Finanzkrise Der Markt ist keine sichere Bank
Helmut Schmidt über die Weltfinanzkrise: Nur internationale Regeln können die außer Kontrolle geratenen Bankmanager zähmen
Niemand möchte der Bote des Unheils sein. Und doch: Die Finanzkrise in den Vereinigten Staaten ist gefährlich. Es ist der schwerste Bankenkrach seit 1929. Es ist eine Krise am Finanzmarkt, aber es besteht die erhebliche Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der realen Weltwirtschaft. Und es kann zu einer großen Vertrauenskrise kommen, die weit über die Finanzwirtschaft hinaus wirkt. Man kann das nicht ausschließen.
Noch ist die Lage keineswegs mit der Weltdepression der dreißiger Jahre zu vergleichen. Doch sie ist ernst genug. Sie bedarf des chirurgischen Eingriffs und der langfristigen Therapie.
Die Hauptschuldigen sitzen in New York. Diese Leute sind heute aber keineswegs in erster Linie die Leidtragenden der Krise. Viele Manager mit hohen Einkommen verlieren zwar ihre Stellung, gehen aber mit ihrem Reibach nach Hause. An der Wall Street herrscht ein Defizit an Durchblick, aber es herrscht auch ein moralisches Defizit.
Auf die Wall-Street-Manager folgen als Schuldige gleich die Politiker. Die Politiker in Washington haben nicht gemerkt, was los war, sie haben die Entwicklung nicht durchschaut. Insofern trifft sie eine Mitschuld. Aber bei ihnen geht es weniger um ein moralisches Defizit als um ein Defizit an Einsicht und Tatkraft.
Viel hat mit der Arroganz der Regierung in Washington zu tun. Sie weiß alles besser. Ob im Irak, in Georgien, bei den Turbulenzen auf dem Finanzmarkt oder beim Wirbelsturm in New Orleans – diese Regierung weiß alles und kann wenig. Sie ist mitgeschwommen in der profitbesoffenen Euphorie, die sich von der Wall Street über große Teile der nordamerikanischen Nation und nach England ausgebreitet hat, von dort aus über die ganze Welt bis in den Fernen Osten. In der Regierung von Bush junior kommt ein moralisches Defizit insofern hinzu, als dass sie davon gar nichts wissen wollte. Der Präsident und seine Umgebung waren von der Ideologie erfüllt: Das regelt alles der Markt.
Dabei wäre dieser Crash vermeidbar gewesen. Wenn man nur rechtzeitig das getan hätte, was man jetzt glaubt tun zu sollen, aber möglicherweise nur halbherzig tun wird: schärfere Kontrollen einführen, Sicherheits- und Transparenzbestimmungen für Finanzierungsinstrumente erlassen und eine deutlich stärkere Aufsicht über Finanzinstitute, Banken, Fonds, finanzielle Zweckgesellschaften und dergleichen ins Leben rufen. Die Tatsache, dass die amerikanischen Investmentbanken keiner normalen Bankaufsicht unterliegen, ist skandalös! Dies ist nur historisch zu verstehen: Die Investmentbanken waren ursprünglich Börsenmaklerfirmen, die mit Wertpapieren handelten, also unterstanden sie der Wertpapieraufsicht. In Wirklichkeit haben sie sich mit Hilfe von Krediten aufgeplustert zu sagenhaften Umfängen. Und so auch viele Hedgefonds.
Wer leidet nun an dieser Situation? Als Erstes die Angestellten dieser Banken, die arbeitslos werden. Zweitens leiden schon seit Monaten Millionen Amerikaner auf das Schwerste; sie versuchen, ihre Häuser zu verkaufen, die hoch mit Hypothekenschulden belastet sind und schnell an Wert verlieren. Drittens leiden die Konsumenten, weil infolge der enormen Geldschöpfung durch die Zentralbanken die Preise steigen; das wird in geringerem Ausmaß auch die Europäer und sogar die Chinesen treffen. Viertens werden diejenigen leiden, die voraussichtlich in der realen Wirtschaft arbeitslos werden. Fünftens leiden die Steuerzahler, die letzten Endes die Zeche zahlen, weil sie für die Rettung der Banken aufkommen müssen.
Wie tief die Vertrauenskrise reichen wird, hängt davon ab, ob die Bürger Amerikas und Europas von den politisch und wirtschaftlich Handelnden den Eindruck bekommen: Die kriegen es in den Griff! Es geht dabei um kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen.
