Religion Kontaktstelle zum Göttlichen

Was ist die Seele? Das fragen neuerdings auch Mediziner und Hirnforscher. Sie finden zwar nichts Materielles, liefern aber dennoch Antworten. Ein Auszug aus »Die Vermessung des Glaubens«

Wohl alle Menschen, die im christlichen Glauben erzogen sind, machen sich im Laufe ihres Lebens Gedanken über die Seele. Was soll man sich darunter um Himmels willen vorstellen? Wo wäre sie zu verorten? Und ist sie wirklich unsterblich?

Auch Duncan MacDougall wird Anfang des 20. Jahrhunderts von solchen Fragen umgetrieben. Der Mediziner aus dem kleinen Städtchen Haverhill im US-Bundesstaat Massachusetts belässt es allerdings nicht bei Spekulationen. Er ist überzeugt: Wenn es die Seele gibt, muss es möglich sein, sie mit wissenschaftlichen Methoden nachzuweisen. Und so unternimmt MacDougall den wohl aufwendigsten Versuch der Wissenschaftsgeschichte, die Frage nach der Seele empirisch zu lösen.

Er geht dabei von der Überlegung aus, dass die Seele beim Tod eines Menschen dessen Körper verlässt. Folglich sollte dieser beim Sterben leichter werden. Gedacht, getan. Auf eine große Balkenwaage, wie sie auch Gemüsehändler benutzen, montiert der Arzt im Krankenhaus von Haverhill ein Holzgestell, auf das er ein komplettes Gitterbett stellen kann. Am 10. April des Jahres 1901 schließlich schlägt seine Stunde. Denn an diesem Tag liegt in Haverhill ein Tuberkulosekranker, der zugestimmt hat, der Wissenschaft zu dienen, im Sterben. Um 17.30 Uhr wird er in das Bett gelegt, und MacDougall beginnt, penibel jede Veränderung zu protokollieren. Schließlich, um 21.10 Uhr, tritt der Tod ein. »Genau mit der letzten Bewegung seiner Atemmuskeln und im selben Moment mit der letzten Bewegung seiner Gesichtsmuskeln fiel das Ende des Waagebalkens auf die untere Begrenzungsmarke und blieb dort, ohne zurückzuschnellen, wie wenn ein Gewicht vom Bett weggenommen worden wäre«, notiert der Arzt. »Um die Waage wieder auszugleichen, war später das Gewicht von zwei Silberdollar nötig, die zusammen ¾ Unzen wogen.«

Die Balkenwaage zeigte: Der Mensch hat eine Seele, der Hund nicht

¾ Unzen, das entspricht ziemlich genau 21 Gramm, etwa dem Gewicht von einer Scheibe Brot. Duncan MacDougall triumphiert. Er ist davon überzeugt, mit seiner Wiegevorrichtung den »Stoff der Seele« entdeckt zu haben. Innerhalb eines Jahres kann er fünf weitere Sterbende auf seine Seelenwaage legen – erhält allerdings jedes Mal unterschiedliche Resultate. Mal sinkt das Gewicht um 31 Gramm, mal nur um 10 Gramm, mal scheint das Gewicht zunächst zu sinken und dann wieder zu steigen. Dennoch fühlt sich der Seelenforscher auf der richtigen Spur. Als er denselben Versuch mit 15 Hunden durchführt, bewegt sich die Waage kein Stück! Damit scheint klar: Der Mensch hat eine gewichtige Seele, der Hund nicht. 1907 schließlich veröffentlicht MacDougall seine Resultate in den Zeitschriften American Medicine und Journal of the American Society for Psychical Research.

Wie zu erwarten, gehen die Meinungen der Fachwelt auseinander. Manche halten die Experimente für kompletten Unsinn, andere glauben, MacDougall habe »die wichtigste wissenschaftliche Entdeckung aller Zeiten« gemacht. Doch niemand findet sich, der das Experiment wiederholt. Erst in den dreißiger Jahren stellt der Lehrer Harry LaVerne Twining in Los Angeles ähnliche Versuche mit Mäusen an – und beweist, dass MacDougall einem Trugschluss aufgesessen ist.

