Energiepolitik Grüner Katzenjammer
Es gibt kein Nein zur Atomkraft ohne ein Ja zur Kohle
Fünf Monate hat der schwarz-grüne Traum gedauert, der Traum von einem politischen Bündnis, das Ökonomie und Ökologie versöhnen und, von Hamburg ausgehend, am Ende das ganze Land erobern würde. Nun gibt Hamburgs grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk die Entscheidung für den Bau des Kohlekraftwerks Moorburg bekannt. Ausgerechnet ein schwarz-grün regiertes Land beantwortet das Menschheitsproblem des Klimawandels mit dem Bau eines Fossilkraftwerks, dessen CO₂-Ausstoß alle Rekorde bricht. Und ausgerechnet einer grünen Senatorin bleibt es überlassen, diese Umweltsünde zu genehmigen.
Nun ist der Katzenjammer bei den Grünen groß. Doch jammern sie aus den falschen Gründen. Moorburg war, wie sich jetzt zeigt, aus rechtlichen Gründen nicht mehr zu verhindern. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust hatte zu Zeiten der schwarzen Alleinherrschaft Fakten geschaffen.
Dennoch sind die Grünen am Bau des Kohlekraftwerks nicht unschuldig. Auch sie haben Fakten geschaffen, auf die Ole von Beust und der Investor Vattenfall ihrerseits reagiert haben. Der Ausstieg aus der Atomkraft, beschlossen zu rot-grünen Zeiten in Berlin, hat die Renaissance der Kohle kräftig befördert. Das ist der grüne Anteil an der schwarz-grünen Klimasünde Moorburg.
Einspruch!, ruft nun der aufrechte Grüne. Wir haben es euch doch vorgerechnet: Deutschland kann auf Atomkraft verzichten und muss dennoch nicht mehr Kohle, Öl und Gas verbrennen als bisher! Sonne, Wind und Wasser und vor allem: Sparen, Sparen, Sparen – all das genügt völlig!
Wahrscheinlich stimmt das sogar. Nur haben diese grünen Visionen mit dem real existierenden Deutschland nichts zu tun. Die Deutschen wollen nun einmal nicht in Passivhäusern wohnen, sondern, je nach Lebenslage, in preiswerten Mietwohnungen oder in schicken Einfamilienhäusern. Sie wollen nicht mit dem Fahrrad Urlaub machen, sondern nach Mallorca oder in die Karibik fliegen. Und mit Elektroautos werden sie sich erst anfreunden, wenn diese so stark und schnell wie die bulligen PS-Protze sind, die gegenwärtig die Straßen verstopfen.
Das alles kritisieren manche Grüne, völlig zu Recht. Sie können es aber nicht ändern. Keine Regierung in Deutschland hatte je ein Mandat dafür, das Land in ein Ökotopia zu verwandeln. Die Grünen sind eine Zehnprozentpartei, ihre Energiepolitik kann daher nichts anderes sein als ein Kompromiss – mit stärkeren politischen Partnern und mit Bürgern, die Umweltschutz prima finden, solange sie beim Bioladen mit dem Geländewagen vorfahren können.
Die Renaissance der Kohle ist die hässliche Seite des grünen Sieges über die Atomkraft, die sich nun, in den Zeiten des Klimawandels, als das kleinere Übel erweist. Wenn schwarz-grüne Regierungen in Hamburg oder eines Tages in Berlin imstande sein sollen, den Klimawandel wirksam zu bekämpfen, dann müssen die Grünen das endlich einsehen.
