Spielen Schach
Kaum einer überschüttete Gott und die Welt und hier besonders die Schachspieler mit so viel beißendem Spott wie der holländische Schachgroßmeister Jan Hein Donner.
Es war seine Art, die gewaltigen Selbstzweifel vor der Welt und vor allem wohl vor sich selbst nicht aufkommen zu lassen.
Als aufgrund seines exzessiven Rauchens neurologische Störungen auftraten, rieten ihm die Ärzte zu einer Operation. Doch der auch körperlich imposante Donner hörte auf niemanden, zuallerletzt auf Ärzte. Nach einer Gehirnblutung 1983 mit 56 Jahren konnte er nicht mehr gehen und sprechen, musste es wie ein kleines Kind mühsam wieder lernen, mit bescheidenem Erfolg. Nur sein Geist blieb bei alldem ganz klar.
Als er schließlich mit 60 Jahren starb, gewann die Essay-Sammlung Geschrieben nach meinem Tod den Literaturpreis des Jahres. Und ein Jahr zuvor bereits waren seine besten Schachspalten in einem Sammelband Der König erschienen . Sein Freund Harry Mulisch, der ihn als Protagonisten seines Romans Die Entdeckung des Himmels verewigte, übergab ihm das erste Exemplar in einer Feierstunde im Amsterdam Stedelijk Museum. Wenn Sie heute in Amsterdam auf dem nach dem holländischen Weltmeister Max Euwe benannten Platz Freischach spielen, dann sind Sie vielleicht vorher über eine dorthin führende Brücke gegangen: die »Hein-Donner-Brücke«.
Ach ja, und Schach spielen konnte er auch.
Mit welch kräftigem Schlag setzte er 1964 als Weißer den Belgier Dunkelblum in spätestens vier Zügen matt?
Helmut Pfleger
Lösung aus Nr. 38:
Mit welcher Kombination gewann Schwarz am Zug? Das Damenopfer
1…Dxg5!
ließ nach
2.Dxg5 Sf3+ 3.gxf3
(nur mit 3.Kh1 Txg5 konnte Weiß das unmittelbare Matt verhindern) die Langschrittler vom Damenflügel auf den Plan treten:
3…Txg5+ 4.Kh1 Lxf3
matt
- Datum 18.09.2008 - 04:15 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 18.09.2008 Nr. 39
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