Dabei scheinen Twinings Experimente zunächst zu zeigen, dass Mäuse ebenfalls eine Seele haben. Auf eine Balkenwaage stellt er ein Becherglas mit einer lebenden Maus und einem Stück Zyankali, tariert die Waage aus und hebt das Gift dann vorsichtig in das Becherglas. Als nach 30 Sekunden die unglückliche Maus verendet, schlägt der Waagebalken – wie bei MacDougalls Patienten – nach oben aus. Doch dann ersinnt Twining ein alternatives Verfahren: Er schließt die Maus in eine Glasröhre ein und versiegelt diese, sodass das Tier qualvoll verendet. Und bei diesem Experiment – das heute von keiner Ethikkommission gebilligt würde – zeigt die Waage keine Gewichtsveränderung. Daraus schließt Twining, dass eine sterbende Maus ebenso wie ein Mensch im Moment des Todes auf einen Schlag eine größere Flüssigkeitsmenge verliert und dass dies die Gewichtsänderung erklärt. Ein hermetischer Glaszylinder (oder ein Hundefell) verhindert diesen Effekt, weil die Flüssigkeit nicht entweichen kann.

So erscheinen aus heutiger Sicht MacDougalls Ergebnisse, die seinerzeit die Zeitungen füllten, lediglich als Artefakte seiner Versuchsanordnung. Dennoch geistert seine Erkenntnis, die Seele habe ein Gewicht von 21 Gramm, bis heute durch die Populärkultur.

Man fühlt sich bei solchen Experimenten an die Definition Voltaires erinnert: »Seele nennen wir das, was mit Leben erfüllt. Mehr wissen wir, weil unser Verstand beschränkt ist, leider nicht. Drei Viertel der Menschheit geht darüber nicht hinaus und hat an der Seele kein Interesse, das andere Viertel sucht und findet nichts, noch wird jemals irgendjemand etwas finden.« Liegt es also in der Natur der Sache, dass wir zwar von der Seele reden, sie aber eben gerade nicht mit wissenschaftlichen Apparaturen nachweisen können?

Da tut es gut, zunächst ein wenig Begriffsklärung zu betreiben. Im Alten Testament wird für Seele das hebräische näfäsch verwendet, das mit atmen (nafasch) zusammenhängt. Im Neuen Testament steht für Seele das griechische Wort psyche, das so viel wie Hauch, Atem, Lebenskraft bedeutet, aber auch mit Schmetterling übersetzt werden kann – schon das deutet auf die Flüchtigkeit der Seele hin. Der Bibel zufolge wird der Mensch dadurch beseelt, dass ihm Gott den »Lebensatem in seine Nase blies« (Genesis 2,7). Dieses Bild einer »Atemseele« kennt nicht nur das Christentum; auch in anderen Kulturen ist die Vorstellung verbreitet, der Atem sei Sitz einer besonderen Lebenskraft. Begriffe wie Prana oder Atman (in Indien), Qi (in China) oder Ki (in Japan) haben zwar alle ihre Besonderheiten und können nicht einfach mit der alteuropäischen Seele gleichgesetzt werden. Dennoch deuten sie darauf hin, dass der Mensch nicht allein durch seine materielle Zusammensetzung definiert ist, sondern dass ihn darüber hinaus noch eine besondere Art von Energie belebt.

In der westlichen Welt ist das heutige Verständnis des Seelenbegriffs eher durch Sigmund Freud geprägt. Ihm verdanken wir es, dass in der Wissenschaft nicht mehr von Seele, sondern von Psyche gesprochen wird und dass aus der altertümlich klingenden Seelenkunde die moderne Psychoanalyse wurde. Von einer unsterblichen Seele im christlichen Sinne wollte der Religionskritiker Freud nichts mehr wissen. Für ihn war »das Seelische« ein natürlicher Vorgang, der auf der Gehirntätigkeit beruht und vom neuronalen Geschehen nicht zu trennen ist. Damit nahm er eine Haltung vorweg, die bis heute in der Wissenschaft als Konsens gilt.