Kurzfristig muss ein Kollaps des Finanzsystems verhindert werden. Notwendig ist eine Kooperation zwischen der Federal Reserve Bank in Washington, der Europäischen Zentralbank (EZB), der chinesischen, japanischen und russischen Zentralbank und der Führung der Opec. Wünschenswert wäre ein baldiges Gipfeltreffen der Chefs dieser Zentralbanken und der in diesen Ländern zuständigen Finanzminister. Bitte nicht der Regierungschefs, die alle wenig davon verstehen!
Mittelfristig ist es eine der wichtigsten Notwendigkeiten, die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu beseitigen, die das bisherige System erst möglich gemacht haben und derzeit die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise vergrößern. Die amerikanische Leistungsbilanz ist seit Jahren hochdefizitär, weil die Amerikaner nicht sparen, sondern es gewohnt sind, sich zu verschulden. Das gilt für den einzelnen Bürger, das gilt vor allem für den Staat USA. Dahinter steckt der bis heute ungebrochene Grundoptimismus der amerikanischen Gesellschaft. Das Defizit der US-Leistungsbilanz lag zuletzt zwischen fünf und sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Seit mindestens einem halben Jahrzehnt lässt sich die amerikanische Gesellschaft ihre Investitionen und ihren Konsum zu fünf, sechs oder sieben Prozent von Ausländern bezahlen, von Chinesen und Japanern, von Europäern und Russen.
Auf der anderen Seite steht die Anhäufung von Schuldscheinen in den Händen dieser Ausländer, Schuldscheine im Wesentlichen des amerikanischen Staats, niedrigverzinsliche Staatspapiere. Die Chinesen könnten mit diesen Papieren Politik machen, indem sie drohen: Wir verkaufen sie. Das werden sie wahrscheinlich nicht tun; aber sie können damit Rohstoffquellen einkaufen – das tun sie schon, in Afrika und Zentralasien beispielsweise. Die Chinesen könnten sogar zu Rettern amerikanischer Banken werden, indem sie die gescheiterten Investmentbanken und Fonds aufkaufen und so das amerikanische System stützen. Die Amerikaner werden das nicht gerne sehen und versuchen, es zu verhindern.
Ebenso ist es notwendig, den Finanzverkehr Regeln und Sicherheitsstandards zu unterwerfen. Als Charles Lindbergh 1927 über den Atlantik flog, brauchte er keine Verkehrsregeln. Er brauchte auch kein Pilotenexamen abzulegen, sein Flugzeug wurde von keiner Behörde abgenommen. Er war ganz allein, er brauchte keine Ausweichregeln, niemand schrieb ihm die Flughöhe vor.
Heutzutage fliegen jeden Tag Hunderte Flugzeuge über den Nordatlantik, infolgedessen braucht man Verkehrsregeln. Man hat vielerlei Sicherheitsstandards für jedes Flugzeug, für jeden Motor, für die gesamte Elektronik. Man hat längst Prüfungen für Piloten, die müssen wiederholt werden, und natürlich gibt es internationale Ausweichregeln. Je dichter der Verkehr, desto mehr Regeln und Vorschriften braucht man. Das gilt auch für die vielen Banken oder Hedgefonds und dergleichen, die heute international miteinander verkehren. Jedoch gibt es für sie relativ wenige mit Gesetzeskraft ausgestattete internationale Verkehrsregeln.
Der Weltfinanzmarkt und die Weltwirtschaft brauchen weltweit geltende Aufsichtsregeln und Sicherheitsstandards. Jemand muss ein System der Finanzaufsicht entwerfen für alle Finanzinstitute – einschließlich Fonds und Private-Equity-Gesellschaften – und für alle Finanzierungsinstrumente.
Die klassischen Finanzierungsinstrumente hießen früher Aktie oder Anleihe, Hypothek oder Bankkredit. Sie wurden gehandhabt von Finanzinstituten, die hießen Deutsche Bank oder Kreissparkasse Pinneberg; und natürlich unterstanden sie der Bankaufsicht. Eine Aktie muss von der Börsenaufsicht zugelassen werden. Dazu müssen die Unternehmen einen Prospekt vorlegen, müssen sich prüfen lassen. Die Aktiengesellschaft wird von Gesetzes wegen durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Und wenn die etwas Falsches unterschrieben hat, kommen die Verantwortlichen ins Gefängnis. Heute sind die sogenannten Finanzderivate an die Stelle der alten Instrumente getreten. Diese Finanzderivate unterliegen aber in den USA niemandes Prüfung! Und niemand kommt ins Gefängnis!
