Schulzeitverkürzung Der Preis eines JahresVerkürzung der Schulzeit

Wie das Turbo-Abitur das Leben zweier Geschwister verändert – eine Nahaufnahme aus einer bayerischen Familie

Wenn Alina aus der Schule heimkommt, ist ihr großer Bruder schon seit Stunden zu Hause. Und während Alina um Viertel nach vier zu Mittag isst, spielt Hippolyt gerade Golf auf der Wii-Station. Oder er ist beim Volleyballtraining. Oder beim Karatetraining. Oder er trifft sich mit Freunden in der Stadt. Hippolyt – genannt Hippi – und seine Schwester Alina trennt nur ein Jahrgang: Er geht in die zehnte, sie in die neunte Klasse. Dazwischen aber liegt die Wasserscheide für bayerische Gymnasiasten: Hippi ist im letzten G9-Jahrgang, Alina gehört zu den ersten Schülern, die nur noch acht Jahre ins Gymnasium gehen.

Alina soll damit wettbewerbsfähiger sein als ihr Bruder. Aus Sorge darum, dass die deutschen Schulabgänger aus Altersgründen im globalisierten Kampf um Studien- und Arbeitsplätze nicht mithalten könnten, wurde die Schulzeit in Deutschland sukzessive auf zwölf Jahre verkürzt. Im Saarland strömt der erste doppelte Abi-Jahrgang schon nächstes Jahr an die Unis, während Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein das G8 erst dieses Schuljahr starten. In Bayern wurde das G8 vor vier Jahren eingeführt und ist seitdem – wie fast überall – heiß umstritten, weil Eltern und Lehrer befürchten, die Schüler würden durch das »Turbo-Abitur« ihrer Kindheit beraubt.

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Auch Sabine Ritter wäre es lieber gewesen, wenn ihre Tochter Alina und ihr jüngster Sohn Yannik, der in der sechsten Klasse ist, wie Hippi 13 Jahre zur Schule gegangen wären. Als das G8 in der Diskussion war, hat sie dagegen demonstriert. »Ich war entsetzt, als es eingeführt wurde«, sagt Ritter, die sich ärgert, dass der Kindheit die Gemütlichkeit ausgetrieben wurde. »Ich sehe nicht ein, warum Alina und Yannik kaum noch Zeit für Sport haben, warum sie keine schöne, entspannte Kindheit haben sollen.«

Hippolyt sagt: »Ich bin froh, dass ich noch im G9 bin«

Familie Ritter wohnt in einem ruhigen grünen Wohngebiet im Südosten Münchens, nicht weit vom Trainingsgelände des FC Bayern. Zu ihren Gymnasien in der Innenstadt sind die Kinder mit Straßenbahn und U-Bahn gut eine halbe Stunde unterwegs. Dreimal pro Woche hat die 14-jährige Alina verpflichtenden Nachmittagsunterricht, ihr zwei Jahre älterer Bruder Hippi einmal – genauso wie der zwölfjährige Yannik. Alinas Nachmittagsunterricht endet um 15.25 Uhr, um kurz nach 16 Uhr ist sie daheim, isst und macht dann noch Hausaufgaben. »Die Lehrer nehmen keine Rücksicht, da hat sich nicht viel geändert«, sagt sie. Obwohl die Eltern, wie Sabine Ritter erzählt, sich anfangs darum bemüht haben, die Hausaufgabenlast ihrer Kinder zu reduzieren. Alina und ihre Mitschüler behelfen sich, indem sie selbstbewusst selektieren nach Fächern, in denen kontrolliert wird oder nicht, oder allmorgendlich ganz altruistisch reihum voneinander abschreiben lassen.

Bei jüngeren Schülern, bei denen noch mehr Wert auf Hausaufgaben gelegt wird – deren Erledigung von den Lehrern überprüft wird –, sieht das anders aus. Überhaupt werde es in den oberen Jahrgangsstufen weniger stressig, glauben die beiden Großen mit der Gelassenheit von Teenagern und bemitleiden ihren jüngeren Bruder Nachmittag für Nachmittag, wenn er sich seufzend ins Wohnzimmer setzt und teils stundenlang über seinen Aufgaben brütet. »Ich habe das Gefühl, dass es mehr ist als bei den anderen«, schimpft Yannik. »Das liegt auch an der Jahrgangsstufe, es wird weniger«, sagt Hippi, und Alina ergänzt: »Früher war man ja auch pflichtbewusster.« Heimkommen, essen, den ganzen Nachmittag Hausaufgaben – einen »hässlichen Tagesablauf« nennt Yannik das. Zum Gitarrenunterricht geht er von 19.45 bis 20.15 Uhr, weil der Lehrer all seine Schüler, die oft erst ab 16 Uhr Zeit haben, anders nicht mehr in seinem Stundenplan unterbringt.

Aber auch Alina bezahlt das eine Jahr, das sie früher mit der Schule fertig wird, seit drei Jahren mit Freizeit ab. Hippi zum Beispiel geht nachmittags zum Volleyball – »ich würde das gar nicht schaffen, um 16 Uhr beim Training zu sein«, sagt seine Schwester. Begeistert war sie nicht, als das G8 eingeführt wurde: »Ein Jahr mehr oder weniger – das war mir egal. Aber ich hatte keine Lust auf noch mehr Unterricht, ich fand eh, dass ich schon genug hatte.« Alina, die gern vieles ausprobiert hat, hat damals aufgehört, Klavier zu spielen, eine Jazzdance-Gruppe zu besuchen, Malunterricht zu nehmen und in einen Französischkurs für Kinder zu gehen. Heute schafft sie es nur noch zum Karatetraining, das erst um 17.15 Uhr beginnt. »Weil alles zu stressig wurde und ich keine Lust mehr hatte. War schade, aber es wurde einfach zu viel«, sagt die 14-Jährige. »Es war zeitlich nicht mehr zu koordinieren, und Alina war teilweise auch einfach zu müde«, sagt ihre Mutter.