- Datum 18.08.2009 - 10:40 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2008 Nr. 41
- Kommentare 15
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Sehr geehrter Herr Drieschner,
Sie vergessen, dass der Bau eines solchen Kohlekraftwerkes nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen äußerst fragwürdig ist. Rapide steigende Brennstoffkosten und eine wahrscheinliche Versteigerung der Emissionszertifikate ab 2013 (dringend geboten, um weitere Windfall Profits der Energiekonzerne in Milliardenhöhe auf Kosten der Stromverbraucher zu verhindern!) werden mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass sich der Betrieb des Kraftwerks nicht mehr wirtschaftlich darstellen lässt. Daneben wird sich mit dem Offshore-Windausbau die Volllaststundenzahl nahe der Küste eines solchen Kraftwerks drastisch reduzieren, was die Stromgestehungskosten noch weiter steigen lässt. Für einen flexiblen Mittellastbetrieb im Zusammenspiel mit fluktuierenden Erneuerbaren sind solche Kraftwerke im Übrigen denkbar ungeeignet.
Mein Eindruck ist, dass die Energiekonzerne versuchen, mit solchen Großprojekten Fakten zu schaffen, um einen Zuwachs an Verhandlungsmasse zu erkaufen. Gespannt warten darf man auf folgende Argumentationen:
* Die Versteigerung der Emissionszertifikate darf nicht stattfinden, da sonst die Strompreise steigen. (an Absurdität kaum zu überbieten, da der Zertifikatspreis sowieso eingepreist wird, aber alles schon dagewesen).
* Die Versteigerung der Emissionszertifikate war zum Bau des Kraftwerks nicht abzusehen, die resultierenden finanziellen Verluste müssen durch politische Maßnahmen kompensiert werden.
* Der Vorrang des Stromes aus Erneuerbaren Energien muss gekippt werden, da die reduzierte Volllaststundenzahl der fossilen Kraftwerke die Stromgestehungskosten steigen lässt, die man sich dann natürlich vom Verbraucher zurückholen muss...
* Bei vorzeitiger Einstellung des Betriebs des Kraftwerks wegen Unwirtschaftlichkeit: die stranded investments müssen durch politische Maßnahmen oder Strompreiserhöhungen kompensiert werden.
Das alles wird dann üblicherweise gekoppelt mit dem dezenten Hinweis auf die armen Verbraucher, Arbeitsplätze und den Standort Deutschland. Alle diese Probleme sind schon heute abzusehen und in diversen Studien dokumentiert worden, lange bevor das Kraftwerk fertiggestellt ist. Ist so etwas dann kein Katzenjammer, Herr Drieschner?
Zum Thema unrealistische Vorstellungen: Wenn Sie die McKinsey-Studie zur Energieeffizienz lesen, stellen Sie fest, dass die angesetzten Einsparungen keineswegs den Weg nach Öko-Utopia bedeutet. Ein Großteil des Potentials in der Industrie lässt sich sogar nicht-investiv erschließen, viel mehr mit sehr akzeptablen Amortisationszeiten! Und was, mit Verlaub, der Urlaub in der Karibik mit einem Kohlekraftwerk zu tun hat, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.
Eine letzte Bemerkung: wenn die externen Kosten der Kohlestromerzeugung von den Betreibern voll gezahlt werden müssten, wäre Windstrom voll wettbewerbsfähig, selbst wenn man gewisse Anteile zwischenspeichern müsste. Allerdings verdienen leider zu viele Leute ansehnliches Geld damit, dass man diese Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen kann.
Mit freundlichen Grüßen
SK
.. Ihre ideologischen Überzeugungen wirtschaftlich zu verbrämen. So etwas geht schief.
Sie schreiben: "Rapide steigende Brennstoffkosten und eine wahrscheinliche Versteigerung der Emissionszertifikate ab 2013 (dringend geboten, um weitere Windfall Profits der Energiekonzerne in Milliardenhöhe auf Kosten der Stromverbraucher zu verhindern!) werden mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass sich der Betrieb des Kraftwerks nicht mehr wirtschaftlich darstellen lässt."
Daran ist so ziemlich alles falsch. Es kommt nicht drauf an, ob die Brennstoffkosten steigen, sondern ob die Kostensteigerung an die Stromkunden weitergegeben werden kann. Regenerierbare Energien (mit oder ohne Offshore-Windparks) werden nun mal den Bedarf nicht annähernd decken können. Atomstrom soll wegfallen - somit werden die Verbraucher gar keine andere Wahl haben, als den Kohlestrom zu kaufen, egal, zu welchem Preis. Will heißen: unter den zur Bedarfsdeckung notwendigen Kraftwerken bestimmt das teuerste den Strompreis.
