In Bachs Abteilung vereinigen sich Naturwissenschaften, Hirnforschung und Augenheilkunde. Immer geht es darum, was wir sehen und wie wir sehen – und um Täuschungen aller Art. So untersucht Bachs Team mit Elektroden die Nervenzellen von Patienten mit unklaren Sehstörungen, um die Ursache zu finden. Reagieren die Zellen im Auge, kommt jedoch der Reiz nicht im Sehzentrum an, muss der Fehler auf dem Weg dorthin liegen. Auch Menschen, die nach einem Arbeitsunfall am Auge angeben, nichts mehr sehen zu können, werden zu ihm geschickt. Bachs Team misst dann, ob die Nervenzellen im Sehzentrum auf bestimmte, unerwartete Reize reagieren. So wurde schon mancher Betrüger überführt, aber auch manchem Patienten geholfen. Nun will Bach herausbekommen, ob man das verräterische EEG-Signal, das bei diesen unerwarteten Reizen auftritt, auch bewusst verändern kann.

Gleichzeitig versucht er optische Täuschungen zu entlarven, die den Menschen schaden können. Wer an einem Glaukom, dem grünen Star, leidet, unterliegt oft einer solchen Täuschung. Bei dieser Krankheit, die zur Erblindung führen kann, sterben aufgrund eines zu hohen Augeninnendrucks die Nervenzellen im Auge ab. Doch erst wenn etwa 40 Prozent von ihnen zugrunde gegangen sind, fallen Bereiche des Gesichtsfeldes merklich aus – bis dahin fügt das Gehirn Fehlendes ein und erzeugt den Eindruck, man würde ganz normal sehen. Bachs Team überprüft die Nervenzellen mit Hilfe von Elektroden. Bach will daraus ein elektrophysiologisches Verfahren entwickeln, mit dem Ärzte früh ein Glaukom nachweisen können.

Nach der Arbeit bastelt der Neurowissenschaftler weiter an seiner Website. Sie hat ihm schon manche Tür in der Sehforscherszene geöffnet. Er zeigte als Erster den »Lila Chaser« im Internet, eine neue optische Täuschung, bei der lilafarbene Punkte im Kreis auf einem grauen Hintergrund angeordnet sind. Ein Punkt nach dem anderen blendet sich im Uhrzeigersinn kurz aus, und wenn man lange genug auf ein Kreuz in der Mitte schaut, sieht man plötzlich einen grünen Punkt herumkreisen, auch wenn der gar nicht existiert.

Im Durchschnitt entwickeln Sehforscher drei solcher Trugbilder im Jahr. Der Lila Chaser verbreitete sich innerhalb von einer Woche rasend schnell im Internet. Rund 13000 Besucher und eine Million Klicks hat Bachs Seite pro Tag. Sie könnte eine kleine Gelddruckmaschine sein. Würde er Werbung zulassen oder seine Seite verkaufen, könnte er Gewinn machen. Tut er aber nicht. »Ist nur ein Hobby«, sagt er. »Damit kann ich die Leute erreichen, Forschungsergebnisse vermitteln. Die Täuschungen haben ja immer etwas Verblüffendes.«

Die Trugbilder machen es ihm leichter, Menschen über die Großartigkeit und die Tücken des Sehens zu informieren. Dutzende Vorträge hält er im Jahr – auch beim Rotary-Club, in Schulen oder im Planetarium. Das Frankfurter Würstchen ist immer dabei. »Es ist herrlich, wenn hundert Leute so machen«, sagt er und führt noch mal die Zeigefinger vor die Augen. Wenn er im Altenheim spricht, geht er gleich vom Würstchen über zum Glaukom. Und sagt, dass man den Sinnen nicht immer vertrauen kann, sondern auch mal nachschauen muss, mit Apparaten.

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