Kapitalismus
Pleite der letzten Utopie
Der große Börsenkrach scheint abgewendet. Unabwendbar ist aber der Ruin des kapitalistischen Heilsversprechens. Zehn Desillusionierungen

© U.S.A.
700 Milliarden Dollar soll die Rettung der US-Finanzmärkte kosten
Der Markt heilt sich selbst. Bei dem Debakel an der Wall Street sind mehr als nur Bankenimperien zusammengebrochen. Es ist ein ganzes Weltbild eingestürzt, dessen Haupt- und Kernthese lautete: Der Markt heilt sich selbst. Es wäre gewiss interessant gewesen, am Beispiel dieser Krise den Test auf die Immunreaktionen des krank spekulierten Organismus zu machen, aber selbst hartgesottene Wirtschaftsliberale, sogar die Banker, die mit fallenden Kursen ihre Rendite machen, wollten am Ende auf eine Gesundung nicht warten, die vielleicht nur um den Preis ihrer Existenz zu haben gewesen wäre, und riefen nach dem Staat, dessen Eingriffe sie noch vor Kurzem verteufelten. Und freilich: Ob es die sagenhaften Selbstheilungsprozesse tatsächlich gibt, ist am Ende eine Definitionsfrage. Wie viel Zeit wollte man dem Patienten geben? Ein Jahr, zwei Jahre, mehrere Jahrzehnte? Wäre das bloße Überleben des Marktprinzips, das man sich schließlich auch unter steinzeitlichen Tauschbedingungen vorstellen kann, schon ein Indiz seiner unverwüstlichen Gesundheit? Vom Wohl der Menschheit, gar vom Erhalt der Zivilisation dürfte eine solche Wirtschaftsmedizin jedenfalls nicht mehr zu sprechen wagen. Jens Jessen
Der Staat ist das Problem. Doch plötzlich steht er wieder hoch im Kurs. Bis vor wenigen Tagen genoss der Staat kaum noch gesellschaftlichen Kredit. Staatsverachtung war Pflicht unter Wirtschaftsliberalen und Mode unter Politikern. Man behandelte ihn wie einen armen Verwandten, dessen Bittstellerei nervt. Genügte es nicht, dass er regelmäßig sein Stück Steuerkuchen bekam von den Börsenbanketten? Wollte der Hungerleider sich auch in Familienangelegenheiten einmischen? Herablassung ist immer noch spürbar an der Art, wie die Staatsverächter dem Staat nun ihre geplatzten Milliardenschecks rüberschieben. Selbstverständlich soll er die Bankette bezahlen. Aschenputtel soll die Linsen aus der Asche klauben, Rumpelstilzchen Stroh zu Gold spinnen. Das Unmögliche überlassen clevere Hedgefondsmanager gern dem Gemeinwesen, auf dessen Verantwortung für das Gemeinwohl sie ja auch spekuliert haben. »Privatisierung der Profite und Vergesellschaftung der Verluste« sei verfehlte Politik, sagte kurz nach dem Crash der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. Da Kapitalismus auf Risiko basiere, dürfe man bankrotte Banken nicht dauernd auffangen, sonst stachle man nur ihre Risikofreude an. Doch die hat ihren Zenit schon erreicht. Und der Staat hat sich mitschuldig gemacht durch Subventionen, Beteiligungen, Duldung. Der Staat ist nicht das Andere zur Finanzwirtschaft, sondern er half ihr beim Zocken. Kein Wunder, dass deutsche ebenso wie amerikanische Banken ihn nun als billigen Krisenmanager benutzen. Aber was, wenn der Staat versagt? Dann wird man wieder dem Staat die Schuld geben. Dann findet vernünftige Marktkontrolle erst recht keine Lobby. Manch schrille Forderung der letzten Tage lässt die Alternative ahnen: totale Deregulierung oder regulierter Totalitarismus. Evelyn Finger