Sie sagt auch, dass sie sich Sorgen um ihre Tochter machte, dass Alina zu dieser Zeit oft krank war, häufig über Kopfschmerzen klagte. Heute macht sie sich Sorgen um Yannik, ihren Jüngsten, der sich am Freitag wie ein gestresster Arbeitnehmer aufs Wochenende freut und die Hausaufgaben lieber auf Sonntag verschiebt. »Ich frage mich, ob jüngere Kinder dieses lange Programm körperlich überhaupt durchhalten«, sagt Sabine Ritter. Alina hat sich an die Arbeitsbelastung gewöhnt oder lässt sich weniger davon stressen und nimmt das G8 mit Gleichmut hin. Wenn Sabine Ritter als besorgte Mutter davon erzählt, dass sich Hippi nachmittags oft noch mit Freunden trifft, während die beiden Jüngeren das nicht könnten, hakt Alina ein und relativiert: »Das liegt aber auch daran, dass meine Freundinnen außerhalb wohnen.«

Leser-Kommentare
  1. Ich bin begeisterte Leserin der ZEIT. Normalerweise stimme ich mit den meisten Autoren überein oder kann zumindest ihre Sichtweise nachvollziehen.
    Nicht so beim Artikel von Sabrina Ebitsch.
    Ein Artikel, der in der Zeit erscheint, sollte gut rechechiert und wenigstens einmal Korrektur gelesen worden sein, oder nicht?
    Wie kann es sein, dass eine Autorin zwei Seiten zum Thema G8 schreibt, ohne dabei einmal zu erwähnen, dass z.B. in Sachsen schon seit langem Abitur in acht Jahren gemacht wird. Das hat dem Ansehen des sächsischen Abiturs keineswegs geschadet.
    Wie kann es sein, dass Frau Ebitsch zwar die Koch-Probleme der Mutter lang und ausführlich darlegt, aber nicht erwähnt, dass es an ostdeutschen Schulen Schulspeisung gibt. Weil es dort nämlich auch Nachmittagsunterricht gibt. Und zwar jeden Tag (und die Mütter arbeiten gehen...).
    Die armen Kinderchen im Artikel haben weniger Zeit für ihre Hobbies, ach Gott, das tut mir aber leid. So ein Schwachsinn. Entweder man ist begabt, dann schafft man das Gymnasium auch ohne stundenlange Schularbeiten, oder man ist es nicht; dann liegt ein Wechsel der Schulform nahe.
    Abitur in acht Jahren zu machen, schadet Kindern nicht. Auch hierfür reicht der Blick in andere Bundesländer. Es bereitet sie aufs Leben vor. Und zwar auf eines was nicht hinterm Herd und bei der Hausaufgabenbetreuung der Kinder endet.
    Ich selbst habe mein Abi 2005 in Sachsen gemacht, mit 1,1, habe nicht jeden Tag im Stress verbracht, sondern mich außerschulisch engagiert. Inzwischen habe ich mein Vordiplom in Volkswirtschaft und habe auch ein Auslandsemester absolviert. Tam Tam. Ich bin letzte Woche 22 geworden.
    Es geht, hört auf zu heulen.
    Für den nächsten Artikel, der hoffentlich nicht in der ZEIT erscheint empfehle ich der Autorin einen Blick über den bayrischen Tellerrand.
    Viel Spaß dabei!

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    Es geht nicht darum, ob das Abitur in 8 oder 9 Jahren gemacht wird.

    Es geht darum, wie ein solches Vorhaben, nämlich die Gymnasialzeit um ein Jahr zu verkürzen, umgesetzt wird.
    In Bayern wurde offensichtlich keine Schulspeisung eingeführt. In Bayern werden offensichtlich trotz vermehrtem Nachmittagsunterricht immer noch die gleiche Menge Hausaufgaben aufgegeben. Die muss man dann halt auch machen, egal wie begabt man ist. Grosse Hausaufgabenmengen sind in Ländern mit Ganztagsschulen eher weniger verbreitet.

    Meines Erachtens wurde G8 eingeführt, um Geld zu sparen, das Gerede, dass deutsche Schulabgänger aus Altersgründen im globalisierten Kampf um Studien- und Arbeitsplätze nicht mithalten könnten, ist in meinen Augen Quatsch.

    Und wenn die Bayern die Kinder im Stress sind und in Sachsen nicht, dann liegt das wohl nicht daran, dass die sächsischen Kinder härter im Nehmen sind, sondern wohl daran, dass es in Bayern an den Schulen anscheinend härter zugeht.

    Mein (in Bawü) abgelegtes Abitur ist schon ne Weile her, mein ( Ingenieur-)studium auch, nach ein paar Jahren im Beruf interessiert keinen mehr, wann und wie man sein Studium abgeschlossen hat, und mich über die kessen Sprüche von irgendwelchen Volkswirtsschaftstudenten aufzuregen, habe ich mir schon lange abgewöhnt.

    • Topf86
    • 08.10.2008 um 14:10 Uhr

    Ihr tolles Abi und ihr Vordiplom in VWL reichen aber offensichtlich nicht, um die Debatte in Bayern zu verstehen.
    In Sachsen gibt es schon ewig ein G8 System, was erprobt ist und worauf die Curricula ausgerichtet sind. In den anderen Bundesländern ist das G8 dermaßen im Hauruck-Verfahren eingeführt worden, dass tatsächlich ordentlich Mehrbelastung entsteht. Man hat im Endeffekt den Stoff von 13 auf 12 Jahre gestopft, ohne die Curricula anzupassen. Gleichzeitig sind die Schulen logistisch kaum in der Lage, Nachmittagsunterricht richtig zu bewältigen, weil Mensa und auch Betreuungspersonal fehlen...
    G8 Sachsen =| G8 Bayern/NRW/... !
    Und noch was: Wieso ist Selektion so toll? Jeder mit einer durchschnittlichen Begabung sollte ne Uni-Zugangsberechtigung kriegen. Denn für ein Studium reicht diese Begabung auch...

    Abitur mit 1,1 und dann VWL? Welche Verschwendung!

    • TDU
    • 08.10.2008 um 23:04 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch zum Vordiplom erst mal.

    Natürlich musste was getan werden. Jahrelanges antiautoritäres Gewusel, welches zu einer Inflation an Langzeitsudenten und Abbrechern geführt hat, kann sich Deutschland eben nicht mehr leisten. So kann die verkürzte Schulzeit auch vielleicht mehr Abiturienten hervorbringen, die das Lernen gelernt haben.

