Börse Das große Geld

Finanzkrise? Wall-Street-Crash? Ende des Kapitalismus? Nicht in Hamburg. Hier feiert man jetzt erst mal Geburtstag: Deutschlands älteste Börse wird 450!

Der Kupferstich von Jan Dircksen zeigt die Börse am Adolphsplatz, 1606 (Privatbesitz Karl Heinz Hoffmann)

Der Kupferstich von Jan Dircksen zeigt die Börse am Adolphsplatz, 1606 (Privatbesitz Karl Heinz Hoffmann)

or dem Geld kommt das Gewühl. Die Börsenhändler reißen die Arme hoch, sie winken mit den Händen, springen in die Luft, drängeln nach vorne, schreien Preise herüber. Die Händler an der Wall Street leben ein kurzatmiges Leben, stets auf der Suche nach dem steigenden Kurs, stets auf dem Sprung von der schlechten Aktie zur guten.

Von wegen. Die Männer, die da wild durcheinanderrennen, handeln nicht mit Aktien, mit Futures oder mit Bonds. Sondern mit indischem Pfeffer und englischer Wolle. Sie tragen keine gelockerten Schlipse, sondern weite, gefältelte Kragen. Zum Frühstück trinken sie keinen Grande Caffè Latte, sondern einen kleinen Süßwein. Ihre Haare sind nicht militärisch kurz, sondern lang gewellt. Sie arbeiten nicht im New York von heute, sondern im Hamburg des 16. Jahrhunderts.

Aber sonst geht es an der Trostbrücke ganz ähnlich zu wie heute an der Wall Street. Es geht um das große Geld, den hohen Gewinn, den schnellen Verlust, den richtigen Riecher.

Man könnte auch sagen: Damals hat das alles angefangen.

Im 16. Jahrhundert stehen an der Wall Street noch Indianerzelte. Im Rest der Welt aber passiert einiges, was heute die Geschichtsbücher füllt. Christoph Kolumbus hat bereits 1492 den amerikanischen Kontinent erreicht, Vasco da Gama kurz danach auf der Route um Afrika das reiche Indien, und Ferdinand Magellans Expedition umsegelt von 1519 bis 1522 die Welt. Den Entdeckern folgen die Eroberer, Konquistadoren wie Hernando Cortés und Francisco Pizarro vernichten mit ihren Soldaten die Hochkulturen Altamerikas. Derweil predigt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation Martin Luther von der Freyheith eines Christenmenschen, und 1543 erscheint in Nürnberg das Hauptwerk des Nikolaus Kopernikus, De Revolutionibus Orbium Coelestium, das ein neues Bild von Himmel und Erde begründen wird. Die Neuzeit beginnt, und mitten in dieser Phase des Übergangs wird 1558, vor 450 Jahren, in Hamburg die erste deutsche Börse gegründet.

Andere Städte außerhalb Deutschlands waren noch früher dran. In Antwerpen in Flandern entstand die erste Börse der Welt im Jahr 1531, es folgten Toulouse (1549) und Rouen (1556) in Frankreich. In den Geschichtsbüchern finden sich diese Daten bestenfalls in Nebensätzen, angehängt an Beschreibungen des Aufstiegs und Falls Spaniens oder der Kunst der Renaissance. Und doch blitzt in den scheinbar unbedeutenden Börsengründungen etwas Neues, nie Dagewesenes auf, das die weitere Geschichte der Menschheit prägen wird: der Kapitalismus. »Welthandel und Weltmarkt«, wird Karl Marx 1867 schreiben, »eröffnen im 16. Jahrhundert die moderne Lebensgeschichte des Kapitals.« In Hamburg erwacht das Kapital besonders früh zum Leben. Dort wird besonders deutlich, wie sehr die Welt sich in der frühen Neuzeit verändert.