Radikal abgerechnet mit der Seele hat 1994 der DNA-Entdecker und Nobelpreisträger Francis Crick. In seinem Buch Was die Seele wirklich ist postulierte Crick: »Sie, all Ihre Freuden und Leiden, Ihre Erinnerungen, Ihre Ziele, Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit – bei alldem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen.«

So kommt es, dass man heute vor dem merkwürdigen Paradox steht, dass die Seele in der westlichen Welt »allgegenwärtig und zugleich inexistent« ist, wie Elisabeth von Thadden im ZEIT-Bildungskanon (ZEIT Nr. 2/08) feststellt. »Während im Alltag nichts natürlicher, nichts üblicher ist, als von verletzten Seelen oder von seelischer Balance zu reden, will die exakte Wissenschaft von ihr wenig wissen.« Die Forschung jedenfalls hat bislang nirgendwo eine Entität gefunden, die einer unwandelbaren Seele gleichen würde. Doch was bedeutet das? Heißt es, dass alles Reden von der Seele Unsinn wäre? Oder zeigt sich in dem Fehlschlag nicht vielmehr, wie naiv die Ansicht ist, die Seele sei etwas materiell Greifbares, das sich mit Präzisionswaagen oder im Kernspintomografen dingfest machen ließe? Wer auf diese Weise nach einer Seele sucht, findet sie ganz offensichtlich nicht.

Versuchen wir es also anders. Beobachten wir die Seele zunächst im Spiegel der Mythen und Metaphern, die sich um sie gebildet haben. Da wäre zum Beispiel das spätantike Märchen des Apuleius von Amor und Psyche, das darauf hinweist, dass beide zusammengehören: Ohne Liebe ist eine Seele nicht lebensfähig, sie verkümmert und verdorrt. Auch Freud erkannte, dass es der zerrissenen Seele wohltun kann, wenn sich ihr andere zuwenden, und dass sie sich durch den sprachlichen Austausch berühren lässt. Und nicht zuletzt wären da die religiösen Metaphern, die zum Beispiel von der Seele als »Atemwind der Unendlichkeit« sprechen, sie als Garant für eine Verbindung zu einem größeren Ganzen beschreiben.

Der Theologe und Psychotherapeut Hubert Findl drückt diesen Aspekt folgendermaßen aus: »Im Innersten seiner Selbst findet der Mensch das Angebot einer Berührung durch ein umfassendes transzendentes Selbst… Inmitten unseres Lebens, auch inmitten allen Unheils, ist da das Angebot von etwas Unverbrüchlichem im Tiefsten unseres Selbst. Christen nennen dieses Etwas Gott, und sie verwenden das Wort Seele, um auszudrücken, dass es da im Innersten jedes Menschen eine Kontaktstelle zu Gott, zum Göttlichen, zu diesem transzendenten und sinnstiftenden Sein in uns gibt.«

Eine Kontaktstelle zum Göttlichen – eine schöne Formulierung, die klarmacht, dass es sich bei der Seele in diesem Verständnis eben gerade nicht um ein »Ding« handelt, sondern eher um eine Potenzialität, eine Fähigkeit, die im Menschen angelegt ist, aber gewissermaßen erst der Aktivierung bedarf.

Doch wie ließe sich wissenschaftlich über diese Potenzialität reden? Einer der Ersten, die nach einer pragmatischen Erklärung suchten, war der Religionspsychologe William James. In seinen berühmten Vorlesungen über die Vielfalt der religiösen Erfahrung befand er, im religiösen Erleben identifiziere ein Mensch sein wahres Wesen mit einem »höheren Teil seiner selbst«. Die wesentliche Triebfeder dafür verortete James im »subliminalen Bewusstsein« oder im »unterbewussten Selbst«. Denn James wusste, dass nur der geringste Teil der menschlichen Gedanken, Gefühle und Vorstellungen bewusst verarbeitet wird und dass der größte Teil des Seelenlebens im Dunkeln liegt. Dort schlummerten, ihm zufolge, auch jene Vorstellungen eines »höheren« oder »besseren« Teils unserer Selbst.

Tatsächlich haben Psychologie und Neurobiologie in den vergangenen Jahren bewiesen, wie klein der Teil des körperlichen und geistigen Geschehens ist, der uns zu Bewusstsein kommt. Man könnte sagen: Unser wahres Wesen gleicht einem Eisberg, dessen allergrößte Masse unter Wasser verborgen liegt. Und unter der Wasserlinie, in den neuronalen und biochemischen Regelkreisen unseres Körpers, ist ein immenses Wissen gespeichert, das weit über unsere gegenwärtige Existenz hinausreicht.

