Medien Von Buchdruck bis Browser
Eine kleine Geschichte der Massenmedien in Stichworten
Bücher: Nachdem Johannes Gutenberg zwischen 1440 und 1450 den Buchdruck mit beweglichen Lettern und damit eine Technik zur massenhaften Vervielfältigung von Schriften erfunden hatte, wurden sie das erste Massenmedium der Neuzeit. Zunächst für religiöse Werke genutzt, trägt die Drucktechnik dreihundert Jahre später entscheidend zur Verbreitung der Ideen der Aufklärung bei. Bücher sind bis heute zentrales Lehrmittel, Grundlage und Speicherplatz für die Wissensgesellschaft.
Literatur: Erst mit dem Buchdruck konnten die Werke von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Thomas Mann, Heinrich Böll und Günter Grass ihren kulturellen Einfluss entfalten. Insofern sind Bücher seit Beginn der Neuzeit der wichtigste (Über-)Träger von Zivilisation und westlicher Kultur. Heute kommen allein in Deutschland jedes Jahr etwa 80.000 Neuerscheinungen auf den Markt. Die meisten davon sind Fachbücher.
Elektronik: Um die Verbreitung von Texten zu erleichtern, arbeiten vor allem US-amerikanische Unternehmen daran, das Papier als Trägermedium zu ersetzen. Der Onlinehändler Amazon verkauft elektronische Lesegeräte. Texte werden auf dem Gerät digital gespeichert und auf einem Bildschirm in der Größe einer Buchseite angezeigt. Der Internetkonzern Google digitalisiert im Rahmen des Projekts »Booksearch« ganze Bestände großer Bibliotheken und veröffentlicht im Internet alle Texte, bei denen es keine rechtlichen Beschränkungen gibt oder deren Autoren und Verlage der Publikation zustimmen.
Zeitungen: Politische Nachrichten wurden zunächst auf einseitigen Flugblättern verbreitet. Im Jahr 1605 begann dann das Zeitalter der modernen Zeitung. Der Straßburger Nachrichtenhändler Johann Carolus fing an, wöchentliche Zusammenfassungen des politischen Geschehens zu drucken. Bald ahmten ihn viele nach. Deren Zeitungen beschränkten sich nicht auf Politik, sondern waren oft eine Mischung aus Nachrichten, Reiseberichten, Literatur und Kolportagen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Zeitungen zum Wesensmerkmal gut informierter bürgerlicher Gesellschaften und zum Ort der politischen Debatte.
Zensur: Weil Zeitungen Öffentlichkeit herstellen, wurden ihre Inhalte lange zensiert. In Staaten wie China geschieht das noch heute, während in Russland die Verleger kritischer Zeitungen in den vergangenen Jahren eher gezwungen wurden, ihre Zeitungen an regierungstreue Industrielle zu verkaufen. Die Idee einer Presse, die frei und ungehindert berichtet, hat sich zuerst in Großbritannien, dann in Dänemark und den USA durchgesetzt. In Deutschland gab es erste, kurze Phasen der garantierten Pressefreiheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts, aber erst seit Gründung der Bundesrepublik gilt sie dauerhaft.
Radio: »Hier ist Berlin, Voxhaus.« Das waren die ersten Worte, die in Deutschland 1923 über den Äther gingen. Mit dem Radio bekamen Nachrichten eine neue Dimension: Hörer konnten einem Ereignis beiwohnen, obwohl sie weit entfernt waren. Auch Gefühle wurden in einer bis dahin unbekannt intensiven und unmittelbaren Weise transportiert. Deshalb machten die Nazis das Radio zum zentralen Propaganda-Medium; inzwischen war die Entwicklung so weit fortgeschritten, dass sie ein billiges Gerät produzieren lassen und millionenfach verkaufen konnten: den Volksempfänger.
Wirkung: Die suggestive Kraft des Mediums in der damaligen Zeit belegt eine nach dem Roman Krieg der Welten von H. G. Wells entstandene fiktive Reportage von Orson Welles. Als sie 1938 an der Westküste der USA ausgestrahlt wurde, löste sie eine Massenpanik aus – das Hörspiel über eine Invasion vom Mars hielten viele Zuhörer für realistisch. Aus Angst vor der manipulativen Kraft des Radios und um die Unabhängigkeit der Journalisten zu garantieren, wurden in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst keine privaten Radiosender zugelassen. Erst in den 1980er Jahren kamen Private wieder zum Zug.
Fernsehen: Aus Sorge um das ihm anvertraute neue Massenmedium mahnte Hanns Hartmann, der erste Intendant des WDR, eindringlich: Das Fernsehen sei eine »Massenstanze, ein Instrument von grenzenloser Überredungsmacht, ein Mittel der Narkose und der Suggestion. Ich glaube, man sollte an die Schalthebel dieses Instruments nur Leute heranlassen, die das nie vergessen.« Richtig ist, dass Fernsehen das erfolgreichste aller Massenmedien geworden ist. Die durchschnittliche tägliche Sehdauer liegt heute bei knapp 200 Minuten.
Erlebnisgemeinschaften: Das Fernsehen wurde immer wieder als »Lagerfeuer der Nation« bezeichnet, weil es über Jahrzehnte gelang, große Teile der Bevölkerung zur selben Zeit für eine Sendung vor dem Bildschirm zu versammeln. Während in den 1960er Jahren die Krimis von Edgar Wallace, die Abendnachrichten, Shows am Samstagabend und Sportereignisse zu gesellschaftlichen Sammelpunkten wurden, ist das Publikum heute deutlich wählerischer. Es verteilt sich auf inzwischen mehrere Hundert Kanäle. Eine Ausnahme bilden Ereignisse von weltweiter Bedeutung wie die Terroranschläge von New York im Jahr 2001 und der Tsunami in Südostasien im Jahr 2004. Dann verfolgen rund um den Erdball viele Hundert Millionen Menschen ein und dasselbe Thema, oft zeitgleich mit dem Geschehen.
Das Internet wurde in seinen technischen Grundlagen in den 1960er Jahren von Rüstungsunternehmen und dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium entwickelt, später von Universitäten verbessert und 1990 für kommerzielle Nutzer geöffnet. Mit dem ersten Browser namens Mosaic bekam das Netz Mitte der 1990er Jahre seine grafische Oberfläche und wurde für das breite Publikum interessant. Seither nimmt die Nutzung mit dem Ausbau der Datennetze und der wachsenden Leistung von Computern zu. Heute surfen zwei Drittel der deutschen Bevölkerung im Internet. Es dient vor allem der Kommunikation, der Informationssuche und der Unterhaltung.
- Datum 13.10.2008 - 16:40 Uhr
- Serie Bildungskanon
- Quelle DIE ZEIT, 25.09.2008 Nr. 40
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