Amerika, du hast es besser. Dass das amerikanische Wirtschaftsmodell dem sozialstaatlich abgekühlten Kapitalismus vorzuziehen sei, war ein eisernes Dogma der Chicagoer Schule um den Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman. Auch hierzulande ließen mächtige Wortführer keinen Zweifel daran, die deutsche Kuschelökonomie verteile bloß die Armut, und der todgeweihte Sozialstaat hindere lebendiges Kapital an seiner Selbstentfaltung. Nur in Ländern, die »wirklich deregulierend vorgegangen sind«, wachse der Wohlstand, weshalb sich »das angloamerikanische Modell als überlegen erwiesen hat« (Mathias Döpfner). Kurzum, dass der Sozialstaatsträumer endlich in der Wirklichkeit ankommen und die ganze Welt nur den US-Kapitalismus kopieren müsse, um glücklich zu werden – diese Überzeugung war fester Bestandteil der amerikanischen Seele und ihrer europäischen Verehrer. Nun wirkt die Kernschmelze an der Wall Street wie ein Trugbrecher. Drastisch macht sie sichtbar, was in Umrissen schon lange zu sehen war, nämlich die Folgen der marktradikalen »Gegenreformation«, die sozialen Verwerfungen. Der märchenhafte Way of Life der USA ist auf Pump gebaut, die Steuersenkungspolitik nützte vor allem den Wohlhabenden in den Premiumlagen, der Graben zwischen Arm und Reich ist schwindelerregend. Die effektive Analphabetenquote erreicht fast 28 Prozent, 2,3 Millionen US-Bürger sitzen im Gefängnis. Der »Mythos von der klassenlosen Gesellschaft«, sagt Richard Sennett, sei zerronnen; getrogen hat das trickle-down, also die Hoffnung, die Reichen müssten nur reicher werden, dann würde genug Geld von oben nach unten durchsickern. Die USA sind in der Wirklichkeit angekommen, sie sind kein Vorbild mehr. Im Irakkrieg zerplatzte ihre Großmachtfantasie; an der Wall Street der Glaube an die weltweite Exportfähigkeit des eigenen Wirtschaftsmodells. Wer will es jetzt noch haben? thomas Assheuer
Der Kapitalismus ist virtuell geworden. Das war der Glaubenssatz der achtziger und neunziger Jahre, und er bestimmte das Lebensgefühl einer ganzen Generation. »Wir produzieren nichts, wir bauen nichts, wir machen nur Geld«, sagt Richard Gere, der millionenschwere Spekulant in dem Film Pretty Woman, in dem gleich zu Anfang ein Zauberer auftritt, der aus kleinen Münzen viele große macht. Virtueller Kapitalismus heißt: In endlosen Transaktionen vermehrt sich das Geld ohne den Umweg über die Ware, ohne direkte Investition. Es gibt zwar noch das Tal der Realwirtschaft mit ihren schwitzenden Menschen, schmutzigen Fabriken und eiligen Fließbändern; aber das große Geld wird im Himmel der Finanzwirtschaft gemacht, im coolen Universum der göttlichen Wall Street. Weil der virtuelle Kapitalismus nichts produziert, weil er nur symbolischer Tausch ist, ohne Berührung mit dem Fleisch des Realen, haben Intellektuelle ihn als »Jungfrauenmaschine« beschrieben. Der Finanzkapitalismus, befand etwa Jean Baudrillard mit fasziniertem Schaudern, sei so abstrakt wie die Kunst und so ätherisch wie Engel. Baudrillard irrte leider. Der süße Traum vom schwerelosen Kapitalismus ist geplatzt – der Traum vom somnambulen Treiben der digitalen Geldströme, die sich körperlos immer wieder selbst und ganz nebenbei noch den Reichtum der Nation vermehren. Tatsächlich existiert das Virtuelle nicht ohne das Reale. Der Finanzkapitalismus ist kein geschlossenes Universum, er schafft in der Wirklichkeit Armut im Überfluss und Elend im Reichtum. Nach dem jüngsten Zusammenbruch der virtuellen Welt sind die Menschen real arbeitslos oder müssen real ihre Häuser verkaufen. Das Allerrealste aber ist immer der Körper; mit ihm beginnt und mit ihm endet der Kreislauf des Geldes. Die Suppenküche hält ihn am Leben, auch der barmherzige Health Wagon. Das ist eine ambulante Hilfe amerikanischer Ärzte, die übers Land fahren und in Zelten oder unter freiem Himmel Obdachlose und Bedürftige kostenlos behandeln. Seit dem Kollaps der Wall Street, schreibt der stern, würden es täglich mehr. Thomas Assheuer