Wenn übrigens die Brennstoffkosten steigen, dann sicher nicht nur die für Kohle, sondern auch die für Gas und Erdöl.
Entlarvend Ihre Forderung, die "windfall profits" der Kraftwerksbetreiber durch CO2-Abgaben zu erhöhen. So, als hätten diese Abgaben den Zweck, gierigen Industriekonzernen die Gewinne zu kürzen oder auf ihre Kraftwerke künstlich unwirtschaftlich zu machen. Das kann schon aus den gesagten Gründen gar nicht funkionieren! Solange die Kraftwerke gebraucht werden, erreichen Sie mit staatlichen Zusatzkosten nur dasselbe wie mit höheren Brennstoffpreisen: steigende Strompreise.
Zweck der CO2-Abgabe ist vielmehr, den Unternehmen einen Anreiz zur CO2-Einsparung zu geben. Also die Entwicklung CO2-ärmerer Erzeugungsarten, regenerativ oder nicht, zu honorieren.
Kraftwerksbetreiber werden immer Profit machen - sonst betreibt niemand mehr ein Kraftwerk. Es sind nicht die Konzerne, die durch Verschmutzung unsere Atmosphäre "windfall profits" erzielen, sondern die Gesellschaft, die billige Energie wünscht und konsumiert. Dem Artikel ist hier volllkommen zuzustimmen: nicht die bösen Konzerne sind schuld, sondern der Bürger, der sich in seinen Konsumgewohnheiten nicht einschränken will oder kann.
Man kann der Meinung sein, daß der Staat Energie verteuern muß, um das zu ändern (wie weiland die Grünen mit ihrer 5-Mark-Benzinpreis-Forderung). Aber selbst, wenn man alle Einsparpotenziale ausschöpft: ohne Atomkraft ist Kohle auf Sicht der nächsten 30 Jahre derzeit unverzichtbar. Und wird daher auch bezahlt werden - so oder so.
.. Ihre ideologischen Überzeugungen wirtschaftlich zu verbrämen. So etwas geht schief.
Sie schreiben: "Rapide steigende Brennstoffkosten und eine wahrscheinliche Versteigerung der Emissionszertifikate ab 2013 (dringend geboten, um weitere Windfall Profits der Energiekonzerne in Milliardenhöhe auf Kosten der Stromverbraucher zu verhindern!) werden mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass sich der Betrieb des Kraftwerks nicht mehr wirtschaftlich darstellen lässt."
Daran ist so ziemlich alles falsch. Es kommt nicht drauf an, ob die Brennstoffkosten steigen, sondern ob die Kostensteigerung an die Stromkunden weitergegeben werden kann. Regenerierbare Energien (mit oder ohne Offshore-Windparks) werden nun mal den Bedarf nicht annähernd decken können. Atomstrom soll wegfallen - somit werden die Verbraucher gar keine andere Wahl haben, als den Kohlestrom zu kaufen, egal, zu welchem Preis. Will heißen: unter den zur Bedarfsdeckung notwendigen Kraftwerken bestimmt das teuerste den Strompreis.
Wenn übrigens die Brennstoffkosten steigen, dann sicher nicht nur die für Kohle, sondern auch die für Gas und Erdöl.
Entlarvend Ihre Forderung, die "windfall profits" der Kraftwerksbetreiber durch CO2-Abgaben zu erhöhen. So, als hätten diese Abgaben den Zweck, gierigen Industriekonzernen die Gewinne zu kürzen oder auf ihre Kraftwerke künstlich unwirtschaftlich zu machen. Das kann schon aus den gesagten Gründen gar nicht funkionieren! Solange die Kraftwerke gebraucht werden, erreichen Sie mit staatlichen Zusatzkosten nur dasselbe wie mit höheren Brennstoffpreisen: steigende Strompreise.
