DIE ZEIT: Herr Gruss, gilt Wissenschaft wieder etwas in dieser Republik?

Peter Gruss: Eindeutig ja. Bei der gegenwärtigen Regierung haben Bildung und Forschung einen sehr hohen Stellenwert. In der öffentlichen Wahrnehmung aber haben wir noch manche ideologische Hürden zu überwinden, etwa bei der grünen Gentechnik.

ZEIT: Das scheint ausländische Forscher nicht daran zu hindern, nach Deutschland zu kommen.

Gruss: Wir haben in der Tat eine erfreulich hohe Zahl ausländischer Wissenschaftler auf unsere Direktorenposten berufen können. Über 25 Prozent unserer Direktoren haben einen ausländischen Pass. Gerade erst haben wir zwei Wissenschaftler aus den USA nach Frankfurt geholt.

ZEIT: Es heißt doch immer, Deutschland könne auf dem globalen Markt der Spitzenforschung nicht mithalten, weil wir zu wenig zahlen.

Gruss: Deutschland ist im internationalen Vergleich bei den Gehältern in der Tat nicht konkurrenzfähig, da die Gehälter hier niedriger liegen als die durchschnittliche Bezahlung in der Schweiz, in Großbritannien oder den USA. Wir bei Max-Planck konkurrieren aber nicht mit den Durchschnitt, sondern mit den Harvards, den Cambridges und ETH Zürichs dieser Welt. Dank der Förderstiftung der Max-Planck-Gesellschaft sind wir in der Lage, es unseren Wunschkandidaten noch schmackhafter zu machen, zu uns zu kommen.

ZEIT: Welche Verlockungen bieten Sie an?