So ist zum Beispiel in der Struktur unseres Gehirns all jenes Erfahrungswissen verborgen, das der Homo sapiens im Laufe der Evolution angesammelt hat und das unsere instinktiven Reaktionen bestimmt. Selbst die Geschichte des Weltalls ist implizit in uns verborgen: Die chemischen Elemente, aus denen wir bestehen, haben sich zum Teil vor Millionen von Jahren im Inneren weit entfernter Sterne in der Nukleosynthese gebildet. Wir sind, im wahrsten Sinne des Wortes, Sternenstaub. So gesehen zeigen sich selbst auf der plumpsten, materiellen Ebene Kontaktstellen zu einem größeren, kosmischen Sein. Und auch wenn wir dazu keinen bewussten Zugang haben, so lässt sich dieser Erfahrungsschatz doch durch geeignete Methoden aktivieren.

»Es gibt eine Erkenntnisebene, die das Mentale, das Rationale übersteigt«

Eine dieser Methoden, das lehrt die medizinische Placeboforschung, ist offenbar der Glaube. Allein unsere Vorstellungskraft verwandelt eine Zuckerpille, ein Placebo, in ein wirksames Medikament. So kann das Vertrauen in ein heilsames Prinzip Selbstheilungskräfte freisetzen, die zur erhofften Wirkung führen. Manche reden von der »Blaupause der Gesundheit«, die durch eine entsprechende Erwartungshaltung aktiviert wird; man könnte auch sagen, dass dabei ein »besserer Teil unserer Selbst« angesprochen wird, der potenziell zwar angelegt ist, aber der Aktivierung bedarf.

Im religiösen Glauben geht es um wesentlich mehr als nur um die Besserung von Krankheitssymptomen, es geht um Heilung in einem umfassenden Sinn, der auch unsere existenzielle Einsamkeit, die Angst vor dem Tod und die Grundfrage nach dem tiefen Sinn des Lebens einschließt. Die Religionen geben darauf scheinbar verschiedene Antworten. Dennoch haben sie einen gemeinsamen Nenner: Alle religiösen Praktiken lassen sich als Versuche interpretieren, die Begrenztheit des bewussten »Ich« zu erfahren, es zu transzendieren und zugunsten einer allumfassenden Wirklichkeit aufzugeben.

Und das lässt sich durchaus im modernen Vokabular der Neurowissenschaft formulieren. Diese zeigt, dass unser Gehirn uns stets nur mit Repräsentationen der Wirklichkeit versorgt. Das gilt nicht nur für die äußere Welt, sondern ebenso für die Wahrnehmung unseres Körpers und unseres bewussten »Ich«. Auch diese angeblich unwandelbare Größe, die in Wahrheit steter Wandlung unterworfen ist, ist nur eine Repräsentation, – ein Selbstmodell, wie der Bewusstseinsphilosoph Thomas Metzinger es nennt – unseres Gehirns. Das heißt nicht, dass das Ich nicht existent wäre. Aber es kommt ihm keine eigenständige, unabhängige Realität zu, sondern es entsteht und lebt in einer permanenten wechselseitigen Abhängigkeit.

»Es gibt eine Erkenntnisebene, die das Mentale, das Rationale übersteigt. Und wir haben sie in uns. Was uns daran hindert, sie zu erreichen, ist das Ich-Bewusstsein.« Das sagt der Benediktinerpater und Zen-Meister Williges Jäger, der sowohl in der christlichen Tradition als auch im Zen-Buddhismus zu Hause ist. Für diesen modernen Mystiker ist das Ich-Bewusstsein zwar »etwas absolut Positives«, denn es »macht uns zu Menschen« – doch zugleich grenze es den Menschen ein. »Die Wirklichkeit ist etwas ganz anderes, als wir meinen, dass sie ist.«

Damit beschreibt er in seinen Worten, was auch die Erkenntnisse der Evolutionsbiologen, Wahrnehmungspsychologen und Bewusstseinsphilosophen nahelegen: Es hat sich für unsere Gattung im Laufe der Evolution als extrem wirkungsvoll erwiesen, ein Modell des »Ich« zu entwickeln. Ein solches Selbstbild erlaubt uns, Zukunftspläne zu schmieden, eigene Interessen zu verfolgen, das Verhalten anderer in Bezug auf uns selbst zu beurteilen und somit das eigene Überleben sicherzustellen. Doch zugleich führt die Erfindung des »Ich«, diese Frucht vom Baum der Erkenntnis, zur Vereinzelung. Wir empfinden uns als getrennt von anderen Existenzen, erleben uns als in die Welt geworfene Objekte, die eine Zeit lang ihre egoistischen Interessen verfolgen und irgendwann zu Staub zerfallen.