Zweck der CO2-Abgabe ist vielmehr, den Unternehmen einen Anreiz zur CO2-Einsparung zu geben. Also die Entwicklung CO2-ärmerer Erzeugungsarten, regenerativ oder nicht, zu honorieren.
Kraftwerksbetreiber werden immer Profit machen - sonst betreibt niemand mehr ein Kraftwerk. Es sind nicht die Konzerne, die durch Verschmutzung unsere Atmosphäre "windfall profits" erzielen, sondern die Gesellschaft, die billige Energie wünscht und konsumiert. Dem Artikel ist hier volllkommen zuzustimmen: nicht die bösen Konzerne sind schuld, sondern der Bürger, der sich in seinen Konsumgewohnheiten nicht einschränken will oder kann.
Man kann der Meinung sein, daß der Staat Energie verteuern muß, um das zu ändern (wie weiland die Grünen mit ihrer 5-Mark-Benzinpreis-Forderung). Aber selbst, wenn man alle Einsparpotenziale ausschöpft: ohne Atomkraft ist Kohle auf Sicht der nächsten 30 Jahre derzeit unverzichtbar. Und wird daher auch bezahlt werden - so oder so.
Also ich finde auch, dass die Grünen, diese Nervtöter, endlich einsehen müssen, das Leben so ist wie es ist und dass Männer tun müssen, was Männer tun müssen. Außerdem: eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Wo kämen wir denn sonst hin? Das haben doch immer schon so gemacht. Genau.
Und wenn die Grünen dann die Deutschen und die Welt und den Klimawandel und überhaupt alles so nehmen, wie ist es, wenn sie die Kohle- und die Atomkraft befürworten, dann wird es Zeit. Wofür? Na das wird Herr Drieschner dann sicher in einem genauso hohen Ton schreiben wie diesen Artikel: Dafür, dass sich die Grünen auflösen, dass sie zurücktreten, diese angepassten Bravlinge und Neobürger. Denn wozu wären die Grünen denn dann noch zu gebrauchen? Für nichts, überflüssig wie ein Kropf wären sie. Genau.
Danke für den Artikel, welcher endlich mal etwas kritischer (m.E. noch nicht kritisch genug) an die „grünen Träumereien“ herangeht.
„Keine Regierung in Deutschland hatte je ein Mandat dafür, das Land in ein Ökotopia zu verwandeln.“
100% richtig, mein volles „Ja“ zum Umweltschutz, aber einem realistischen, keinen Tagträumereien.
„Die Deutschen wollen nun einmal nicht in Passivhäusern wohnen, sondern, je nach Lebenslage, in preiswerten Mietwohnungen oder in schicken Einfamilienhäusern.
Selbst wenn SIE (die Deutschen) es wöllten, ist es praktisch einfach nicht umsetzbar.
82 Millionen Einwohner siedeln um in Passivhäuser?
Von den finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen und auch der großen Masse abgesehen, die sich solche ambivalenten grünen Wünsche finanziell gar nicht leisten können.
Die städtebauliche Struktur Deutschlands gibt es von der Bauart oftmals gar nicht her, in vielen Fällen Fassaden (wegen baulicher, denkmalschützerischer oder anderer Aspekte) Wärme zu dämmen. Auch die häufig dezentralisierte Warmwasser- und Wärmeversorgung (Zentralheizung, zentrale Warmwasserversorgung) sieht den Mieter oftmals total diesen Bedingungen ausgesetzt.
Und die finanzielle Realisierung?
Vielen Hauseigentümern fehlt es schlicht am Geld, und Finanzierungen auf Grund der derzeitigen Lage am Hypothekenmarkt? Fehlanzeige.
Man sollte, und vor allem meine ich hier die Grünen, wieder mit den Füssen auf den Boden zurückkommen. Das ist kein Wunschkonzert, und der Normalverbraucher spart schon genug. Lieber sich auf viele kleine Schritte besinnen, und sukzessive Alternativenergien wie bisher ausbauen.