    Aber wie immer in Deutschland muss natürlich das andere Extrem ran. Mißtrauen der Politik gegenüber dem eigenen Nachwuchs und gegenüber den Eltern ist doch Grundtenor. Und wieso muss jeder, der irgendwelchen Standards nicht genügt bei Hartz IV landen. Klar, solange die Besitzstandswahrer und Ideologen in Verbänden, Gewerkschaften und Parteien das Sagen haben und flexiblen Existenzaufbau verhindern.

    War ihre Grundschulzeit zu großem Teil von Lernstandserhebungen geprägt, die die Lehrer schon an den Rand der Konfusion gebracht haben? Beim Schulentscheid mit 11 Jahren haben die Eltern in NRW nichts mehr zu sagen. Sie sind aber ausdrücklich zur Mitarbeit bei den Hausaufgaben aufgerufen, denn wegen der großen Klassen auf einzelne Schüler eingehen? Kopfnoten, Kurse, am Anfang des Schuljahres alles nicht geklärt. Neulich war deswegen ein Riesenkrach in der Staatsregierung in Düsseldorf. Natürlich musste die Ministerin nicht den Hut nehmen, sondern irgendein Unterteufel.

    Musikunterricht: Fehlanzeige. Begründung: alle Lehrerinnen haben Kunst studiert. Deswegen ist das Fach auch versetzungsrelevant. Es soll ja mal die subjektive Kreativität fördern. Ob da die Überpürüfbarkeit so gegeben ist? Aber vermutlich werden dann objektive Standards geschaffen.

    Zu meiner Schulzeit wollten die Lehrer was beibringen, damt man im Leben was kann und was erreicht.

    Gender Mainstreaming, Pisa gab es nicht und wer Globalisierung wollte, konnte sie haben. Die Unterwerfung der Schüler unter zeitgeistige und aktuell wirtschaftliche Bedingungen und Bedürfnisse, so wie sie unser treuhänderischer Verwalter, auch Staat genannt, definiert, ist angesagt. Die unglaubliche Vielsprachigkeit, Weltläufigkeit und Eleganz unserer Politiker spricht ja für sich.

    Es hat sich eben seit den Anfängen Ihrer Schulziet einiges geändert, und auf wen es dabei zuletzt ankommt, ist der einzelne Schüler. Die ganze "Bildungs" reform ist dermaßen konzeptionslos, da war der Versuch zur Schaffung des sozialistischen Menschen wenigstens noch ein durchschaubares Programm.

    So verstehe ich denn jeden, der seine Kinder auf eine Privatschule gehen lässt. Insbesondere diejenigen Politiker, die ihre zumindest auf eine "gute" Schule gehen lassen, wenn sie wissen was das heisst. Und Hobbies sind ja auch nicht so wichtig. Obwohl, wenn die Tochter oder der Sohn dann doch im Schulorchester....

    Man sollte die Probleme der Familie im Artikel mal nicht so abtun. Auch die Eltern werden von der Politik nicht mitgenommen. Und wenn Sie mal selber Kinder haben sollten und sich vorstellen, was Schule sein könnte und sehen was die deutsche Bildungskratie daraus macht...

    • Cody
    • 01.12.2011 um 17:15 Uhr

    Auch auf die Gefahr hin, dass meinen Kommentar hier niemand mehr lesen wird, weil es ja dann doch schon einige Zeit her ist, möchte ich einmal aus Sicht einer G8-Schülerin etwas zu dieser Problematik sagen - besonders gerichtet an 'garfield 7'.
    Glauben Sie wirklich, dass Sie verstehen können, wie stark der Druck bei uns wirklich ist?

    Ich bin 16 Jahre alt und besuche die 11.Klasse - das erste Jahr in der Oberstufe - an einem bayerischen Gymnasium. Ich hatte im letzten Zeugnis - ähnlich wie schon vorher - einen Schnitt von 1,4. Ich habe dieses Jahr 38 Wochenstunden Schule - Montag bis Donnerstag bis um 5, Freitag ist der einzige Tag ohne Nachmittagsunterricht. Außerschulische Aktivitäten mache ich auch noch massig - ich spiele seit 10 Jahren Trompete, auch in einer Big Band, bin Tutorin und kümmere mich um 'meine' 5.Klasse, und koordiniere dazu noch die ganze Tutorenarbeit an meiner Schule. Außerdem gehe ich zweimal die Woche zum Tanzen und singe im Chor. Manchmal komme ich um 8 Uhr abends oder später nach Hause, und lerne dann noch teilweise stundenlang oder koordiniere irgendwas. In letzter Zeit schlafe ich nachts ca. 4,5 Stunden, mehr ist nicht mehr drin. Ich habe in der Klausurenzeit manchmal 6 Klausuren in 2 Wochen - gaaanz entspannt natürlich. Dazu kommt der ständige Psychodruck, noch besser, noch perfekter zu sein. Jeder der G8 in Bayern befürwortet, hat ÜBERHAUPT KEINE Ahnung.
    http://www.zeit.de/2011/2...
    erstmal lesen, dann mund aufmachen...

    Es geht nicht darum, ob das Abitur in 8 oder 9 Jahren gemacht wird.

    Es geht darum, wie ein solches Vorhaben, nämlich die Gymnasialzeit um ein Jahr zu verkürzen, umgesetzt wird.
    In Bayern wurde offensichtlich keine Schulspeisung eingeführt. In Bayern werden offensichtlich trotz vermehrtem Nachmittagsunterricht immer noch die gleiche Menge Hausaufgaben aufgegeben. Die muss man dann halt auch machen, egal wie begabt man ist. Grosse Hausaufgabenmengen sind in Ländern mit Ganztagsschulen eher weniger verbreitet.

    Meines Erachtens wurde G8 eingeführt, um Geld zu sparen, das Gerede, dass deutsche Schulabgänger aus Altersgründen im globalisierten Kampf um Studien- und Arbeitsplätze nicht mithalten könnten, ist in meinen Augen Quatsch.

    Und wenn die Bayern die Kinder im Stress sind und in Sachsen nicht, dann liegt das wohl nicht daran, dass die sächsischen Kinder härter im Nehmen sind, sondern wohl daran, dass es in Bayern an den Schulen anscheinend härter zugeht.