Natürlich nicht die ganze Welt. Eigentlich nur ein kleiner Teil. Die Bauern draußen auf dem Land arbeiten noch immer wie die Sklaven und sterben früh. Auch in der Stadt, in Hamburg, leben die meisten Menschen das gleiche Leben wie ihre Vorväter. Morgens leeren sie ihre Nachttöpfe auf die Straße hinaus und löffeln einen dicken Getreidebrei, dann machen sie sich an die Arbeit. Sie schmieden Messer, flicken Kessel oder verweben Wolle, und zwar auf genau die gleiche Weise, wie sie schon immer Messer geschmiedet, Kessel geflickt oder Wolle verwoben haben. Denn: »Kein Handwerksmann soll etwas Neues erdenken oder erfinden oder gebrauchen«, heißt es noch 1523 in einer Zunfturkunde.

Die Erfindung des Wechsels bringt den Handel in Schwung

Mit 20000 Einwohnern ist Hamburg zwar eine nach damaligen Maßstäben große Stadt, aber zu klein, um in gute und schlechte Viertel zu zerfallen. Reiche und Arme sind Nachbarn, sie wohnen mitunter im selben, vom Fachwerk zusammengehaltenen Haus, und doch haben sie wenig gemein: Wer als Kind eines Handlangers geboren wird, dem bleibt nur ein Leben in einem modrigen Untergeschoss. Oft ist es ein kurzes Leben. »Das meiste Sterben geschieht aus den Kellern«, notiert der Arzt Johannes Bökel 1597. Mal ist es das Wechselfieber, das den Tod bringt, mal das Schweiß- oder das Purpurfieber, mal die Bleich- oder die Schwindsucht, die Brechruhr, die Räude, die Beulen- oder die Lungenpest und manchmal die Grippe.

Die wohlhabenden Bürger wohnen oben in den Vorderhäusern, in den großen, hellen Räumen zur Straße hin. Auch sie sind nicht vor tödlicher Krankheit gefeit. Und doch erfüllt viele der Geist des Aufbruchs, zumindest wenn sie Geschäftsleute sind, wenn sie mit dem Fernhandel ihr Geld verdienen. Denn das vor allem ist es, was den Kapitalismus in Schwung bringt, was dafür sorgt, dass plötzlich Reichtum entsteht, wo vorher nur Wohlstand war, und dass manch einfacher Kaufmann auf einmal ungeahnte Mengen Kapitals in den Händen hält: Die Ferne ist näher gerückt.

Die Schätze Afrikas und Asiens, all das kennt man in Europa seit Jahrhunderten, aber erst jetzt, da die Seewege erschlossen werden, sind die Kostbarkeiten auf einmal in großer Zahl verfügbar. Seit im Jahr 1525 der letzte große Pirat, der Däne Klaus Kniphof, gefangen und in Hamburg hingerichtet wurde, bietet die Nordsee einen einigermaßen sicheren Weg nach Amerika, Afrika und Ostasien. Und welche Stadt liegt gleich nah zur Nordsee wie zum klassischen, nun an Bedeutung verlierenden Handelsraum der Ostsee? Hamburg.

So wird die Stadt zum bedeutendsten Seehafen des Reiches, zum Knotenpunkt des Fernhandels. Früher waren die Waren von Genua und Venedig auf dem Landweg über Augsburg ins flandrische Brügge verschafft worden. Jetzt gelangen sie von Lissabon auf dem Seeweg nach Antwerpen und Amsterdam und von dort weiter nach Hamburg.

Ökonomisch gesehen, erfüllen die großen Entdeckungen des 15. und 16. Jahrhunderts eine ähnliche Funktion wie heute die Entwicklungslabors von Pharmafirmen oder die Forschungsabteilungen von Automobilkonzernen – sie sorgen für neue Produkte: Elfenbein aus Afrika, Gewürze und Farbstoffe aus Indien, Gold und Silber aus der Neuen Welt. Und die Kaufleute, die gut genährten Männer, die da mit ihren polierten Spazierstöcken durch Hamburg schreiten, bringen diese Produkte auf den Markt. Damit verdienen sie Geld.