Dennoch ist und bleibt Deutschland nicht das Land der Sonne und des Windes.
Ergänzende klassische Energien sind auch weiterhin notwendig, eine schnelle Umsetzung allein auch schon aus finanziellen Gesichtspunkten und oftmals fehlender Kapazitäten nicht umsetzbar.
Zum Thema Auto?
Mir steht oft der Blutdruck im Quadrat, wenn ich manchen Politiker reden höre, die Verbraucher sollten sich neue, verbrauchsärmere Autos zulegen.
Die Frage nach den Geldquellen beantworten sie nicht. Offensichtlich ist die Mehrzahl derer in der Annahme, die Durchschnittseinkommen deutscher Familien bewegen sich auf deren Diätenhöhen.
Realismus scheint in der Umweltpolitik immer mehr zum Fremdwort zu werden, Aktionismus geht vor.
Wenn man sich heute kritisch dazu äußert, gilt man als Fossil, typisch für die Deutschen, welche ja immer meinen, alles gleich exzessiv betreiben zu müssen.
...knapp 80 Mill. Deutsche. Tendenz fallend. ;-). Auch ein Problem.
Hannes
Hallo,
inzwischen ist das Erstellen und Bewohnen von Passivhäusern gar nicht mehr so ungewöhnlich (auch in innerstädtischen Baulücken, schlechten Orientierungslagen wie Nordausrichtung etc., siehe Passivhausbeispiele) und kosten muss es auch nicht mehr, bzw. rechnen kann es sich auch sofort (siehe Wirtschaftlichkeit Passivhaus) falls kosteneffizienz und nicht Öko gewollt ist.
..die Infos kommen von "der" Quelle: dem Präger des Begriffs "Passivhaus".
ein punktueller leser
Die Frage nach den Geldquellen beantwortet sich z.Z. ganz von allein! Da werden Milliarden und nochmals Milliarden ausgegeben zur Konkursverschleppung gegenwartsuntauglicher Unternehmen, von deren Zukunftunstauglichkeit gar nicht zu reden. Ökotopia? Jeder Euro den wir heute ausgeben für nicht zukunftsfähige Systeme ist vergeudet. Die wirkliche Horrorvorstellung ist doch die Fortschreibung der heutigen (realen) Politik in die Welt unserer Enkel. Den Planeten ruiniert die Ressourcen verbraucht. Sätze wie "Die Deutschen wollen nun einmal nicht ..." bringen uns nicht weiter. Wir müssen den Menschen den Weg in eine lebenswerte Zukunft weisen nicht den in den Horror.
...knapp 80 Mill. Deutsche. Tendenz fallend. ;-). Auch ein Problem.
Hannes
Hallo,
inzwischen ist das Erstellen und Bewohnen von Passivhäusern gar nicht mehr so ungewöhnlich (auch in innerstädtischen Baulücken, schlechten Orientierungslagen wie Nordausrichtung etc., siehe Passivhausbeispiele) und kosten muss es auch nicht mehr, bzw. rechnen kann es sich auch sofort (siehe Wirtschaftlichkeit Passivhaus) falls kosteneffizienz und nicht Öko gewollt ist.
..die Infos kommen von "der" Quelle: dem Präger des Begriffs "Passivhaus".
ein punktueller leser
Die Frage nach den Geldquellen beantwortet sich z.Z. ganz von allein! Da werden Milliarden und nochmals Milliarden ausgegeben zur Konkursverschleppung gegenwartsuntauglicher Unternehmen, von deren Zukunftunstauglichkeit gar nicht zu reden. Ökotopia? Jeder Euro den wir heute ausgeben für nicht zukunftsfähige Systeme ist vergeudet. Die wirkliche Horrorvorstellung ist doch die Fortschreibung der heutigen (realen) Politik in die Welt unserer Enkel. Den Planeten ruiniert die Ressourcen verbraucht. Sätze wie "Die Deutschen wollen nun einmal nicht ..." bringen uns nicht weiter. Wir müssen den Menschen den Weg in eine lebenswerte Zukunft weisen nicht den in den Horror.
