, gegenüber dem intoleranten Islam so nachgiebig sind. Da wird ganz gerne über den im Koran verankerten Judenhass und den Bestreben, die Weltherrschaft zu erlangen, hinweg gesehen. Hier in Deutschland ist das Problem nicht so sichtbar, weil die Mehrheit der Türken nicht so radikal ist, wie die z.B. die Pakistani in London. Wir dürfen uns aber nicht täuschen lassen, schließlich ist der Koran im Wesen mit unserer aufgeklärten Lebensweise im Westen nicht vereinbar.

    Hat man sich schon einmal gefragt, warum nahezu 100% der über 11.000 Terroranschläge seit 11/9 von Islamisten ausgeübt wurden?

    Ich bin davon überzeugt, dass unsere Kinder uns den Vorwurf machen werden, dass wir blind und leichtfertig unsere Werte der Aufklärung verraten haben und diese nun den Preis dafür zahlen müssen.

    Noch ein Video-Tipp von Dieter Nuhr:
    http://de.youtube.com/wat...

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    ...wurden die "werte der aufklärung" verraten.Abgesehen davon daß wir deutsche sie bereits in ausschwitz durch den schornstein geblasen haben!

    ...wurden die "werte der aufklärung" verraten.Abgesehen davon daß wir deutsche sie bereits in ausschwitz durch den schornstein geblasen haben!

  2. Ich kann die Denkweise der Moscheen-Befürworter sehr gut verstehen. Bis vor ein paar Jahren hätte auch ich gegen die Islamkritiker protestiert. Ich bin sogar für mein Studium eine längere Zeit in ein muslemisches Land gegangen! Dort konnte man die gesellschaftliche Auseinandersetzung zwischen den liberalen Kräften und den konservativen Hardlinern gut aus erster Reihe verfolgen. Da spielt sich in der Regel folgendes ab: Die liberalen Kräfte versuchen sich z.B. für die Rechte der Frauen einzusetzen, die konservativen Hardliner torpedieren die Vorschläge, weil diese liberalen Ansätze nicht im Einklang mit dem Koran sind. Laut dem Koran gilt übrigens einer als ungläubig, wenn er auch nur ein Wort der heiligen Schrift in Zweifel zieht! Tja, und wenn da nun mal steht, dass ein Mann seine Frau schlagen darf, dann darf man das nicht in Zweifel ziehen. Mit dieser Argumentationsweise gewinnen die reaktionären Kräfte jede Auseinandersetzung!
    Und das gleiche spielt sich im in den Ländern wie Deutschland ab. Wer also die religiösen Kräfte stärkt, wie z. B. durch den Bau neuer Moscheen, der unterstützt die reaktionären Kräfte und verhindert die Integration.

    Noch ein kleiner Beitrag zum Thema "Menschenrechte":
    http://de.youtube.com/wat...

    • Rahab
    • 19.09.2008 um 14:56 Uhr

    diese aufrechten und der aufklärung verpflichteten anti-islamisierer würden sich mitten in ihrer versammlung selbst in die luft sprengen ... könnten die dann auch mindestens 71 jungräuliche weintrauben im paradies erwarten, pro aufrecht versteht sich - oder müßten die teilen? - oder nur mit engels vorlieb nehmen? - oder kämen die wegen sachbeschädigung gar in die hölle? - und was wäre, wenn sie dorten wie dorten osama bin laden träfen? - eine einzige große märtyrerversammlung, allesamt blutgeheiligte selbst-opfer für die eine gute sache...
    ich meine, rein hypothetisch...

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    • Anonym
    • 19.09.2008 um 16:33 Uhr

    man sieht es an diesem kommentar.
    MfG Orpheus13437

    • Anonym
    • 19.09.2008 um 16:33 Uhr

    man sieht es an diesem kommentar.
    MfG Orpheus13437

  3. zeigt, dass sich die Mehrheit nicht von den Msm gegen den Antiislamisierungskongress aufhetzen lässt.
    http://www.kabeleins.de/t...

    Wer an diesem Wochenende in Köln der radikalen Part zufällt, sieht man schön an den Steinigungsanhängern von Antifa und Konsorten.

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    Die stammseher von kabel1 sind so verblödet wie die das programm und die mehrheit der narren die an pseudodemokratische umfragen teilnehmen für die sich auch noch bezahlen .

    Die stammseher von kabel1 sind so verblödet wie die das programm und die mehrheit der narren die an pseudodemokratische umfragen teilnehmen für die sich auch noch bezahlen .

  4. ...wurden die "werte der aufklärung" verraten.Abgesehen davon daß wir deutsche sie bereits in ausschwitz durch den schornstein geblasen haben!

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    Auschwitz, will sagen Faschismus, National-Sozialismus, Marxismus-Leninismus, Political Correctness sind Gegenaufklärung.

    Der Islam hatte im Mittelalter eine aufklärerische Periode (Ibn Rushd, Ibn Sina). Der Orthodoxen haben aber leider gewonnen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

    Guantanamo passt in die utilitaristische Ethik. Ich lehne es ab und halte es für missbräuchlich gemessen an der Aufklärung.

    Allerdings in den im ersten Absatz genannten Ideologien, außer NOCH bei Political Correctness (vom Lynchen ist man nicht mehr weit entfernt), ist Guantanamo Standard.

    Auschwitz, will sagen Faschismus, National-Sozialismus, Marxismus-Leninismus, Political Correctness sind Gegenaufklärung.

    Der Islam hatte im Mittelalter eine aufklärerische Periode (Ibn Rushd, Ibn Sina). Der Orthodoxen haben aber leider gewonnen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

    Guantanamo passt in die utilitaristische Ethik. Ich lehne es ab und halte es für missbräuchlich gemessen an der Aufklärung.

    Allerdings in den im ersten Absatz genannten Ideologien, außer NOCH bei Political Correctness (vom Lynchen ist man nicht mehr weit entfernt), ist Guantanamo Standard.

  5. Die stammseher von kabel1 sind so verblödet wie die das programm und die mehrheit der narren die an pseudodemokratische umfragen teilnehmen für die sich auch noch bezahlen .

    Antwort auf "Diese Umfrage"
  6. Dass ich nicht lache! Köln ist die einzige Stadt, wo die Wirte den Gästen ungefragt die Getränke vorsetzen...das werden die doch nicht etwa aufgeben wollen...

    • Rahab
    • 19.09.2008 um 15:23 Uhr

    waren das etwa zu wenig jungfräuliche weintrauben? sollte ich mich da vertan haben? pfui aber auch!

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