Langfristig müssen alle Finanzinstitute und die Finanzierungsinstrumente nach gleichen Prinzipien unter Aufsicht gestellt werden. Dafür ist keine neue Armee von Aufsehern erforderlich. Aber alle sollen international geltende gleiche Aufsichtsregeln befolgen müssen, das ist das Entscheidende. Diese Aufgabe kann Amerika nicht allein bewältigen. Die Europäer müssen mitmachen, die Chinesen, die Inder, die Japaner, die Russen und die Regierungen in Dubai und Riad. Jemand muss einen Auftrag dazu bekommen. Die von mir angeregte Gipfelkonferenz der Finanzminister und Zentralbankchefs könnte beschließen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll einen Entwurf machen. Dort gibt es genug unabhängigen Sachverstand. Der IWF soll den Entwurf im Laufe der nächsten zwei Jahre vorlegen. Darauf sollten die europäischen Regierungen gemeinsam drängen.
Die Steuerparadiese in der Karibik müssen ausgetrocknet werden
Zu den Vorschlägen des IWF würde sicherlich eine Vorschrift gehören, die es verbietet, einen Kredit an ein Institut zu geben, das rechtlich auf einer Insel zu Hause ist, auf der es weder eine funktionstüchtige Finanzaufsicht noch eine Steuerbehörde gibt. Diese aufsichtsfreien Inseln müssen ausgetrocknet werden, man muss ihnen die Luft abdrehen! Es ist doch kein Zufall, dass die Mehrheit der 9000 Investmentfonds, die es auf der Welt gibt, juristisch gesehen auf einer dieser Finanzinseln zu Hause ist. Sie entziehen sich der Aufsicht und der Strafjustiz. Es ist eine Groteske, dass angesehene Banker große Finanzgeschäfte mit solchen Inseln in der Karibik machen!
Wird eine solche weltweite Aufsicht der Finanzmärkte wirklich zustande kommen? Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht sehr groß. Die Amerikaner werden sich dagegen wehren, ebenso die Engländer. Maggie Thatcher kann wiederauferstehen und dem englischen Volke klarmachen, man solle die Märkte in Ruhe lassen. Deshalb kann ich selbst in der jetzigen Krise die Chancen nicht sehr optimistisch beurteilen. Gleichwohl muss der Versuch unternommen werden. Denn wenn gar nichts geschieht, könnte die schwerste Bankenkrise seit 1929 doch noch, wie in den dreißiger Jahren, in eine Weltkrise münden. Das steht auf dem Spiel.
- Datum 04.05.2009 - 10:53 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.09.2008 Nr. 40
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Die Mindesteinlagen in vielen dieser, nun gescheiterten oder am scheitern, Finanzvehikel (Vehikel = Wandlungssystem) liegen nicht bei 1000, 100'000 Euro sondern waren in höhen jenseits jeglicher Möglichkeiten angesiedelt die ein Standardangestellter in einem ganzen Leben nie erreichen würde... 1, 10, 100 Mio. Euro waren oft das Mindeste was dort als Startkapital hingelegt werden musste.
Auch wenn in sehr vielen Berichten immer mal gerne Pensionskassen als Anleger mit Sozialem Hintergrund vorgeschoben wurden, so waren doch die meisten eben nicht Pensionskassen sondern sehr reiche Individuen die mit Ihren gigantischen angehäuften Vermögen grad mal nicht's besseres anzufangen wussten. Diese Individuen haben noch so viel finanziellen Power das eine gescheiterte Einlage noch mit einem Achselzucken hingenommen werden kann... auch mehrere solche gescheiterte Investitionen bringen diese Individuen nioch nicht in den finanziellen Ruin. Dort gilt die gleich Regel wie sinnigerweise Kleinanleger befolgen sollten, nur soviel Investieren wie man ohne Bankrott verlieren kann.
Es scheint bei all den, etwas verzweifelt klingenden, Rettungsmassnahmen primär nicht um das zu gehen was uns immer vorgegeben wird. Meiner Ansicht nach sind Aussagen wie etwa "Rezession", grösste Krise", "1929" etc. noch fehl am Platz. Das lässt sich schon daran erkenen das für die vielen "kleinen" Hausbesitzer die Ihre Liegenschaften wegen überschuldung verkäufen müssen (z.Z USA und GB) dies aber nicht können... ja, das für diese Leute keine Hilfe da ist... über die wird Konkret gar nicht geredet...