Ich gebe Ihnen Recht, dass der momentane Energiebedarf nicht allein durch erneuerbare Energie gedeckt werden kann. Damit stimmt die Eingangsthese "kein Nein zur Atomkraft...".
Andererseits bezweifle ich, dass die großen Energiekonzerne - auch nach dem Vertrag über das Ende der Atomenergie in Deutschland - wirklich in die Realisierung von Erneuerbaren Energien invenstiert haben. Den - originär Grünen ?? - Konflikt, der sich im Neubau von Kohle(groß-)kraftwerken ausdrückt, haben die Energiekonzerne mit zu verantworten. Mein Eindruck: Das Interesse der Energiekonzerne ist (und bleibt) eine Zentralisierung.
Inwieweit der Dauerkonflikt zwischen Natur- und Landschaftsschutz auf der einen und Umweltschutz auf der anderen Seite mit eine Rolle spielt - damit verbundenen langen Genehmigungszeiträumen (und hohen Vorlaufkosten) auch für kleinere Kraftwerke - sollte dabei zu Gunsten der Energiekonzerne mit bedacht werden.
Allerdings sehe ich Schwächen in Ihrer Argumentation über den Verkehr. Ich sehe in Deutschland nach wie vor eine alternativlose Ausrichtung auf den Individualverkehr mit Automobilen. Einige ... interessante ... Eckpunkte des geplanten Börsengangs der Deutschen Bahn belegt dies eindrucksvoll (Stichwort Streckenstilllegung). Da spielen mögliche Elektro- oder Hybridautos eine geringe Rolle.
Die Grünen formulieren möglicherweise tatsächlich ein 'Ökotopia', allerdings ist bei den Grünen wenigstens in Grundzügen klar, welche gesellschaftliche Entwicklung man sich vorstellt. Man muß es ja nicht wählen.
Endlich, ich dachte schon, dass sich in Zeiten des Klimaterrors niemand mehr trauen würde, den normalen Deutschen in Schutz zu nehmen.
Dieser ganze Passivhaus-Fahrrad-Elektroauto-Quark geht mir mächtig auf den Senkel. Ich halte davon nichts. Ja, ich fahre gerne schnelle Autos und wohne in gerne in einem schicken Haus. Wir leben in einem freien Land. Da spricht mir Herr Driesner aus dem Herzen.
Was die Grünen betreiben, ist aus meiner Sicht Gesinnungsterror. Sie wollen einem alles verbieten. Und das nur wegen irgendwelcher Vermutungen. Diese Leute müssen endlich akzeptieren, dass es auch Leute mit einem anderen Lebensstil gibt. Pukt. Die Grünen werden mich nicht ändern und sollten endlich akzeptieren. Ich will kein Ökotopia. Ich will Vollgas geben, so ist das nun mal. Punkt.
Und das geht nur mit Kohle- und Atomkraft, nur diese Energien geben wirklich genug Power her, Power, die ich brauche. Wer eine Fahrradfahrer-Ökotopia-Partei braucht, sind die Müsliesser.
Danke für die klaren Worte, Herr Driesner.
.. Ihre ideologischen Überzeugungen wirtschaftlich zu verbrämen. So etwas geht schief.
Sie schreiben: "Rapide steigende Brennstoffkosten und eine wahrscheinliche Versteigerung der Emissionszertifikate ab 2013 (dringend geboten, um weitere Windfall Profits der Energiekonzerne in Milliardenhöhe auf Kosten der Stromverbraucher zu verhindern!) werden mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass sich der Betrieb des Kraftwerks nicht mehr wirtschaftlich darstellen lässt."