Sie sind weder buckelnde Höflinge noch ungebildete Krämer. Während jenseits der Stadttore, in den Herzogtümern Schleswig und Holstein, der Hexenwahn um sich greift und Hunderte Frauen und Männer auf den Scheiterhaufen sterben, bilden die Kaufleute in Hamburg eine aufgeklärte, bürgerliche Elite. Sie haben etwas gesehen von der Welt, sie sprechen fremde Sprachen. Ihre Söhne und Neffen schicken sie erst auf die Universität und dann nach England, Frankreich, Portugal oder Spanien, damit sie sich dort um die Geschäfte kümmern. So entstehen mächtige Familien, deren Netzwerke sich über halb Europa erstrecken. Familien, in denen es – anders als in manchem Fürstenhaus – für Männer wie für Frauen selbstverständlich ist, lesen und schreiben zu können.

In Hamburg stellen die Kaufleute die Hälfte des Rats, wie der Senat der Stadt damals heißt. Und wenn einmal ein Fürst oder Herzog zu Besuch kommt? »Dann verwendet man zwar die üblichen Demutsfloskeln, aber sonst begegnet man sich auf Augenhöhe«, sagt der Hamburger Historiker Frank Hatje.

Anfangs hatten sich Hamburgs Kaufleute noch auf Geschäfte mit bestimmten Ländern spezialisiert. Die einen handelten mit Flandern, die anderen mit England, die Dritten mit dem südschwedischen Schonen. Doch nun sind viele neue Länder hinzugekommen, und warum sich beschränken, wenn es genug Geld für alle zu verdienen gibt? Also schicken die Flandernfahrer ihre Schiffe jetzt auch nach Spanien, die Englandfahrer nach Portugal, die Schonenfahrer nach Frankreich. Und wo man sich früher in bestimmten, auf einzelne Regionen beschränkten Amtshäusern traf, wo es früher eigene Basare für Getreide oder Stoffe gab, da verlangen die Kaufleute nun nach einem zentralen Ort, der Platz bietet für alle und für alles. So wie es ihn in Flandern und Frankreich längst gibt.

Sie haben Erfolg: »1558 wandte sich die Kaufmannschaft an den Rat und bekam unentgeltlich einen Platz zugesprochen, um dort auf eigene Kosten eine Börse zu erbauen«, schreibt Mitte des 19.Jahrhunderts der Hamburger Jurist und spätere Erste Bürgermeister Gustav Heinrich Kirchenpauer. Knapp vierhundert Quadratmeter groß ist dieser Platz an der Trostbrücke; hier stehen das Rathaus, das Niedergericht und das Zollhaus.

Die Kaufmannschaft lässt den Platz mit Gassensteinen pflastern und mit einer niedrigen Mauer umgeben. Der einzige Schmuck der Anlage unter offenem Himmel sind Pfeiler, die vergoldete, wappenhaltende steinerne Löwen tragen: Das Wappen der Stadt Hamburg, die Wappen der Flandern-, der England- und Schonenfahrer, der Schiffer und Brauer, der Kontore von London, Brügge und Bergen, Amsterdams Wappen und das Wappen der Börse mit einem Geldbeutel und der Jahreszahl 1558.

Das Wort Börse ist damals schon ein fester Begriff. Wie der zeitgenössische italienische Schriftsteller Lodovico Guicciardini weiß, ist es von dem Namen der flandrischen Kaufmannsfamilie van der Beurse abgeleitet, vor deren Haus in Brügge sich die Kaufleute im 15. Jahrhundert zu ihren Handels- und Geldgeschäften trafen. Eine Vorform der späteren Börsen, wie es sie auch in den deutschen Städten Augsburg und Nürnberg gab.

1559, ein Jahr nach der Hamburger Gründung, beschließt der Rat der Stadt, dass es von nun an bei Strafe verboten sei, Schweine und andere Tiere in der Stadt frei herumlaufen zu lassen. Die einfachen Leute kümmern sich wenig um die neue Verordnung, sie sind froh, dass ihr Vieh auf den Straßen haufenweise Abfall zu fressen findet. So müssen die Kaufleute, wenn sie am Morgen zur Börse eilen, weiter über Ziegendreck und grunzende Ferkel hinwegsteigen. An der Trostbrücke angekommen, verbreiten sie allerdings selbst einen Lärm, den die Handwerker und Tagelöhner in den angrenzenden Gassen von solchen ehrbaren Bürgern nicht gewohnt sind. Die Kaufleute rufen und schreien, sie brüllen Angebote über den Platz, erfragen Preise, bekunden Interesse. Wohl mit gutem Grund untersagt der Rat wenig später in einem Erlass, »an der Börse und vor dem Rathaus Messer, Dolche, Rapiere und dergleichen Gewehr auf andere zu ziehen und zu entblößen, und damit, wie auch sonsten, Thätlichkeiten zu verüben«.