Deshalb propagieren die Religionen einen radikalen Perspektivwechsel. Sie erinnern uns daran, dass das Problem der Vereinzelung mit unserer beschränkten Sichtweise zu tun hat und dass es die unbedingte Identifikation mit unserem Selbstmodell, dieses ständige Kreisen um das eigene Ego, ist, das Leid erzeugt. Denn wer seine eigene Person als Nabel der Welt betrachtet, ist permanent damit beschäftigt, die Interessen, Wünsche und Begierden dieser Person zu befriedigen, was den wenigsten auf Dauer gelingt. Und selbst wenn es gelingt, muss man doch der verstörenden Tatsache ins Auge sehen, dass all dies im Tod ausgelöscht wird.

Wird dieses »Ich« dagegen nicht als eigenständige, abgetrennte Instanz begriffen, sondern als eine Schöpfung, die in Abhängigkeit von anderen Menschen und letztlich vom ganzen Kosmos existiert, weitet sich der Blick auf einmal; und wir können uns, im besten Falle, als Teil eines großen Ganzen begreifen, das den Tod dieses »Ich« überdauert. Man könnte auch sagen: Unsere wahre Natur ist größer als unser bewusstes Selbst. Und vielleicht soll uns das Wort von der Seele an nichts anderes erinnern, als dass es, im Tiefsten unseres Wesens, dazu einen Schlüssel gibt.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 28.09.2008 um 20:55 Uhr

    könnt einen Hirn-Forscher etwas lehren, allerdings nur, wenn der Hirn-Forscher ein Komödiant ist. Jawohl.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Rahab
    • 29.09.2008 um 10:51 Uhr

    und ein schlechtes dazu

    • Rahab
    • 29.09.2008 um 10:51 Uhr

    und ein schlechtes dazu

  1. Wird dieses »Ich« dagegen nicht als eigenständige, abgetrennte Instanz begriffen, sondern als eine Schöpfung, die in Abhängigkeit von anderen Menschen und letztlich vom ganzen Kosmos existiert, weitet sich der Blick auf einmal; und wir können uns, im besten Falle, als Teil eines großen Ganzen begreifen, das den Tod dieses »Ich« überdauert. Man könnte auch sagen: Unsere wahre Natur ist größer als unser bewusstes Selbst. Und vielleicht soll uns das Wort von der Seele an nichts anderes erinnern, als dass es, im Tiefsten unseres Wesens, dazu einen Schlüssel gibt.