Um wessen Rettung geht es also wirklich?
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
a
Herrn Helmut Schmidt. Wie kein anderer Politiker hat er mein Vertrauen. Er hat dieses Vertrauen geschaffen durch drei seiner Charakterzuege: Rationalitaet, Tuechtigkeit und Herzensgroesse. Wie man die Existenz dessen belegen soll, weiss ich nicht - ich bin kein Wissenschaftler - aber ich weiss, dass nur wenige Menschen, die so grosse politische Macht besitzen, diese Werte so pflegen wie Helmut Schmidt. Seine Glaubwuerdigkeit ist meiner Ansicht nach in dem Medienrummel einzigartig.
Deshalb glaube ich ihm, wenn er voraussagt, dass infolge der Finanzkrise und durch den derzeit verantwortungslosen, amerikanischen "freien Markt" potentiell eine Weltwirtschaftskrise entstehen koennte.
Leider bin ich erst 21 Jahre alt und habe nicht viele Hintergrundkenntnisse zu diesem Thema. Ich spuere aber, dass man Herrn Schmidt unbedingt Glauben schenken muss, und hoffe sehr, dass sein Apell an die europaeischen Regierungen, auf ein wirksames Resultat eines "Gipfeltreffens der Finanzminister" zu draengen, erhoert und dessen Notwendigkeit erkannt wird.
Ich frage mich, was ich als Durchschnitts-Studentin tun kann, um Helmut Schmidt zu unterstuetzen. Ich fuehle mich, offen gestanden eher hilflos.
Wer jetzt pauschal auf Investmentbanker, Banken und den deregulierten Markt einschlägt, hat die Ursachen des Problems nicht erkannt. Finaler Auslöser waren die NOTENBANKEN UND DIE POLITIK!
Nach dem 11.09.2001 platzte die Internetblase an den Börsen und die Kurse rauschten runter. In der Folge wurden die Leitzinsen von Fed-Chef Greenspan auf dramatische Weise abgesenkt. Druck machte auch die Bush-Regierung. Niedrige Zinsen und dafür hohes Wachstum war die einzige Religion die noch zählte. In Folge bildete sich an den Märkten eine gigantische Liquiditätsblase. Das Geldmengenaggregat M3 stieg um zweistellige annualisierte Prozentzahlen. Die Immobilienpreise schossen in die Höhe. Mit den Wertsteigerungen der Häuser begannen die amerikanischen Konsumenten ihre Häuser doppelt und dreifach mit Hypotheken zu belasten. Konsum und Wirtschaftswachstum wurden immer mehr auf Pump finanziert. Etwa 2005 begann die Weltwirtschaft durch das Wachstum in den Emerging Markets immer weiter heiß zu laufen. Rohstoffepreise stiegen immer weiter an. Der Dollar wurde durch das steigende Haushaltsdefizit der USA immer schwächer. Die Importpreise der USA stiegen so immer weiter an. Die FED wurde gezwungen die Zinsen zu erhöhen. Und zwar bis auf 5,25 %. Die Hausbesitzer in den USA konnten jetzt den Schuldendienst nicht mehr leisten, die Abwärtsspirale beginnt. Es kam zunehmend zu Kreditausfällen bei Banken, die Nachfrage nach Immobilien sank, die Hauspreise sanken ebenfalls, der ganze Häusermarkt brach zusammen. Die Häuser waren immer noch immens mit Hypotheken belastet, das Haus an sich hat inzwischen jedoch völlig an Wert verloren. Fataler Weise hatten die Banken die Kredite verbrieft und verkauft. Keiner wusste mehr, welches Institut welche faulen Positionen in der Bilanz hatte. Misstrauen machte sich zusehends zwischen den Banken bei der Refinanzierung breit. Der Kollaps des Systems folgte.
Die Finanzkrise ist in Wahrheit ein Lehrbuch Beispiel für eine fehlgeschlagene Geldpolitik von Notenbanken und Regierung. Wer jahrelang Wachstum und steigende Börsenkurse unter Inkaufnahme von hoher Inflation mit niedrigen Zinsen finanziert, fährt irgendwann gegen die Wand. Diese Krise ist eine Warnung an alle Politiker, die Druck auf Notenbanken und niedrige Zinsen machen, um hohe Wachstumsziele zu erreichen. Dass die Kredite intransparent verbrieft wurden, hat das Problem lediglich verschärft, aber nicht ausgelöst. Politik versteht eben doch nichts von Wirtschaft!!!!!!!!!!