    Mein (in Bawü) abgelegtes Abitur ist schon ne Weile her, mein ( Ingenieur-)studium auch, nach ein paar Jahren im Beruf interessiert keinen mehr, wann und wie man sein Studium abgeschlossen hat, und mich über die kessen Sprüche von irgendwelchen Volkswirtsschaftstudenten aufzuregen, habe ich mir schon lange abgewöhnt.

    • Topf86
    • 08.10.2008 um 14:10 Uhr

    Ihr tolles Abi und ihr Vordiplom in VWL reichen aber offensichtlich nicht, um die Debatte in Bayern zu verstehen.
    In Sachsen gibt es schon ewig ein G8 System, was erprobt ist und worauf die Curricula ausgerichtet sind. In den anderen Bundesländern ist das G8 dermaßen im Hauruck-Verfahren eingeführt worden, dass tatsächlich ordentlich Mehrbelastung entsteht. Man hat im Endeffekt den Stoff von 13 auf 12 Jahre gestopft, ohne die Curricula anzupassen. Gleichzeitig sind die Schulen logistisch kaum in der Lage, Nachmittagsunterricht richtig zu bewältigen, weil Mensa und auch Betreuungspersonal fehlen...
    G8 Sachsen =| G8 Bayern/NRW/... !
    Und noch was: Wieso ist Selektion so toll? Jeder mit einer durchschnittlichen Begabung sollte ne Uni-Zugangsberechtigung kriegen. Denn für ein Studium reicht diese Begabung auch...

    Abitur mit 1,1 und dann VWL? Welche Verschwendung!

    • TDU
    • 08.10.2008 um 23:04 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch zum Vordiplom erst mal.

    Natürlich musste was getan werden. Jahrelanges antiautoritäres Gewusel, welches zu einer Inflation an Langzeitsudenten und Abbrechern geführt hat, kann sich Deutschland eben nicht mehr leisten. So kann die verkürzte Schulzeit auch vielleicht mehr Abiturienten hervorbringen, die das Lernen gelernt haben.

    Aber wie immer in Deutschland muss natürlich das andere Extrem ran. Mißtrauen der Politik gegenüber dem eigenen Nachwuchs und gegenüber den Eltern ist doch Grundtenor. Und wieso muss jeder, der irgendwelchen Standards nicht genügt bei Hartz IV landen. Klar, solange die Besitzstandswahrer und Ideologen in Verbänden, Gewerkschaften und Parteien das Sagen haben und flexiblen Existenzaufbau verhindern.

    War ihre Grundschulzeit zu großem Teil von Lernstandserhebungen geprägt, die die Lehrer schon an den Rand der Konfusion gebracht haben? Beim Schulentscheid mit 11 Jahren haben die Eltern in NRW nichts mehr zu sagen. Sie sind aber ausdrücklich zur Mitarbeit bei den Hausaufgaben aufgerufen, denn wegen der großen Klassen auf einzelne Schüler eingehen? Kopfnoten, Kurse, am Anfang des Schuljahres alles nicht geklärt. Neulich war deswegen ein Riesenkrach in der Staatsregierung in Düsseldorf. Natürlich musste die Ministerin nicht den Hut nehmen, sondern irgendein Unterteufel.

    Musikunterricht: Fehlanzeige. Begründung: alle Lehrerinnen haben Kunst studiert. Deswegen ist das Fach auch versetzungsrelevant. Es soll ja mal die subjektive Kreativität fördern. Ob da die Überpürüfbarkeit so gegeben ist? Aber vermutlich werden dann objektive Standards geschaffen.

    Zu meiner Schulzeit wollten die Lehrer was beibringen, damt man im Leben was kann und was erreicht.

    Gender Mainstreaming, Pisa gab es nicht und wer Globalisierung wollte, konnte sie haben. Die Unterwerfung der Schüler unter zeitgeistige und aktuell wirtschaftliche Bedingungen und Bedürfnisse, so wie sie unser treuhänderischer Verwalter, auch Staat genannt, definiert, ist angesagt. Die unglaubliche Vielsprachigkeit, Weltläufigkeit und Eleganz unserer Politiker spricht ja für sich.

    Es hat sich eben seit den Anfängen Ihrer Schulziet einiges geändert, und auf wen es dabei zuletzt ankommt, ist der einzelne Schüler. Die ganze "Bildungs" reform ist dermaßen konzeptionslos, da war der Versuch zur Schaffung des sozialistischen Menschen wenigstens noch ein durchschaubares Programm.

    So verstehe ich denn jeden, der seine Kinder auf eine Privatschule gehen lässt. Insbesondere diejenigen Politiker, die ihre zumindest auf eine "gute" Schule gehen lassen, wenn sie wissen was das heisst. Und Hobbies sind ja auch nicht so wichtig. Obwohl, wenn die Tochter oder der Sohn dann doch im Schulorchester....

    Man sollte die Probleme der Familie im Artikel mal nicht so abtun. Auch die Eltern werden von der Politik nicht mitgenommen. Und wenn Sie mal selber Kinder haben sollten und sich vorstellen, was Schule sein könnte und sehen was die deutsche Bildungskratie daraus macht...

    • Cody
    • 01.12.2011 um 17:15 Uhr

    Auch auf die Gefahr hin, dass meinen Kommentar hier niemand mehr lesen wird, weil es ja dann doch schon einige Zeit her ist, möchte ich einmal aus Sicht einer G8-Schülerin etwas zu dieser Problematik sagen - besonders gerichtet an 'garfield 7'.
    Glauben Sie wirklich, dass Sie verstehen können, wie stark der Druck bei uns wirklich ist?