Daran ist so ziemlich alles falsch. Es kommt nicht drauf an, ob die Brennstoffkosten steigen, sondern ob die Kostensteigerung an die Stromkunden weitergegeben werden kann. Regenerierbare Energien (mit oder ohne Offshore-Windparks) werden nun mal den Bedarf nicht annähernd decken können. Atomstrom soll wegfallen - somit werden die Verbraucher gar keine andere Wahl haben, als den Kohlestrom zu kaufen, egal, zu welchem Preis. Will heißen: unter den zur Bedarfsdeckung notwendigen Kraftwerken bestimmt das teuerste den Strompreis.
Wenn übrigens die Brennstoffkosten steigen, dann sicher nicht nur die für Kohle, sondern auch die für Gas und Erdöl.
Entlarvend Ihre Forderung, die "windfall profits" der Kraftwerksbetreiber durch CO2-Abgaben zu erhöhen. So, als hätten diese Abgaben den Zweck, gierigen Industriekonzernen die Gewinne zu kürzen oder auf ihre Kraftwerke künstlich unwirtschaftlich zu machen. Das kann schon aus den gesagten Gründen gar nicht funkionieren! Solange die Kraftwerke gebraucht werden, erreichen Sie mit staatlichen Zusatzkosten nur dasselbe wie mit höheren Brennstoffpreisen: steigende Strompreise.
Zweck der CO2-Abgabe ist vielmehr, den Unternehmen einen Anreiz zur CO2-Einsparung zu geben. Also die Entwicklung CO2-ärmerer Erzeugungsarten, regenerativ oder nicht, zu honorieren.
Kraftwerksbetreiber werden immer Profit machen - sonst betreibt niemand mehr ein Kraftwerk. Es sind nicht die Konzerne, die durch Verschmutzung unsere Atmosphäre "windfall profits" erzielen, sondern die Gesellschaft, die billige Energie wünscht und konsumiert. Dem Artikel ist hier volllkommen zuzustimmen: nicht die bösen Konzerne sind schuld, sondern der Bürger, der sich in seinen Konsumgewohnheiten nicht einschränken will oder kann.
Man kann der Meinung sein, daß der Staat Energie verteuern muß, um das zu ändern (wie weiland die Grünen mit ihrer 5-Mark-Benzinpreis-Forderung). Aber selbst, wenn man alle Einsparpotenziale ausschöpft: ohne Atomkraft ist Kohle auf Sicht der nächsten 30 Jahre derzeit unverzichtbar. Und wird daher auch bezahlt werden - so oder so.
Hallo ANTENNE1,
danke für den schönen Kommentar! Ich stimme ihnen absolut zu und möchte Ihre Kernforderungen noch einmal unterstreichen:
- Realistischer Umweltschutz ist Umweltschutz mit Kohle- und Atomkraftwerken, mit PS-starken Autos und schlecht gedämmten Häusern. Das hört sich vielleicht krass an, ist aber so. Und deshalb muss es auch mal gesagt werden.
- Passivhäuser, Energiespartechnik kann sich kein Mensch leisten und ist in Altbauten nicht umsetzbar. Zu teuer, also geht es nicht.
- In Deutschland weht nicht genug Wind, als dass wir uns einen weiteren Ausbau der Windkraft leisten könnten. Stoppt die Windkraft.
- Verbrauchsarme Autos kann sich keiner leisten, außer vielleicht die geldgierigen Politiker. Richtig so!
- Stoppt die exzessive deutsche Umweltbegeisterung! Andere leben auch gut, z.B. die Amerikaner.
- Stoppt die Grünen, die uns mit ihrem Ökotopia-Irrsinn in den Ruin treiben.
Sehr geehrter Herr Drieschner,
insbesondere die grünen Realos treibt derzeit das Dilemma um, das Sie zutreffend beschreiben. Die einen plädieren dafür, im Notfall einige Kohlekraftwerke mehr zu bauen, während andere dafür werben, die Atomkraftwerke ein paar Jahre länger laufen zu lassen.