    Na so muss man die Religion weiß Gott nicht verstehen! Am Ende dieses Beitrages wird es leider allzu beliebig und unscharf. Ja, der Blick weitet sich dann, man sieht aber eben auch, dass man nur deshalb selbst lebt und bisher überlebte, weil man eben auch egoistisch war und ist, oder eben seine Vorgänger dies waren bzw. man Gruppenegoismen durchsetzte und formuliert.
    Das andere, was hier vermengt wird, ist ja der Begriff der Seele und die Theorie der Religionen, mancher Religionen, der meisten wohl, dass wenigstens die Seele überleben würde, wenn wir, also unser Körper und damit offensichtlich ja auch unser Geist, sterben - und dass es dieser, manchen von denen, dann entweder gut (im Himmel), oder (in der Hölle) schlecht gehen würde, je nachdem wie man sich auf Erden so verhalten hat. Dies ist nun eben der Versuch, auch nichtjustiziable Verbrechen zu verhindern, indem man dem potentiellen Täter auf diese Art ein schlechtes Gewissen macht, indem man ihm auch - vorher - klar zu verstehen gibt: Du kannst der Wahrheit nicht entrinnen, schlechte Taten werden dich unglücklich machen. So wird hier eine moralische und weltanschauliche Gemeinschaft hergestellt, mit dem Sinn, dass nicht jeder machen kann, wonach ihm ist - selbst die Herrscher nicht! Man postuliert hier, wen man so will, wenn man es modern ausdrücken will, ein kollektives moralisches Über-Ich, ein kollektives Gewissen. Gäbe es dies nicht, würde man dieses nicht postulieren, so könnte ein Täter mit dem perfekten Verbrechen offiziell ja glücklich sein, sich seines Erfolges eigentlich freuen, wie dies ja auch oft der Fall war und ist. Sicher trägt zu dem auch die weltanschauliche Relativierung bei, die uns ja eben sagt, dass wir alle nicht genau sagen und wissen können, warum es uns und die Tiere, und eben die Welt und den Kosmos gibt - das hat immer noch etwas mysteriöses, und Gott steht halt auch für das Mysteriöse. Mysteriös sicher auch, dass man sterben muss, dass also alles von einem vergeht. Es vergeht aber eben doch nicht alles. Denn unsere Spuren im Gedächtnis der nachfolgenden Menschen sind es, die in der Tat bleiben - solange es noch ganz reale Nachfolger gibt. Gibt es diese nicht mehr, so behauptet die christliche Religion, dass dies so schlimm nun auch nicht ist, weil wir, oder einige von uns, dann eben dennoch - in größter Not, wie ihn der Weltuntergang darstellt - ihren inneren Frieden gefunden haben. Die christlich (und islamisch) Gläubigen sagen sich so, dass das Verschwinden der Menschheit (ob nun apokalyptisch oder durch friedlich-wohlorganisiertes Aussterben) sehr wohl mit Gott, mit dem kollektiven Gewissen der Menschheit in Übereinstimmung steht bzw. gebracht werden kann, denn es steht dies ja in der Bibel, es ist dies also offiziellen Verlautbarung Gottes sozusagen anerkannt worden, von den Vätern der Religion, und bisher hat dies noch keiner aus diesem Schriftenkanon verbannt.
    Sollte die Menschheit selbstbewirkt, also an den Widersprüchen der eigenen Entwicklung untergehen, so hätte die Autoren und Verfasser der Bibel, gewichtige und hochgeachtete Vorgänger, mit ihrer Vorhersage also recht. Das Modell der Seele ist in der Tat nur eine antike Beschreibung für diese Dinge, die immer noch hochaktuell sind - bzw. aktueller denn je...! Gerade im Untergang zeigt sich, dass wir die Gemeinschaft hier ganz besonders schätzen und brauchen. So einfach ist das.

  2. , zur Schicksalsgemeinschaft und zu unverständlichen Fragen bzw. Problemen und zur Moral. All dafür steht in den montheistischen Religionen ja der Gottesbegriff. So könnte man diese Seelen-Bedeutung in der christlichen Religion wohl modern formulieren, so kommt es in dem Beitrag irgendwie ja auch rüber.

    Man hätte hier also am besten noch klar darstellen müssen, wie die Verbindung der Seele mit dem Göttlichen in den Religionen nun genau abgeleitet bzw. postuliert ist - und vor allem, was das Göttliche denn nun genau ist, (vielleicht kommt dies ja in einer weiteren Folge). Da gibt es, neben vielen Gemeinsamkeiten, ja sogar ein paar Unterschiede zwischen den Religionen. Mit Glauben hat all dies aber nur wenig zu tun, eher mit Wissen und gelingender Kommunikation. Glauben muss bzw. musste man früher auch und vor allem den durch den Zorn Gottes bewirkten Welt- bzw. Menschheitsuntergang (Genauso wie wir ohne eine wirkliche göttliche Hand entstanden sind, werden wir auch ohne ein solches direktes Wirken eines Überwesens eben auch untergehen). Heute kann man sagen, weiß man dies schon, kann sich dies ein jeder an seinen fünf Fingern abzählen. Der Gottesbegriff ist sozusagen entmystifiziert - bzw geklärt, seine großen Funktionen sind aber bis zuletzt erforderlich und im Falle des Christentums auch nicht falsch oder unwichtig - gerade und vor allem die Supervision, auch die im moralischen bzw. im Trieb-Bereich. Nur das Mystische kann bzw. konnte man nicht in Gänze, allerdings weitgehend, aufhellen bzw. erklären.