    Ich bin 16 Jahre alt und besuche die 11.Klasse - das erste Jahr in der Oberstufe - an einem bayerischen Gymnasium. Ich hatte im letzten Zeugnis - ähnlich wie schon vorher - einen Schnitt von 1,4. Ich habe dieses Jahr 38 Wochenstunden Schule - Montag bis Donnerstag bis um 5, Freitag ist der einzige Tag ohne Nachmittagsunterricht. Außerschulische Aktivitäten mache ich auch noch massig - ich spiele seit 10 Jahren Trompete, auch in einer Big Band, bin Tutorin und kümmere mich um 'meine' 5.Klasse, und koordiniere dazu noch die ganze Tutorenarbeit an meiner Schule. Außerdem gehe ich zweimal die Woche zum Tanzen und singe im Chor. Manchmal komme ich um 8 Uhr abends oder später nach Hause, und lerne dann noch teilweise stundenlang oder koordiniere irgendwas. In letzter Zeit schlafe ich nachts ca. 4,5 Stunden, mehr ist nicht mehr drin. Ich habe in der Klausurenzeit manchmal 6 Klausuren in 2 Wochen - gaaanz entspannt natürlich. Dazu kommt der ständige Psychodruck, noch besser, noch perfekter zu sein. Jeder der G8 in Bayern befürwortet, hat ÜBERHAUPT KEINE Ahnung.
    http://www.zeit.de/2011/2...
    erstmal lesen, dann mund aufmachen...

  2. Es geht nicht darum, ob das Abitur in 8 oder 9 Jahren gemacht wird.

    Es geht darum, wie ein solches Vorhaben, nämlich die Gymnasialzeit um ein Jahr zu verkürzen, umgesetzt wird.
    In Bayern wurde offensichtlich keine Schulspeisung eingeführt. In Bayern werden offensichtlich trotz vermehrtem Nachmittagsunterricht immer noch die gleiche Menge Hausaufgaben aufgegeben. Die muss man dann halt auch machen, egal wie begabt man ist. Grosse Hausaufgabenmengen sind in Ländern mit Ganztagsschulen eher weniger verbreitet.

    Meines Erachtens wurde G8 eingeführt, um Geld zu sparen, das Gerede, dass deutsche Schulabgänger aus Altersgründen im globalisierten Kampf um Studien- und Arbeitsplätze nicht mithalten könnten, ist in meinen Augen Quatsch.

    Und wenn die Bayern die Kinder im Stress sind und in Sachsen nicht, dann liegt das wohl nicht daran, dass die sächsischen Kinder härter im Nehmen sind, sondern wohl daran, dass es in Bayern an den Schulen anscheinend härter zugeht.

    Mein (in Bawü) abgelegtes Abitur ist schon ne Weile her, mein ( Ingenieur-)studium auch, nach ein paar Jahren im Beruf interessiert keinen mehr, wann und wie man sein Studium abgeschlossen hat, und mich über die kessen Sprüche von irgendwelchen Volkswirtsschaftstudenten aufzuregen, habe ich mir schon lange abgewöhnt.

    Antwort auf "bayrischer Tellerrand"
  3. "Und wenn die Bayern die Kinder im Stress sind und in Sachsen nicht, dann liegt das wohl nicht daran, dass die sächsischen Kinder härter im Nehmen sind, sondern wohl daran, dass es in Bayern an den Schulen anscheinend härter zugeht."

    Oh weia. Also das will ich bezweifeln. Abitur ist eine weiterführende Schulbildung und ist dementsprechend auch mit mehr Arbeit verbunden. Egal welches Bundesland.

    Ich kann mich garfield7 nur vollkommen anschliessen. 8 jahre Abi sind kein Problem. Hausaufgaben gibts immer und die haben wir auch immer noch rechtzeitig hinbekommen. Wenn es halt früh vorm Unterricht war, dann halt dann. Wenn man derartige Probleme mit dem Abi hat, sollte man sich die passende (bequemere?) Schulform suchen. Das Jammern über G8 aus den "alten" Ländern, hängt mir zum Halse raus. Müsst ihr die Zeit eurer Kinder wirklich mit 5 Hobbys verplanen? Wie wärs mal mit persönlichem Kontakt der Eltern zum Kind? Da reichen dann auch mal 2 Hobbys, um die - wegen G8 - ach so karge Freizeit auf 0 zu reduzieren.

    Und noch ein Punkt: Wenn den Eltern auffällt, dass es immernoch viele Hausaufgaben trotz Nachmittagsunterricht gibt, warum wird das nicht angesprochen und gelöst (Elternsprechstunde?Elternbeirat?). Aber sich lieber allgemein über das "fehlende" Jahr aufregen, anstatt sich mal persönlich zu engagieren.

    Vielleicht gibts noch einen Artikel mit einer anderen Sichtweise. Wäre der Zeit und auch der Debatte zu wünschen. Dieser Artikel wird leider nur Kopfschütteln bei den erfolgreichen G8tern auslösen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich muss mich Daniell080778 und garfield7 anschließen: Ich gehöre nämlich zu denen, die in Brandenburg die ersten waren, die 13 Jahre zur Schule mussten, das eine Jahr "Verlängerung" brachte uns nur mehr Wiederholungen im Stoff, da die Lehrer und Schüler ja bis dahin in 12 Jahren alles schafften. Um dem Klischee des schweren bayerischen Abiturs aber sofort zu widersprechen: Mein Abistoff entsprach dem der ehemaligen DDR-Spezialschulen - unvergleichbar mit dem, was in Bayern abgefragt wird! Dieses Urteil kann ich mir erlauben, da ich bereits längere Zeit in Bayern lebe und hier auch studiert habe (man hat mich sogar ohne bayerisches Abitur genommen ;-) ).
    Ich frage mich wirklich, wie es Generationen von Schülern in 12 Jahren zu einem erfolgreichen Abi geschafft haben und in einigen Bundesländern auch immer noch schaffen, noch dazu mit berufstätiger Mutter, die nicht am Mittag mit dem warmen Essen wartet?
    Wenn man dann noch bedenkt, dass wir damals auch Samstags zur Schule mussten und ich mich wirklich nicht erinnern kann, keine Freizeit oder die Schule als großen Stress empfunden zu haben. Ich bin die ewigen Diskussionen über die Überforderung der armen Kinder leid - wie wärs mal mit eher ins Bett und weniger Parties während der Woche - dann klappts auch mit G8.
    Abitur ist eben kein Hauptschulabschluss und in dieser Gesellschaft muss man früh lernen, dass nur Leistung überzeugt.
    Wer nachmittags also lieber unzähligen Hobbies nachgehen möchte als sich auch mal für die Schule hinzusetzen - bitteschön, dann aber nicht jammern.

    .. dann schnell nen Schritt zur Seite.

    Wie ich schon gesagt hatte: Es geht nicht darum, ob das Abitur in 8 oder 9 Jahren gemacht wird.

    Es geht um die Umsetzung!!