Im Hamburg des 16. Jahrhunderts gibt es noch keine Aktien, die werden hier erst im 18. Jahrhundert eingeführt. In jenen Tagen ist die Börse in erster Linie eine Warenbörse, so wie es sie heute noch in Chicago, New York oder London gibt, wo jeden Tag der Weltmarktpreis für Öl, Kaffee oder Getreide bestimmt wird. Laut Verordnung des Rats dürfen unter anderem gehandelt werden: »Alle italienischen, Hispanische und anderer Nationen Waren, Rheinische Weine, Ungarisch-Kupfer, Edelsteine, Perlen, Chonchenille, Indigo und andere theuerbare und köstliche Farben, Päcken-Holz, Eben-Holz, Brasil-Holz und dergleichen, Elephanten-Zähne, Zucker, Pfeffer, Negelken, Muscaten, Muscaten-Blum, Engefaer [Ingwer] und allerlei Specerey oder Gewürz, Unzen Gold, Seide, Sammit, Seiden-Gewand, [] Breßlausche Rhöte, Engelisch Zinn, weiße Engelische Tücher, Wachs, Flachs, Nürnbergische Waaren, Schlesiger Leinwand.«

All diese Dinge liegen auf den Schiffen im Hafen oder in Lagerhäusern. Auf dem Platz an der Trostbrücke werden sie neuen Besitzern zugesprochen. Abholen können die sie dann später. Meist handeln die Kaufleute mit einer Art von Papiergeld, die für die Entwicklung des Kapitalismus ähnlich wichtig ist wie der Seeweg nach Ostindien: dem Wechselbrief, oder kurz: Wechsel, ein damals beliebter Ersatzstoff für Gold und Silber.

Geld ist in der frühen Neuzeit noch gleichbedeutend mit Gold oder Silber, und eine Münze ist so viel wert wie das Metall, aus dem sie besteht. Es stammt aus den Silberminen der Alpen, aus den Goldwäschereien des Sudans und zunehmend auch aus der Neuen Welt. Es sieht hübsch aus, liegt gut in der Hand – und ist schlecht fürs Geschäft. Denn wenn sich zum Beispiel ein Antwerpener Kaufmann in Hamburg mit schlesischem Leinen eindecken will, dann muss er per Schiff oder Kutsche eine Kiste mit Gold- und Silberstücken nach Norddeutschland senden. Das aber ist umständlich und angesichts möglicher Stürme oder Raubüberfälle ziemlich riskant. Außerdem verfügt er womöglich momentan gar nicht über ausreichend Gold. Weil er aber trotzdem kaufen und sein Hamburger Geschäftspartner verkaufen will, schaffen sich die Kaufleute kurzerhand ihr eigenes Geld: Sie schreiben Wechsel aus.

Jeder Wechsel ist das schriftliche Versprechen, einer bestimmten, namentlich genannten Person zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Geldsumme zu zahlen. Der Hamburger Kaufmann erhält für seine Leinenlieferung nach Antwerpen also einen solchen Wechsel. Will er dann an der Hamburger Börse seinerseits zum Beispiel indische Gewürze kaufen, zahlt auch er nicht mit Gold, sondern überträgt schlicht den Wechsel aus Antwerpen auf seinen neuen Geschäftspartner. Der damit womöglich seinerseits wieder französischen Wein von einem anderen Hamburger Händler erwirbt, der dann wiederum in Antwerpen indisches Zuckerrohr kaufen lässt und dem Antwerpener Kollegen als Bezahlung den Wechsel schickt, den der dann schließlich bei jenem Leinenkäufer gegen Gold einlöst, bei dem die Kette begonnen hat.