Die erste Blase blies sich auf nach dem Reagan die Steuersätze um 25% gesenkt hatte, bei Zentralzinsen von 8% (Sloan...´krise). Die Ursache ist die Deregulierung. Niedrige Steuersätze gehören dazu. Hören Sie auf hier das Märchen von den zu niedrigen Zinsen zu erzählen. Die Märkte haben versagt und der Staat, deshalb weil er auf Pseudowissenschaftler gehört hat.
Die erste Blase blies sich auf nach dem Reagan die Steuersätze um 25% gesenkt hatte, bei Zentralzinsen von 8% (Sloan...´krise). Die Ursache ist die Deregulierung. Niedrige Steuersätze gehören dazu. Hören Sie auf hier das Märchen von den zu niedrigen Zinsen zu erzählen. Die Märkte haben versagt und der Staat, deshalb weil er auf Pseudowissenschaftler gehört hat.
Schmidt hatte 1998 in seinem Buch "Globalisierung" (Kapitel: politische und ökonomische Herausforderungen) beschrieben, dass die EZB in Zukunft, also jetzt (1998 plus bis 7 Jahre) stark genug sein könnte, um gegenüber den USA Regulierungen in Sachen Währung und Regulierung von internationalen Finanzmärkten herbeizuführen. Leider ist dies trotz all seiner weiteren Warnungen nicht geschehen. Die EU hatte leider, wie in "Globalisierung" beschrieben, sogar 1997 das Gegenteil gemacht und zusammen mit den USA die Finanzmärkte weiter dereguliert.
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Nach dem Börsen-Crash am 10.11.1987 hatte Schmidt in einem "DIE WELT" Interview "Wir sind eine Sparer Nation, Amerika lebt gern auf Pump" nicht nur die Aufgabe des Bretton-Woods-Systems beklagt, sondern auch den deutsche Fehler der darin lag, daß eine Haushalts und Geldpolitik betrieben wurde, die keine ausreichende Binnennachfrage auslöst. Daran hat die deutsche Politik leider bis heute nichts geändert. Deutschlands Zahlungsbilanz weist für die Jahre 2003 bis 2007 ein Plus von insgesamt ca. einer halben Billion Euro auf. Sollten die Weltmärkte jetzt schwächeln, wird es den Exportweltmeister Deutschland darum besonders stark treffen.
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Schmidt hatte auch in den USA Vorträge gehalten. Offensichtlich wollte man nicht auf ihn hören. Da die USA wahrscheinlich auch diesmal nicht aus dem Schaden klug werden will, könnte Chapter Eleven zukünftig noch öfter angewendet werden. Hätte man lieber das schöne deutsche Geld aus dem balance of payments surplus nicht in die USA transferiert. Verprassen können wir das Geld besser selber, nebenbei schafft das noch Arbeitsplätze und schützt den US-Finanzmarkt vor weiteren Dummheiten.
Markt hat etwas mit Markierung zu tun, also Eingrenzung. Herr Helmut Schmidt hat deshalb sehr recht mit seinem Regulierungsvorschlag, von kompetenten Personen eingeleitet.
Wir muessen aber auch die Weltsituation als Ganzes betrachten. 700 Milliarden Dollar kpmmen jetzt zu Billionen anderen hinzu, die auch Verpflichtungen, zum Beipiel China gegenueber, darstellen und nur mit weiterem Vertrauensverlust ueber eine eingeleitete Inflation reduziert werden koennen. Daran kann niemand interessiert sein. Deswegen also das Treffen.