    Und sich über das "Jammern über G8 aus den 'alten' Ländern .." und dergleichen auszulassen, scheint mir nicht als Argument zu taugen. Eine solche Selbstgefälligkeit bin ich eigentlich von Menschen aus den 'neuen' Ländern nicht gewohnt.

    Ich muss mich Daniell080778 und garfield7 anschließen: Ich gehöre nämlich zu denen, die in Brandenburg die ersten waren, die 13 Jahre zur Schule mussten, das eine Jahr "Verlängerung" brachte uns nur mehr Wiederholungen im Stoff, da die Lehrer und Schüler ja bis dahin in 12 Jahren alles schafften. Um dem Klischee des schweren bayerischen Abiturs aber sofort zu widersprechen: Mein Abistoff entsprach dem der ehemaligen DDR-Spezialschulen - unvergleichbar mit dem, was in Bayern abgefragt wird! Dieses Urteil kann ich mir erlauben, da ich bereits längere Zeit in Bayern lebe und hier auch studiert habe (man hat mich sogar ohne bayerisches Abitur genommen ;-) ).
    Ich frage mich wirklich, wie es Generationen von Schülern in 12 Jahren zu einem erfolgreichen Abi geschafft haben und in einigen Bundesländern auch immer noch schaffen, noch dazu mit berufstätiger Mutter, die nicht am Mittag mit dem warmen Essen wartet?
    Wenn man dann noch bedenkt, dass wir damals auch Samstags zur Schule mussten und ich mich wirklich nicht erinnern kann, keine Freizeit oder die Schule als großen Stress empfunden zu haben. Ich bin die ewigen Diskussionen über die Überforderung der armen Kinder leid - wie wärs mal mit eher ins Bett und weniger Parties während der Woche - dann klappts auch mit G8.
    Abitur ist eben kein Hauptschulabschluss und in dieser Gesellschaft muss man früh lernen, dass nur Leistung überzeugt.
    Wer nachmittags also lieber unzähligen Hobbies nachgehen möchte als sich auch mal für die Schule hinzusetzen - bitteschön, dann aber nicht jammern.

    .. dann schnell nen Schritt zur Seite.

    Wie ich schon gesagt hatte: Es geht nicht darum, ob das Abitur in 8 oder 9 Jahren gemacht wird.

    Es geht um die Umsetzung!!

    Und sich über das "Jammern über G8 aus den 'alten' Ländern .." und dergleichen auszulassen, scheint mir nicht als Argument zu taugen. Eine solche Selbstgefälligkeit bin ich eigentlich von Menschen aus den 'neuen' Ländern nicht gewohnt.

  4. Ich muss mich Daniell080778 und garfield7 anschließen: Ich gehöre nämlich zu denen, die in Brandenburg die ersten waren, die 13 Jahre zur Schule mussten, das eine Jahr "Verlängerung" brachte uns nur mehr Wiederholungen im Stoff, da die Lehrer und Schüler ja bis dahin in 12 Jahren alles schafften. Um dem Klischee des schweren bayerischen Abiturs aber sofort zu widersprechen: Mein Abistoff entsprach dem der ehemaligen DDR-Spezialschulen - unvergleichbar mit dem, was in Bayern abgefragt wird! Dieses Urteil kann ich mir erlauben, da ich bereits längere Zeit in Bayern lebe und hier auch studiert habe (man hat mich sogar ohne bayerisches Abitur genommen ;-) ).
    Ich frage mich wirklich, wie es Generationen von Schülern in 12 Jahren zu einem erfolgreichen Abi geschafft haben und in einigen Bundesländern auch immer noch schaffen, noch dazu mit berufstätiger Mutter, die nicht am Mittag mit dem warmen Essen wartet?
    Wenn man dann noch bedenkt, dass wir damals auch Samstags zur Schule mussten und ich mich wirklich nicht erinnern kann, keine Freizeit oder die Schule als großen Stress empfunden zu haben. Ich bin die ewigen Diskussionen über die Überforderung der armen Kinder leid - wie wärs mal mit eher ins Bett und weniger Parties während der Woche - dann klappts auch mit G8.
    Abitur ist eben kein Hauptschulabschluss und in dieser Gesellschaft muss man früh lernen, dass nur Leistung überzeugt.
    Wer nachmittags also lieber unzähligen Hobbies nachgehen möchte als sich auch mal für die Schule hinzusetzen - bitteschön, dann aber nicht jammern.

    Antwort auf "selten so gelacht"
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    " ... Ich frage mich wirklich, wie es Generationen von Schülern in 12 Jahren zu einem erfolgreichen Abi geschafft ..."

    Genau wie Sie es an gleicher Stelle doch bemerken: Es gab einen Tag, den Samstag, mehr pro Woche, an dem wir zur Schule gingen. Wenn man den nicht mehr hat, weil - glücklicherweise - der Samstag kein Schultag mehr ist, muss man eben 13 Jahre Schule machen oder den Ranzen etwas fester fassen, um es in zwölf Jahren zu schaffen.

    Aber ob es immer gut ist, wenn Kinder so auf Leistung - und zwar nur in eine Richtung - getrimmt werden? Ich wage es zu bezweifeln. So eine Kindheit kann doch nicht glücklich sein, wenn man darin nicht kennenlernen darf, was Muße ist. Dieser frühe Leistungsdruck ohne das Zulassen von Alternativen führt meines Erachtens entweder zum Versagen oder zur Züchtung von stromlinienförmigen Fachidioten, die nichts im Kopf haben als das Bruttosozialprodukt zu mehren und als liebste Freizeitbeschäftigung "Shoppen gehen" angeben. Angepasste, politisch desinteressierte Konsumtrottel halt ...

    Ohne Samstag und dafür 13 Jahre - das empfand ich als echten Fortschritt.

    " ... Ich frage mich wirklich, wie es Generationen von Schülern in 12 Jahren zu einem erfolgreichen Abi geschafft ..."

    Genau wie Sie es an gleicher Stelle doch bemerken: Es gab einen Tag, den Samstag, mehr pro Woche, an dem wir zur Schule gingen. Wenn man den nicht mehr hat, weil - glücklicherweise - der Samstag kein Schultag mehr ist, muss man eben 13 Jahre Schule machen oder den Ranzen etwas fester fassen, um es in zwölf Jahren zu schaffen.