Freier Markt macht freie Bürger. Das ist die große Lüge, die sich nach dem Ende des Staatssozialismus durchgesetzt hat. So mancher Bürgerrechtler, der nach dem Mauerfall noch die moralische Überlegenheit der Marktwirtschaft anzweifelte, bekam es zu spüren: Man kann den Kapitalismus nicht kritisieren, ohne als Feind der Demokratie verfemt zu werden. Man kann das Wort Ausbeutung nicht benutzen, ohne als Freund der Diktatur zu gelten. Doch Diktatur ist nicht das Gegenteil von Kapitalismus, und Kapitalismus ist noch keine Demokratie – wie das Beispiel China beweist. Die Freiheit des Marktes besteht lediglich darin, ungehindert Profit machen zu dürfen. Mit diesem armseligen Freiheitsbegriff, der auf bloßen kaufmännischen Maximen beruht (mit den Worten Benjamin Franklins: »Bedenke, dass Zeit Geld ist! Erscheine als ehrlicher Mann, das vermehrt deinen Kredit!«), sollten wir uns begnügen? Alle anderen Bestimmungen der Freiheit (wie freie Meinungsäußerung, freie Entscheidung) sollten sekundär sein? Die Freiheit des Bürgers ist keine ökonomische Kategorie, sondern ein aufklärerisches Ideal. Historisch fußt sie weniger auf Franklin als auf seinem Zeitgenossen Kant: »Jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm gut dünkt, wenn er nur der Freiheit anderer, einem gleichen Zwecke nachzustreben, nicht Abbruch tut.« Kant knüpfte die Freiheit an die Vernunft, die uns überhaupt erst befähigt, das Gute zu erkennen. Aus dieser Theorie der Freiheit leitete die Französische Revolution ihre praktische Ethik der Gerechtigkeit ab. Die Formel Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit verlangte brüderliches Handeln aus freien Stücken. Sie verhieß dem Einzelnen Selbstbestimmung, aber verpflichtete ihn auch auf das Wohlergehen aller. Und heute? Haben wir vergessen, was Grundlage unserer demokratischen Verfassung ist? Bürgerliche Freiheit meinte niemals nur den Bourgeois oder den Hedgefondsmanager, sondern immer den Citoyen. Marktfreiheit dagegen meinte stets die selbstzweckhafte Vergrößerung des Kapitals. Evelyn Finger
Versagen oder Systemzwang? Es gibt eine dilemmatische Frage, der die Beteiligten der Krise mit Hartnäckigkeit ausweichen, obwohl von ihr die zukünftige Akzeptanz des Kapitalismus abhängen wird. Hat das Individuum versagt oder das System? Wirtschaftsführer, wenn sie Massenentlassungen zu verantworten hatten, Hegdefondsmanager, wenn sie Firmen zerlegten, Spekulanten, wenn sie auf sinkende Kurse wetteten, haben sich stets damit gerechtfertigt, das System zwinge sie dazu. Sie haben damit nolens volens die marxistische These übernommen, wonach der Kapitalismus alle, auch seine Profiteure zu ohnmächtigen Sklaven seiner Logik mache. Wäre es so, dann dürfte sich niemand über sinkende Sympathiewerte für den Kapitalismus wundern. Nun lässt sich aber sein systematischer Charakter sehr wohl auch bestreiten. Dann hätten wir es nicht mit Systemversagen, sondern menschlicher Unzulänglichkeit, wenn nicht Niedertracht zu tun. Die Sachwalter des Finanzkapitalismus stehen deswegen vor einer ungemütlichen Entscheidung: Sie müssen entweder sich selbst belasten oder das System. Jens Jessen
