ZEIT: Glauben Sie tatsächlich, dass das Medium den Ablauf der Debatte beeinflusst?

Zöller: Das ist es ja gerade, was wir herausfinden wollen. Die Diskussion im Netz ist zum einen viel zugänglicher, es können sich mehr Menschen beteiligen, man kann die Texte in Ruhe zu Hause studieren, muss nicht zu Treffen anreisen. Zum anderen ist die Diskussion anonymer, und es fallen jene gruppendynamischen Prozesse weg, die sonst eine Bürgerkonferenz bestimmen; manchmal dominieren hier Einzelne die Diskussion. Das wird im Netz weniger passieren.

ZEIT: Wie wird die Onlinediskussion ablaufen? Gibt es vorgegebene Fragen, oder steuern die Teilnehmer die Debatte selbst?

Zöller: Es wird eine moderierte Diskussion sein. Wir fangen mit einer Informationsphase an. Alle Teilnehmer sind verpflichtet, Vorträge im Internet anzuschauen und Artikel zum Thema zu lesen. Danach folgt eine Diskussionsphase mit Fachleuten – Wissenschaftlern, Umweltschützern, Politikern und Ethikexperten. Als Drittes gibt es den Gruppenchat, in dem die Teilnehmer untereinander diskutieren und am Ende ihre Empfehlungen für Politiker und andere Interessierte wie die Industrie ausarbeiten.

ZEIT: Der Onlinedialog soll sich ausschließlich auf den Bereich Nanomedizin konzentrieren. Warum gerade darauf?

Zöller: Weil dies ein Bereich ist, in dem sehr große Erwartungen geweckt werden. Es gibt zum Beispiel Forscher, die an Krebstherapien mit Nanoteilchen arbeiten; andere propagieren eine "personalisierte Medizin", die mit Hilfe von Nanomedikamenten ganz individuelle Therapien ermöglichen soll. Auf der andern Seite stellt sich die Frage der Gerechtigkeit: Werden sich nur noch Reiche diese Art Medizin leisten können? Und welche Missbrauchsmöglichkeiten gibt es – etwa beim Doping oder beim sogenannten brain enhancement, der Leistungssteigerung des Gehirns? Auch dafür eignen sich Nanoteilchen, weil sie leichter die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

ZEIT: Sie sagten, dass Sie bereits ein konventionelles Jugendforum zur Nanomedizin durchführten. Was war dessen Ergebnis? Wurden dort eher die Chancen oder die Gefahren betont?