  3. Bewusstsein neben Raum, Zeit, Materie und Energie eines der Grundelemente der Welt?

    Nichts ist unmoeglich.... Alles ist moeglich... Die Quantenphysik macht´s moeglich/unmoeglich. Vor 100 Jahren - am 21.09.2008 - schaffte Hermann Minkowski die Zeit ab.

    http://uk.youtube.com/wat...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
  4. "Die Forschung jedenfalls hat bislang nirgendwo eine Entität gefunden, die einer unwandelbaren Seele gleichen würde. Doch was bedeutet das? Heißt es, dass alles Reden von der Seele Unsinn wäre?
    Oder zeigt sich in dem Fehlschlag nicht vielmehr, wie naiv die Ansicht ist, die Seele sei etwas materiell Greifbares, das sich mit Präzisionswaagen oder im Kernspintomografen dingfest machen ließe? Wer auf diese Weise nach einer Seele sucht, findet sie ganz offensichtlich nicht."

    Nun, dass man sie nicht findet kønnte schlicht daran liegen, dass sie nicht existiert.

    Gute Wissenschaft funktioniert eben gerade nicht so, dass man das Ergebnis vorweg nimmt, und dann Beweise dafuer sucht ("Los gehts, Kernspintomografen an und Seele finden"), sondern dass man ergebnisoffen beobachtet und dann auf die Existenz von was auch immer aufgrund der Ergebnisse schliessen kann.
    Nur weil alte Texte etwas behaupten ist es noch lange nicht da (eigentlich eine Trivialitæt, die bei dem allermeisten, was in alten Buechern steht auch allgemein akzeptiert ist).

    • Rahab
    • 29.09.2008 um 10:51 Uhr

    und ein schlechtes dazu

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 29.09.2008 um 23:35 Uhr

    weil diese ihre Art sich ohnehin hier ständig wiederholt, einsilbig, schal und subjektiv, matt im Geiste gestelzte Intellekualität, steil aufsteigend wie ein Dom und niederfallend wie eine Brache. Das Geschrei nach Wichtig-Sein ertönt dabei wie ein Wecker, der stets zur falschen Zeit die Leute weckt.
    (Anmerkung: Bitte versuchen Sie, auf persönliche Angriffe zu verzichten. Die Redaktion/jk)

    • Anonym
    • 29.09.2008 um 23:35 Uhr

    weil diese ihre Art sich ohnehin hier ständig wiederholt, einsilbig, schal und subjektiv, matt im Geiste gestelzte Intellekualität, steil aufsteigend wie ein Dom und niederfallend wie eine Brache. Das Geschrei nach Wichtig-Sein ertönt dabei wie ein Wecker, der stets zur falschen Zeit die Leute weckt.
    (Anmerkung: Bitte versuchen Sie, auf persönliche Angriffe zu verzichten. Die Redaktion/jk)

  5. Es beginnt lebensgeschichtlich seine Arbeit, wenn der Säugling die inneren Vorgänge seines Körpers (Muskeln, Organe usf.) registriert und das Kind lernt, die Summe dieser Gefühle als sein Ich von Anderen und vom Außen zu trennen. Sind schon die Prozesse der körperlichen Systeme dabei sehr umwegreich, so sind die Informationsprozesse und die Herstellung von Bedeutungen der Subjekt-Objekt- Beziehung, aus denen sich das Selbstgefühl (Seele ?) von außen kennenlernt, ein komplizierter und keineswegs linearer Vorgang.
    Subjektive Erfahrungsvermögen ( die Tätigkeit der Sinne ) und objektive Erfassungsvermögen ( Registrierung der inneren Vorgänge, s.o.) verhalten sich zueinander wie Spiegel, so wie sich ein Mensch im anderen spiegelt und ohne dieses gesellschaftliche Verhältnis sich gar nicht zu eigen hätte.
    Zu Bewusstsein wird die Sinnentätigkeit, wenn sie sich auf Grund der Tätigkeit der Bereiche im Gehirn, die mir meinen Körper vermitteln, auf mich bezieht. Die Sinnentätigkeit wird dadurch zu subjektiver Sinnlichkeit. Umgekehrt werden die bloß objektiven Prozesse der Registrierung des Körpers als Inneres im Verkehr mit dem sinnlichen Außen zum subjektiven Selbstgefühl.
    Noch mal ganz vereinfacht: Ohne Gesellschaft (Mutter-Vater-Kind, Freunde, Arbeitskollegen) trotz Anlage (genetisch vorgeprägter Gehirnentwicklung) kein Ich, keine Seele und damit kein Mensch, der sich selbst als solcher begreifen kann. Und antimetaphysisch und antiesoterisch: Bewusstsein ist das gesellschaftliche Beziehungsnetz zwischen materiellen für sich objektiven Organprozessen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service