»Kapitalismus als Religion«. Der Philosoph Walter Benjamin war überzeugt davon, der Kapitalismus weise eine vergleichbare Struktur auf wie die Religion und diene der Befriedigung derselben Sorgen, Qualen, Unruhen und Hoffnungen. Doch die kapitalistische Religion, schrieb Benjamin 1921, habe eine fundamentale Schwäche: Sie erlöst nicht, sie dient auch nicht der »Reform des Seins«, sondern verschuldet die Menschen untereinander. Benjamins Gedanken beschreiben die marktradikale Glaubenslehre immer noch treffend. Für diese Lehre ist der Markt der Allmächtige; er sieht alles und bestraft die Sünder. Nur wer Opfer bringt, Steuern senkt und dem Staat Ketten anlegt, stimmt das Kapital gnädig. Die Wall Street selbst, ihre »Jahrhundertkrise« (Alan Greenspan), hat die kapitalistische Religion entzaubert. Die unsichtbare Hand des Marktes ist unsichtbar, weil sie gar nicht existiert. Ausgerechnet der Teufel selbst, der seit Reagan und Thatcher verachtete Staat, bewahrt den Gott des Kapitals vor seinem Ruin – mit Steuergeldern kauft er seine Schrottpapiere. Thomas Assheuer
Heilsversprechen. Auf Kritik an den Auswüchsen des Kapitalismus wurde in der Vergangenheit gerne mit der Frage geantwortet: Wollen Sie zurück in den Sozialismus? Die Frage unterstellte, dass sich Kapitalismus und Sozialismus als ausschließliche Alternativen gegenüberstehen. Tatsächlich aber haben beide Gesellschaftssysteme mehr miteinander gemeinsam, als ihren verfeindeten politischen Verfechtern lieb sein dürfte: Sie machten ein Erlösungsversprechen. Dass der Sozialismus das seine nicht einlösen konnte, ist seit mehr als einem halben Jahrhundert offenbar. Der Kapitalismus hat sich sympathischerweise lange damit zurückgehalten, seinerseits mehr als Wohlstand (und auch das nicht notwendig für alle) zu versprechen. Erst in jüngster Zeit hat er behauptet, automatisch auch Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie zu erzeugen. Namentlich Öffnung der Märkte und Rückzug des Staates sollten in der Dritten Welt überreichen politischen Segen bringen. Es ist abzusehen, dass solche innerweltlichen Heilsverprechen in Zukunft nicht mehr gemacht werden. Ein zurechtgestutzter Kapitalismus könnte seine Vorzüge behalten, man wird von ihm aber keinen Menschheitssegen mehr behaupten. Jens Jessen
Schöpferische Zerstörung. Unter all den Verheißungen, die die Mythenspirale des Kapitalismus in die Welt gesetzt hat, klang diese am verlockendsten. Sie besagt, dass der Ökonomie eine geheime Zauberkraft innewohnt, denn was der Markt heute zerstöre, werde er morgen umso prächtiger neu erbauen. Nokia geht, doch ein anderes Unternehmen kommt, und so wäre die Zerstörung des Alten die Vollzugsform der besseren Zukunft. Die Formel von der »schöpferischen Zerstörung« stammt von dem Ökonomen Joseph Schumpeter. Sie besaß einen kritischen Sinn. Doch längst hat sie ihren skeptischen Gehalt verloren und avancierte zum Zentraldogma des Marktliberalismus. Doch wer es nicht wusste, der weiß es nun: Es gibt eine Zerstörung, die nicht schöpferisch ist, sondern nur Zerstörung. Gewiss, diese Ernüchterung beschädigt nicht den Markt, nur seinen Mythos. Schon fahren in den USA gut gelaunte Makler die Schnäppchenjäger in Bussen durch zwangsgeräumte Wohnviertel, während nebenan die ehemaligen Hausbesitzer in ihren Autos campieren. Keine Sorge, Ihr Haus ist nicht weg, aber bald wohnt darin jemand anderes. thomas Assheuer
Am Ende wird alles gut. Aber so lange können wir nicht warten, denn jetzt sind alle Wechsel auf die Zukunft fällig. Wir können unbequeme Aufgaben nicht mehr verschieben, wie man das Aufräumen eines verrümpelten Kellers verschiebt. Die Hoffnung war ja, dass der Keller sich von selbst aufräumt, dass ein starker Kapitalismus alle Menschheitsprobleme löst, am Ende sogar unsere Umwelt rettet. Nun erweist er sich als destruktiv: Ökonomie und Ökologie könnten gleichzeitig kollabieren. Unsere letzte Hoffnung ist geplatzt, meinen manche Kommentatoren. Aber hat sie existiert? Sagen wir, sie kursierte. Sie war