    Aber ob es immer gut ist, wenn Kinder so auf Leistung - und zwar nur in eine Richtung - getrimmt werden? Ich wage es zu bezweifeln. So eine Kindheit kann doch nicht glücklich sein, wenn man darin nicht kennenlernen darf, was Muße ist. Dieser frühe Leistungsdruck ohne das Zulassen von Alternativen führt meines Erachtens entweder zum Versagen oder zur Züchtung von stromlinienförmigen Fachidioten, die nichts im Kopf haben als das Bruttosozialprodukt zu mehren und als liebste Freizeitbeschäftigung "Shoppen gehen" angeben. Angepasste, politisch desinteressierte Konsumtrottel halt ...

    Ohne Samstag und dafür 13 Jahre - das empfand ich als echten Fortschritt.

  5. Sie haben ein Abi mit 1,1 aus Sachsen. Ganz großes Kino! Vordiplom in VWL? Wow. Auslandssemester? Hammer.

    Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass sie ihr leben völlig "gestreamlined" haben? Ist die Idee aufgekommen, dass vielleicht 0,5% aller Schüler so begabt sind wie sie (und damit entsprechend "wenig" für vernünftige Noten tun müssen)?

    Glauben Sie mir, mit 22 wissen Sie erheblich weniger vom Leben, als Sie jetzt denken. Auch wenn ihr Kopf voll mit der neoliberalen Grütze ist, die wir (ich habe BWL studiert) bis heute in den Vorlesungen hören, und deren konsequente Umsetzung uns gerade weltweit um die Ohren fliegt.

    Ich passe jetzt die Erwartungshaltung mal ihrem Potential an, damit sie ein gespür für den Druck bekommen, der da auf den Kindern lastet und den sie verstehen können:

    Wenn Sie in 7 Jahren nicht mindestens Bereichsleiter eines Unternehmens mit mindestens 1000 Mitarbeiter und mindestens 1 Mrd. EUR Umsatz sind, dann haben Sie für ihre Verhältnisse versagt. Punkt.

    Sie empfehlen einen Blick über den Tellerrand? Vielleicht würde erstmal die Erkenntnis helfen, dass die Welt keine Scheibe ist.

    • biotec
    • 08.10.2008 um 14:09 Uhr

    Ich kann mich nur schorle 18 anschliessen. Mein Ältester hat letzes Jahr in Sachsen Abitur gemacht, meine beiden Jüngeren sind in der 8. und 10. Klasse. Klar ist der Unterricht auf den ganzen Tag verteilt. Schon in der 8. Klasse hat meine Tochter viermal in der Woche 7 oder 8 Stunden. Aber dafür gibt es weniger Hausaufgaben. Von Überforderung keine Spur. Zeit für Hobbys bleibt auch. Meine Tochter besucht 2 mal in der Woche die freiwillige Volleyball AG in der Schule und geht Reiten. Mein mittlerer Sohn spielt Volleyball im Verein und nebenbei noch Schlagzeug und E-Gitarre. Und mein Großer, der jetzt, mit noch nicht 19, im 3. Semester studiert leitet einen Sportverein und spielt E-Gitarre in einer Band.
    Ich habe alle drei gefragt, ob sie sich überfordert fühlen und als Antwort nur Gelächter geerntet. Das Einzige was sie echt nervt ist der frühe Unterrichtsbeginn (7:25).
    Als alleinerziehende, voll berufstätige Mutter, bin ich sehr froh über die gute und lange Betreuung inkl. Mittagessen in den Schulen. Hausaufgabenstress gibt es nicht zu hause und wir können die Zeit abends intensiv in der Familie nutzen.
    Allerdings erfordert die Umstellung von G9 auf G8 Flexibilität von den Lehrern und auch in den Lehrplänen.

    • Topf86
    • 08.10.2008 um 14:10 Uhr

    Ihr tolles Abi und ihr Vordiplom in VWL reichen aber offensichtlich nicht, um die Debatte in Bayern zu verstehen.
    In Sachsen gibt es schon ewig ein G8 System, was erprobt ist und worauf die Curricula ausgerichtet sind. In den anderen Bundesländern ist das G8 dermaßen im Hauruck-Verfahren eingeführt worden, dass tatsächlich ordentlich Mehrbelastung entsteht. Man hat im Endeffekt den Stoff von 13 auf 12 Jahre gestopft, ohne die Curricula anzupassen. Gleichzeitig sind die Schulen logistisch kaum in der Lage, Nachmittagsunterricht richtig zu bewältigen, weil Mensa und auch Betreuungspersonal fehlen...
    G8 Sachsen =| G8 Bayern/NRW/... !
    Und noch was: Wieso ist Selektion so toll? Jeder mit einer durchschnittlichen Begabung sollte ne Uni-Zugangsberechtigung kriegen. Denn für ein Studium reicht diese Begabung auch...

    Antwort auf "bayrischer Tellerrand"
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    Es ist genauso wie beschrieben. Es gibt keinen vernünftigen Grund, ein G8 grundsätzlich in Frage zu stellen. Es ist keine Frage, dass so etwas funktioniert, wenn es mit ausreichend Mitteln und gut vorbereitet durchgeführt wird. Das Problem ist nur, dass es in Bayern und wohl auch in Hessen auf eine dilletantische Art und Weise unvorbereitet und obendrein unter Geld- und Ressourcenmangel über Nacht hineingedrückt wurde. Anschließend wurde das Ganze dann auf dem Rücken der Kinder ausgetragen und berechtigte Kritik arrogant abgebügelt. Das war eines der wesentlichen Dinge, die die Wahlen in den genannten Ländern so ausgehen ließen, obwohl das niemand zugeben will!

    Während man in den meisten anderen Bundesländern wesentlich bessere Randbedingungen vorgeben konnte, haben ausgerechnet zwei der reichsten Bundesländer nicht mehr genug Geld für ihre Schulen. Das mag in mancher Hinsicht sogar stimmen, denn fast alle westlichen Bundesländer sind dank des sogenannten Aufbaus Ost völlig ausgeblutet.