Bezueglich der manifesten Inkompetenz der Staatschefs. In der Johannisburg Konferenz 2001 wurden die bescheiden formulierten Milleniumsziele der UNO formuliert. Bis zum Jahre 2015 sollen die eine Milliarde Menschen, die bisher von weniger als einem Dollar pro Tag leben muessen auf die Haelfte, das heisst 500 Millionen Menschen mit weniger als einem Dollar reduziert werden. Bis zum Jahr 2015. Offenbar hat sich niemand der Herren und Damen einmal eine Stunde Zeit genommen, um festzustellen, dass dafuer nehen wir an im Durchschnitt etwa 20 Cents pro Person pro Tag notwendig gewesen waeren. Wir verbessern ja nur, die im Schnitt sagen wir bei 80 Cents pro Tag liegen. Natuerlich sollen die noch Aermeren auch 20 Cent bekommen, also alle zusammen 200 Millionen Dollar pro Tag oder 73 Milliarden Dollar pro Jahr. Das waere schon damals leicht aufbringbar gewesen und haette nicht mehr als ein Tausendstel des Weltjahresproduktes gekostet. Gestern lief der sehr hoefliche Generalsaekretaer der Vereinten Nationen mit dem Hut herum. um wenigstens das bescheiden gesteckte Ziel bis 2015 zu erreichen. Er bekam 16 Milliarden zugesagt. Ein Vertreter Chinas meinte, das sei zu wenig. Er hat Recht. Man muss sich fragen, wieso fuer die Rettung von Banken 700 Milliarden Dollar zusaetzlich bereitgestellt werden koennen, wenn den Armen 16 Milliarden Dollar zugedacht sind und der Generalsekretaer sich noch hoeflich bedanken muss. Wo bleibt da jede Verantwortung fuer die Menschheit als Ganzes?
Folgende Banken sind schon letztes Jahr in Schwierigkeiten geraten:
IKB mit Anteil von KfW-staatlich,
Sachsen LB,West LB,Bayern LB-staatlich sogar mit eigenem Sparkassengesetz,
vor einigen Jahren die Rheinboden, stark reguliert durch Hypothekenbankgesetz,
heute Hypo Real Estate, ebenso durchregulierte und beaufsichtigte Bank.
Vor einigen Jahren Argentinien, Staat, bzw. Regierung: Pleite und Betrug.
Damals auf der Gläubigerseite: Der Markt.
Den Privatanlegern hat keiner geholfen. Das kostete den Staat zwar ein Prozent BIP. Jedoch waren keine Bankenbosse involviert, sondern Kleinunternehmer. Die stellen kein systemisches Risiko dar nach der Theorie.
Auch die DDR, Staat, warpleite.
Gemäß dieser gelebten Praxis sind Forderungen nach Regulierung Stuss. Im Gegenteil: Mehr Regulierung führt dazu, dass die Regelmacher die Fehler machen, die sonst die Bankenbosse machen.
über dem Nordatlantik. Mit Verbrennungsmotoren. Klimakiller.
Die Metapher leuchtet ein.
Sollten Flugzeuge nicht solange am Boden bleiben, bis es Motoren gibt, die nur Luft benötigen und noch bessere Luft bzw. keine verunreinigte ausstoßen?
Solange macht fliegen keinen oder wenig Sinn, egal wohin.
Darüber denkt laut niemand nach, nur darüber: wie der Verkehr geregelt werden könnte.
Dass jetzt alle Superschlauen – inklusive Herr Schmidt – glauben, uns, den Bürgern, das Finanzdesaster erklären zu wollen oder müssen.
Ich lese absolut nichts Neues!
Und wir müssen jetzt nicht alle Schuld und Verantwortung den US-Amerikanern zuschieben.
Als wenn man hierzulande nicht auch ständig hinausposaunt hätte „der Markt wird’s schon richten“.
Alle, die anderer Meinung waren, wurden belächelt, nicht ernst genommen, wenn nicht gleich verhöhnt.
Das Vertrauen – lieber Herr Schmidt – ist schon längst weg. Oder wieso wird die Zahl der Nichtwähler immer größer und können die beiden großen Parteien immer weniger Stimmen auf sich vereinigen? Die Bayernwahl hat ihnen einen Aderlass von knapp 20% beschert.
Man kann nur noch beten, dass die Politik diese Krise in den Griff kriegt. Und selbst dann wird es immer bedeuten, dass jeder dafür zahlen muss und wird. Der eine über sein Steueraufkommen, der andere, der keine zahlt, weil er zu wenig verdient oder gar Sozialleistungen erhält, durch Inflation etc. Ich warte auch nur noch drauf, wann die ersten Kürzungen im Sozialbereich angekündigt werden mit dem Hinweis auf die Stütze für die maroden Banken.
Es ist schon klar: Es wird dem Staat nichts anderes übrig bleiben als jetzt einzuspringen.
Diese Finanzkrise nenne ich den größten Erpressungsversuch in der Geschichte der Menschheit.
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