Propaganda für machtlose Politiker. Eigentlich passte die Hoffnung nicht ins postutopische Zeitalter. Dass es sich darin besonders unbeschwert lebt, ist auch so ein Irrglaube. Denn die »Erschöpfung utopischer Energien«, wie Jürgen Habermas das nannte, lässt uns ratlos zurück. Der Philosoph warnte schon 1985, dass der Horizont der Zukunft sich zusammenziehe und Zukunft negativ besetzt werde, wo der Wohlfahrtsstaat in die Krise gerate, aber keine Alternative erkennbar sei. In der Formel von der Bändigung des Kapitalismus stecke schon Resignation, letztlich die Erkenntnis, dass dafür etwas völlig Neues nötig wäre: die »sozialintegrative Macht der Solidarität« müsste sich gegen die Gewalt des Geldes und die Gewalt des administrativen Staates gleichzeitig behaupten. Aber wie? Das Aufräumen des Kellers könnte damit beginnen, dass wir uns das Ausmaß der Rümpelei eingestehen. Dass wir die ökonomische Misere, die eine gesellschaftliche ist, nicht kleinreden. Dass wir die Forderung nach persönlicher Freiheit wieder an die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit knüpfen. Wenn wir mit der Marktideologie aufräumen, finden wir vielleicht sogar eine Alternative, ganz hinten in einer ungeöffneten Kiste. Evelyn Finger
- Datum 8.7.2009 - 12:25 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 25.09.2008 Nr. 40
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Hedgefonds habe ich schon immer verachtet. Gerade auch, weil mir der Sinn zu stupide und unklar war.
Eine meiner Hauptdevisen ist, zweistellige Renditen müssen überprüft werden und sind in meinen Augen höchst spekulativ.
Mein Geld habe ich komplett bei meiner Hausbank angelegt - einer üblichen Raiffeisenbank eG. Großbanken werden von mir niemals profitieren, weil sie von geldgeilen Managern geführt werden.
Ich kaufe grundsätzlich keine Aktien. Weil ich sonst irgendwann zwar Dividenden beziehe, aber auch für meine eigene Entlassung sorge. Zwecks Gewinnoptimierung!
Ich halte es für falsch Arbeitnehmer an Unternehmen in Form von Belegschaftsaktien zu beteiligen. Beim Konkurs ist das Geld weg! Siehe Lehman-Brothers!
Zweckmäßiger wäre eine direkte Beteiligung für jeden Arbeitnehmer am Gewinn, schließlich schöpfen alle Manager hohe Tantiemen aus den Unternehmen ab, die höher sind als ihr Jahresgrundgehalt und vom einfachen Arbeitnehmer und den Maschinen erwirtschaftet werden. Ich sage statt 100 Millionen für Wiedeking, 20 Millionen für Wiedeking und der Rest an die Arbeitnehmer! Wiedeking würde trotzdem gut leben können! Und wir würden die realen Einkommen endlich wieder steigern!
Darum mein Fazit: siehe Überschrift!
M.R.
"Zweckmäßiger wäre eine direkte Beteiligung für jeden Arbeitnehmer am Gewinn..........."
Lieber Marian, der Lohn als Solches IST!!!!!!! eine Beteiligung am Betriebsgewinn, allerdings eine Beteiligung, die fixiert festgeschrieben ist. Ähnlich also wie der Festzins bei einem braven Sparbuch bei der örtlichen Sparkasse. Wenn Sie hingegen meinen, dass Arbeitnehmer genauso entlohnt werden sollten wie die Unternehmer höchstselbst, so sollten Sie auch konsequenterweise fordern, dass der deutsche Arbeiter und Angestellte demnächst auf Provisionsbasis arbeite soll. Das wäre dann aber eine freie Bezahlung, die dem einer Aktienanlage gleicht. Hat ein Unternehmen Erfolg, so wächst sein Arbeitseinkommen, vergleichbar denr Kurssteigerungen und den vervielfachenden Dividenenauschüttungen von Unternehmesbeteiligungen. Geht's dem Unternehme aber hingegen schlecht, so erhält der Arbeitnehmer einen geringere oder gar keine Entlohnung und müsste sein Sparschwein schlachten.