    Um die dämlichen Fragen aus Sachsen, ob es denn keine Mittagsbetreuung gibt, zu kommentieren: Nein die gab es zumindest einige Jahre nicht und es gibt sie an mancher Stelle in Bayern immer noch nicht. Viele unserer Schulen und sonstigen Einrichtungen sind in chaotischem Zustand, weil das Geld zur Sanierung und zum Bau von Versorgungseinrichtungen fehlt.
    Und das ist nicht etwa so, weil hier nicht genug Geld verdient wird, sondern weil es in unvernünftigem Ausmaß für eine völlig überzogene Luxussanierung in Ostdeutschland abgepresst wird, denn dort ist ganz offensichtlich für solche Dinge das Geld im Überfluss vorhanden, was letztlich hier fehlt!

    Es ist genauso wie beschrieben. Es gibt keinen vernünftigen Grund, ein G8 grundsätzlich in Frage zu stellen. Es ist keine Frage, dass so etwas funktioniert, wenn es mit ausreichend Mitteln und gut vorbereitet durchgeführt wird. Das Problem ist nur, dass es in Bayern und wohl auch in Hessen auf eine dilletantische Art und Weise unvorbereitet und obendrein unter Geld- und Ressourcenmangel über Nacht hineingedrückt wurde. Anschließend wurde das Ganze dann auf dem Rücken der Kinder ausgetragen und berechtigte Kritik arrogant abgebügelt. Das war eines der wesentlichen Dinge, die die Wahlen in den genannten Ländern so ausgehen ließen, obwohl das niemand zugeben will!

    Während man in den meisten anderen Bundesländern wesentlich bessere Randbedingungen vorgeben konnte, haben ausgerechnet zwei der reichsten Bundesländer nicht mehr genug Geld für ihre Schulen. Das mag in mancher Hinsicht sogar stimmen, denn fast alle westlichen Bundesländer sind dank des sogenannten Aufbaus Ost völlig ausgeblutet.

    Um die dämlichen Fragen aus Sachsen, ob es denn keine Mittagsbetreuung gibt, zu kommentieren: Nein die gab es zumindest einige Jahre nicht und es gibt sie an mancher Stelle in Bayern immer noch nicht. Viele unserer Schulen und sonstigen Einrichtungen sind in chaotischem Zustand, weil das Geld zur Sanierung und zum Bau von Versorgungseinrichtungen fehlt.
    Und das ist nicht etwa so, weil hier nicht genug Geld verdient wird, sondern weil es in unvernünftigem Ausmaß für eine völlig überzogene Luxussanierung in Ostdeutschland abgepresst wird, denn dort ist ganz offensichtlich für solche Dinge das Geld im Überfluss vorhanden, was letztlich hier fehlt!

  6. .. dann schnell nen Schritt zur Seite.

    Wie ich schon gesagt hatte: Es geht nicht darum, ob das Abitur in 8 oder 9 Jahren gemacht wird.

    Es geht um die Umsetzung!!

    Und sich über das "Jammern über G8 aus den 'alten' Ländern .." und dergleichen auszulassen, scheint mir nicht als Argument zu taugen. Eine solche Selbstgefälligkeit bin ich eigentlich von Menschen aus den 'neuen' Ländern nicht gewohnt.

    Antwort auf "selten so gelacht"
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    Ich wollte Ihnen nicht persönlich zu nahe treten. Ich habe ihren Punkt durchaus verstanden. Mit meiner Kritik beziehe ich mich nicht ausschleislich auf Sie. Ständig höre ich (privat) oder lese Ich (öffentlich) die gleichen Geschichten, eben aus den "alten" Ländern. Mir geht es nicht um den alten West-Ost Konflikt, ich begreife mich als Europäer. Es ist nur meine Beobachtung, dass diese Art von Beschwerden "mein Sohn musste sein 4. Hobby aufgeben. Wird er nun eine glückliche Kindheit haben....?" nunmal immer von diesem Teil meines Bekanntenkreises bzw. der Kommentare in öffentlichen Disskusionen kommen. Und der Artikel ist leider in exakt dieser Stimmlage geschrieben. Es geht natürlich, wie auch hier in den Kommentaren erwähnt, anders. Nur kam das in dem Artikel nicht mal im Ansatz vor. Da hatte ich mir eben noch andere Sichtweisen (auch aus Bayern!) gewünscht.

    • tom310
    • 09.10.2008 um 13:51 Uhr

    Warum kritisiert man ein Turbo-Abitur, wenn Turbo gar nicht das Problem ist?

    Das Hauptproblem scheinen jedoch eher die Eltern zu sein, denn schließlich wird hier was verändert, was sie noch erlebt haben. Und da kommt beim Deutschen doch sein ultrakonservatives Wesen durch.
    Die erst kürzliche Anerkennung des Abiturs in Sachsen (Platz 1) macht alle Gegenargumente lächerlich.

    Ich wollte Ihnen nicht persönlich zu nahe treten. Ich habe ihren Punkt durchaus verstanden. Mit meiner Kritik beziehe ich mich nicht ausschleislich auf Sie. Ständig höre ich (privat) oder lese Ich (öffentlich) die gleichen Geschichten, eben aus den "alten" Ländern. Mir geht es nicht um den alten West-Ost Konflikt, ich begreife mich als Europäer. Es ist nur meine Beobachtung, dass diese Art von Beschwerden "mein Sohn musste sein 4. Hobby aufgeben. Wird er nun eine glückliche Kindheit haben....?" nunmal immer von diesem Teil meines Bekanntenkreises bzw. der Kommentare in öffentlichen Disskusionen kommen. Und der Artikel ist leider in exakt dieser Stimmlage geschrieben. Es geht natürlich, wie auch hier in den Kommentaren erwähnt, anders. Nur kam das in dem Artikel nicht mal im Ansatz vor. Da hatte ich mir eben noch andere Sichtweisen (auch aus Bayern!) gewünscht.

    • tom310
    • 09.10.2008 um 13:51 Uhr

    Warum kritisiert man ein Turbo-Abitur, wenn Turbo gar nicht das Problem ist?

    Das Hauptproblem scheinen jedoch eher die Eltern zu sein, denn schließlich wird hier was verändert, was sie noch erlebt haben. Und da kommt beim Deutschen doch sein ultrakonservatives Wesen durch.
    Die erst kürzliche Anerkennung des Abiturs in Sachsen (Platz 1) macht alle Gegenargumente lächerlich.

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