Bauer, Handwerker, Fürst – sie alle begreifen das Börsentreiben nicht

Mit Hilfe des Wechselbriefs, dieser »machtvollen Erfindung«, wie der amerikanische Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger 1984 in seinem Buch A Financial History of Western Europe schreibt, bringen die Kaufleute den Handel in Gang und die Wirtschaft zum Laufen. Er ist nichts anderes als eine frühe Form des billigen Kredits in einer Zeit, in der noch nicht an jeder Ecke eine Bankfiliale steht.

Die einfachen Leute, die Handwerker in ihren Werkstätten und selbst so manche Fürsten in ihren Schlössern aber stehen dem Treiben an der Börse verständnislos gegenüber. Sie sehen, dass die Kaufleute immer reicher werden. Aber wie ist das möglich mit billigem Papier, das doch nichts ist im Vergleich zu glänzendem Gold? »Die meisten Zeitgenossen damals«, schreibt der französische Historiker Fernand Braudel, »betrachten schon das normale Geld als ein nur wenigen verständliches Ränkespiel. Dieses unstoffliche Kreditgeld, diese mit bloßem Geschriebenem vermischten und verwechselbaren Geldsorten müssen ihnen nicht nur kompliziert, sondern geradezu als Teufelswerk erscheinen, das immer wieder neue Verwirrung stiftet.«

Der entstehende Kapitalismus bewirkt, dass Menschen zu Wohlstand kommen, die nicht in eine Adelsfamilie hineingeboren wurden. Aber er sorgt auch dafür, dass die einen sehr reich werden, die anderen jedoch arm bleiben, obwohl sie genauso lang genauso hart arbeiten. Nur weil die einen eben auf das richtige Geschäft setzen, die anderen aber Pech haben. Weil sie vom Börsenhandel nichts verstehen. Oder auch nur, weil sie im falschen Moment Tulpenzwiebeln kaufen.

Schon bald nämlich geht es an den Warenbörsen nicht mehr darum, Städte mit Getreide oder Königshöfe mit Edelsteinen zu versorgen, sondern darum, im richtigen Moment steigende Preise zu erahnen. So wie heute, Anfang des 21. Jahrhunderts, große Investmentfonds jahrelang auf teure Rohstoffe setzten, so werden Agrarprodukte schon in der frühen Neuzeit zum Spekulationsobjekt. Das bekannteste Beispiel ist die holländische Tulpenhausse des 17. Jahrhunderts. Zunächst ist die ursprünglich aus der Türkei stammende Blume nur Statussymbol der Oberschicht. Dann verbreitet sie sich in den Gärten des ganzen Landes. Die Züchter werden reich, die Händler auch. Tulpen werden teurer und teurer. Schließlich kaufen die Leute die Zwiebeln nicht mehr, weil sie Blumen mögen, sondern weil sie auf weiter steigende Preise hoffen. Bis im Jahr 1637 der Tag kommt, an dem Tausende Geschäftsleute in Konkurs gehen, an dem auch etliche Bauern und Dienstmädchen ihre wenigen Ersparnisse verlieren. Denn an diesem Tag verhält sich die erste große Spekulationsblase der Börsengeschichte genauso wie alle anderen, die nach ihr kommen werden: Sie platzt.

Die Börsen aber wachsen weiter, auch in Hamburg. Schon seit 1577 müssen die Kaufleute nicht mehr unter freiem Himmel verhandeln. Das Börsenhaus ist eines der ersten Renaissancegebäude der Stadt. Bald wird es zu eng; Anbauten sorgen für Platz, bis man 1841 in das Gebäude umzieht, das bis heute den Mittelbau der Hamburger Börse bildet. Wie einst das alte steht es im Herzen der Stadt, gleich neben dem Rathaus. Und noch immer wird dort neben Aktien und Anleihen auch Getreide gehandelt. Nur Ziegen und Ferkel sind in Hamburgs City inzwischen eher selten geworden.

 
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