Sie wöllten aber mutmaßlich das Schöne und das Vorteilhafte aus beiden dieser Welten, nehme ich mal an.....nicht?! Die Sicherheit eines staatlich abesicherten Sparbuchs mit festen Erträgen, aber gleichzeitig die Verzinsungsrediten, die der Aktien- oder Derivatenanlage gleichen, stimmt's? Ja genau. In den guten Zeiten zusammen mit den Unternehmes- bzw. Kapitaleigentümern die fetten Gewinne einstreichen wollen, aber in den mageren Zeiten von Verlusten und ähnlichem dann natürlich nichts hören wollen.
So funktioniert das "Game" aber nicht.
Zu einem geringen Risiko gehört immer auch eine nur geringe Chance(...auf zB. einen geldwerten Ertrag). Zu einem hohen Risiko gehört, als "Belohung", dann aber auch, ebenso immanent, eine hohe Chance. Die hohe Chance ist dann aber auch, wie schon gesagt, zwangsläufig mit einem hohen Risiko verbunden. Das was mutmaßlich nicht nur Sie, als "soziale Gerechtigkeit" gerne für sich in Anspruch nehmen wöllten, nämlich ein geringes Risiko, gleichzeitig zusammen mit einer hohe Chance(...auf was auch immer), das gibt es aber leider nunmal nicht. Jedenfalls nicht auf dieser Welt.
da hat die zeit aber ganz hurtig ein paar artikelchen zusammengestoppelt um dem sich jetzt abzeichnenden neuen meinungsmainstream hinterherzuhecheln.
ich mag diese zeitung (ehrlich,ich mag sie echt)
der Name Gerhard Stenkamp wird hier unter dem Reigen so angesehener Autoren nicht so schnell erscheinen,
ja, Arbeitersohn, belächelt und manchmal verachtet!
Dieser Arbeitersohn sagt: genauso wie e entspricht dem Produkt aus Masse und dem Quadrat der Lichtgeschwinigkeit, so sagt euch dieser Arbeitersohn:
über längeren Zeitraum muss Finanzwirtschaft der Realwirtschaft entsprechen.
Das ist ein Urgesetz, wer das lange genug missachtet, stösst die Menschen ins Verderben.
Eigentlich ist das ja nicht so wahnsinnig schwierig, allerdings impliziert es erhebliche Eingriffe, wenn die Schere sich öffnet.
Das wollte man nicht, weil einige glaubten, sie müssten reicher und reicher und nochmals reicher werden.
Einflussreiche Menschen fanden das gut, denn sie wurden auch reicher und reicher:
Wer von diesen Menschen wird ins Gefängnis gehen, ich glaube fast keiner oder niemand!
Reiche verachten die Armen, jetzt habt ihr das Spiel soweit getrieben, dass ihr nicht nur pleite, sondern den Rest der Welt gleich mitreisst,
ihr habt völlig versagt und bleibt trotzdem reich,
wenn das nicht ein gigantischer Gangsterzug ist, ja, dann hat es noch nie einen Diebstahl gegeben!
Gerhard Stenkamp
Ganz toll!
Die Zeit wieder ganz vorne dabei mit dem Fähnlein im Winde.
Aber bis vor nicht allzu langer Zeit hörte sich das hier noch ganz anders an. Die Zeit hat doch pausenlos Markt und Liberalität abzüglich einer moralischen Komponente verteidigt und propagiert.
Immer auf der sicheren Seite.
Von "Markt" oder gar einem "freiem" sehe und sah ich nichts.
Vieles Anderes, aber nicht das.
Ich sah irrsinnig aufgeblähtes Wachstum durch ungeheure Mengen an virtuellem Geld,
teils verursacht durch durch weit überhöhte Energiepreise,
teils durch irrsinnig hohe Staatsdefizite, zugestanden von neuen Industriestaaten, und viele solcher Gründe mehr.