Wenn ich es richtig verstehe, kritisieren Sie zum einen, dass sich die Grünen dieses Dilemmas überhaupt nicht bewusst sind bzw. bewusst zu sein scheinen. Auch wenn der Wortlaut der Krtik nicht zutrifft, so trifft sie doch insofern zu, als dass der Streit um den richtigen Kurs derzeit kaum öffentlich geführt wird.
Des weiteren kritisieren sie "zwischen den Zeilen", dass der Kohlekurs, für den sich die Grünen faktisch bereits entschieden hätten, falsch ist. Daraus folgt doch, dass Sie für einen Wiedereinstieg in die Atomkraft sind, oder? Ich meine: Wenn Sie schon für einen Wiedereinstieg sind, dann fände ich es angemessen, wenn Sie das auch schreiben würden. Andere für eine Politik zu kritisieren, ohne klar den eigenen Standpunkt darzustellen, finde ich nicht nobelpreisverdächtig. Oder wollen Sie tatsächlich nur die Inkonsequenz der Grünen kritisieren? Das überzeugt mich noch weniger, denn es wäre völlig "blutleer", nur das Verfahren zu kritisieren, ohne das Ziel in den Blick zu nehmen.
Was ich von Ihnen erwartet hätte, wären ein paar Argumente für den Atom- und gegen den Kohlekurs, und zwar aus Sicht der Grünen, die Sie ja beschimpfen.
Betrachten wir die Frage einmal rein aus Parteisicht: Was würde passieren, wenn die Grünen plötzlich auf den Atomkrus umschwenkten. Ich sage Ihnen voraus, dass es dann mit den Grünen vorbei wäre, weil das Stammklientel und die Mehrheit der Grünen Basis auf Antiatom gepolt ist. Andere Wählergruppen würden die Grünen dagegen kaum ansprechen, denn es wäre für den Otto-Normalwähler nicht mehr erkennbar, in welchen Fragen sich die Grünen überhaupt noch von anderen unterscheiden würden. Die Grünen würden aus Bundestag und Landtagen in hohem Bogen herausfliegen. Kann man von einer Partei tatsächlich verlangen, dass sie sich selbst abschafft? Und ist das tatsächlich das Szenario, das uns in punkto "ökologische Wende" voranbringen würde? Ich habe da meine Zweifel. Leute wie Joschka Fischer, der den Grünen dazu rät, offensiv für eine begrenzte Anzahl von Kohlekraftwerken einzutreten, ebenfalls. Und nur so nebenbei: Fischers Machtinstinkt war nie der schlechteste...
Schließlich noch die "reinen Sachargumente": Wie hoch ist das Risiko beispielsweise 7 neuer Kohlekraftwerke, wie hoch ist dagegen das Risiko von 7 Atomkraftwerken, die 10 Jahre über 2021 hinaus betrieben werden? Es gibt auf beiden Seiten Risiken, auf der einen Seite das Risiko einer Supergaus, auf der anderen Seite die Gewissheit, einen kleinen Beitrag zum Klimwandel zu leisten. Gar nicht so leicht abzuschätzen und zu vergleichen, oder?
Und wie stellt sich die Gewichtung der Risiken vor dem Hintergrund dar, dass wir in anderen Ländern, Stichwort China, auf Kohlekraftwerke mit CCS-Technik angewiesen sind, wenn wir die Klimaziele auch nur annähernd erreichen wollen? Spricht dann nicht sogar aus rein sachlicher Sicht einges dafür, in den nächsten Koalitionsvertrag hineinzuschreiben, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet werden sollen, dass eine begrenzte Anzahl von Kohlekraftwerken gebaut werden kann, sofern die Kraftwerkserbauer sich verpflichten, die Kraftwerke bis zu einem bestimmten Zeitpunkt mit CCS-Technik nachzurüsten und sie andernfalls abzuschalten? Würde so nicht im Endeffekt sogar CO2 eingespart?
Ihre Meinung dazu würde mich interessieren.
Mit besten Grüßen,
Ihr X
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