Ich sag bodenlose Dummheit von Geldinvestoren (staatlichen und privaten) und Immobilienkäufern (dito) TROTZ Jahre vorher angekündigtem Platzen der Immobilien- und anderen Blasen in ALLEN Staaten der Welt (Ausnahme: Immobilien in Deutschland).
Ich sah großen Strukturwandel durch Verlagerung ganzer Industriebereiche quer über die Welt ("Globalisierung") und natürlich dadurch zwangsläufig Tausende von Pleiten und Konkursen, dabei Gewinner und Verlierer, Abwickler und Spekulanten.
Auch hier: Staatliche, Private, Investorgruppen in bunter Mischung!)
Und VIELES mehr.
Aber eben NICHT "DEN" so genannten "freien Markt"!!
DER funktioniert nämlich eigentlich ganz gut, wenn nicht anderswo der blanke Irrsinn herrscht.
Und er wird auch wieder funktionieren, wenn der Irrsinn sich selbst beendet hat.
Wenn endlich wieder das vor Allem produziert wird, was wirklich gebraucht wird.
...von Leuten, die von vielen eine Ahnung haben, nur leider nicht von dem, was mal im Allgemeinen so "die Ökonomie" nennt.
Erst einmal: Der "Markt" hat nicht versagt! Kann er auch gar nicht, da er unpersonell ist. Genausowenig wie zB. der "(Straßen-)verkehr" jemals versagen kann. "Versagen", dass können höchstens die Akteure in solchen, naja, nennen wir sie mal ""Kausal- und Verknüpfungsgebilden". Wenn wir demnächst mal wieder in dem Medien hören: "Oh, es hat dieses Jahr wieder soundsoviel Tote und Verletzte im Straßenverkehr in Deutschland gegenen", sollte dann unsere erste Antwort darauf sein: "Da sieht man es mal wieder klar, der Straßenverkehr hat versagt, schaffen wir ihn doch einfach ab, und ersetzen wir ihn durch etwas Neues!"........??? Nein, natürlich nicht! Der Straßenverkehr hat natürlich nicht versagt, sondern nur seine unperfekten Akteure in ihm. Die Autofahrer zB., die besoffen mit zu hoher Geschwindigkeit fuhren, oder der Gesetzgeber, der unangebrachte Straßenverkehrsgesetze verabschiedete, oder die Verkehrspolizei, die nicht gut genug kontrollierte, usw, usf. Es liegt also an uns, dem "sündigen", weil fehlerbehafteten Menschen, aber nicht am gegebensten aller Systeme, am Wettbewerb aller Lebenwesen um die besten und für ihn vorteilhaftesten Lösungen für seine Existenzprobleme, auch kurz und prägnant: "Der Markt" genannt.
Und wer ist denn überhaupt an der aktuellen Finanzkrise ursächlich schuld?
Tja, dummerweise für alle devoten Obrigkeitsanbeter dieser Welt eben nicht der böse, böse "Markt", sondern eben genau der angebliche Heilsbringer, der "gemeinwohlmeinende, der ach so "weise" Staat, oder genauer gesagt, die staatliche US-FED, die gänzlich allen natürlichen Marktgesetzen zum Trotz ab dem Jahr 2001 aberwitzige Summen an Notenbankgeld zu spottbilligen Kreditzinsen auf die Finanzmärkte geschleuderte, und damit den "Markt" derart verzerrte, so dass sich in Folge eine riesengroße Kreditblase aufblähen konnte, die jetzt nun richtigerweise endlich platzen sollte, was sie aber, dank dem wiederholen FALSCHEN Markteingriff, der von der Krise betroffenen Staaten, wiederrum nicht darf, womit man so an der nächsten paternalistisch intentionierten, aus dem Sprengstoff der Staatsgläubigkeit gebastelten Zeitbombe rumbaut.
Toller Vergleich, das mit dem Straßenverkehr....
Natürlich kann der Straßenverkehr versagen, denn er ist auch ein System. Wer den Straßenverkehr so organisiert, dass es zwangsläufig zu Staus und Unfällen kommen muss, hat eben Mist gebaut. Die Frage ist, ob man das System verändern kann, wenn das System von seinen Schöpfern so geschaffen wurde, dass es immer nur zu ihren Gunsten arbeitet.
Die Sache sieht doch so aus: die FED ist ein Konglomerat aus Privatbanken. Ja, es sind seit der Gründung die Banken, die schon Hitler von der "Verschwörung des Jüdischen Kapitals" faseln ließen. Tatsache ist, dass Woodrow Wilson die Schaffung des Monsters FED bereut hat, und dass sich seit fast 100 Jahren die Herren Rockefeller, Rothschild, Morgan, Warburg etc. ins Fäustchen lachen, denn sie können nicht verlieren. Sie geben den Dollar heraus. Wenn jetzt Geld vom Staat in marode Banken gepumpt wird, dann gewinnen am Ende die Herren im Hintergrund, entweder, weil sich der Staat verschuldet, oder weil sie die maroden Banken billigst aufkaufen können.
Das System funktioniert hervorragend, nur leider nicht für einen Großteil der Bevölkerung.
Die FED ist das Problem, nicht die Lösung. Sie ist keine echte Staatsbank.
"Es liegt also an uns, dem "sündigen", weil fehlerbehafteten Menschen, aber nicht am gegebensten aller Systeme, am Wettbewerb aller Lebenwesen um die besten und für ihn vorteilhaftesten Lösungen für seine Existenzprobleme, auch kurz und prägnant: "Der Markt" genannt."
Ja, ja, der Mensch - und die "Wissenschaft" Ökonomie, die einfach behauptet, was was dann zu glauben ist.:
- "um die besten und für ihn vorteilhaftesten Lösungen für seine Existenzprobleme": Amen.
- der sündige, weil fehlerhafte Mensch. Falsch: der lernfähige Mensch, der fähig und bereit ist, sich unterschiedlichsten Umwelten ("Systemen") anzupassen und einzugliedern - und das auch tut, wo und wenn er überleben will. Es liegt also am System, das dem Menschen vorgibt, wie er sich verhalten muss, will er nicht unter "die Räder kommen": im Straßenverkehr wie in der Ökonomie wie im "freien Markt".
Die Schlussfolgung:
- Der Mensch ist für die Wirtschaft da, nicht die Wirtschaft für den Menschen. Da das nicht wie gewünscht funktioniert, den "fehlerhaften" Menschen abschaffen und durch fehlerlose Roboter ersetzen. Mit entsprechenden Erziehungs- und Verhaltesnmodikationstechniken (Gentechnik, Hirnforschung, Behaviorismus) besteht die Möglichkeit, den veralteten, fehlerhaften Menschen so zu modellieren, dass er in Zukunft fast fehlerfrei funktioniert. Ein Anfang besteht schon seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts: das Fließband.
Also einfach weiter so. Die metaphysische "Ökonomie" wird es schon schaffen.
Werte Redaktion,
die Klarheit, mit der in der Zeit und auch anderswo der Kapitalismus nun analysiert und kritisiert, die hätte ich mir schon vor Jahren gewünscht. Nun, da aber kritisiert und analysiert wird, darf nach diesem Artikel nicht Schluss sein. Und vor allem, darf nicht bei der Kritik und Analyse stehen geblieben werden. Ich freue mich auf konstruktive neue Ideen, wie Gesellschaften nun weiter machen können.
mfg
akrio
[entfernt, bitte vermeiden Sie Beleidigungen/ Redaktion; svb]
(ich will Sie _nicht_ persönlich angreifen)
in erster Linie darf man nicht alles glauben und ernst nehmen, was man in den Zeitungen liest. Schon in drei Monaten wird man in der Zeit wieder einen Artikel (im Wirtschaftsressort) finden, der die Liberalisierung der Briefdienste fordert ("niedrige Preise nützen allen").
Das andere ist: nicht mehr CDU/SPD/FDP wählen.
Und weiter sollte man erkennen, dass unser auf "Wachstum" angewiesenes und basierende System nicht funktionieren kann, wenn
- die Leute an Produktivitätszuwächsen nicht teilhaben (sollen).
- das Wachstum auf Zerstörung der sozialen und biologischen Lebensgrundlagen beruht.
... die etwas differenzierter ist ...
http://www.youtube.com/us...
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